21 Juni 2004
Alfa Romeo GT

Alfa Romeo GT

Gran Turismo

Autotest | Ein "Gran Turismo" ist ein Auto, welches im Bereich Komfort und Sportlichkeit brilliert. Der "GT" ist deswegen von jeher ein luxuriöser Reisewagen, der wie kein anderer für enorme Langstrecken und Geschwindigkeiten geeignet ist. Alfa Romeo hat die Herausforderung angenommen, um den GT mit einem Coupé neu zu erfinden, der sowohl sportlich als auch bequem ist. Ein ausführlicher Test muß zeigen, ob es auch gelungen ist.
 

Da dieser neue Alfa Romeo ein "Gran Turismo" und kein purer Sportwagen ist, war es lästig, eine Ausführung für diesen Test zu wählen. Um schnell und komfortabel Langstrecken abzulegen, ist ein moderner Dieselmotor jedenfalls genauso gut wie ein Benzinmotor. Besonders für Leasing-Fahrer ist der GT deswegen auch mit einem Dieselmotor lieferbar. In dieser Ausführung bietet der GT eine attraktive Kombination aus Charme und geschäftlichem Einblick. Aber, damit auch das Gefühl sprechen könnte, haben wir uns beim Testwagen doch für die schnellste Benzin-Variante entschieden.

Modell

Den Schlüssel in Empfang nehmen zu dürfen, fühlt sich wie ein besonderes Privileg an. Der silbergraue Coupé ist eine besondere Erscheinung, weil Alfa Romeo mit dieser Kreation des Designers Bertone Mut zeigt. Die ungewöhnlich kleinen Scheinwerfer und die Rückleuchten verleihen dem GT einen mysteriösen Charakter. Auch das Verhältnis von kleinen Fenstern und viel Chrome, macht den GT zu einer faszinierenden Erscheinung. Dadurch wird der Testfahrer neugierig auf seine Fahreigenschaften.

Alfa Romeo GT

Für ein Coupé ist der Innenraum sehr großzügig. Die Sitze sind sehr angenehm und geben bereits einen ersten Eindruck vom wahren Charakter dieses GT, ohne einen Meter gefahren zu sein: unverkennbar sportlich, aber trotzdem bequem. Die Rückbank dieses 2+2 Sitzers ist tatsächlich brauchbar, wenn sich der etwas beengte Platz für Erwachsene auch nur für kurze Strecken eignet. Der Kofferraum ist enorm und dank der großen Heckklappe problemlos zugänglich. Der ganze Innenraum strahlt dank der perfekt gepflegten Lederbekleidung die Exklusivität aus, die in diesem (Preis)Segment zur Ausstattung gehört.

Während des Tests sollte sich jedoch erweisen, daß die Verarbeitungsqualität dieses Alfa Romeo hinter dem 147 und 156 zurückbleibt. Außerdem hatte das Testauto verschiedene Defekte, unter anderem ein versagender Scheibenwischer, eine Aschenbecherklappe, die man nicht wieder geschlossen werden konnte und (optional) Xenon-Scheinwerfer, deren automatische Höhenregelung nicht funktionierte, was eine Belastung für den restlichen Verkehr war. Schließlich wurde der Fahrer durch diverse Nebengeräusche geplagt, die aber meistens so schnell verschwunden waren, wie sie erschienen sind.

Kurve

Bereits nach der ersten Kurve hat man dem GT jedoch alles wieder vergeben. Das Auto steuert besonders direkt und der Fahrer ist nach der ersten Kurve dem Auto verfallen! Das waren kurze Probefahrten für die Autohändler, er war gleich verkauft. Außerdem beeinträchtigt die Servolenkung nicht die Kommunikation mit dem Auto. Bereits wenige Minuten nach dem Beginn der ersten Fahrt steigen die Kurvengeschwindigkeiten immer weiter an. Dieses Auto liefert bereits vom ersten Augenblick reichlich Fahrvergnügen!

Sein Fahrverhalten unterscheidet sich aber von seinen wichtigsten Konkurrenten, weil sich Alfa Romeo nicht für den obligatorischen Hinterradantrieb sondern für den Vorderradantrieb entschieden hat. Der GT kann deswegen nicht mit Gas in die Kurve "gesetzt" werden, aber das Gleichgewicht zwischen der maximalen Motorkapazität und der optimalen Bodenhaftung ist dennoch leicht zu finden. Dann ist der GT in einer einzigartigen Weise zu schlichtweg sensationellen Kurvengeschwindigkeiten imstande. Eine spürbare Beschränkung kommt leider aus seiner etwas geringeren Drehungssteifigkeit, wodurch das Auto früher als ein kompromißloser Sportwagen in der Kurve "ringt". Sollte es einmal zu schnell laufen, dann greift die Traktionskontrolle äußerst subtil ein. Auch ohne diese elektronische Hilfe ist der GT ansonsten beachtlich einfach zu lenken.

Alfa Romeo GT

Beschleunigung

Der 3,2-Liter 6-Zylinder Motor des hier gefahrenen Topmodells hat einen typischen Gran Turismo Charakter. Er ist kein Hitzkopf, der den Fahrer fortwährend hetzt oder fordert. Statt dessen ist bei einem ruhigen Fahrstil sehr schnell klar, daß eine enorme Reserve verfügbar ist, die aber nicht kontinuierlich genutzt werden muß. Das gibt ein hervorragendes Gefühl und auch ruhiges Fahren mit dem GT wird zu einer besonderen Erfahrung. Das ist genau das Gegenteil zu einem typischen Sportwagen, der nur mit hohen Geschwindigkeiten imponieren kann. Der Spaß wird leider durch die Geschwindigkeitsanzeige gestört, da die Skala in Stufen von 30 km/h geteilt ist. Sein Glück muß der Fahrer aber bei Geschwindigkeiten z.B. zwischen 90 und 120 km/h strapazieren, um die 100 km/h auf der Landstraße zu treffen und das ist nicht gut für die Gemütsruhe. Die Skala läuft übrigens bis zu wahnsinnigen 300 km/h.

Selbstverständlich zeigen die 240 PS auch sehr gerne, wozu dieser schnellste GT(erkennbar am doppelten Auspuff)imstande ist. Es beginnt mit einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 6.7 Sekunden (die Kupplung erfordert viel Gefühl, Gewöhnungssache). Es sind vor allem die Zwischenbeschleunigungen, mit denen dieser Kraftprotz wirklich brilliert. So drückt der GT die Insassenen bei einem Sprint von 180 auf 220 km/h genauso kräftig in die Sitze, wie bei dem von 80 auf 120 km/h. Ein Set von sehr starken und bissigen Bremsen sorgt für ein sicheres Gefühl, so daß derartige Exzesse zwar gesetzwidrig sein können, aber dort, wo man es darf, diese nicht ganz verantwortungslos sind. Einfach sensationell!

Zusammen mit seiner herrlichen Lenkung und dem ausgezeichneten Fahrgestell ist der GT nicht nur ein schnelles Auto, sondern auch eins, mit dem der Fahrer auch schnell sein kann. Vor allem letzteres möchten einige Autohersteller doch schnell vergessen. Abgesehen davon, daß sich der GT des Vorderradantriebs bedient, verdienen die technischen Designer des Alfa Romeos ein großes Lob, weil sie einen guten Job geleistet haben.

Alfa Romeo GT

Fazit

Alfa Romeo macht den Namen "Sportwagen Grand Turismo" real. Gerade wenn Alfa Romeo einen Gran Turismo einführt, sind die Erwartungen deswegen sehr gespannt. Dies ist immer ein Segment, wo das Risiko hoch ist, daß das Endresultat weder bequem noch sportlich ist, oder nichts von beiden. Leider wurde die Testfahrt durch die für Alfa Romeo typischen "Schönheitsfehler" geplagt, aber das konnte das Vergnügen kaum drücken.

Die Zusammenfassung nach einer äußerst angenehmen Testfahrt ist, daß es Alfa Romeo gelungen ist, einen amüsanten und sogar abhängig machenden, modernen Gran Turismo zu bauen. Wenn er ruhig gefahren wird, ist der GT dank des exklusiven Designs und des luxuriösen Innenraums gemütlich. Das Auto ist wie kein anderes geeignet auch Langstrecken abzulegen. Wenn alle PS frei werden, ist dies zwar keine Sensation, wie bei einem reinen Sportwagen, aber der GT ist in seiner ganz eigenen Art sehr schnell und aufreizend. Letztendlich ist der GT eine gelungene Kombination aus Sportwagen und Grand Turismo.

plus
  • Sehr schnell
  • Exklusives Erscheinungsbild
  • Billige Einsteigerversion verfügbar
min
  • Viele Nebengeräusche
  • Mäßige Verarbeitung
  • Vorderradantrieb - keine Sensation

Alternativen

Nissan 350 ZNissan 350 Z