14 September 2006
BMW X3 (2004 - 2010)

BMW X3 (2004 - 2010)

Ein sportlicher Diesel

Autotest | BMW meldet stolz, dass der X3 einen Facelift bekommen hat. Drei Jahre nach der Markteinführung wollte BMW den X3 auf den neuesten Stand bringen, um gegenüber der Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten. Was hat sich also genau geändert? Und hatte der X3 den Facelift wirklich nötig?
 

Die Unterschiede zwischen altem und neuem X3 fallen nicht sofort ins Auge. Wir mussten erst die Dokumentation lesen, um zu bemerken, dass die Einteilung der Scheinwerfer und Rücklichter geändert wurde. Die Stoßfänger in Wagenfarbe sind uns da schon eher aufgefallen. Von außen gesehen sind die Änderungen minimal und verleiten sicher keine Scharen von X3-Besitzern zum Händler zu rennen und gegen die neue Version tauschen zu wollen.

BMW X3 (2004 - 2010)

Schönheit kommt von innen

Im Innenraum ist der Unterschied deutlicher. Hier sind bessere Materialien gebraucht, die absolut makellos verarbeitet sind. Die Sicherheitsgurte sind aber leider immer noch nicht in der Höhe verstellbar. Wie bisher schon unterscheidet sich der X3 von anderen SUVs durch die Sitzhaltung. Der Fahrer sitzt nicht wie auf einem Hochsitz, sondern Pkw-mäßig tief. Die Sicht auf die Straße bleibt ausgezeichnet, aber anders als bei den meisten SUVs fühlt man sich im X3 nicht wie in einem in die Stadt verpflanzten Geländewagen. Das Platzangebot ist vorne wie hinten enorm. Vier Erwachsene plus Gepäck haben weit mehr als genug Platz im X3.

Als Luxus-SUV bietet der X3 allen erdenklichen Komfort. Nur einen "iDrive" hat ihm BMW trotz des Facelifts immer noch nicht spendiert. Das ist die Navigations-, Kommunikations-, Audio- und Klimaanlagensteuerung von BMW, die sich mit einem einzigen Druck-/Drehknopf bedienen lässt. BMW erklärt das damit, dass die Integration eines iDrive zu viele Änderungen erfordert hätte. So muss auch die neue Version des X3 mit einem weniger komfortablen System als die restlichen BMWs auskommen.

Dass kein iDrive verfügbar ist soll aber nicht heißen, dass es dem X3 an Ausstattung fehlen würde. Im Gegenteil. Alle erdenklichen Extras sind lieferbar, von einer beheizten Rückbank über Einparkhilfen vorn und hinten bis zu Bi-Xenon-Kurvenlicht. Die Standardausrüstung ist mit der Verjüngungskur nicht umfangreicher geworden, der X3 bleibt weiter teuer.

BMW X3 (2004 - 2010)

Sportwagen

Die größten Verbesserungen finden sich unter der Motorhaube. Fast alle Motoren wurden modernisiert, das heißt: bessere Leistung bei geringerem Verbrauch.

Das neue Topmodell ist ein Dreiliter-Sechszylinder-Diesel mit Partikelfilter. Der stammt von den 5ern (535d), ist aber hier noch kräftiger und kommt besser zur Geltung. Das besondere daran ist die Twin Turbo-Technik. Ein Turbo springt normalerweise erst ab einer gewissen Drehzahl bei, um die Motorleistung zu steigern. Daher fallen viele Turbomotoren bei niedrigen Drehzahlen ins sogenannte Turboloch, bis die Leistung dann sprunghaft steigt, wenn der Turbo anspringt. Im Gelände würden sich die Reifen dann plötzlich eingraben.

Deshalb hat BMW diesem Motor zwei Turbos verpasst. Einen, der schon bei kleinen Drehzahlen läuft und einen zweiten, der bei einer höheren Drehzahl sanft anspringt. So kann der Motor die Turboleistung im gesamten Drehzahlbereich nutzen, was dem "3.0sd" zu durchweg spektakulären Leistungen verhilft.

Der Diesel startet mit imposanten Lkw-Geräuschen, verhält sich aber wie der Motor eines echten Vollblut-Sportwagens. Schon ein Antippen des Gaspedals lässt den Wagen sofort beschleunigen. Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist in 6,6 Sekunden erledigt. Auf der Autobahn sind wir mit dem X3 3.0sd in einem kurzen Augenblick bei 200 km/h. Viele andere benzinfressende SUVs kommen nicht an die Leistungen dieses relativ sparsamen Diesels ran!

BMW X3 (2004 - 2010)

Softroader

Schon früher hatten wir den X3 als typischen "Softroader" dargestellt: Als ein Auto, dass für die Straße optimiert ist, und im Gelände nur minimal zu gebrauchen ist. Nach wie vor fühlt sich der X3 auf dem Asphalt zu Hause. Er fährt sich fast wie ein normaler Pkw.

Wie es sich für einen BMW gehört, hat der X3 eine sportliche Note und lässt sich die Fahrsituation in ihm gut erfühlen. Ermöglicht wird das unter anderem durch die angenehm schwere Lenkung. Außerdem leitet der Allradantrieb "xDrive" im Normalbetrieb etwas mehr Antriebskraft auf die Hinterachse als nach vorne, sodass man dem X3 den BMW anmerkt. Trotz seiner Höhe neigt sich der X3 in schnell genommenen Kurven kaum und sinkt auch bei starkem Bremsen nicht in die Federung.

Der X3 ist nicht als harter Geländewagen für den Dschungel oder die Wüste gebaut. Mit dem elektronisch gesteuerten Allradantrieb, der großen Bodenfreiheit und der enormen Motorleistung ist der X3 im Gelände aber auch nicht rettungslos verloren. Also alles dabei für eine schöne Tour durchs Gelände, die wir dann auch gleich in Angriff genommen haben.

BMW X3 (2004 - 2010)

Die Grenze ist allerdings schnell erreicht. Die 20 cm Bodenfreiheit reichen in der Praxis nicht aus. Auch ist der elektronische Allradantrieb nicht für Offroad-Anforderungen programmiert. Wenn es schwieriger wird, sucht das System nach Traktion, mit dem Effekt, dass abwechselnd die Vorder- und die Hinterräder durchdrehen und das Auto schwer zu kontrollieren ist. Die Reifen sind dabei, wie auch schon beim alten X3, das schwächste Glied der Kette. Sie sind voll auf die Autobahn ausgerichtet und füllen sich im Gelände schnell mit Matsch. Dann haben sie kaum noch Haftung.

Niedrige Gänge zum Befahren extremer Steigungen und Gefälle sucht man im X3 vergebens. Stattdessen gibt es eine elektronische Bergabfahrkontrolle. Wenn man den Fuß von Gas und Bremse nimmt, zuckelt der X3 langsam und dosiert ein steiles Gefälle hinunter (auch rückwärts!). Auch hierbei merkt man, wie sich die Elektronik den Leistungsgrenzen nähert, sodass sich der X3 weniger zuverlässig anfühlt als ein echter Geländewagen. Beim Befahren von Steigungen nutzt einem die Elektronik natürlich nichts.

Der Sprecher von BMW versucht nicht, das schönzureden. Der X3 ist nunmal kein echter Geländewagen. Die Offroad-Fähigkeiten sind nur ein kleines Extra seiner Vielseitigkeit zuliebe. Recht hat er, wovon wir uns ein paar Minuten später auf dem Rückweg von unserem kleinen Geländeausflug überzeugen können, der wieder über die Autobahn führt.

BMW X3 (2004 - 2010)

Fazit

Ist der BMW X3 durch den Facelift besser geworden? Ja. Außen sind die Änderungen minimal aber im Innenraum werden jetzt merklich bessere Materialien verwendet. Sonst gibt es wenig sichtbare Verbesserungen, an ein paar alten Mängeln (kein iDrive, Gurt nicht verstellbar) hat sich nichts geändert.

Die Motoren wurden allerdings erheblich verbessert. Je nach Ausführung wird der X3 etwas schneller oder erheblich schneller, während der Verbrauch durchgehend sinkt. Die Offroad-Fähigkeiten sind nach wie vor stark begrenzt. Die Fahreigenschaften sind dagegen erstklassig, der X3 ist nach wie vor einer der Softroader mit der besten Straßenlage.

plus
  • Fährt wie ein Pkw
  • Raffiniert und durchdacht
  • Kräftiger Dieselmotor
min
  • Kein iDrive verfügbar
  • Gurt nicht höhenverstellbar
  • Nur mäßig Offroad-tauglich

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