Datum der Veröffentlichung: 22 Januar 2026
Toyota Urban Cruiser
Autotest

Toyota Urban Cruiser

Auch für Auswärtige

Autotest - Die Redakteure von Autozine waren verblüfft. Toyota und Suzuki machen keinen Hehl daraus, dass sie gemeinsam ein Auto entwickelt haben und es jeweils unter ihrem eigenen Namen verkaufen. Suzuki stellt das Auto jedoch als All-Terrain-Abenteuerauto vor. Toyota hingegen nennt den gleichen Wagen "Urban Cruiser", und dieser Name deutet auf den Einsatz in der Stadt hin. Eine Probefahrt sollte zeigen, was für ein Auto der Suzuki e-Vitara / Toyota Urban Cruiser wirklich ist.

Die Verwirrung ist zum Teil auf das Marketing zurückzuführen. Autohersteller verwenden gerne beliebte Namen, damit ein neues Modell sofort bekannt ist. Toyota hatte bereits von 2009 bis 2013 einen Urban Cruiser, und es war einfach, diesen Namen wieder zu verwenden. Doch schon auf den ersten Blick ist klar, dass dieser Urban Cruiser für viel mehr als nur für den Stadtverkehr gedacht ist. Die hohe Bauweise, die große Bodenfreiheit, die hochgezogenen Stoßstangen und das robuste Aussehen verleihen dem Urban Cruiser alles andere als das Aussehen eines gutmütigen Stadtautos.

Toyota Urban Cruiser

Der Unterschied zum Suzuki e-Vitara liegt in der Verkleidung. Der Suzuki sieht viel robuster aus, während Toyota sich für eine moderne Eleganz entscheidet. Auf diese Weise spricht das gleiche Auto dank geringfügiger Modifikationen dennoch sehr unterschiedliche Zielgruppen an.

Platz

Das Platzangebot vorne ist gut, mit einem leichten Einstieg und einer hohen Sitzposition. Dabei ist die Motorhaube gut sichtbar und vermittelt das kraftvolle Gefühl, das man von einem SUV erwartet.

Toyota Urban Cruiser
Toyota Urban Cruiser

Die Rücksitze stehen auf Schienen, so dass je nach Situation mehr Beinfreiheit oder mehr Gepäckraum gewählt werden kann. Mit den Rücksitzen in der hinteren Position ist die Beinfreiheit im Fond für Erwachsene ausreichend. Es sei darauf hingewiesen, dass Suzuki kurz vor der Einführung des e-Vitara eine alternative Ablage mit Fächern (zusammen 80 Liter!) für den Unterboden entwickelt hat. Das war im Toyota nicht zu finden. Bedauerlich ist auch, dass der größte Teil der Heckklappe nicht ausgekleidet ist. Obwohl das für einen Suzuki angemessen ist, sollte man von Toyota mehr erwarten.

Das Armaturenbrett hat die gleichen kantigen und robusten Formen wie das Äußere des Urban Cruiser. Viele Teile sind aus Hartplastik, was wiederum nicht den Standards von Toyota entspricht. Andererseits: Das Ganze fühlt sich robust und haltbar an, als ob das Auto auch nach vielen Jahren noch wie neu sein wird. Der Innenraum hat viele Ablagefächer, so dass der Urban Cruiser auch für eine lange und intensive Nutzung geeignet ist.

„Beim Urban Cruiser geht es nicht um Technik, sondern um Benutzerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit“

Die Ausstattung ist offensichtlich von Suzuki, denn das Audio-, Kommunikations- und Navigationssystem stammt nicht von Toyota. Seltsamerweise ist die Stimme des Navigationssystems genau die gleiche Stimme, die Toyota seit Jahrzehnten in seine Navigationssysteme einbaut. Das Infotainmentsystem ist vollständig und einfach zu bedienen, reagiert aber manchmal ein wenig zu langsam. Auch das Navigationssystem kommt häufig zu spät mit den Anweisungen. Die von der Europäischen Union vorgeschriebenen Sicherheitssysteme lassen sich leicht abschalten.

Mit der Toyota-App für das Smartphone können die Nutzer aus der Ferne mit dem Auto in Kontakt bleiben. Dies beschränkt sich jedoch auf das Ablesen des Status und das Vorheizen (oder Kühlen) des Fahrzeugs. Der Urban Cruiser kann nicht über die App gestartet werden, es wird also weiterhin ein Schlüssel benötigt.

Toyota Urban Cruiser

Elektroauto

Der Urban Cruiser ist mit zwei verschiedenen Batterien erhältlich, mit denen die Reichweite zwischen 344 km und 426 km variiert. Dabei handelt es sich um eine sogenannte LFP-Batterie, die die modernste der derzeit gängigen Typen ist. LFP hält mehr Lade- und Entladezyklen aus, bevor Verschleiß auftritt, ist weniger temperaturabhängig und entzündet sich im Falle einer Beschädigung weniger leicht.

Neben der Wahl zwischen zwei Batterien bietet Toyota drei Motorisierungen zur Auswahl an. Wird der Frontantrieb gewählt, stehen Elektromotoren mit 144 PS und 174 PS zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Variante mit einem zweiten Motor. Diese bietet Allradantrieb und eine Gesamtleistung von 184 PS. Die 144-PS-Variante wurde im Suzuki e-Vitara ausprobiert und reicht gerade aus, um mit dem Verkehrsfluss Schritt zu halten. Die Varianten mit 174 PS und 184 PS stehen sich in der Praxis kaum nach. Der Urban Cruiser reagiert immer etwas zahm auf das Gaspedal, aber wenn man ihn drückt, kann dieser elektrische Toyota kräftig zubeißen. Dann ist der Urban Cruiser nicht nur leiser und geschmeidiger als ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor, sondern auch schneller und sparsamer.

Toyota Urban Cruiser

Toyota nutzt nicht alle Vorteile, die das elektrische Fahren bietet. Wenn das Gaspedal losgelassen wird, wird nur in sehr begrenztem Umfang Energie zurückgewonnen. Da eine Motorbremsung kaum möglich ist, kommt das Fahren mit nur einem Pedal nicht in Frage. Auch aus diesem Grund ist der Testverbrauch sehr hoch. Bei einer Testfahrt unter ungünstigen Wetterbedingungen und auf einer anspruchsvollen Strecke lag der Verbrauch des Urban Cruiser AWD bei 21 kWh pro 100 km. Die Version mit Zweiradantrieb war mit 19 kWh pro 100 km etwas sparsamer. Das ist für ein Auto dieser Größe und Leistung sehr hoch. Die niedrigen Temperaturen wirken sich auch auf die Reichweite aus, die beim AWD bei 333 km statt der versprochenen 395 km lag. Unabhängig von der Temperatur ist der Urban Cruiser kein Star beim Schnellladen. Er kann mit bis zu 67 kW laden, und diese Geschwindigkeit steht in keinem Verhältnis zur Kapazität der Batterie.

Handhabung

Die Plattform des Toyota Urban Cruiser und des Suzuki e-Vitara wurde von Toyota und Suzuki gemeinsam entwickelt. Suzuki kümmerte sich um den gesamten Oberbau. Toyota kümmerte sich um die Feinabstimmung des Fahrwerks. Beide Fahrzeuge sind sowohl für den Einsatz im Gelände als auch auf öffentlichen Straßen gedacht, und so ist das Fahrverhalten ein Kompromiss zwischen beiden.

Toyota Urban Cruiser

Auf öffentlichen Straßen ist der Urban Cruiser straff gefedert, so dass vom Gewicht der Batterie wenig zu spüren ist. Das sorgt auch für einen äußerst souveränen Charakter. Die Übersicht ist gut und die Fahrgeräusche halten sich in Grenzen.

Für den Einsatz im Gelände hat der Urban Cruiser viel Bodenfreiheit und lange Federwege. Daher hat das Auto keine Probleme mit rauem Untergrund, großen Schlaglöchern und starken Steigungen. Dank des Elektroantriebs steht die maximale Zugkraft schon bei niedrigen Drehzahlen zur Verfügung. Diese Leistung lässt sich zudem sehr genau dosieren, so dass der Urban Cruiser auch im Gelände problemlos eingesetzt werden kann. Die Version mit Allradantrieb verfügt zudem über einen speziellen Trail"-Modus, bei dem die Antischlupfregelung für zusätzlichen Grip im Gelände sorgt.

Toyota Urban Cruiser

Fazit

Eine ausgiebige Testfahrt in der Stadt und im Gelände hat der Verwirrung ein Ende gesetzt. Der Toyota Urban Cruiser und der Suzuki e-Vitara sind technisch identisch, nur das Aussehen unterscheidet sich. Daher ist es unmöglich, dass das eine Auto für das Gelände und das andere für die Stadt gedacht ist. Die einzige mögliche Erklärung ist, dass sich der Urban Cruiser und der e-Vitara überall zu Hause fühlen, und die Testfahrt zeigt, dass dies tatsächlich der Fall ist.

Im Vergleich zu anderen kompakten, elektrisch angetriebenen SUVs hat der Urban Cruiser, wie auch der e-Vitara, einen konservativen Charakter. Und das hat alles mit seiner japanischen Herkunft zu tun. Japanische Autohersteller leisten keine Pionierarbeit und vermarkten keine halben Produkte, die mit Software-Updates allmählich reifen. Außerdem wollen sich japanische Hersteller nicht von ihren Kunden entfremden, weshalb sie in kleinen Schritten innovieren.

Beim Urban Cruiser geht es nicht um Technik, sondern um Benutzerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit. Viele werden sich daher in diesem Elektroauto wohlfühlen. Die Fahreigenschaften sind auf Sicherheit und Komfort ausgerichtet. Kurzum: Der Toyota Urban Cruiser fühlt sich in der Stadt und darüber hinaus zu Hause.

plus
  • Modern und doch vertraut
  • Ausgezeichnete Fahreigenschaften
  • Großer Sprung nach vorn im Vergleich zu Toyota-Hybriden
minus
  • Langsames Schnellladen
  • Hoher Verbrauch bei niedrigen Temperaturen
  • Enttäuschend geringer Unterschied zum Suzuki e-Vitara