21 April 2004
Nissan 350 Z

Nissan 350 Z

Rechenwunder

Autotest | Kurz nach einander haben diverse Marken einen neuen Sportwagen auf den Markt gebracht. Es sind alles 2-Person-Coupés mit Hinterradantrieb, bei denen die Exklusivität und die Sportlichkeit an erster Stelle stehen. Wenn man nur die Zahlen vergleicht, gewinnt Nissan aber jedes Mal. Der Nissan 350Z hat das größte Motorvolumen, die meisten PS und erzielt auf dem Papier die besten Ergebnisse. Aber sind die Zahlen allein selig machend? Ein Test gibt die Antwort auf diese Frage.
 

Die Reaktionen auf den 350Z waren sehr unterschiedlich, noch bevor das Auto auf den Markt gebracht wurde. Das kommt unter anderem dadurch, dass das Auto in Amerika entworfen wurde, hauptsächlich für den amerikanischen Markt bestimmt ist, aber in Japan gebaut wird. Da Geschmack und Bedingungen in jedem Land unterschiedlich sind, wird das Auto an die Anforderungen eines jeden Landes angepasst.

Nissan 350 Z

Motor

Wenn es ein Buch, mit einer Liste aller Punkte, was ein guter Sportwagen erfüllen muss, gäbe, dann ist der 350Z-Designer dieser Anleitung bis zum letzten Buchstaben gefolgt. Die erste Forderung ist: ein kräftiger Motor. Nissan stellt sich nicht kindisch an und stattet den 350Z mit einem 3.5-Liter 6-Zylinder Triebwerk aus. Schlüssel umdrehen und plötzlich ist klar, dass der Wagen nicht nur ein Motor ist. Im Innenraum ist ein raues Brummen zu hören, außen geben zwei Auspuffe einen stotternden und heulenden Rennklang. Selbst ein renommierter italienischer Sportwagenproduzent würde sich nicht für so einen Motorklang schämen! Es verwundert deswegen auch nicht, dass das Testauto -allein aus diesem Grund- ganz viel Aufmerksamkeit auf der Straße entgegengebracht bekommt.

Leistung

Die Reaktion auf das Gaspedal ist direkt und heftig. Ein Tritt aufs Gas bedeutet eine sofortige Beschleunigung; beim Gas wegnehmen hält das Auto direkt an. Zusammen mit der Kupplung, die speziell entwickelt wurde, um Leistung zu bringen, ist der 350Z ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Das ist kein Auto, mit dem jeder vom ersten Tag an sehr schnell fahren kann. Das 6-Gang-Schaltgetriebe lässt sich stark und treffsicher schalten. Die Übersetzungen sind so gewählt, dass die Gänge bei voller Geschwindigkeit gut ineinander greifen. Die 6-Zylinder sind so stark, dass man auch in einem hohen Gang langsam fahren kann (80 Km/h im 6.Gang mit weniger als 2.000 U/min sind kein Problem).

Selbstverständlich ist das Testziel nicht die brave Stadtfahrt. Das ist jedoch einfacher gesagt als getan. Manch kleines Sportcoupé oder GTi lässt den Insassen glauben, sehr schnell zu fahren, obwohl die Geschwindigkeit noch innerhalb der gesetzlichen Begrenzung bleibt. Der Nissan 350Z ist ein wirklich schnelles Auto, das dem Fahrer wirklich schnell bei "der Abgabe des Führerscheins" helfen kann. Der Sprint von 0 auf 100 Km/h dauert nur 5.9 Sekunden. Die Zwischenbeschleunigungen sind richtig spektakulär, aber auch eine Beschleunigung von 80 auf 120 Km/h ist so verblüffend schnell, dass der Spaß bereits aufhört, bevor er richtig anfängt.

Nissan 350 Z

Straßenlage

Der zweite Punkt, im Buch über einen guten Sportwagen, betrifft -ohne Zweifel- die Straßenlage. Wenn man nicht schnell auf einer geraden Strecke fahren darf, dann erzeugt die gleiche Geschwindigkeit in einer Kurve jedenfalls ein viel größeres Erlebnis! Diese Forderung erfüllt Nissan sehr gerne. Das Gewichtsverhältnis ist nahezu perfekt, mit 53% auf den Vorderrädern und 47% auf den Hinterrädern, abgestimmt. Außerdem beträgt das Verhältnis, laut Herstellerangaben, im Beschleunigungsmoment exakt 50/50. Wieder sprechen die Zahlen zu Gunsten des Nissans.

Die Lenkung ist etwas schwergängig, was in diesem Fall aber positiv ist. Vor allem bei kleinen Geschwindigkeiten fühlt man sehr gut, wie die gigantischen Vorderräder fast vollständig -nur mit Armstärke- in die richtige Richtung gedreht werden. Die Kommunikation mit dem vorderen Teil des Fahrwerks, lässt doch etwas zu Wünschen übrig. Die Lenkung wäre doch etwas besser gewesen, wenn man die Lenkbewegungen von scharf links nach scharf rechts begrenzen würde. Deswegen macht der 350Z jetzt den Eindruck eines großes Auto. Er ist bestimmt kein ausgelassenes, wendiges Coupé, sondern eher ein großer, schwerer und schneller Sportwagen. Für den Autor ist der 350Z dadurch weniger "süchtig machend" als andere Autos in diesem Segment.

Das Fahrgestell gehört zu den härtesten (aber sicherlich nicht zu harten) überhaupt; das ist wieder ein großes Kompliment für den Nissan. Wenn der 350Z-Fahrer auf einer frisch asphaltierten Straße fährt, auf der jemand einen Kaugummi ausgespuckt hat, weiß der Fahrer nicht nur, wo es liegt sondern auch welche Marke es war! So ein steinhartes Fahrgestell (übrigens, die Sitze gleichen viel aus) trägt merklich zu seinem Sportwagenpotential bei. Eine entspannte oder bequeme Fahrt, an einem nicht völlig ausgeschlafenen Montagmorgen, gehört damit jedoch definitiv zur Vergangenheit.

Wozu ein Sportwagen mit einer kommunikativen Lenkung, perfekten Abstimmung und einem stabilen Fahrgestell imstande ist, wird in einer Kurve bewiesen, in der jedes Testauto seine Künste vorführen darf. Obwohl der 350Z nicht die höchsten Geschwindigkeiten erzielte (das bleibt den Allrad-Sportwagen vorbehalten), gehört dieser Nissan zum absoluten Top-Segment.

Wenn es um die Sicherheit geht: die Sprintkraft ist eindrucksvoll, die Bremskapazität der "Brembo" Bremsscheiben respekteinflößend. Das Gefühl mit dem Bremspedal ist ausgezeichnet und deswegen ist die Dosierbarkeit auch phänomenal. Aus schwindelerregenden Geschwindigkeiten kann das Auto bis auf den Millimeter und kerzengerade gestoppt werden. Damit ist klar: Nissan hat seine Hausaufgaben für den europäischen Markt vorbildlich gemacht.

Design

Obwohl die Fahreigenschaften für einen Sportwagen ohne Zweifel das wichtigste Element ist, wird das wahre Erlebnis erst in Verbindung mit einem gelungenen Äußeren komplett. Der Newcomer wurde mit einem Augenzwinkern an die vorherige "z-car" Generation gezeichnet. Die gebogene Dachlinie und die lange Nase sind auch für den 240Z charakteristisch. Das hintere Dachdesign und die deutliche Coupéform kommen vom

Für diese vierte Generation des "z-car" holten die Designer die Anziehungskraft aus den klaren Linien, ohne überflüssige Details, die ein unordentliches Bild verursachen könnten. Aber es gibt auch noch Platz für Originalität. Die stehenden Aluminium-Türgriffe sind nicht nur schöner, sondern auch angenehmer als die konventionell liegenden Exemplare. An der Rückseite wurde die Rückleuchten von den Blinkern getrennt. Das hohe Heck sorgt für eine mäßige Sicht nach hinten und das ist beim einparken etwas lästig. In diesem Fall ist das aber ein "Luxusproblem", das der Fahrer gerne in Kauf nimmt. Die ordentlich angesetzten Radkästen, mit einem deutlichen Überhang hinten, betonen den Charakter eines waschechten Kraftprotzes und weniger den, eines ranken und schlanken Sportcoupés.

Nissan 350 Z

Innenraum

Auch im Innenraum ist das Sportwagenfeeling vollkommen. Das erste, was auffällt, ist jedoch der Raum. Während manche Coupés den großen Fahrer zu erstaunlichen Haltungen zwingen, um Platz hinter dem Lenkrad nehmen zu können, ist der Innenraum des 350Z relativ geräumig. Natürlich stattet Nissan sein "Paradepferd" mit Ledersportsitzen (elektrisch verstellbar und beheizt), die viel seitliche Unterstützung bieten, aus. Das Lenkrad ist -zusammen mit den Instrumenten- in der Höhe verstellbar.

Auf der Beifahrerseite gibt es kein Handschuhfach, sondern nur einen Becherhalter und einen 12V Anschluss. Der Stauraum im Innenraum ist gering. Die Türablagen sind klein, das Fach zwischen den Vordersitzen wird zum Teil durch einen Telefonhalter in Beschlag genommen. Hinter dem Beifahrersitz befindet sich (den man auch vom Fahrersitz hochklappen kann) eine Luke mit einem Staufach, das so etwas zwischen kleinem Kofferraum oder riesigem Handschuhfach ist.

Audio und Navigation

Hinter dem Fahrersitz befindet sich der Subwoofer des Audiosystems. Dieses wird von Bose geliefert und deswegen sind Kopfschmerzen vorprogrammiert. Der bombastische Klang hat nichts mit einer HiFi-Wiedergabe zu tun und ist nur für stampfende House-Musik geeignet. Die Lösung ist, den Bass einige Stufen zurückzuschalten und nur die vorderen Lautsprecher zu verwenden (anders ist die Stereowiedergabe ganz undeutlich) und die Lautstärke so niedrig, wie möglich zu halten. Das Testauto ist mit einem optionalen und ausgezeichnet integrierten Nissan-Navigationssystem ausgestattet. Es kann die Karte in einem ""bird's eye view" wiedergeben (die Landschaft wird in 3D, aus der Voegelperspektive gesehen, gezeigt), was der Deutlichkeit sehr zu Gute kommt.

Der Kofferraum ist riesig, aber die Nützlichkeit wegen eines prominent anwesenden Querbalkens nur gering. Doch mit ein wenig gutem Willen kann man noch zwei Golftaschen reinkriegen, was sofort klar macht, dass auch das Gepäck von zwei Personen problemlos reinpasst. Der Querbalken ist mit einem schönen Logo versehen, das leider im Innenspiegel reflektiert. Deswegen hat der Fahrer beim Blick in den Rückspiegel ständig eine Art Untertitel "gesehen aus einem 350Z" im Blickfeld. Der Querbalken kommt der Stabilität und damit den Fahreigenschaften zu Gute und darum geht es doch letztendlich bei einem Sportwagen, der vollkommen "nach dem Buche" gebaut zu sein scheint.

Nissan 350 Z

Fazit

Die Zahlen sprechen Bände. Der Nissan 350Z ist das stärkste und schnellste neue Sportcoupé. Dank seiner hervorragenden Lenkung, kommunikativem Fahrgestell, perfekter Übersetzung und seinen bissigen Bremsen kann der Fahrer das Geschwindigkeitspotential tatsächlich vollständig ausnutzen. Ist der 350Z dadurch auch der momentan beste Sportwagen? Die Antwort auf diese Frage bleibt strikt persönlich. Für denjenigen, der kein Spielzeug, sondern einen meisterhaften und vor allem puren Sportwagen sucht, ist die Antwort auf die Frage ein klares "ja" (Ivo Kroone).

plus
  • Brutales Rennmonster!
  • Ausgezeichnete Bremsen
  • Sublime Straßenlage
min
  • Audiosystem - schlechter Klang
  • Vermittelt den Eindruck eines schweren Autos
  • Mäßige Sicht nach hinten / unbequemes einparken

Alternativen

Audi TT (1998 - 2006)Audi TT