12 April 2002
 

Alfa Romeo 156

Neues Gesicht

Autotest | Bereits kurz nach seiner Einführung (Ende 1997) schien der Alfa Romeo 156 ein Volltreffer zu sein. Das Auto unterschied sich durch sein originelles Design und seine sportlichen Fahreigenschaften von seinen Konkurrenten. Dabei rechnete der 156 mit den Problemen in der Produktionsqualität, die die Marke in der Vergangenheit hatte, endlich ab.
 

Einem Laien fällt das Facelift, des neuen Alfa Romeo 156, kaum auf. Aber bereits beim ersten Foto-Shoting kommen Alfa Romeo-Fans angeschossen, um das neue Gesicht des 156 aus nächster Nähe zu bewundern. Sie können genau sagen, was geändert worden ist.

Außen beschränkt sich die Änderung auf eine kombinierte Radio/Telefonantenne und in Wagenfarbe lackierte Außenspiegel und Stoßstangen. Die Spiegel haben eine besondere "Eiform", die dem Auto ein lebendiges Element hinzufügt. Diese Form bringt jedoch zwei praktische Probleme mit sich: die äußersten Winkel sind zu klein, um tatsächlich den nachfolgenden Verkehr sehen zu können und die Form macht sich bei geöffnetem Fenster durch deutliche Windgeräusche negativ bemerkbar. Die Stoßstangen sind jetzt mit Nebelleuchten ausgestattet und verleihen dem 156 eine schickere Ausstrahlung als früher.

Alfa Romeo 156

Innenraum

Im Innenraum sah Alfa Romeo mehr Gründe für Änderungen. So ist die ganze Mittelkonsole überarbeitet worden und jeder 156 hat jetzt standard eine links/rechts getrennt regelbare Klimaanlage("Bi-Zone Airconditioning", heißt das bei Alfa Romeo). Die Bedienung ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil -wie üblich bei italienischen Produzenten- geht Form immer vor Funktionalität. Deswegen dient der verchromte Rand, um die beiden runden Displays mit der Temperaturanzeige, auch als Schalter; sehr clever, sehr schön, aber schwer zu finden.

Mitten auf dem Armaturenbrett befindet sich eine große "Kühlinsel". Diese Erhebung hat an allen Rändern Luftöffnungen: an der Frontseite, zwischen zwei Rosten, dem Bildschirm des -jetzt als Standard- eingebauten Bordcomputers. Außer den Standardinformationen, über den aktuellen und durchschnittlichen Verbrauch, kennt der Bordcomputer auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Durch Piepen, in dem Moment, wenn die vom Fahrer eingestellte Höchstgeschwindigkeit überschritten wird, können unnötige "Knöllchen" vermieden werden (der sprachliche Fehler in der Warnmeldung wird Alfa Romeo großzügig vergeben).

Ein unsichtbares aber sehr wichtiges Detail des Facelifts ist das erhöhte Sicherheitsniveau. Jeder 156 ist jetzt standard mit EBD (für Vorder- und Hinterräder), VDC (Korrektur bei Lenkungsfehlern), ASR (Traktionskontrolle), MSR (Anpassen der Motordrehzahl beim Zurückschalten), ABD (Anpassen der Antriebskraft, wenn sich die Bodenhaftung verringert) und selbstverständlich ABS (verhindert das blockieren der Räder beim Bremsen) versehen. Aber ein einfaches Zubehör wie die Becherhalter, fehlt immer noch.

Alfa Romeo 156

Fahreigenschaften

Der aufgefrischte Alfa Romeo 156 wird mit den gleichen Benzinmotoren geliefert, wie die vorherige Generation. Nur die 2-Liter Variante wurde angepasst und bringt jetzt 165 anstatt 150 PS. Sowohl der 1,9-Liter als auch der 2,4-Liter JTD Diesel sind um 10 PS stärker geworden. Die populärste Wahl ist noch immer der 1.8-Liter Benziner, der auch für diesen Test gewählt wurde. Der Twin Spark Motor ist genau richtig für dieses Auto. Die 140 PS, die das Triebwerk liefert, machen den 156 flott aber nicht herausfordernd schnell. Im täglichen Verkehr kommt das Auto sehr gut mit und in Eile erzielt der Motor ein höchst inspirierendes Geräusch und eine ordentliche Leistung. Dieses nagelneue Exemplar fällt auch durch seine Elastizität auf. Jedoch sind die Motorgeräusche bei Geschwindigkeiten über 120 Km/h etwas störend, weil er unregelmäßig und damit etwas quengelig klingt. Mit einem durchschnittlichem Testverbrauch von 7,5 Litern Benzin auf 100 km ist der Durst des 1.8ers durchschnittlich.

Das Fahrgestell ist sehr gut auf die Motorleistung abgestimmt worden. Das Auto eignet sich gut die mittleren Strecken bei bescheidenen Geschwindigkeiten abzulegen. Wer jedoch versucht, wozu das Auto imstande ist, wird nicht enttäuscht sein. Dank des Vorderradantriebs ist besonders ist der 156 einfach zu fühlen. Unter allen Umständen reagiert das Auto genau wie erwartet. Das Fahrgestell ist dann fähig und mehr imstande, als bei der normalen Verwendung je nötig sein wird. Damit ist der Charakter des Autos gutmütig und vertrauenerweckend. Das Ganze, der Motor, das Fahrgestell und die Lenkung machen aus dem 156 ein angenehmes und lebhaftes Auto.

Für Strecken bis ungefähr 400 Kilometern pro Tag ist der 156 eine erlesene Wahl. Wer längere Strecken ablegt wird die Motorgeräusche, die nicht zu weichen Sitze und den Mangel an Ruhe des Fahrgestells vermissen. Dann bieten weniger charaktervolle Artgenossen die zusätzliche Ruhe und den Komfort, der bei Alfa Romeo Platz für Dynamik und äußeres Bild gemacht hat. Für den Pendelverkehr und Besuch der Kunden innerhalb Deutschlands ist die Wahl jedoch einfach. Im Vergleich mit dem erfrischten Alfa Romeo 156 kein anderes Auto bietet so viel Ausstrahlung und Charme kombiniert mit einem dynamischen Fahrverhalten und einer reichen Ausstattung.

Fazit

Alfa Romeo ist sich bewusst, eine Erfolgsnummer im Hause zu haben und deswegen hat man sich dazu entschieden, das Facelift des 156 nur auf Details zu begrenzen. Der 156 war immer der originellste und sportlichste in der Mittelklasse. Im Vergleich zu anderen, ähnlichen Autos steht Design, Dynamik und Image bei Alfa Romeo auf dem ersten Platz, wobei man sich nur wenig Gedanken über die praktischen Möglichkeiten gemacht hat. Vor allem die Ausstattung und das Sicherheitsniveau haben wesentlich an Bedeutung gewonnen.

plus
  • Netter Preis
  • Originelles Design
  • Dynamische Straßenlage
min
  • Keine Becherhalter
  • Kein Kilometerfresser
  • Dritte Bremsleuchte aufdringlich

Alternativen

Ford Mondeo (1993 - 2007)Ford Mondeo