Renault Twingo E-TECH
Positive Energie
Im Jahr 1993 stellte Renault ein bahnbrechendes Auto vor. Die erste Generation des Twingo war ein eigenwilliges und vor allem sehr clever gestaltetes Auto. Sein Design zauberte nicht nur ein Lächeln auf die Gesichter von Außenstehenden, seine ungewöhnliche Form bot auch viel Platz im Innenraum. Außerdem konnte der Twingo dank des einzigartigen Konzepts kostengünstig gebaut und angeboten werden. Dabei wurden die Einsparungen so verpackt, dass sie nicht als schäbig, sondern als Stilelemente wahrgenommen wurden. Dieses erfolgreiche Konzept diente als Grundlage für den neuen, rein elektrisch angetriebenen Twingo.
Die Designer haben dem Design von damals eine neue Wendung gegeben. Die Proportionen sind fast gleich geblieben, so dass der Twingo so freundlich aussieht wie früher. Allerdings ist das Auto deutlich gewachsen. Schließlich ist der Elektroantrieb schwer, und das erfordert größere Räder (16 Zoll ist Standard, 18 Zoll ist optional). Und um die Proportionen zu wahren, musste das ganze Auto in alle Richtungen wachsen. Der elektrische Twingo hat auch fröhlich aussehende Scheinwerfer, die dank LED-Technik wie Froschaugen über die Motorhaube ragen. Dank eines subtilen Kühlergrills, der der Kurve des Autos folgt, scheint es, als würde der Twingo immer lächeln.
Unter der charmanten Karosserie stecken viele Innovationen, die den Twingo intelligenter, effizienter und billiger machen sollen. Die erste davon ist die Nase! Die Motorhaube kann nur von Renault-Mechanikern geöffnet werden. Es wird also kein benutzerfreundlicher Entriegelungsmechanismus benötigt und es ist kein Platz erforderlich, um die Hand zwischen Motorhaube und Karosserie zu legen. Das macht den Twingo sparsamer und verbessert seine Stromlinienform. Der erste Twingo hatte drei markante Lüftungsöffnungen auf der Motorhaube. Beim Elektro-Twingo dienen diese unter anderem als Öffnungen zum Nachfüllen der Scheibenwaschflüssigkeit.
Renault wollte dem Twingo ein schlankes Heck geben, aber das würde zu Verwirbelungen hinter dem Auto führen. Deshalb wurden an den Rückleuchten "Haifischflossen" angebracht, die den Wind direkt nach hinten leiten. Das ist nicht nur ein lustiges Stilelement, sondern sorgt auch für einige zusätzliche Kilometer Reichweite! Um seinen fröhlichen Charakter zu unterstreichen, ist der Twingo in leuchtenden, kräftigen Farben erhältlich (es gibt allerdings auch eine schwarze Version für diejenigen, die nicht auffallen wollen). Die hier gezeigte orange Farbe ist die Standardfarbe und somit ohne Aufpreis erhältlich.
Platz
Der ursprüngliche Twingo war ein dreitüriges Auto, der moderne Twingo ist ein Fünftürer. Dennoch ist er immer noch ein "Monovolumen" und kein durchschnittliches Schrägheck. Der Unterschied liegt im geräumigeren Design, mit mehr Platz um die Sitze herum. Deshalb ist der Twingo vorne nicht nur geräumig, sondern das Auto fühlt sich auch größer an, als es ist. Das große Lenkrad unterstreicht diesen Eindruck noch. Ein ungewöhnliches Problem: Die Außenspiegel sind nur unzureichend verstellbar, so dass ein Großteil des Spiegels mit dem Blick auf die Karosserie und nicht auf die Landschaft hinter dem Auto gefüllt ist. Da die Räder an den äußersten Ecken platziert sind, wird aus den bescheidenen Außenmaßen ein Maximum an Innenraum herausgeholt. Dennoch ist die Beinfreiheit im Fond begrenzt und die Kopffreiheit mäßig.
Um dies zu kompensieren, ist der Rücksitz auf Schienen gelagert, so dass man sich je nach Situation für mehr Beinfreiheit (17 cm) oder mehr Gepäckraum (von 260 Liter auf 360 Liter) entscheiden kann. Der Beifahrersitz lässt sich umklappen, so dass man im Twingo Gegenstände bis zu 2 Metern Länge transportieren kann. Ebenfalls sehr praktisch: Die Türfächer und das Ablagefach im Mitteltunnel haben hohe, hochgezogene Ränder, so dass Gegenstände nicht einfach herausfallen (der Hersteller hat aus den Fehlern des Renault 5 gelernt, dessen Ablagefächer wegen der niedrigen Ränder praktisch unbrauchbar sind).
Der Kofferraum ist nicht besonders groß (360 Liter), aber er ist sehr geschickt angeordnet. Unter dem Ladeboden befindet sich ein extra Staufach (50 Liter) für Dinge wie das Ladekabel. Sehr clever: Der Ladeboden besteht aus zwei klappbaren Teilen, so dass das Ladekabel auch bei teilweise gefülltem Kofferraum zugänglich ist. An strategischen Stellen im Innenraum (einschließlich des Kofferraums) befinden sich generische Befestigungspunkte, an denen maßgeschneidertes Zubehör angebracht werden kann. Denken Sie an einen Kleiderhaken, eine Einkaufstasche, eine Taschenlampe und einen Kabelbinder. Falls Ihnen das bekannt vorkommt: Der Twingo übernimmt das so genannte "You Clip"-System der Schwestermarke Dacia und fügt weiteres Zubehör hinzu.
Mehrere chinesische Marken bieten inzwischen gute und preiswerte Elektroautos an. Mit dem Twingo konkurriert Renault nicht nur über den Preis, sondern auch über den Charakter. Der Twingo ist mindestens so funktionell und vernünftig wie seine chinesischen Konkurrenten, hat aber viel mehr Charakter. Das gilt sowohl für das Äußere als auch für den Innenraum. Die Formen im Innenraum sind verspielt, und die Lackfarbe kehrt an mehreren Stellen als Dekoration wieder. Die Sitzbezüge haben einen gemusterten Farbverlauf, der für einen dynamischen Look sorgt. Die Fußmatten und das Dach weisen ein Buchstabenmuster in der einzigartigen Twingo-Schrift auf.
Ausstattung
Um den Twingo wirtschaftlich anbieten zu können, wurde die Plattform des Renault 4 und 5 als Basis verwendet. So verfügt auch dieser Kleinwagen über einen Bildschirm (7 Zoll) anstelle von Analoguhren hinter dem Lenkrad. In der Mitte des Armaturenbretts befindet sich ein größeres Display (10 Zoll), das Android Automotive als Betriebssystem verwendet. Um dem Charakter des Fahrzeugs gerecht zu werden, hat Renault fröhliche "Grafiken" und Animationen hinzugefügt.
Je nach gewählter Version bietet es zwei oder Hunderte von Anwendungen. Die Einstiegsversion bietet nur die Möglichkeit, ein Smartphone über Apple CarPlay oder Android Auto zu koppeln. Die teurere Version ermöglicht den Zugriff auf das Android-Betriebssystem, einschließlich der Möglichkeit, Anwendungen aus dem Play Store zu installieren. Das funktioniert sehr gut, allerdings auf Kosten der Privatsphäre (lesen Sie die Nutzungsbedingungen!). Wenn der Twingo in die Produktion geht, wird er eine inzwischen stark veraltete und nicht mehr unterstützte Version von Android (Version 12) verwenden. Renault verspricht ein Update auf Android Version 14 (ebenfalls veraltet, aber immer noch von Google unterstützt) im Jahr 2026.
In der Einleitung zu diesem Test ist von den hohen Anforderungen die Rede, die ein modernes Auto erfüllen muss. Das betrifft nicht nur die Motoremissionen, sondern auch die Sicherheit. Der Twingo ist daher mit denselben aktiven Sicherheitsmerkmalen ausgestattet wie größere Autos. Kameras begleiten den Fahrer und warnen bei Geschwindigkeitsüberschreitung oder Fahrbahnmarkierungen. Die Elektronik warnt beim Aussteigen vor rückwärtigem Verkehr, und der Twingo kann (teilweise) selbsttätig einparken. Wer keine Lust auf all die Störungen hat, kann die Assistenten einfach abschalten.
Elektroauto
Der teuerste Teil eines Elektroautos ist die Batterie (etwa 30% des Anschaffungspreises). Um den Twingo kostengünstig anbieten zu können, wählt Renault eine Batterie mit begrenzter Kapazität (27,5 kWh) und kostengünstiger Zellchemie. Im Gegensatz zu anderen Renaults mit Elektroantrieb verwendet der Twingo die LFP-Technologie (Lithium-Eisenphosphat). Eine LFP-Batterie ist wirtschaftlicher in der Herstellung und benötigt keine Kühlung oder Heizung, um ordnungsgemäß zu funktionieren, obwohl Renault eine Heizung zur Verfügung stellt. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine LFP-Batterie länger hält und weniger brandgefährlich ist als die übliche Lithium-Ionen-Batterie. Dennoch stattet Renault alle Batterien, auch diese, mit einem Anschluss für einen Feuerwehrschlauch (im Fachjargon "Feuerwehrzugang") aus, damit ein Batteriebrand leichter gelöscht werden kann.
Der Nachteil von LFP ist eine geringere Energiedichte, weshalb der Twingo eine theoretische Reichweite von 263 km hat. Außerdem liefert die Renault-eigene Batteriefabrik in Frankreich keine LFP-Batterien. Diese werden daher vom chinesischen Unternehmen CATL bezogen. Dennoch wäre der Twingo unter Berücksichtigung der Emissionen während der Produktion bereits nach 35.000 km weniger umweltbelastend als ein benzinbetriebener Kleinwagen.
Der Elektromotor leistet 82 PS / 175 Nm. Im Vergleich zu einem ähnlichen Auto mit Benzinmotor ist der Twingo damit schnell, beispiellos sanft und unwahrscheinlich leise. Im Vergleich zu anderen Elektroautos ist der Twingo dagegen zahm. Renault hat diesen Charakter gewählt, um den Verbrauch zu senken. Um das Fahren sparsamer (und einfacher!) zu machen, kann die Menge der zurückgewonnenen Energie beim Loslassen des Gaspedals in vier Stufen bestimmt werden. Auch das Fahren mit nur einem Gaspedal (das schnelle Loslassen des Gaspedals entspricht dann dem Bremsen) ist möglich. Dieses System lässt sich so intuitiv bedienen, dass auch Fahrer, die an ein Auto mit Verbrennungsmotor gewöhnt sind, das "Ein-Pedal-Fahren" problemlos nutzen können. Sehr verwirrend sind die vielen Hebel rechts neben dem Lenkrad, die mehr als einmal dazu führten, dass die Scheibenwischer eingeschaltet wurden, obwohl man eigentlich rückwärts fahren wollte. Außerdem hat die Automatik keine "Park"-Funktion. Sie schaltet sich zwar automatisch ein, aber keineswegs immer dann, wenn der Fahrer es will. Bei einem Test auf einer einfachen Strecke und unter günstigen Wetterbedingungen lag der Verbrauch bei 12,1 kWh/100 km (tatsächliche Reichweite: 248 km). Im Eco-Modus sank der Verbrauch sogar auf 10,5 kWh/100 km, was spektakulär niedrig ist (wieder: einfache Strecke, niedrige Geschwindigkeit, günstige Wetterbedingungen).
An einer öffentlichen Ladestation kann der Twingo mit 6,6 kW oder 11 kW geladen werden. An einem Schnellladegerät kann der Twingo mit bis zu 50 kW geladen werden. Diese Geschwindigkeiten stehen in einem guten Verhältnis zur Batteriekapazität, so dass das Aufladen von 10 % auf 80 % theoretisch nur 30 Minuten dauern würde. Je nach Ausführung kann der Twingo elektrische Geräte mit Strom versorgen ("V2L" für "vehicle to load") oder sogar Strom ins Netz zurückspeisen ("V2G" für "vehicle to grid").
Straßenlage
Obwohl der Twingo auf der gleichen Plattform wie die sublim fahrbaren Renaults 4 und 5 basiert, wurde das Fahrwerk dieser Modelle aus Kostengründen nicht übernommen. Stattdessen teilt sich der Twingo die (hintere) Aufhängung mit dem Renault Captur. Daher ist der Twingo nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei der Handhabung weniger lebendig, als sein Aussehen vermuten lässt. Der Twingo fährt sich wie jedes andere Elektroauto und ist daher trotz seines niedrigen Preises und seiner kompakten Abmessungen sehr erwachsen. Selbst auf schlechten Fahrbahnen bleibt der Komfort gut. In kniffligen Situationen (plötzlicher Richtungswechsel, Vorsprünge zwischen Straßenabschnitten, schlechter Straßenbelag) verhält sich der Twingo vorbildlich. Kein einziges Quietschen des Elektromotors ist zu hören und auch die sonstigen Fahrgeräusche halten sich in Grenzen. Damit schlägt der Twingo andere Kleinwagen und ist im Vergleich zu einem Kleinwagen mit Verbrennungsmotor ein Riesenschritt nach vorn.
Fazit
Renault macht seine Sache gut! Viele Marken versprechen ein kleines, billiges Elektroauto, aber nur die chinesischen Newcomer halten es bisher ein. Renault hat deshalb ein eigenes Wissenszentrum in China eingerichtet und die Kunst der superschnellen Entwicklung kopiert. Innerhalb von zwei Jahren und zu 80 % der üblichen Kosten wurde der Renault Twingo Electric entwickelt.
Das Ergebnis ist ein Auto, das nicht nur durch seinen niedrigen Preis überzeugt. Und damit bietet Renault sogar mehr als seine chinesische Konkurrenz! Neben moderner Technik und europäisch orientierter Ergonomie bietet der Twingo auch jede Menge Charakter. Ausgehend von der ersten Generation des Twingo strahlt dieses Elektroauto sogar positive Energie aus.
- Gut durchdachtes Konzept
- Sparsam in Anschaffung und Nutzung
- Fröhliches Design und Fahrverhalten
- Irritierende Reflexionen auf dem Armaturenbrett in der Windschutzscheibe
- Verwirrende Bedienelemente durch vier Hebel auf der rechten Seite des Lenkrads
- Android-Nutzung gibt Anlass zu Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Langzeitbetrieb

