26 Oktober 2011
Chevrolet Volt

Chevrolet Volt

Süße Rache

Autotest | "Den größten Fehler meiner Karriere" nannte der ehemalige Chef von General Motors, dass er die Entwicklung von elektrischen Autos gestoppt hatte. Einst war das Mutterunternehmen von Chevrolet ein Pionier auf dem Gebiet der elektrischen Autos, doch auf höheren Befehl wurde die Entwicklung gestoppt. Die Japaner schlugen daraus ihren Vorteil und haben den Vorsprung bis heute nicht mehr aus den Händen gegeben. Aber jetzt schlägt Chevrolet mit dem revolutionären Volt zurück.
 

Weshalb General Motors ("GM") sich damals dazu entschlossen haben, mit der Entwicklung elektrischer Autos aufzuhören, ist bis jetzt immer noch ein Rätsel. Sogar ein Film ("Who killed the electric car?") ist dem Mysterium gewidmet. Höchstwahrscheinlich war es nicht nur ein Punkt, sondern eine Kombination von Faktoren, die zum Stopp der Entwicklung elektrischer Autos geführt hat.

Einer der Faktoren war und ist der beschränkte Aktionsradius. Wer noch 100 km mit einem traditionellen Auto fahren muss, tankt sicherheitshalber. Viele elektrische Autos kommen in der Praxis mit voller Batterie nicht (viel) weiter als 100 km.

Chevrolet Volt

Range Extender

Deshalb hat sich Chevrolet für eine andere Arbeitsmethode entschieden. Der Volt ist ein elektrisches Auto, das einen Benzinmotor als Reserve an Bord hat; einen "Range Extender" in der Fachsprache. Genauso wie ein traditionelles elektrisches Auto wird auch der Volt an der Steckdose aufgeladen. Nach vier Stunden Ladezeit kann der Volt 80 km komplett elektrisch, also emissionsfrei, fahren. Nach 80 km fängt der Benzinmotor selbstständig an zu arbeiten, und so kann der Volt insgesamt 500 km ohne Zwischenhalt fahren.

Damit sind die wichtigsten Vorbehalte gegen elektrisches Fahren beseitigt. Der Volt hat zwar einen großen Aktionsradius, ist aber trotzdem viel weniger umweltbelastend als ein traditionelles Auto.

Chevrolet Volt

Laut Untersuchungen von Chevrolet fährt der durchschnittliche Autofahrer weniger als 80 km am Tag. In dem Fall würde der Volt fast immer elektrisch fahren. Die Emissionen sind dann nur noch von der Energiequelle abhängig. Mit einem Kohlekraftwerk als Energiequelle wird man natürlich mehr Verschmutzung erzeugen als ein vergleichbares Auto mit einem traditionellen Motor. Wer grünen Strom verbraucht, hat derzeit mit dem Volt das sauberste Auto.

Fahren

Elektrisch zu fahren ist nicht nur weniger belastend für die Umwelt, es ist auch viel komfortabler. Während ein Benzin- oder Dieselmotor erst bei hoher Drehzahl Zugkraft liefert, ist die maximale Kraft bei einem elektrischen Motor sofort verfügbar. Der Volt beschleunigt deswegen nicht nur schnell, sondern vor allem auch flüssiger als traditionelle Autos.

Noch ein Vorteil: Weil ein Elektromotor ungeachtet der Drehzahl sehr stark ist, wird kein Getriebe benutzt. Der Volt lässt sich daher wie ein Automatik-Wagen fahren.

Chevrolet Volt

Solange ausschließlich elektrisch gefahren wird, ist der Volt sehr leise. Wenn auf der Landstraße die Fenster geöffnet werden, sind nur die Reifen zu hören. Ist die Batterie leer und der "Range Extender" wird aktiv, dann ist das deutlich hörbar, doch absolut nicht fühlbar.

Der "Range Extender" treibt die Räder nicht direkt an, sondern generiert gerade genug Strom, um den Elektromotor zu versorgen. Es ist technisch sicherlich möglich, die Batterie dabei zu laden, aber das würde mehr Benzin kosten.

Weil der Benzinmotor nicht direkt an die Räder gekoppelt ist, kann er immer die effizienteste Drehzahl benutzen. Das ist sparsamer als ein direkter Antrieb der Räder und sorgt dafür, dass sich die Drehzahl nicht mit dem Stand des Gaspedals ändert. Vor allem in den Bergen dreht der Motor so hoch, dass der Fahrer möglichst bald den nächsten Ladepunkt ansteuern möchte.

Chevrolet Volt

Verbrauch

Um den Fahrer dazu anzuspornen, sparsam zu fahren, bietet der Bordcomputer verschiedene Hilfsmittel, um Einsichten in die Technik zu erhalten. Am Ende jeder Fahrt zeigt eine Kugel mit einer grünen (rein elektrisch gefahren) und einer blauen Fläche (Range Extender benutzt), wie die Energie genutzt wurde.

Chevrolet Volt

Während der ersten Testfahrt wurden 121 km gefahren; die ersten 80 km auf Elektromotor und danach 41 km auf "Range Extender". Der durchschnittliche Verbrauch über die gesamte Strecke betrug 5,13 Liter Benzin und 10,5 kWh Strom. Kombiniert bedeutet das einen durchschnittlichen Verbrauch von 4,2 Liter pro 100 km.

Chevrolet gibt einen viel niedrigeren Verbrauch an, dieser ist aber genauso realistisch wie der Testverbrauch. Wie weiter oben gesagt, besteht die Kunst in der Praxis darin, so viel wie möglich rein elektrisch zu fahren. Wenn hauptsächlich auf Batterie gefahren wird, braucht man den Range Extender nicht, und dann ist der Benzinverbrauch sogar Null.

Chevrolet Volt

Geschäftswagen

Der Chevrolet Volt wurde in Amerika entwickelt, jedoch für den europäischen Markt angepasst. Das spürt man, denn der Volt lenkt sich leicht, aber nicht zu leicht. Das Fahrgestell ist außerdem herrlich robust, damit das Auto keine Angst vor Kurven haben muss. Durch das große Gewicht der Batterie ist der Volt absolut kein wendiges, spielerisches Auto, es ist jedoch auch kein langweiliges Auto.

Der Volt ist viel mehr als nur eine Visitenkarte von Chevrolet. Durch die besondere Technik kann das Auto tagtäglich benutzt werden. Damit ist es eine brauchbare Alternative für traditionelle Geschäftswagen.

Chevrolet Volt

Das sieht man auch am Innenraum. Im Gegensatz zu vielen anderen elektrische Autos ist der Volt ein großzügig bemessener Geschäftswagen, der vorne vollauf Kopf- und Beinraum bietet. Der Raum auf dem Rücksitz ist viel geringer als in traditionellen Autos dieses Umfanges. Der Gepäckraum ist tief, doch weil der Ladeflur hoch liegt, ist die Ladekapazität gering.

Um das Gefühl zu betonen, ein besonderes Auto zu fahren, ist das Interieur futuristisch gehalten. Das gilt nicht nur für das Layout (viele versenkte Knöpfe), sondern auch für die eingesetzten Materialien und die Farben. Der Testwagen wurde zum Beispiel mit einem schwarzen Interieur mit weißen, glänzenden Akzenten ausgestattet.

Auch wo es um Luxus und Sicherheit geht, ist der Volt ein vollwertiger Geschäftswagen. Aller üblicher Luxus ist vorhanden: von einer gut funktionierenden Klimaanlage bis zu einem integrierten Navigations-, Kommunikations- und Audiosystem. Letzteres stammt von Bose und hört sich akzeptabel an. Schließlich hat der Volt einen Konkurrenten: den Opel Ampera, denn das ist genau das gleiche Auto vom selben Mutterunternehmen, nur das Äußere und der Preis unterscheiden sich.

Chevrolet Volt

Fazit

Einstmals war General Motors, das Mutterunternehmen von Chevrolet, ein Pionier auf dem Gebiet der elektrischen Autos. Das Management war jedoch der Meinung, dass nur die größeren Autos mit solchen großen Benzinmotoren zukunftsfähig waren, und stoppten die Entwicklung ihrer elektrischen Autos. Die Japaner haben weiter gebaut, aber mehr als ein Jahrzehnt später ist Chevrolet auf das Gebiet der elektrischen Autos zurückgekehrt.

Für die Rückkehr entschied sich Chevrolet für eine radikal andere und daher bessere Technik. Der Volt ist hauptsächlich ein elektrisches Auto, doch dank des Reservemotors (mit Benzin) kann der Volt ohne Zwischenhalt viel größere Strecken fahren als die bisherigen elektrischen Autos.

Schließlich ist der Volt nicht nur genau so geräumig wie traditionelle Geschäftswagen, sondern dank des elektrisches Getriebes auch noch komfortabler. Wie umweltfreundlich der Volt ist, hängt davon ab, wie oft der Reservemotor benutzt wird und aus welcher Quelle der notwendige Strom bezogen wird. In der Praxis wirken die bahnbrechenden Techniken gut, und deshalb widerlegt der Volt als erster alle Bedenken gegen elektrische Autos. Am revolutionären Chevrolet Volt ist deswegen nichts verkehrt, und so hat GM seinen größten Fehler endlich wieder gut gemacht.

plus
  • Extrem sparsam
  • äußerst komfortabel
min
  • Mäßiger Raum hinten
  • Niedrige Stoßstange berührt öfters Bremsschwellen