18 Januar 2006
Toyota RAV4 (2006 - 2013)

Toyota RAV4 (2006 - 2013)

Der Problemlöser

Autotest | Seit seinem fulminanten Start 1994 ist der Toyota RAV4 Marktführer unter den leichten Geländewagen. Jetzt ändert Toyota den Kurs mit einem vollkommen neuen RAV4. Statt einem Geländewagen ist aus dem neuen RAV4 ein multifunktionelles, geräumiges und abenteuerlustiges Auto geworden. Toyota behauptet, im RAV4 alle Vorteile von SUV, Minivan und Kombi zu vereinen ohne sich deren Nachteile einzuhandeln. Diesem Ziel kommt der Hersteller erstaunlich nahe. Das erreicht er vor allem mit hochinnovativer, sozusagen RAVolutionärer, Technik.
 

Ein Geländewagen ist die Lösung eines Problems, das es nicht gibt. Es kommt hierzulande eher selten vor, dass man unvermittelt in der Wüste steht oder quer über den Berghang fahren muss.

Die Handvoll Förster und Schäfer, die damit wirklich etwas anfangen können, rechtfertigen jedenfalls nicht die Verkaufszahlen der SUVs. Einmal gekauft, werden diese so gut wie nie wirklich im Gelände eingesetzt. Lediglich der Platz und die Anhängerzugkraft werden ab und an gebraucht. Erkauft werden sie durch hohe Kilometerkosten und große Umweltschädlichkeit. Hier setzt der neue RAV4 an: Das Auto versucht, auf die realen Bedürfnisse im Markt einzugehen.

Toyota RAV4 (2006 - 2013)

Ausstrahlung

Gleich geblieben ist das kräftige Aussehen eines echten Geländewagens. Der RAV4 sieht imposant aus, liegt aber tiefer als die Konkurrenz und macht somit automatisch einen sportlicheren Eindruck.

Die wirklichen Werte liegen allerdings im Inneren des RAV4. Das Auto ist genauso tadellos verarbeitet wie z.B. der Avensis, Toyotas Vorzeigelimousine. Der Stil ist allerdings vollkommen anders, mit dicken, robusten Knöpfen und "technisch" anmutenden Anzeigen. Dabei folgt der RAV4 allen neuen Trends, von MP3-Wiedergabe, über Bluetooth-Telefonanschluss bis zu DVD-basiertem Navigationssystem.

Vom SUV: Allradantrieb

Alle RAV4-Modelle haben Allradantrieb, aber mehr der Sicherheit halber, weniger um wirklich im Gelände klarzukommen. Deshalb zeigt Toyota in den Werbespots auch keinen Tropfen Matsch und kein Körnchen Sand, sondern nur schlechtes Wetter und glatte Fahrbahn.

Wir haben das Testauto trotzdem ein bisschen durchs Gelände gejagt, wo man es auch einigermaßen gut gebrauchen kann. Eine entsprechend niedrige Übersetzung sucht man im Getriebe vergebens, eine (elektronisch simulierte) Differenzialsperre gibt es aber. In der Kurzzusammenfassung für Nichttechniker bedeutet das, dass Toyota dem RAV4 etwas elementare Offroad-Technik spendiert hat, die das Auto kaum teurer aber dennoch einigermaßen geländegängig macht. Auch die elektronische Berganfahrkontrolle macht das Anfahren an Steigungen wirklich leichter, ohne den Peis unnötig hochzutreiben. Der RAV4 ist kein vollwertiger Geländewagen, kann aber dank dieser durchdachten Ergänzungen die Straße durchaus auch einmal verlassen.

Das einmalige Sicherheitssystem des RAV4 basiert auf dem Allradantrieb. So gut wie alle SUVs verfügen über Antischlupfregelung, Antiblockiersystem und Stabilitätskontrolle. Das Neue beim RAV4 ist, dass diese Systeme nicht mehr nebeneinander arbeiten, sondern zusammen. Das "Integrated Active Drive System" umfasst sogar die Servolenkung.

Die Antriebskraft wird entsprechend den Fahrbedingungen auf die Vorder- und Hinterräder verteilt, sodass kein Schlupf auftritt. Wenn das nicht ausreicht, treten die elektronischen Sicherheitssysteme in Verbindung mit der Servolenkung in Aktion: Bei Lenkmanövern, die das Fahrzeug stabilisieren, dreht sich das Lenkrad leicht, in die Gegenrichtung schwer. So hilft die Elektronik dem Fahrer beim Stabilisieren des Fahrzeugs, ohne ihn zu entmündigen.

Straßenlage und Steuerung sind erstaunlich gut für ein SUV, aber immer noch deutlich schlechter als bei einem Pkw. Der RAV4 neigt sich, wenn Kurven schnell genommen werden (und bei Ausweichmanövern!). Wenn das Limit überschritten wird, bricht er meist vorne aus.

Toyota RAV4 (2006 - 2013)

Die Bremsen fühlen sich prima an. Auch bei starkem Bremsen kommt einem der RAV4 nicht schwer und massiv vor, sondern man hat im Gegenteil das Gefühl, ihn genau kontrollieren zu können. Aber so raffiniert die Sicherheitselektronik auch ist und so weit der RAV4 die Konkurrenz hinter sich lässt was die Steuerung angeht: Bei einem normalen Pkw braucht man das alles gar nicht erst.

Toyota RAV4 (2006 - 2013)

Vom Pkw: Motoren

SUVs sind von Natur aus hoch und schwer und damit Benzinfresser. Obwohl der RAV4 ein gutes Stück größer geworden ist (175 mm länger, 30 mm breiter), ist das Auto 35 kg leichter als sein Vorgänger. Auch der Luftwiderstand ist geringer. Mit einem Cw-Wert von 0,31 liegt der RAV4 in diesem Segment ganz vorne.

Viel wichtiger sind jedoch die neuen Motoren. Zur Auswahl stehen neben einem komplett neu entwickelten 2-Liter, 4-Zylinder-Benziner zwei Dieselmotoren. Die haben schon in anderen Toyotas gezeigt, dass sie bei geringem Verbrauch und guten Emissionswerten prima Leistung bringen. Den Benziner gibt es mit Automatik, die Diesel mit einem angenehm schaltenden Sechsganggetriebe.

Unser Testauto hat den kleineren der beiden Diesel und fährt damit wie eine Rakete. Auf dem Papier klingt die Leistung bescheiden, aber über Langsamkeit kann man sich beim RAV4 D-4D wirklich nicht beklagen. Einfädeln im Stadtverkehr funktioniert auch, wenn es einmal schnell gehen muss (wobei man sich dann unwillkürlich umschaut, ob das Pflaster wohl noch an Ort und Stelle liegt). Auf der Autobahn kann auch der kleinste Motor schon ganz lässig mit jeder Limousine schritthalten. Was auffällt ist, dass der D-4D bei niedrigen Drehzahlen schlechter anzieht und allgemein lauter ist als in anderen Toyotas. Davon abgesehen bleibt dieser Motor aber bei weitem der beste in diesem Segment.

Toyota RAV4 (2006 - 2013)

Vom Minivan: Platz

Beim Raum punktet der RAV4 vor allem dank der geschickten Platzeinteilung. Der Raum auf dem Vordersitz ist königlich und auch auf dem Rücksitz finden zwei Erwachsene ausreichend Platz. Die Rücksitzlehne ist verstellbar und der gesamte Rücksitz lässt sich auf einer Schiene verschieben. So kann je nach Bedarf mehr Beinfreiheit oder mehr Raum für Gepäck geschaffen werden.

Dank des "Easy Flat"-Systems kann die Rückbank im wahrsten Sinn des Wortes im Handumdrehen umgeklappt werden. Dann hat man statt dessen eine große, flache Ladefläche. Wenn das so einfach geht, bekommt man sofort Lust, große Möbel zu kaufen. Alles in allem bietet der RAV4 also für jedes Problem die passende Lösung. Bei Sicherheit und Technik wie bei der Raumfrage.

Toyota RAV4 (2006 - 2013)

Fazit

Die Autozine-Redaktion hat ein gespaltenes Verhältnis zu Geländewagen. Aber der neue Toyota RAV4 kann einige unserer Bedenken zerstreuen. Toyota hat wirklich auf die Bedürfnisse der Kunden geachtet und ein alltagstaugliches Auto entworfen, statt sich in Fantasien eines abenteuerlichen Lebens in Reklamespots zu ergehen. So ist der RAV4 nicht so sehr ein Geländewagen sondern mehr ein vielseitiges Auto geworden.

Die Offroad-Fähigkeiten sind dennoch überdurchschnittlich, wenn auch der Durchschnitt in diesem Segment leicht zu übertreffen ist. Wirklich punkten kann der neue RAV4 aber durch seine fortschrittliche Technik, wodurch die Fahreigenschaften auf Asphalt sich deutlich vom Mittelmaß abheben. Die Dieselmotoren liefern hervorragende Leistung, während die Belastung von Umwelt und Geldbeutel weniger geworden ist. Ein raffiniertes Sicherheitssystem verbindet erstmalig alle Einzelsysteme und arbeitet dadurch sehr effektiv. Ein SUV ist immer noch eine Lösung für ein Problem, das kaum jemand hat. Aber der RAV4 ist eine der besten Lösungen dafür.

plus
  • Schnelle und sparsame Dieselmotoren
  • Aufwendiges und sinnvolles Sicherheitssystem
  • überdurchschnittliche Straßenlage
min
  • Abrupt eingreifende Kupplung
  • Ein Kombi ist immer noch praktischer und billiger
  • Derselbe Motor läuft in anderen Toyotas leiser

Alternativen

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