13 Dezember 2011
Honda Civic (2011 - 2017)

Honda Civic (2011 - 2017)

Modern

Autotest | Die vorherige Generation des Honda Civic war ihrer Zeit weit voraus. Die fortschrittliche Formgebung und ausgeprägten Fahreigenschaften sorgten aber dafür, dass das Auto nur bei einer kleinen Gruppe von Liebhabern Anklang gefunden hatte. Honda bedient lieber eine größere Zielgruppe und führt jetzt den neuen, erwachseneren Civic ein. Bringt der neue Civic trotzdem so viel Fahrvergnügen wie zuvor?
 

Es ist eine erprobte Methode: Frage den Käufer eines Produkts nach seiner Meinung und benutze die Informationen, um das Produkt zu verbessern. Honda ging für den neuen Civic jedoch einen Schritt weiter und fragte gerade die Käufer, die sich nicht für den Civic entschieden hatten, nach dem Grund.

Dabei kam heraus, dass der vorherige Civic einen zu ausgeprägten Charakter hatte. Der Civic wurde allseits bewundert, doch viele dachten, er sei eher ein Produkt für einen Trendsetter oder einen Insider. So waren das gläserne Panel zwischen den Scheinwerfern und das UFO-ähnliche Armaturenbrett für manchen zu viel des Guten.

Honda Civic (2011 - 2017)

Der neue Civic hat noch immer einen ausgeprägten Charakter, doch er ist nun weniger stark betont. Mit anderen Worten: Die Persönlichkeit ist geblieben, doch das Auto ist erwachsen geworden. Dabei hat die Vollendungsqualität einen großen Schritt nach vorne gemacht: Der Civic fühlt sich solide und gediegen an.

Raum

Das Armaturenbrett ist noch immer um den Fahrer herum gebaut, wie das Cockpit im Flugzeug. Beim Starten des Motors kommen aber keine blitzenden Animationen mehr. Auf diese Weise bleibt die Präsentation etwas besonderes, aber weniger intensiv.

Honda Civic (2011 - 2017)

Was geblieben ist, ist die eigensinnige Einteilung des Raums. Der Tank ist unter den Vordersitze angeordnet, wodurch diese etwas weniger höhenverstellbar sind, als es zu wünschen wäre. Trotz des Coupe-artigen Entwurfs taucht der Fahrer nicht zwischen in den vielen Displays unter, er sieht sie aber gut. Kopf- und Beinraum vorne sind prima, doch es kostet einige Mühe, um eine bequeme Sitzposition zu finden.

Der Platz auf dem Rücksitz ist mäßig. Dennoch hat die spezielle Anordnung des Tanks einen Zweck: Sie sorgt dafür, dass der Rücksitz nicht nur flach hingelegt werden kann wie in anderen Autos. Der Sitz der Rückbank kann aber auch hochgefaltet werden ("Magic Seats"), und dann kann der Civic mehr Fracht befördern als alle Konkurrenten! So passt ein Mountainbike gerade noch hinter die Vordersitze! Der Gepäckraum hat standardmäßig 47 Liter, und auch das ist ein Rekordwert für ein solches Auto.

Honda Civic (2011 - 2017)

Diesel

Der Civic ist mit zwei Benzinmotorren und einen Dieselmotor lieferbar. Diese Motoren sind aus dem vorherigen Civic übernommen, wurden aber modernisiert. Alle Motoren sind stark und doch sparsamer geworden. Mindestens genauso wichtig: Die Stromlinien der Karosserie sind stark verbessert, was sowohl dem Geräuschniveau als auch dem Verbrauch zu Gute kommt. Insbesondere der Dieselmotor profitiert davon und ist um 20 % sparsamer als bisher.

Der Dieselmotor lässt kein traditionelles nagelndes Geräusch hören, hat jedoch einen metallischen Klang. Bei niedriger Drehzahl ist der "Civic 2.2" ein ruhiges, gutmütiges und vor allem sparsames Auto. Ein Verbrauch von 5 Litern pro 100 km ist mühelos realisierbar. Schaltet man zurück und lässt den Diesel ein wenig höhere Drehzahlen machen, dann schießt dieser Business-Civic davon!

Benzin

Der 1.8 Liter Benzinmotor hat den gleichen Charakter. Die Getriebeverhältnisse sind so gewählt, dass die Drehzahl niedrig bleibt, damit der Civic ein leises, komfortables Auto ist. Nur wenn zurückgeschaltet wird, kommt der 1.8 Liter Vierzylinder zum Leben, und dann bietet der Civic gute Leistungen. Das optionale Automatikgetriebe macht seine Sache gut, aber auch nicht mehr und nicht weniger.

Honda Civic (2011 - 2017)

Nur der 1.4 Liter Benzinmotor enttäuscht. Er hatte in der vorherigen Generation des Civic gute Leistungen gebracht, ist aber für den neuen Civic zu leicht. Bergauf muss vom sechsten in den vierten (!) Gang zurückgeschaltet werden, um eine Geschwindigkeit von 100 km/h beibehalten zu können.

Honda Civic (2011 - 2017)

Obwohl der 1.4 Liter Motor leise ist, ist er nicht ruhig. 120 km/h bedeutet 3.500 Umdrehungen, und das ist auf längeren Strecken ermüdend. Der Fahrer hat so immer das beklemmende Gefühl, ein Einsteigermodell gekauft zu haben. Also: Sparen Sie, wenn es geht, lieber auf den Civic 1.8.

Gegenüber den mäßigen Leistungen steht zum Glück auch ein mäßiger Verbrauch. Trotz eines mehr als flotten Fahrstils auf einer anspruchsvollen Strecke blieb der Verbrauch des "1.4" auf 6,5 Liter pro 100 km beschränkt.

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Eco

Unabhängig vom Motor hat jeder Civic einen "eco"-Knopf. Damit wird das Motor-Management auf Kosten der Leistung effizienter. Auch die Klimaanlage macht einen Schritt zurück und hält die Zieltemperatur etwas kürzer, um Energie zu sparen.

Der Fahrer wird auf zwei Arten dazu ermutigt, sparsam zu fahren. Die Beleuchtung des Tachometers leuchtet bei sparsamer Fahrweise grün und bei weniger sparsamer Fahrweise blau. Wenn lange genug sparsam gefahren wurde, erscheinen im Display Bäumchen, an welchen langsam Blätter wachsen. Wenn genug Bäume "gezüchtet" wurden, erscheint eine Trophäe im Bild. Das ist nicht herabwürdigend gemeint, sondern bildet in der Praxis eine schöne Ermutigung dazu, so sparsam wie möglich zu fahren.

Honda Civic (2011 - 2017)

Straßenlage

Konservative Käufer entschieden sich nicht wegen des fortschrittlichen Äußeren für den Civic. Bisherige Kunden kaufen gerne wieder einen Civic wegen der sublimen Straßenlage. Das jetzt in der neunten Generation immer nur besser geworden! Sogar die Federung der heutigen Modelle ist kräftiger als die der meist sportlichen Civics der vorherigen Generation.

Der neue Civic fühlt sich nicht mehr so spielerisch an und ist etwas stärker gefedert als der vorherige. Trotzdem lässt sich das neue Modell mit noch höheren Geschwindigkeiten und mit noch mehr Bequemlichkeit durch die Kurven lenken. Auch das Gefühl im Lenkrad ist noch besser geworden, womit der Civic wieder zu den am besten zu lenkenden Autos in seinem Segment gehört.

Honda Civic (2011 - 2017)

Fazit

Die neue Generation des Honda Civic hat einen weniger ausgeprägten Charakter als sein Vorgänger. Alle starken Punkten sind trotzdem geblieben. Der besondere Entwurf des Armaturenbrettes sorgt noch immer dafür, dass der Fahrer das Gefühl hat, ein besonderes Auto zu fahren. Dank der klugen Einteilung des Interieurs bietet der Civic viel Raum vorne und eine riesige Menge Laderaum hinten. Der Rücksitz kam etwas zu kurz; dort ist der Raum mäßig.

Der 1.8 Liter Benzinmotor und der 2.2 Liter Diesel bieten gute Leistungen, während der Verbrauch bescheiden bleibt. Der 1.4 Liter Benzinmotor bietet mäßige Leistungen und ist einfach zu schwach für das Auto.

Die Straßenlage ist und bleibt der starke Punkt beim Honda Civic. Honda ist es gelungen, zugleich mehr Komfort und mehr Fahrvergnügen zu bieten. Der Komfort wird außerdem durch eine reiche und moderne Ausrüstung erweitert. Kurz: Der Honda Civic ist seiner Zeit nicht länger voraus, aber er ist moderner als je zuvor.

plus
  • Leise und komfortabel
  • Vollauf Fahrvergn¨gen
  • Großer Gepäckraum / Rücksitz ist kluge Konstruktion
min
  • Mäßige Leistungen mit 1.4 Liter Motor
  • ärgerliches Reflektieren der Displays in der Frontscheibe (Intensität kann heruntergeregelt werden)