7 September 2011
Toyota Yaris

Toyota Yaris

Mit dem Strom schwimmen

Autotest | Wenn ein Kind eine einzigartige Aussage macht, ist das niedlich. Ein Künstler, der einen eigenen Blick auf die Dinge hat, ist erfrischend. Ein Wissenschaftler, der eine neue Theorie entwickelt, kann die Welt verbessern. Doch wer für den alltäglichen Transport vom Auto abhängig ist, entscheidet sich trotzdem für vertraute Technik. Der neue Yaris schwimmt nicht länger gegen den Strom, dieser kleine Toyota folgt den bekannten Pfaden. Weiß sich der neue Yaris dennoch von der Masse zu unterscheiden?
 

Die ersten beiden Generationen des Yaris waren keck aussehende Autos, die sich schon alleine vom Äußeren her positiv von der Konkurrenz unterschieden. Der neue Yaris ist nicht mehr als ein kleiner Toyota. Das ist nicht negativ gemeint, denn die neuen Toyotas haben ein markantes und modernes Gesicht. Doch bemerkenswert ist der Yaris nicht mehr.

Setzen Sie sich jedoch hinters Lenkrad, wird schnell klar, wodurch sich der neue Yaris von der Konkurrenz abhebt. Eigensinnige Formgebung und kluge ergonomische Entwicklungen haben Platz gemacht für einen Luxus, der bis jetzt nur Autos aus einem höheren Segment vorbehalten war.

Toyota Yaris

So kann der Yaris mit einer links/rechts getrennt steuerbaren Klimaanlage, einer Rückfahrkamera und einem hochwertigen Audiosystem ausgestattet werden. Obwohl das standardmäßig eingebaute Audiosystem schon einen überdurchschnittlich guten Klang für ein Auto wie dieses hat, ist das optionale Audiosystem einfach genial.

Unter dem Namen "Touch & Go" liefert Toyota ein integriertes Audio- und Navigationssystem. Das Navigationssystem kann Google als Informationsquelle benutzen. Zusätzlich können verschiedene "Apps" installiert werden, um zum Beispiel die billigste Tankstelle oder ein Parkhaus mit freien Plätzen zu finden. Trotz guter Software ist das System durch ein störendes Reflektieren des Bildschirms nicht so gut benutzbar.

Toyota Yaris

Raum

Der neue Yaris ist 10 cm länger als sein Vorgänger. Laut der Designer hat man sich dazu entschieden, weil ein längeres Auto eine elegante Silhouette hat. Außerdem ist ein längerer Radstand wegen des besseren Fahrverhaltens angenehmer für größere Strecken.

Das wichtigste Argument ist jedoch, dass die Kunden auch bei kleineren Autos mehr Innenraum verlangen. Die zehn zusätzlichen Zentimeter kommen vor allem dem Raum auf dem Rücksitz zugute. Sogar mit einem großen Fahrer vorne bleibt hinten noch genug Kopf- und Beinraum für Erwachsene.

Die Vordersitze sind bequem groß und bieten damit und durch eine gute Passform genug seitliche Unterstützung. Der Fahrer sitzt so nicht "auf" dem Auto, sondern im Auto. Die Sitzfläche kippt leicht, wenn sich der Sitz in der niedrigsten Einstellung befindet, wodurch das Gewicht weniger auf den Beinen und mehr auf dem Unterrücken ruht.

Toyota Yaris

Auch der Gepäckraum ist etwas größer als bisher. Außerdem hat der Yaris einen verstellbaren Ladeboden. Wahlweise ist der maximale Raum (347 Liter) verfügbar, doch das Gepäck muss über eine hohe Hebeschwelle gehoben werden. Alternativ dazu kann der Ladeboden erhöht werden, doch damit wird der Gepäckraum etwas kleiner. Um den Gepäckraum zu vergrößern, reicht es, die Rücklehne des Rücksitzes wegzuklappen; die Kopfstütze der Sitze braucht man dabei nicht herauszunehmen.

Straßenlage

Noch bevor auch nur einen Meter gefahren wurde, gibt der Yaris schon ein gutes Gefühl, welches dem relativ kleinen, mit Leder verkleideten und sich bequem anfühlenden Lenkrad zu verdanken ist. Beim Fahren benimmt sich der Yaris wie ein erwachsenes, großes Auto und nicht so nervös wie ein kleines Stadtauto.

Der Komfort auf Straßenschäden ist gut, dabei hat der Yaris keine Angst vor schnellen Kurven. Die sportlichen Ausführungen stehen auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, was dem Gefühl im Lenkrad zugute kommt. Beim Bremsen ist der Yaris bissig und hart.

Toyota Yaris

Wer sich selber doch einmal überschätzt, kann sich ungeachtet des Ausrüstungsniveaus auf Hilfe vom VSC (Vehicle Stability Control) und der Traktionskontrolle verlassen. Wenn auch das nicht mehr ausreicht, tröstet man sich mit dem Wissen, dass sieben Airbags (inklusive eines Knie-Airbags) verfügbar sind.

Toyota Yaris

1.0 VVT-i: schön sparsam

Bislang ist der Yaris mit einem 1.0 und einem 1.3 Liter Benziner lieferbar. Mit dem leichtesten Motor unter der Haube ist der Yaris wie immer ein super-sparsames kleines Auto.

Der 69 PS / 93 Nm kräftige Dreizylinder bietet gute Leistungen in der Stadt, hat aber mehr Mühe mit Zwischenbeschleunigungen auf höhere Geschwindigkeiten. Wenn es nach dem standardmäßig eingebauten Schaltindikator ginge, müsste bei jeder Geschwindigkeit über 50 km/h im fünften Gang gefahren werden. Um flott von 80 auf 120 km/h zu beschleunigen, muss man jedoch nicht vom fünften in dem vierten Gang, sondern sogar in den dritten Gang zurückschalten.

Toyota verspricht einen durchschnittlichen Verbrauch von 4,8 Litern pro 100 km, und das ist mit einem ruhigem Fahrstil auch machbar. Der Testverbrauch kam im Stadtverkehr (es wurde nicht mit einem Stopp-/Startsystem kompensiert) auf einen durchschnittlichen Verbrauch von 5,2 Litern pro 100 km.

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1.3 Multidrive-S: mit Tempo

Als Alternative für den 1.0 Liter Dreizylinder gibt es einen 1.3 Liter Vierzylinder. Der bietet alles, was beim 1.0 Liter in Sachen Leistung und Laufruhe zu kurz kommt. Dem gegenüber steht jedoch ein höherer Verbrauch. Eine Testfahrt mit dem Yaris 1.3 über eine gleichartige Strecke wie mit dem 1.0 ergab einen Verbrauch von 5,9 Litern pro 100 km.

In Kombination mit dem optionalen CVT-Getriebe ist der Yaris "Multidrive S" bemerkenswert komfortabel für ein so kleines Auto. Im Gegensatz zu vielen anderen CVT-Getrieben gibt es beim Yaris kein nörgelndes Geräusch und auch keine verzögerte Reaktion beim Beschleunigen. Falls gewünscht kann der Fahrer sogar mit einem Hebel hinterm Lenkrad schalten. In der Praxis ist das nur bequem, um mit dem Motor zu bremsen, denn beim Beschleunigen trifft der Computer so gute Entscheidungen, dass der Fahrer nie das Gefühl hat, eingreifen zu müssen.

1.4 D-4D: Geschäftliche Alternative

Die beste Kombination aus Leistung und niedrigem Verbrauch hat der 1.4 Liter Dieselmotor. Trotz eines flotten Fahrstils und viel Stadtverkehr meldete der Bordcomputer einen bescheidenen Verbrauch von 5,4 Liter pro 100 km. Das optionale "MultiMode"-Automatikgetriebe ist nicht empfehlenswert: Es schaltet so spürbar, dass es mehr Ärger als Komfort bietet.

Toyota Yaris

Mitte 2012, so ist geplant, wird das Yaris Hybrid-Getriebe verfügbar sein. Damit sollte der Verbrauch spektakulär niedriger sein. Der Yaris wäre dann, jedenfalls aus technischer Sicht, wieder so gewagt wie einst.

Fazit

Ein Viertel der verkauften Toyotas sind Yaris'. Um den Erfolg zu verlängern, wird Ende September ein ganz neuer Yaris beim Händler stehen. Im Vergleich mit den zwei vorherigen Generationen ist dieser dritte Yaris weniger eigensinnig.

Statt dessen richtet sich der neue Yaris auf den geschäftlichen Kunden ein, der einen kleineren Wagen fahren möchte, ohne dabei Einbußen an Komfort oder Sicherheit erleiden zu müssen. Sicher wenn man sich für eine Luxusausführung entscheidet, ist der Yaris ein ausgesprochen erwachsenes Auto, das nur noch im Umfang bescheiden ist.

Daneben ist der Yaris auf Kunden ausgerichtet, die sich ihr Auto weniger emotional, sondern vor allem mit dem Verstand aussuchen. Trotz der kompakte Außenmaße bietet der Yaris überdurchschnittlich viel Innenraum. Alle Motoren sind sparsam. Der 1.0 Liter Benzinmotor bietet genügend Leistung, der 1.3 Liter bietet gute Leistungen und der 1.4 Liter Diesel ist durchaus flott. Ungeachtet der gewählten Ausführung ist vor allem das Sicherheitsniveau sehr hoch. Das ist vielleicht nicht originell oder neu, aber genau das, was der Kunde sucht.

plus
  • Sparsam
  • Sehr geräumig
  • Erwachsener Charakter
min
  • Ungünstiger Sitzwinkel
  • Bildschirm kaum lesbar durch Reflexionen
  • Weniger charakteristisch als die vorherige Generation