29 Juli 2011
Nissan Micra DIG-S

Nissan Micra DIG-S

Die perfekte Unschuld

Autotest | Kleine Autos werden gekauft, weil sie sowohl beim Kauf als auch in der Nutzung vorteilhaft sind. Das heißt jedoch nicht, dass die Käufer kein schönes Auto haben möchten. Daher hat der kompakte Nissan Micra eine fröhliche Ausstrahlung. Außerdem soll der neue "DIG-S"-Motor das Auto schnell und doch sparsam machen.
 

Der Testwagen ist in allen Farben lieferbar, solange es weiß ist. Damit möchte Nissan betonen, dass die "DIG-S"-Technik außergewöhnlich schön ist. Außerdem ist einfach zu sehen, dass die Kraftstoff sparenden Maßnahmen schon beim Äußeren anfangen.

Der "Micra 1.2 DIG-S" ist mit einem geschlossenen Grill, einem Heckspoiler und einer Windumleitung für die Hinterreifen ausgestattet. Wie bei jedem anderen Micra erzeugt die Form der Scheinwerfer und der Stoßstange den Eindruck, das Auto würde lächeln.

Nissan Micra DIG-S

Raum und Ausrüstung

Auch im Interieur kommen die runden Formen des Exterieurs wieder zurück. Die Knöpfe der Klimaanlage sind sogar in einem Kreis um ein Display herum angeordnet. Der Micra hat so viele Behälter, Fächer und andere Ladeflächen, dass er einem kleinen MPV ähnelt.

Der Raum vorne und hinten ist für ein Auto dieser Abmessungen gut. Die Vordersitze dürften aber gern weiter in der Höhe verstellbar sein, denn standardmäßig ist der Sitz unbequem hoch. Große Fahrer berühren das Dach mit dem Kopf und suchen deswegen vergeblich eine Möglichkeit, um die Sitze niedriger einzustellen.

Nissan Micra DIG-S

Der Testwagen ist eine luxuriöse "Tekna"-Ausführung, die durch die Verwendung von braunen und schwarzen Materialien eine sehr schicke Ausstrahlung hat. Doch obwohl die eingesetzten Materialien sehr schön aussehen, ist es in Wirklichkeit nur billiges Plastik. Die Devise lautet deswegen: nur gucken, aber nicht zu viel berühren.

In Anbetracht des Preises ist die Ausstattung recht gut. Das betrifft nicht nur Luxus wie das Navigationssystem mit USB-Anschluss, sondern auch die Sicherheitsvorkehrungen. Eine besondere Einrichtung ist das "parking slot measurement system" (PSM). Es stellt fest, ob die Parklücke zum Einparken ausreicht. Bei einer Geschwindigkeit bis zu 25 km/h misst der Computer die Parkplätze an beiden Seiten des Autos und zeigt an, ob der Micra hineinpassen würde.

Nissan Micra DIG-S

Fahreigenschaften

Der Micra wird in 160 verschiedene Länder verkauft. Für jeden Markt wird er angepasst, um den Geschmack der Käufer zu treffen. Für den europäischen Markt ist das gut gelungen. Auf Straßenschäden bietet der Micra genug Komfort. Zugleich hängt das Auto nicht so stark über, so dass zum Beispiel schnelles Fahren in Kurven unmöglich wird.

Die Lenkung erfordert einige Gewöhnung: Am Anfang hat der Micra viel Spielraum im Lenkrad. Kleine Lenkbewegungen haben deshalb überhaupt keine Wirkung. Danach reagiert der Micra sehr plötzlich, weil die Lenkung dann sehr direkt ist. Manche Fahrer meinen, dass das störend wirkt, andere mögen es, weil eine kleine Bewegung nicht sofort bestraft wird.

Vor allem in der Stadt lässt sich der kleine Micra schließlich mühelos durch das Verkehrschaos lenken. Im hektischen Verkehr sind die Außenspiegel etwas zu klein, doch Nissan begründet das mit der Stromlinienform. Der Micra scheut die Autobahn nicht. Bei hoher Geschwindigkeit ist die Geräuschentwicklung gering, damit auch längere Strecken kein Problem sind.

Nissan Micra DIG-S

DIG-S: die Theorie

Der Nissan Micra ist vorerst mit zwei Motoren lieferbar. Beiden haben 1.2 Liter und drei Zylinder. Der "DIG-S" (Direct Injection Gasoline Supercharged) liefert dank des "supercharger" mehr Leistung als die normale Kraftquelle. Alle anderen Techniken machen den Motor effizienter, um auf diese Weise Kraftstoff zu sparen.

Nissan Micra DIG-S

So haben die Zylinderköpfe eine spezielle Beschichtung, die weniger Reibung verursacht. Auch wird dünneres Öl verwendet, um den Widerstand zu verringern. Zusammen mit noch vielen anderen kleine und größeren Verbesserungen hat der "DIG-S" 23 % weniger Friktion als der normale Micra-Motor.

Während der Fahrt ist die Batterie die wichtigste Kraftquelle und nicht der Dynamo. Auf diese Weise hat der Motor wieder weniger Arbeit und wird der Verbrauch beschränkt. Nur beim Bremsen und beim Ausrollen wird der Dynamo aktiviert und lädt die Batterie wieder auf. Wenn die Batteriespannung so niedrig ist, dass der Micra nicht mehr gestartet werden kann, wird der Dynamo auf jeden Fall aktiviert.

Nissan Micra DIG-S

"Natürlich" ist der Micra mit einem Stopp-/Start-System ausgestattet. Das wirkt in der Praxis so flott, dass es nie störend ist. Ein schönes Detail dabei ist, dass der Bordcomputer während eines "Stopps" anzeigt, wieviel CO2 gespart wird. Während der Fahrt zeigt der Bordcomputer den aktuellen und durchschnittlichen Verbrauch an. Ein Schaltindikator fehlt leider.

DIG-S: die Praxis

Eine oft gehörte Klage über Dreizylinder-Motoren ist, dass sie einen ungünstigen Lauf hätten. Nissan hat diesen Effekt dadurch unterdrückt, indem sie ein Gegengewicht zum "Kurbelwellen-Schwungrad" platzierten. Wenn der Motor gestartet wurde (ein Druck auf den Knopf reicht, der Schlüssel bleibt in der Tasche), beginnt der Testwagen deswegen zufrieden zu "reden". Nur bei einer hohen Drehzahl erklingt das bekannte Dreizylinder-Geräusch unter der Motorhaube.

Nissan Micra DIG-S

Der "DIG-S"-Motor ist nicht nur sparsam, sondern auch kräftiger als das nicht so fortschrittliche Exemplar. Das ist fast sofort spürbar, denn die Leistung (98 PS / 142 Nm) ist über einen breiten Drehzahl-Bereich verfügbar. Im Gegensatz zu anderen sparsamen Autos ist der Micra deswegen ab dem ersten Moment lebendig und folgsam. Das von Nissan versprochene Fahrvergnügen ist ab dem ersten Moment prominent anwesend!

Sicher, ein kleines Auto wie dieses fordert zum flotten Fahren heraus. Deshalb lag der Verbrauch während der ersten Testfahrt bei 5,8 Liter pro 100 km.

Nissan Micra DIG-S

Nissan sagt jedoch dass ein durchschnittlicher Verbrauch von 4,1 Liter pro 100 km (95 Gramm CO2 pro Kilometer) möglich sei. Daher wurde während der nächsten Testfahrt ruhiger gefahren und damit der Verbrauch geringer. Auf einer Strecke mit abwechselnd Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahn kam der durchschnittliche Verbrauch schließlich auf 4,7 Liter pro 100 km. Das ist ein Liter weniger als bei der Testfahrt mit dem normalen Micra und auch im Vergleich mit anderen kleinen Autos besonders sparsam.

Fazit

Die Marketing-Abteilung von Nissan hat viele Überstunden gemacht. Der Micra sollte eine Revolution unter den kleinen Autos entfesseln. Durch den "DIG-S"-Motor sollte die Leistung riesig und der Verbrauch minimal sein.

Eine ausgedehnte Testfahrt zeigt, dass von einer Revolution keine Rede sein kann. Nissan ist es gelungen, vorhandene Technik weiter zu optimieren als andere Hersteller. Der Micra DIG-S bietet deswegen tatsächlich bessere Leistungen als durchschnittlich, während der Verbrauch auch noch niedriger ist als üblich.

Dabei ist der Micra ganz einfach ein schönes Auto. Sicherlich, in passenden Farben sieht das Auto nicht billig oder altmodisch aus, sondern eher hip und verspielt. Das Interieur ist originell designt und bietet viel Platz. Auch die Fahreigenschaften sind gut, so dass auch das versprochene Fahrvergnügen nicht fehlt.

plus
  • Netter Preis
  • Flott und sparsam
  • Geräumig und praktisch
min
  • Zu kleine Außenspiegel
  • Hoher Plastikanteil im Armaturenbrett
  • Sitze nicht genug höhenverstellbar (zu hoch)