11 Dezember 2016
Toyota C-HR

Toyota C-HR

Harte Schale, weicher Kern

Autotest | Sie sind sehr beliebt: "Crossovers". Ein "Crossover" ist eine Mischung aus einem Geländewagen mit einem anderen Automodell. Normalerweise ist das andere Auto eine Limousine. Aber das muss nicht sein! Toyota bewegt sich nun abseits der ausgetretenen Pfade und wagt den Sprung zu einem "Crossover" aus Geländewagen und einem Coupé. Lernen Sie den C-HR kennen.
 

Hinter dem C-HR steckt eine einfache Idee. Wenn Toyota nur den X-ten Crossover vorgestellt hätte, hätte man nur ein kleines Stück vom Kuchen haben können. "Crossovers" aber werden gerade wegen deren Eigenheiten gekauft. Und deshalb hat der Crossover von Toyota die muskulöse Basis eines Geländewagens und darüber hinaus das sportlichere Fahrwerk eines Coupé. C-HR bedeutet auch Coupé High Rider.

Platz

Das Ergebnis wird zweifellos originell und charaktervoller aussehen wie andere Crossover auch. Aber es wird auch sofort klar, dass Toyota es sich nicht leicht gemacht hat. Ein Crossover wird nämlich auch wegen des Platzes im Innenraum gekauft, ein Coupé dagegen bietet weniger Kopfraum und nur zwei Türen.

Toyota C-HR

Der C-HR hat vier Türen, aber indem die Fensterlinie in die hinteren Türen hoch geht, tun diese der Coupé-Linie keine Gewalt an und wird im Fond genügend Kopfraum geboten (wenn auch nicht so viel wie in einem traditionellen Crossover). Die Türgriffe sind an der Spitze der Türen angebracht und wurden zu wahren Kunstwerken erhoben, wodurch dieses notwendige Übel ein geradezu attraktives Element des Autos wird! Beachten Sie dabei, dass diese schön ansteigende Fensterlinie den Blick nach draußen für kleine Kinder erschwert.

Toyota C-HR

Der Platz vorne ist gut, und der hohe Sitz erlaubt einen etwas besseren Überblick über den Verkehr als ein durchschnittliches Auto. Der dunkle Dachhimmel und die besondere Formgebung des Armaturenbretts tragen zu dem geborgenen Gefühl eines Coupés bei. Dies geht nicht auf Kosten der Ergonomie: Alles funktioniert, wie es soll. Somit ist der C-HR etwas Besonderes und zugleich ein sehr vertrauter Toyota.

Ausstattung

Die Ausstattung ist modern und ausgiebig, denn bereits ab der Basisversion ist eine ganze Reihe von (Sicherheits-)Vorkehrungen Standard, die bei Autos anderer Marken optional sind. Standard sind Assistenten, die gegebenenfalls warnen oder sogar bei Gefahr eingreifen.

Toyota C-HR

Eine Option, die ihr Geld wert ist, ist das JBL Audiosystem. Zu einem sehr fairen Aufpreis bringt dieses System einen mehr als verdienstlichen Sound.

Straßenlage

Mit seiner auffallenden Formgebung ist die große Frage: Fährt der C-HR so gut wie er aussieht? Die Antwort ist ja und nein. Am Anfang ist man leicht enttäuscht über das Fahrverhalten, und es erscheint einem alles etwas zu gewöhnlich. Die Lenkung ist leicht, und trotz des starren Chassis ist das Gefühl zu gering.

Toyota C-HR

Wenn der C-HR jedoch herausgefordert wird, stellt sich heraus, dass die Straßenlage und die Handhabung überdurchschnittlich gut sind. Das Auto neigt sich in schnellen Kurven oder beim harten Bremsen kaum. Darüber hinaus reagiert es unabhängig von der Geschwindigkeit fast immer sehr direkt. Da ein Geländewagen naturgemäß einen hohen Schwerpunkt hat und die Stärke eines Coupés eher die Dynamik ist, hat Toyota eine reife Leistung gebracht.

Toyota C-HR

1.2 Turbo

Standardmäßig ist der C-HR mit einem herkömmlichen 1,2 Liter Vierzylinder Benzin-Turbo ausgestattet. Die Leistung von 116 PS / 185 Nm ist ausreichend, um mit dem Straßenverkehr mitzukommen und sich flott ein- und auszufädeln. Sehr schnell ist der C-HR 1.2 Turbo aber nicht.

Trotz einer Testfahrt auf einer anspruchsvollen Strecke (Bergstraßen, Dörfer, Stadtverkehr und ein wenig Autobahn) betrug der durchschnittliche Verbrauch 5,6 Liter pro 100 km. Und das ist bis auf ein Zehntel Liter der vom Hersteller angegebene Verbrauch!

Toyota C-HR

Dieser niedrige Kraftstoffverbrauch wurde mit der Zweiradantrieb-Version erreicht. Der 1.2 Turbo steht nämlich auch mit Allradantrieb zur Verfügung, wobei die Technik aus dem Toyota RAV4 abgeleitet ist.

Hybrid

Um den C-HR wirklich zu etwas Besonderem zu machen, hat Toyota seine Geheimwaffe eingesetzt. Alternativ zum herkömmlichen Motor ist eine Version mit Hybridantrieb lieferbar. Dann findet man unter der Haube einen 1,8-Liter-Benzinmotor und einen Elektromotor. Beide arbeiten zusammen für eine bessere Leistung, geringeren Kraftstoffverbrauch und mehr Komfort.

Das Geheimnis liegt in der wieder verwendeten Energie. Wenn ein gewöhnliches Auto bremst, geht die Energie verloren. In einem Hybridfahrzeug wird die kinetische Energie beim Bremsen in elektrische Energie umgesetzt, die später wieder verwendet werden kann, zum Beispiel um den Benzinmotor beim Beschleunigen oder Anfahren zu unterstützen.

Toyota C-HR

Das mag wie ein bekanntes Rezept klingen, da Toyota viele Modelle mit Hybridantrieb liefert. Wenn aber die technischen Spezifikationen verglichen werden, könnte der Verdacht entstehen, dass der C-HR ein Toyota Prius in neuem Anzug ist. Der C-HR hat jedoch eine modifizierte Aufhängung, einen kürzeren Radstand, eine breitere Spur, einen niedrigeren Schwerpunkt (-2,5 cm), andere Reifen (weniger effizient, mehr Grip), eine andere Lenkung, eine andere Sitzposition und ein anderes Fahrwerk.

Somit ist das Erlebnis ein ganz anderes. Beim Toyota Prius stehen Komfort und ein niedriger Verbrauch im Vordergrund. Der C-HR hat dagegen Dynamik und die Freude am Fahren im Visier.

Toyota C-HR

Fazit

Bei einem "Crossover" geht es darum, sich von anderen zu unterscheiden. Toyota hat das sehr gut verstanden. Denn während die Konkurenz einen Geländewagen mit einem Pkw kreuzt, mixt Toyota einen Geländewagen mit einem Coupé. Die vielen Probleme, die dies mit sich bringt (hoher Schwerpunkt, zweitürige Silhouette, niedrige Dachlinie) hat Toyota perfekt gelöst.

Mit dem C-HR zu fahren ist weniger aufregend, als das vielversprechende Design vermuten lässt. Der C-HR fährt wie ein gewöhnlicher Toyota, aber für einen Crossover ist die Straßenlage geradezu überdurchschnittlich. Der 1,2-Liter-Turbo-Motor ist eher mittelmäßig, sowohl beim Verbrauch als auch bei der Leistung. Was den C-HR wirklich zu etwas Besonderem macht, ist der Hybridantrieb, womit das Auto agiler und dennoch sparsamer ist als der Durchschnitt. Es besteht daher kein Zwiefel darüber, dass es sich hierbei um einen klaren Fall von "Harte Schale, weicher Kern" handelt.

plus
  • Originelle Formgebung
  • Flott und sparsam dank Hybridantrieb
  • überdurchschnittliche Fahreigenschaften
min
  • Mäßiger Kopfraum im Fond
  • Gefühl in der Lenkung könnte besser sein

Alternativen

Audi Q2Audi Q2
Mazda CX-3Mazda CX-3