Renault Clio VI
Weniger süß, mehr Liebe
Die erste Begegnung mit dem neuen Clio ist ein Schock. Fünf Generationen lang war der Clio ein charmantes, freundlich aussehendes Stadtauto, das mit französischem Charme zu verführen wusste. Die sechste Generation dagegen hat einen wütenden Blick, einen frechen Kühlergrill und scharfe Linien. Renault will nicht mehr jedem Modell den gleichen Stil verpassen, sondern den verschiedenen Modellen einen einzigartigen Charakter mit eigenem Stil verleihen.
Mit seinem selbstbewussten Auftritt will Renault deutlich machen, dass der Clio VI mehr ist als nur ein Kleinwagen. Schon der bisherige Clio bot die Qualitäten eines größeren Autos in kleinem Format, und das soll sein seriöseres Auftreten unterstreichen. Damit will sich Renault von der chinesischen Konkurrenz abheben. Die Chinesen verstehen es immer noch nicht, Autos mit einem ansprechenden Charakter zu zeichnen, und indem sie dies betonen, wissen die Franzosen, wie sie die Chinesen in Schach halten können.
Typisch für den neuen Clio ist der große Kühlergrill mit Lamellen in Form von Renault-Logos. Die Scheinwerfer haben eine aufrechte Oberkante, die den Eindruck einer Wimper erweckt. Die Rückleuchten ragen leicht hervor. Laut Renault beeinträchtigt dies nicht die Stromlinienform, sondern verbessert sogar die Aerodynamik! Die Rückleuchten bestehen aus zwei separaten Elementen, die dem Auto ein sportliches Aussehen verleihen. Ein schönes Detail: Die Ecken des Logos spiegeln sich in den Formen der Rückleuchten und sogar in der Schriftart des Wortes "Clio" auf der Heckklappe wider. Die hier gezeigte rote Farbe ist je nach Lichteinfall rot, weinrot oder sogar rosa.
Platz
Im Inneren folgt der Clio VI dem Stil der anderen modernen Renaults. Die Sitze sind jedoch deutlich niedriger und das Ambiente ist sportlicher als im Renault 4 und 5. Jede Version ist mit einem stoffbezogenen Armaturenbrett ausgestattet (was im Renault 5 nicht der Fall ist), und die Farbe des Stoffes wechselt von hell zu dunkel, um eine noch intimere Wirkung zu erzielen. Die serienmäßigen Sitze basieren auf den Sportsitzen der anderen Modelle. Die hochgezogenen Kanten schmiegen sich sozusagen an die Insassen an. Das Ganze sorgt für eine angenehme, einladende Atmosphäre.
Das Platzangebot im Innenraum ist für ein Auto dieser Größe durchschnittlich. Vier Erwachsene passen genau hinein, obwohl die Kopffreiheit im Fond nicht überwältigend ist. Beachten Sie, dass die Kapazität des Gepäckraums von der gewählten Motorisierung abhängt (Batterie unter der Ladefläche oder nicht). Die kleine und flache Heckscheibe sorgt für eine mäßige Sicht in den Rückspiegeln.
Ausstattung
Wie bei anderen modernen Renaults basiert das Infotainment-System auf Android Automotive. Das bietet eine hervorragende Navigation, einen intelligenten Assistenten und eine perfekte Integration mit einem Google-Konto. Wer allerdings kein Google-Konto hat (oder will), ist in seinen Möglichkeiten stark eingeschränkt. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Renault eine bereits veraltete Version von Android verwendet und nur begrenzte Updates plant (nur Version 14 ist für 2026 geplant). Es besteht daher die Gefahr, dass dieses System in einigen Jahren nicht mehr (voll) funktionsfähig ist.
Renault implementiert alle von der Europäischen Union geforderten Sicherheitssysteme, sorgt aber dafür, dass sie leicht zu deaktivieren sind. Renault geht noch etwas weiter als die Grundpflichten und bietet serienmäßig einen adaptiven Tempomat, eine Ausstiegshilfe (Warnung beim Öffnen der Tür, wenn man sich einem Objekt von hinten nähert) und eine automatische Bremsfunktion, um Parkschäden zu vermeiden. Sehr praktisch: Die Umfeldbeleuchtung in der Türverkleidung leuchtet rot auf, wenn sich beim Öffnen der Tür von hinten Gefahr nähert.
Hybrid und Benzin
Der 5 ist das kompakte Elektroauto von Renault. Der Clio übernimmt von nun an die Rolle des konservativeren Kompaktwagens mit Verbrennungsmotor. Wie andere Hersteller auch, entwickelt Renault keine neuen Verbrennungsmotoren mehr. Allerdings hat das Unternehmen einen Benzinmotor für den Einsatz im Hybridantrieb angepasst. Der 1,8-Liter-Motor arbeitet nach dem so genannten Atkinson-Zyklus, der den Motor weniger spritzig, aber deutlich sparsamer macht. Dank der Unterstützung durch einen Elektromotor ist dies nicht spürbar und ermöglicht eine noch sparsamere Fahrweise. Die Kombination der beiden Motoren ergibt eine Leistung von 160 PS. Nicht zuletzt deshalb könnte der neue Clio den Megane (nicht mehr mit Verbrennungsmotor erhältlich) ersetzen.
Auf dem Papier ist der Hybrid-Antriebsstrang von Renault fortschrittlicher, intelligenter und stärker als der der Konkurrenz. Der Clio sollte also stärker, geschmeidiger und sparsamer sein. Die Praxis zeigt leider das Gegenteil. Es ist deutlich spürbar, wenn das Automatikgetriebe schaltet. Dabei ist die Reaktion auf das Bremspedal nicht immer die gleiche. Das liegt daran, dass ein Hybrid zunächst versucht, mit dem Elektromotor zu bremsen, um so viel Energie wie möglich zurückzugewinnen. Erst wenn das nicht ausreicht, werden die Bremssättel aktiviert. Im Testwagen war dieses Zusammenspiel nicht immer harmonisch, was dazu führte, dass das Auto manchmal sanft und manchmal abrupt zum Stehen kam. Dies ist vor allem bei kaltem, nassem Wetter der Fall. Bei einer Testfahrt bei sonnigem Wetter funktionierte der Hybrid-Antrieb vorbildlich.
Trotzdem ist der Clio Hybrid einem vergleichbaren Auto mit reinem Verbrennungsmotor immer noch überlegen. Der Clio springt immer elektrisch an und fährt mit Leichtigkeit. Eine Testfahrt auf einer anspruchsvollen Strecke bei widrigen Wetterbedingungen ergab einen Verbrauch von 4,7 Litern pro 100 km. Leistung und Verbrauch sind also durchschnittlich für einen Hybrid in diesem Segment.
Fast alle neuen Renaults haben vier (!) Hebel auf der rechten Seite des Lenkrads, und auch nach vielen Testfahrten mit Renaults bleibt das verwirrend. Ein Pluspunkt: Renault hat sich von der automatisch einrastenden Parkbremse verabschiedet. Von nun an hat die Automatik einfach wieder ein "Park".
Fahreigenschaften
Bei Renault ist es üblich, dass eine Plattform zwei Generationen überdauert. Der neue Clio steht daher auf der gleichen Plattform (CMF-B) wie die vorherige Generation. Die Spurweite wurde jedoch vergrößert und die Radkästen nehmen größere Räder auf. Das Handling ist daher die größte Stärke des Clio VI. Der Clio richtet sich an ein breites Publikum und hat daher keinen ausgeprägten Charakter. Trotzdem ist die Lenkung leicht und präzise. Das Fahrverhalten ist stabil und kultiviert.
Fazit
Die sechste Generation des Renault Clio hat mehr Konkurrenz als je zuvor. Der Clio hat Konkurrenz aus dem eigenen Land (Renault 4 / Renault 5 / Renault Captur), Konkurrenz durch Elektroautos und auch Konkurrenz aus China. Deshalb konnte Renault nicht einfach einen weiteren Clio entwickeln, sondern hat das Konzept geändert.
Wie stark die Konkurrenz durch Elektroautos und andere Renaults ist, hängt vom jeweiligen Land ab. In Westeuropa ist das elektrische Fahren voll etabliert. Der leistungsstarke Hybridmotor kombiniert die Agilität des Elektroantriebs mit der Ausdauer eines Benzinmotors.
Renault setzt auf Design, denn das ist eine Schwäche der chinesischen Konkurrenz. Außerdem ist der Clio deutlich gewachsen und reibt sich sogar an einem höheren Segment. Dazu gehört eine reichhaltige und moderne Ausstattung. Um zu betonen, dass es sich um mehr als ein durchschnittliches Stadtauto handelt, wurde ein robustes und erwachsenes Äußeres gewählt. Das lässt den Clio weniger süß aussehen, aber gerade wegen der Konkurrenz hat Renault viel mehr Liebe in das Design gesteckt.
- Reifer Charakter
- Feine Handhabung
- Moderne Ausstattung
- Schlechte Sicht im Rückspiegel
- Kaum billiger als ein reines Elektroauto
- Manchmal ruckartiges Bremsen / manchmal spürbare Schaltvorgänge

