Datum der Veröffentlichung: 20 Oktober 2019
Peugeot 208
Autotest

Peugeot 208

Verführerische Linien

Autotest - Eines ist sofort klar: Peugeot will verführen. Von allen Autos in diesem Segment hat die zweite Generation des 208 die ausgeprägtesten und schwungvollsten Linien. Dabei verfügt der 208, wie jeder andere neue Peugeot auch, über ein eigenwilliges "iCockpit". Wenn man all diese Schönheit sieht, stellen sich natürlich zwei Fragen: Fährt der 208 so gut, wie er aussieht, und ist der 208 eine sinnvolle Verführung?
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Die Linien sprechen für sich, aber vielleicht ist nicht jeder mit dem "iCockpit" vertraut. Das iCockpit zeichnet sich durch ein kleines Lenkrad aus, das tief in den Innenraum eindringt und den Fahrer in eine aktive Fahrposition zwingt. Da das Lenkrad so klein ist, befinden sich die Uhren oben auf der Lenksäule, so dass sie besser ablesbar sind als die hinter dem Lenkrad. Mit diesem Aufbau hebt sich der 208 sofort von der Masse ab, und das ist aus Sicht von Autozine im positiven Sinne.

Peugeot 208

Die Verarbeitungsqualität und die verwendeten Materialien entsprechen nun der Qualität der größeren Peugeot-Modelle. Das Platzangebot entspricht dem eines durchschnittlichen Kleinwagens: vorne gut und hinten angemessen. Beachten Sie, dass der Platz unter den Sitzen deutlich kleiner ist, wenn Sie sich für den Elektroantrieb entscheiden (mehr dazu später).

Ausrüstung

Mit jedem neuen Modell entwickelt Peugeot das iCockpit weiter.  Bisher konnten die Uhren durch einen Bildschirm ersetzt werden, so dass der Fahrer wählen konnte, welche Informationen auf welche Weise angezeigt werden. Beim neuen 208 sind daraus zwei Bildschirme hintereinander geworden, wobei der vordere transparent ist. Auf diese Weise können die Informationen in zwei Ebenen angezeigt werden. In der Praxis ist dies mehr als eine technische Meisterleistung. Die wichtigsten Informationen werden auf die oberste Ebene projiziert und erregen daher automatisch mehr Aufmerksamkeit. Die Warnhinweise werden dadurch deutlicher hervorgehoben, und es ist weniger mühsam, zwischen Haupt- und Nebensächlichkeiten zu unterscheiden.

Peugeot 208
Peugeot 208

Auch mit dem Rest der Ausstattung überzeugt der 208 als modernes und ausgereiftes Auto. Das Infotainment-System (Audio-, Kommunikations- und Navigationssystem) ist aufgrund seiner eigenwilligen Bedienelemente (berührungsempfindliche Panels über Wippschaltern) und der vielen Animationen etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztlich leistungsstark und benutzerfreundlich. Wer lieber sein eigenes Smartphone als Gehirn des Autos nutzen möchte, kann dies über Apple Carplay und/oder Android Auto tun. Leider ist einer der Hauptverführer der größeren Peugeot-Modelle nicht in den 208 gekommen: das ohrenfreundliche Audiosystem von Focal. Nach Ansicht von Peugeot ist das zu teuer für ein Auto in diesem Segment.

Im Gegensatz dazu verfügt der 208 über alle halbselbstfahrenden Funktionen der Marke. Während andere Kleinwagen nur bei Gefahr eingreifen können, kann der 208 das Fahren erleichtern, indem er selbst mitlenkt und einen sicheren Abstand zum Vordermann hält. In der Praxis funktioniert dies gut und beeinträchtigt den Fahrspaß nicht.

Straßenlage

Dank des iCockpits unterscheidet sich der 208 schon vor der Fahrt von anderen Kompaktwagen. Aber auch in der Handhabung kann sich der 208 deutlich abheben. Je nach gewählter Ausstattungsvariante entscheidet sich Peugeot für eine straffe oder sogar sehr straffe Federung (GT-Line). Dank des kleinen Lenkrads genügt schon eine kleine Bewegung, um eine scharfe Kurve zu steuern, was zusammen mit dem aufmerksamen Ansprechverhalten der Federung einen ausgesprochen lebendigen Charakter ergibt. Anstatt zu versuchen, den Charakter eines größeren Autos anzugleichen, zelebriert der 208 seine Agilität und Dynamik.

Mit dem Aufkommen von Elektroautos entscheiden sich die Automobilhersteller für eine Vielzahl von Lösungen im Bereich der Fahrwerkstechnik. Einige Marken entwickeln eigenständige Elektromodelle, die dann auch angeben, dass sie elektrisch sind. Peugeot will die Entscheidung für elektrisches Fahren so selbstverständlich machen wie die Wahl zwischen einem Benzin- oder Dieselmotor. Deshalb basieren die Versionen mit Verbrennungs- und Elektromotor auf der gleichen Plattform. Unabhängig vom gewählten Antriebsstrang ist das Fahrverhalten daher in etwa gleich, der Einfluss des Motor- oder Batteriegewichts ist gering.

Peugeot 208

Verbrennungsmotoren

Für diesen Test fuhren wir zunächst das Basismodell: den "1.2 PureTech". Es ist deutlich hör- und spürbar, dass es sich um einen Dreizylindermotor handelt, aber das stört nicht. Die Leistung von 75 PS / 118 Nm reicht aus, um im Alltagsverkehr mitzuhalten. Obwohl nie Reserven vorhanden sind, muss dieser Basismotor im Berufsverkehr nie hart arbeiten und fühlt sich daher nicht wie ein Einsteigermodell an. Der Testverbrauch auf einer anspruchsvollen Strecke lag bei 4,9 Litern pro 100 km.

Der 1,2-Liter-Dreizylinder ist auch mit einer Leistung von 100 PS / 205 Nm erhältlich und verleiht dem Auto einen ganz anderen Charakter. Das beginnt schon beim Loslassen der Kupplung: Da die Kupplung einen viel kürzeren Hub hat als die der 75-PS-Version, fühlt sich der 100-PS-208 sofort williger an. Während es dem Einsteigermodell nie an Leistung mangelt, hat die leistungsstärkere Version immer eine angenehme Reserve zur Hand. Dank des Sechsganggetriebes sind die Drehzahlen bei hohen Geschwindigkeiten niedriger, was den Komfort erhöht und den Verbrauch senkt.

Peugeot 208

Der stärkste Benzinmotor in der Preisliste ist der 1.2 PureTech mit 130 PS / 230 Nm. Er ist serienmäßig mit einer 8-Gang-Automatik gekoppelt, was wiederum für einen anderen Charakter sorgt. Die Topversion fühlt sich nicht so schnell an, aber sie erledigt die gleiche Aufgabe mit mehr Ruhe. Nur wenn der Sportmodus gewählt und das Gaspedal entschlossen durchgetreten wird, überzeugt der 130 PS starke PureTech auch als sportlichste Variante.

Peugeot hat für den 208 keinen neuen Dieselmotor entwickelt, sondern einen bestehenden Dieselmotor mit neuen Filtern und einer neuen Abstimmung versehen, um die neuesten Emissionsanforderungen zu erfüllen. In der Praxis ist der "1.5 BlueHDi" mehr als zufriedenstellend, aber es fällt auf, dass die Dieseltechnologie nicht weiterentwickelt wird und somit auf dem Stand von vor ein paar Jahren ist.

e-208 Elektroauto

Wer einen 208 online konfiguriert, um ihn zu bestellen, wird zunächst aufgefordert, Ausstattung und Optionen auszuwählen. Erst dann werden Sie nach einem Motor gefragt. Auf diese Weise will Peugeot betonen, dass der elektrisch betriebene "e-208" genauso normal ist wie die anderen Versionen. Abgesehen von einem Logo ist auch äußerlich kaum ein Unterschied zu den anderen Versionen zu erkennen.

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In der Praxis ist der Unterschied zwischen dem elektrischen 208 und den Versionen mit Verbrennungsmotor lebensverändernd, und der e-208 ist in jeder Hinsicht überlegen. Bei ruhiger Fahrweise ist der e-208 so viel komfortabler, dass die anderen Versionen dieses brandneuen Autos sofort als veraltet erscheinen. Gleichzeitig ist die Leistung des e-208 um ein Vielfaches besser als die der anderen Versionen. Unabhängig von der Geschwindigkeit hat der e-208 immer eine köstliche Reserve, um mit einer gewissen Überlegenheit loszulegen. Und weil diese Leistung leise erbracht wird, fühlt sich der e-208 den "röhrenden" Modellen überlegen, die dann weniger leisten.

Laut Peugeot kann der e-208 mit einer vollen Batterie (50 kWh, Lithium-Ionen) 340 km weit fahren (WLTP). Es handelt sich um einen Akku mit aktiver Kühlung und Heizung, der optimale Leistung, schnelles Aufladen und eine möglichst lange Akkulaufzeit gewährleistet.

Bei einer Testfahrt, bei der sich der Testfahrer immer wieder vom spielerischen Charakter des e-208 verführen ließ, lag der Verbrauch bei 15,9 kWh / 100 km, was einer tatsächlichen Reichweite von 315 km entspricht. Danach kann der e-208 über die heimische Steckdose (16 Stunden), über eine öffentliche Ladestation (8 Stunden, 3-phasig, 11 kW) oder über ein Schnellladegerät (0 bis 80 % in 30 Minuten, 100 kW) wieder aufgeladen werden. Obwohl der e-208 in der Anschaffung deutlich teurer ist als die Varianten mit Verbrennungsmotor, sind die Kosten pro Kilometer sehr viel niedriger. Wenn das nicht ein verlockendes Angebot ist?

Peugeot 208

Schlussfolgerung

Fährt der neue Peugeot 208 so gut, wie er aussieht? Ja, auf jeden Fall. Die zweite Generation des Peugeot 208 sieht spielerisch und dynamisch aus und genau so fährt er sich auch. Natürlich macht die gewählte Version in dieser Hinsicht einen großen Unterschied. Ein 208 mit Basismotor und Grundausstattung ist ein ganz gewöhnlicher Kleinwagen, aber in modernem Gewand. Mit der Wahl eines stärkeren Motors und einer reichhaltigeren Ausstattung wird die Leistung verbessert und das sportlichere Fahrwerk sorgt für mehr Dynamik.

Diejenigen, die einmal durch das Jahr 208 in Versuchung geraten sind, müssen dann entscheiden, ob es eine kluge Versuchung ist. In allen Versionen und mit allen Motoren lautet die Antwort auf diese Frage ebenfalls Ja. Einige 208 sind jedoch sinnvoller als andere. Wer erst den 208 mit Verbrennungsmotor und dann den elektrischen e-208 Probe fährt, wird den ersteren sofort als "veraltete Technik" abschreiben. Der e-208 fährt nicht nur besser (schneller, leiser, komfortabler), sondern ist auch sauberer und wirtschaftlicher im Betrieb.

plus
  • Smart iCockpit
  • Moderne Ausrüstung
  • Fährt so gut, wie es aussieht
minus
  • Höhe im boden bei e-208
  • Unbequeme Bedienung des Infotainmentsystems
  • Geringe Kopffreiheit in Kombination mit Panoramaglasdach