Datum der Veröffentlichung: 6 Juni 2023
Nissan Sakura
Autotest

Nissan Sakura

Blumen aus Japan

Autotest - Mit dem Leaf hat Nissan dem Elektroauto zum Durchbruch verholfen. Und vor kurzem hat die Marke mit dem Ariya einen großen Schritt nach vorn gemacht. Was aber nur wenige wissen, ist, dass Nissan ein drittes Elektromodell baut: den Sakura. Der Sakura gehört zu den günstigsten Elektroautos auf dem Markt, aber leider ist er nur in Japan erhältlich. Autozine ist nach Japan gereist, um herauszufinden, ob der Sakura auch in Europa eine Chance hat.

Der Nissan Sakura ist nur in Japan erhältlich, weil er ein so genanntes "Kei Car" ist. Solche Autos werden vollständig an die japanischen Steuergesetze angepasst, um in den Genuss von finanziellen Vergünstigungen zu kommen. So darf ein kei car nicht länger als 340 cm und nicht breiter als 150 cm sein und seine Höchstgeschwindigkeit muss auf 140 km/h begrenzt sein. Um diese Anforderungen zu erfüllen, müssen manchmal Kompromisse eingegangen und/oder spezielle kompakte Bauteile verwendet werden, die wesentlich teurer sind als durchschnittliche Bauteile.

Nissan Sakura

Die Größenanforderungen erklären, warum der Sakura ein kurzes und stämmiges kleines Auto ist. Während Kei-Cars im Allgemeinen niedlich sind, kombiniert der Sakura liebenswerte Abmessungen mit einem ungewöhnlich selbstbewussten Aussehen. Das Ergebnis ist ein ernst zu nehmendes Kei-Car! Die Nase mit dem geschlossenen Kühlergrill verleiht ihm ein modernes Aussehen und macht deutlich, dass es sich um ein Elektroauto handelt.

Weltraum

Angesichts der minimalen Außenmaße ist der enorme Innenraum eine große Überraschung. Und das ist kein relativer, sondern ein absoluter Raum. Vor allem die Beinfreiheit im Fond ist hervorragend und steht der des viel größeren Nissan Ariya in nichts nach! Der Platz vorne ist riesig, und während Kei-Autos in der Regel für die japanische Statur gemacht sind, sitzt der europäische Testfahrer im Sakura königlich vorne. Es gibt sogar noch Kopffreiheit, um mit einem Hut zu fahren. Fahrer und Beifahrer sitzen auf einer "Zweiersitzbank", denn Japaner finden das viel gemütlicher als zwei getrennte Sitze.

Nissan Sakura
Nissan Sakura

Der Stil des Armaturenbretts ähnelt dem des (viel teureren!) Ariya. Eine Kombination aus Stoff und kupferfarbenen Akzenten verleiht dem Sakura ein ungewöhnlich schickes Aussehen für ein Auto im kleinsten Segment. Außerdem vermittelt der Innenraum in keiner Weise das Gefühl, dass an Qualitätsteilen oder Materialien gespart wurde, um den Sakura kostengünstig anzubieten.

Ausrüstung

Auch die Ausstattung lässt mit schlüssellosem Zugang, Vollklimatisierung, Rückfahrkamera, Parksensoren rundum, elektrischer Parkbremse, Lenkradheizung und natürlich einem vollwertigen Infotainmentsystem kaum Wünsche offen. Letzteres unterstützt auch Apple CarPlay und Android Auto über USB-A- und -C-Anschlüsse in der Mittelkonsole. Der Klang des Audiosystems ist überraschend voll und lässt den Sakura auch nicht als kleines oder billiges Auto erscheinen.

Nissan Sakura

Mit der Sitzbank, den schönen Polstern und dem ganzen Luxus ist die Kabine des Sakura ein angenehmer Ort, auch wenn das Auto steht!

Elektroauto

Der teuerste Teil eines Elektroautos ist die Batterie, und der Sakura ist der fahrende Beweis dafür. Die Batterie hat eine Kapazität von nur 20 kWh, was nach der japanischen WLTC-Norm eine Reichweite von 180 km ergibt. Bei der Testfahrt unter günstigen Wetterbedingungen waren es 154 km.

Nissan Sakura

Die Idee hinter dem Sakura ist, dass diese Reichweite für die meisten Reisen mehr als ausreichend ist. Es ist daher eine Geldverschwendung (und eine Umweltverschwendung!), für jede Fahrt ausnahmsweise zusätzlichen Ballast mitzuschleppen. Der "Honda e" und der "Mazda MX-30" basieren auf der gleichen Theorie, sind aber nicht billiger als Elektroautos mit größerer Reichweite. Der Nissan Sakura ist tatsächlich viel billiger als andere Elektroautos (zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels umgerechnet 16.400 Euro), und so kommt das Konzept dieses Mal tatsächlich zum Tragen.

Der Test beinhaltete eine Fahrt vom Herzen Tokios über einen riesigen Komplex von Ringstraßen in die Außenbezirke, wo sich viele in Erholungsgebieten und auf Sportplätzen an Flussbetten entspannen. So blieben selbst nach einem ganzen Fahrtag noch mehrere Dutzend Kilometer Reichweite übrig, und es gab nie Stress wegen mangelnder Reichweite (auch bekannt als "Reichweitenangst"). Außerdem lässt sich der Sakura relativ schnell aufladen, wobei genau hier der Haken liegt: Hinter der Ladeluke verbirgt sich ein ChaDeMo-Anschluss, der in Europa so gut wie abgeschafft ist.

Nissan Sakura

Damit die kleine Batterie nicht überlastet wird, hat sich Nissan für einen bescheidenen Elektromotor entschieden. Im Sportmodus ist der 63 PS / 195 Nm starke Motor lebhaft und ausreichend für ein sanftes Überholen oder ein schnelles Einschieben, wenn nötig. Im Eco-Modus ist die Leistung bescheiden, aber gerade noch ausreichend. Bei der in Japan üblichen ruhigen Fahrweise (die Höchstgeschwindigkeit auf vielen Autobahnen beträgt 60 bis 80 km/h) lag der Testverbrauch bei äußerst bescheidenen 9,9 km/kW. Wie andere Nissan-Elektroautos kann auch der Sakura im so genannten "E-Pedal"-Modus mit nur einem Pedal gefahren werden.

Fahrverhalten

Der Sakura verdankt seinen unwahrscheinlichen Innenraum und den geringen Rollwiderstand den kleinen Rädern. Das hat den Nachteil, dass der Sakura in Kurven keineswegs ein Held ist. Die Lenkung ist leicht und präzise, wobei immer zu beachten ist, dass es sich um ein extrem wendiges Auto handelt. Auf seine Art vermittelt der Sakura also ein Gefühl der Überlegenheit. Bei Kurvenfahrten neigt sich die hohe und schmale Karosserie jedoch merklich und manchmal fast störend. Die Batterie sorgt jedoch für einen niedrigen Schwerpunkt, so dass der Sakura wie eine Wippe immer schnell wieder ins Gleichgewicht kommt.

Nissan Sakura

Schlussfolgerung

Ist es schade, dass der Nissan Sakura nicht in Europa erhältlich ist? Ja, absolut. Schließlich ist dies das erste Elektroauto, bei dem eine Batterie mit kleiner Kapazität von Vorteil ist. Sie sorgt für geringes Gewicht, mehr Dynamik, mehr Platz im Innenraum und einen sehr niedrigen Preis. Letzteres im Gegensatz zu anderen japanischen Elektroautos, die trotz einer bescheidenen Batterie einen hohen Preis haben. Das Platzangebot im Innenraum ist für ein kleines Auto geradezu überwältigend.

Zu diesen rationalen Argumenten kommen die präzise Lenkung und der kleine Wendekreis, die für den nötigen Fahrspaß sorgen. Die Innenausstattung ist dank einer Kombination aus Stoff und kupferfarbenen Akzenten schön (wie ein Nissan Ariya in Miniatur). Viele Kei-Autos beeindrucken außerhalb Japans nicht, weil sie niedlich und/oder fast pathetisch aussehen. Der Sakura mit seinem selbstbewussten Aussehen und seiner modernen Ausstrahlung hätte in Europa durchaus eine Chance.

Letztendlich gibt es nur zwei wirkliche Nachteile, die den Testredakteur davon abhielten, das Sakura als Handgepäck mit auf den Rückflug zu nehmen: Das Lenkrad befindet sich auf der rechten Seite und das Aufladen ist in Europa aufgrund des japanischen ChaDeMo-Steckers problematisch.

plus
  • Sehr geräumig
  • Dynamisch und beweglich
  • Günstig in der Anschaffung und Nutzung
minus
  • Lenkrad rechts
  • ChaDeMo-Stecker
  • Nur zum Verkauf in Japan