Opel Astra
Opel folgt seinem eigenen Kompass
Die wichtigste Neuerung ist nämlich der Kompass! Nach und nach zeigte Opel bereits in Konzeptfahrzeugen ein Kreuz an der Front, das wie ein Kompass den Weg weist. Da neue Vorschriften der Europäischen Union dies zulassen, verfügt der Astra nun über eine Beleuchtung, die sich über die gesamte Breite der Front erstreckt. Das Logo ist beleuchtet, darüber und darunter befinden sich Linien, die an einen Kompass erinnern.
Neue Felgen sollen die Aerodynamik und das Erscheinungsbild des Astra verbessern. Chromakzente wurden durch schwarze Elemente ersetzt, da diese moderner wirken und umweltfreundlicher sind (Chrom gehört zusammen mit Leder zu den Komponenten, deren Herstellung bei der Autofertigung die Umwelt am stärksten belastet).
Die neuen Scheinwerfer prägen nicht nur das Erscheinungsbild, sondern sorgen auch für zusätzliche Sicherheit. Der Opel Grandland war bereits mit intelligenten Scheinwerfern mit 25.000 Elementen pro Scheinwerfer ausgestattet. Diese können die Landschaft vor dem Fahrzeug sehr präzise ausleuchten, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu beeinträchtigen. Laut den Technikern von Opel war dies eine große Herausforderung, doch nun sind diese fortschrittlichen Scheinwerfer auch im deutlich kleineren Astra verbaut. Die Erfahrung zeigt, dass dies einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit beim Fahren im Dunkeln leistet.
Fahrgastraum
Bei der Überarbeitung des Astra standen Kundenreaktionen im Mittelpunkt, während die Konkurrenz weniger berücksichtigt wurde. Eine der Beschwerden von Astra-Fahrern war, dass auf den schwarz lackierten Verkleidungen im Innenraum Fingerabdrücke zurückbleiben. Diese sind daher künftig in Mattschwarz gehalten. Auch die Darstellung auf den Bildschirmen wurde angepasst, sodass die Bedienung logischer und damit einfacher ist.
Opel zeichnet sich schon seit langem durch die Sitze aus, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Gesunde Rücken entwickelt wurden. Hier geht der Hersteller nun mit dem „Intelliseat“ noch einen Schritt weiter. Dieser Begriff ist etwas übertrieben, denn er steht lediglich für eine Aussparung in der Mitte des Sitzes, wodurch weniger Druck auf das Steißbein und die Wirbelsäule der Insassen ausgeübt wird. Während der Probefahrt wurden diese Sitze als angenehm, aber nicht bahnbrechend empfunden. Die Sitze bestehen fortan vollständig aus recycelten Materialien und fühlen sich dennoch weich und angenehm an. Bei der „Edition“-Ausführung ist der gesamte Innenraum in helleren Farbtönen gehalten, was für eine freundlichere Ausstrahlung sorgt.
Elektrischer Astra
Der elektrisch angetriebene Astra verfügt nun über eine etwas größere Reichweite. Indem die Schichten in den Zellen etwas enger gewickelt werden, kann mehr Energie gespeichert werden, ohne das Gehäuse zu vergrößern oder die Chemie anzupassen. Zudem nutzt der Astra einen neuen, effizienteren Motor der Muttergesellschaft, was ebenfalls zu einer größeren Reichweite beiträgt. Von nun an kann die Batterie auf dem Weg zur Schnellladestation vorgewärmt werden, um dort schneller aufladen zu können.
Die Änderungen haben keinen Einfluss auf das Fahrverhalten. In der Praxis ist der Astra nach wie vor ein Elektroauto wie aus dem Lehrbuch: leise, flink und geschmeidig. Im Eco-Modus lässt die Fahrdynamik spürbar nach, während das Auto im Sportmodus besonders reaktionsfreudig ist. Während der Testfahrt bei günstigen Wetterbedingungen und mit ruhigem Fahrstil lag der Verbrauch bei 14,1 kWh/100. Das entspricht dem Durchschnitt für ein modernes Fahrzeug dieser Größe und sorgt für eine tatsächliche Reichweite von 330 km. Letzteres ist für ein Auto in diesem Segment etwas wenig. Obwohl die Energierückgewinnung nun in drei Stufen möglich ist, ist das Fahren mit einem Pedal im Astra nach wie vor nicht möglich. Opel ist weiterhin der Ansicht, dass dies für Fahrer, die nicht an das elektrische Fahren gewöhnt sind, ungewohnt ist. Autozine bleibt dabei, dass es sich hierbei um eine Softwarefunktion handelt, die sich einfach ein- und ausschalten lässt. Daher sollte der Kunde entscheiden, nicht der Hersteller.
Plug-in-Hybrid
Auch der Plug-in-Hybrid („PHEV“) wurde für das Modelljahr 2026 modernisiert. Er erhält ebenfalls eine Batterie mit größerer Kapazität, wodurch der Hybrid-Astra künftig 83 km rein elektrisch zurücklegen kann. Der 1,6-Liter-Motor weist weniger innere Reibung als zuvor auf und ist vollständig auf das Zusammenspiel mit einem Elektromotor zugeschnitten. Der neue Antrieb nutzt einen sogenannten Miller-Zyklus, bei dem ein Motor zwar wesentlich sparsamer, aber auch deutlich weniger laufruhig ist. Der Elektromotor gleicht Letzteres aus. Um den Benzinmotor noch sparsamer zu machen, setzt Opel auf einen höheren Einspritzdruck, eine variable Ölpumpe und eine präzisere Steuerung (Timing).
Wir sagen das nicht oft, aber: Der Plug-in-Hybrid fährt sich angenehmer als der vollelektrische Astra. Im Elektromodus ist der Astra Plug-in-Hybrid spritziger als die vollelektrische Variante. Der PHEV kommt leichter auf Geschwindigkeit und fühlt sich spürbar leichter an. Der Benzin- und der Hybridmotor des Astra arbeiten harmonisch zusammen, sodass tatsächlich das Beste aus zwei Welten geboten wird (etwas, das bei Hybriden von Stellantis bei weitem nicht immer der Fall ist). Ist die Batterie leer, kann der Elektromotor nur noch kurzzeitig unterstützen. Dies reicht dennoch aus, um einen Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern pro 100 km zu erreichen, womit der Astra PHEV auch ohne Aufladen sparsam ist.
Diesel
Genau wie andere Hersteller investiert Opel nicht mehr in Dieselmotoren. Der bestehende Dieselmotor wurde daher lediglich angepasst, um die neuesten Abgasnormen der Europäischen Union zu erfüllen. Da Opel den Astra Diesel zuvor nicht als Testwagen zur Verfügung gestellt hatte (und da Diesel in den Niederlanden nicht mehr üblich ist), wurde aus Neugier dennoch eine Runde damit gedreht. Der Dieselmotor ist sowohl außerhalb als auch innerhalb des Fahrzeugs deutlich zu hören, läuft aber geschmeidig und kraftvoll. Außerdem fällt auf, dass der Diesel die leichteste der drei getesteten Varianten ist. Daher verfügt er über die beste Straßenlage (weniger Gewicht, das in eine Richtung gedrückt wird) und den dynamischsten Charakter.
Fazit
Opel folgt seinem eigenen Kompass. Beim überarbeiteten Astra stehen nicht die Konkurrenz oder die neueste Technik im Mittelpunkt, sondern die Wünsche der Kunden. Astra-Käufer suchen nicht nach einer bestimmten Technik, sondern nach Funktionalität. Deshalb ist das Auto nicht nur luxuriöser und moderner geworden, sondern vor allem praktischer und nachhaltiger. Der Plug-in-Hybrid und der vollelektrische Astra bieten dank verbesserter Akkuteknik eine größere Reichweite. Beim Plug-in-Hybrid arbeiten Benzin- und Elektromotor reibungsloser zusammen als zuvor, wodurch dieses Modell für Privatkunden zu einer ernstzunehmenden Option geworden ist. Die Modelle mit Verbrennungsmotor schalten dank eines Doppelkupplungsgetriebes schneller und sanfter.
Zudem wurde das Design überarbeitet. Die Falte in der Motorhaube war lange Zeit ein Markenzeichen von Opel. Durch die Einbindung einer Lichtleiste in den Kühlergrill (und die Zurücknahme anderer Linien) entsteht nun ein großes Kreuz mit dem Opel-Logo in der Mitte. Das Gesamtbild erinnert an einen Kompass, und das ist bezeichnend für Opel, denn das Unternehmen geht mit dem überarbeiteten Astra ganz eigene Wege. Da der Astra keinen ausgeprägten Charakter hat, mag das vielleicht etwas langweilig wirken, aber es bedeutet einfach, dass das Auto in allem gut ist.
- Durchdachtes Konzept
- Vertrauenerweckendes Fahrverhalten
- Angenehm als Plug-in-Hybrid, hervorragend als Elektroauto
- Intelliseat ist eher Marketing als echter Komfort
- Das Fahren mit nur einem Pedal ist nach wie vor nicht möglich

