Datum der Veröffentlichung: 27 März 2023
Alfa Romeo Giulia
Fahreindrücke

Alfa Romeo Giulia

Letzte Chance oder lassen Sie es?

Fahreindrücke - Bei Alfa Romeo ist man froh und düster zugleich. Denn die Giulia wurde für das Modelljahr 2023 überarbeitet und ist damit bereit für neue Herausforderungen. Gleichzeitig meldet der Hersteller, dass dies das letzte Modell ohne Elektroantrieb sein wird und damit eine Ära zu Ende geht. Ist die überarbeitete Alfa Romeo Giulia ein Auto zum Aufgeben oder eine letzte Chance?
Autoparts

Die Giulia ist nicht nur das letzte Modell mit einem Verbrennungsmotor ohne elektrische Unterstützung. Sie ist auch eines der letzten Modelle, die unabhängig von der neuen Muttergesellschaft entwickelt wurden. Daher verwendet die Giulia keine Standardteile des Mutterkonzerns und das macht das Auto einzigartig, aber auch teuer im Umbau.

Alfa Romeo Giulia

Die Änderungen für das Modelljahr 2023 sind daher äußerst begrenzt. Die Form der Scheinwerfer ist gleich geblieben, aber innerhalb dieses Gehäuses befinden sich nun drei Leuchten. Damit bezieht sich Alfa Romeo auf legendäre Modelle aus der sportlichen Vergangenheit und genau das ist es, was die Giulia ausmacht. Denn die Nachfrage nach großen Limousinen ist stark zurückgegangen, weshalb sich die Giulia jetzt als echtes Liebhaberauto präsentiert.

Ausrüstung

Das ist auch der Grund für die neue Version "Competizione". Sie ist an der mattmetallischen Lackierung in Hellgrau, roten Bremssätteln und 21-Zoll-Felgen zu erkennen. Das Armaturenbrett und die Sitze sind mit roten Nähten versehen. Neben dem "Veloce-Paket" ist der Competizione mit einem Audiosystem von Harman Kardon ausgestattet.

Alfa Romeo Giulia
Alfa Romeo Giulia

Das Platzangebot vorne ist nach wie vor gut, das Armaturenbrett ist um Fahrer und Beifahrer herum gebaut. Die opulenten Formen und Materialien sorgen für den exklusiven Look, der zu einem solchen Auto gehört. Das Platzangebot im Fond ist gerade ausreichend für Erwachsene.

Die neuen Scheinwerfer sehen nicht nur gut aus, sie sind auch intelligenter als bisher. Der Lichtstrahl wird je nach Geschwindigkeit und Bedingungen angepasst. Bei der Verwendung von Fernlicht wird ein Teil des Lichtstrahls abgeblendet, um den Gegenverkehr nicht zu blenden. Die Uhren wurden durch ein Display ersetzt, das es dem Fahrer ermöglicht, die Anzeige von Tachometer und Drehzahlmesser selbst zu gestalten.

Das Infotainment-System und die Sicherheitsfunktionen sind seit 2016 unverändert. Daher wird der Bildschirm des Audio-, Kommunikations- und Navigationssystems jetzt als klein empfunden, während die Bedienelemente langsam und umständlich sind. Die Fähigkeit der Giulia, den Fahrer beim Bremsen, Lenken und Beschleunigen zu unterstützen, ist begrenzt, aber für Autoliebhaber könnte dies ein Vorteil sein.

Alfa Romeo Giulia

Fahrverhalten

Was die Giulia in der Tat auszeichnet, ist das rein mechanische Gefühl, das mit dem Aufkommen der Elektroautos fast verloren gegangen ist. Selbst bei ruhiger Fahrweise ist spürbar, dass der 2,0-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor über reichlich Kraft verfügt. Die kleinste Bewegung des rechten Fußes reicht aus, um sofort zu beschleunigen. Diese Beschleunigung wird mit zunehmender Drehzahl immer heftiger, und nur wenn es wirklich nötig ist, schaltet das Automatikgetriebe in einen höheren Gang.

Dabei ist die Giulia schnell und kraftvoll, aber immer zivilisiert. Das ändert sich jedoch, wenn der dynamische Modus gewählt wird. Dann wird eine ordentliche Portion Aggression freigesetzt. Wenn der Motor dann freien Lauf hat, ist die große Limousine nur noch ein Spielball der 280 Pferdestärken. Außerdem sorgen die beiden Auspuffrohre jetzt mit einem sportlichen Brummen für mehr Nervenkitzel.

Alfa Romeo Giulia

Bedenken Sie, dass dieser leistungsstarke, aber hybridfreie Motor viel Kraftstoff benötigt, um zu funktionieren. Laut Alfa Romeo liegt der Verbrauch bei 8 Litern pro 100 km. Bei der Testfahrt mit überwiegend ruhiger Fahrweise lag er bei 10 Litern pro 100 km. Hinzu kommt die CO2-Steuer, die ein solches Auto mit sich bringt, und es ist klar, dass der Preis nur von echten Enthusiasten getragen werden kann.

Straßenlage

Die Giulia ist eine traditionelle, niedrige Limousine, und im Vergleich zu modernen SUVs ist das ein großer Vorteil. Der Schwerpunkt liegt tief und das Gewicht ist relativ gering, was die Giulia von Natur aus dynamisch und stabil macht. SUVs können sich einem solchen Gefühl nur mit einem fortschrittlichen Fahrwerk und viel Elektronik nähern, aber selbst dann ist es immer noch eine spürbar künstliche Stabilität.

Außerdem: Die Giulia ist kein Computer auf Rädern, sondern ein mechanisches Auto, das optimal mit dem Fahrer kommuniziert und ihm somit die volle Kontrolle gibt.

Alfa Romeo Giulia

Schlussfolgerung

Ist die Alfa Romeo Giulia für das Modelljahr 2023 eine letzte Chance oder ein Modell, das man besser in Ruhe lässt? Das ist rein persönlich. Moderne Elektroautos sind leiser, (noch) schneller, komfortabler, sauberer, sparsamer und machen das Leben dank intelligenter Elektronik einfacher und sicherer. Wer ein Auto nur als Transportmittel sieht, lässt die Giulia deshalb lieber in Ruhe.

Doch der Perfektionismus macht Elektroautos für den traditionellen Autoliebhaber steril und charakterlos. Deshalb sieht Alfa Romeo immer noch Chancen für die Giulia und hat dem Modell für 2023 ein neues Gesicht und eine (etwas) reichere Ausstattung verpasst. Business-Limousinen sind fast ausgestorben und durch die Betonung ihres puristischen und mechanischen Charakters hebt sich die Giulia mehr denn je ab. Für echte Enthusiasten ist die Giulia also definitiv eine letzte Chance.

plus
  • Gute Leistung
  • Hervorragende Handhabung
  • Authentisches mechanisches Gefühl
minus
  • Hoher Verbrauch
  • Veraltete Geräte
  • Mäßiger Platz im hinteren Bereich