22 Januar 2001
Seat Arosa

Seat Arosa

Eine kleine Überraschung

Autotest | Der Seat Arosa ist der kleinste Sprößling der Seat-Familie. Wie üblich für ein kleines Auto, wurde der Arosa vor allem als ein praktisches Stadtauto entworfen. In diesem Segment sollte der vor kurzem geliftete Arosa während der Testfahrt prima alle Erwartungen erfüllen. Aber der Kleine 1.4 Liter Arosa hatte eine Überraschung in petto.
 

Beim jetzigen Facelift des Seat Arosa hat die spanische Marke eine Chance gesehen, das gesamte Modellprogramm innerhalb eines Jahres zu modernisieren. Das Facelift wandelt den Arosa von einem hübsch stilisierten Mini, zu einem modernen, frisch aussehenden Stadtauto. Der neue Kühlergrill, die Stoßstange in Wagenfarbe und die ein bißchen Böse blickenden Scheinwerfer, mit den hellen Reflektoren auf einem dunklen Hintergrund machen deutlich, daß dieser Kleine ernst genommen werden will. Die dreieckigen Rückleuchten mit ihren runden Units sind ein nettes Zwinkern an die schicken Lexus Limousinen. Genauso wie bei den anderen Seats ist das große Firmen-Logo, daß die Heckklappe verziert, gleichzeitig auch ein Handgriff zum Öffnen; ein sowohl praktisches als auch schönes Detail.

Innenraum

Beim Innenraum wurde vor allem das Armaturenbrett gründlich überarbeitet. Die verwendeten Bausteine stammen zwar ganz deutlich vom VW Lupo ab, aber sie wurden so verwendet, daß der Gesamteindruck trotzdem ganz anders ist. Außerdem ist es Seat erstaunlicherweise gelungen, ein Armaturenbrett zu gestalten, das trotz der vielen Grautöne nicht kalt oder phantasielos wirkt. Die diversen Chromakzente auf den Türgriffen und um die Armaturen verleihen dem Innenraum eine angenehme Atmosphäre. Die meisten Funktionen lassen sich über die Griffe am Lenkrad Bedienen, dadurch macht das Armaturenbrett einen sehr aufgeräumten Eindruck. Bis auf die Lichtschalter und die zwei Becherhalter sind keine Knöpfe mehr zu finden. Die Heizungsbedienung wurde etwas tief auf der Mittenkonsole plaziert. Dies ist vielleicht kein logischer Platz, aber derjenige, der einmal verstanden hat, wo welche Funktion zu finden ist, kann alles schnell und blindlings bedienen. Den Ausstattungsbereich Stauraum hat man bei Seat glatt vergessen. Es gibt kein Handschuhfach, damit sind die Insassenen vor allem auf die Kartenfächer in den Türen und eine Staufach, wo locker ein Handschuhfach plaziert werden könnte, angewiesen.

Seat Arosa

Zu einem ergonomisch gestalteten Armaturenbrett gehört auch eine gute Sitzposition. Die Sitze sind, außer bei der Basisausstattung, auch Höhenverstellbar. Nachdem auch das Lenkrad auf die gewünschter Höhe gestellt ist, fühlt sich jeder Fahrer sofort zu Hause. Man hat sogar an eine Stütze für den linken Fuß gedacht. Der Platz auf der Rückbank ist, abhängig vom Stand der Vordersitze, nur mäßig bis gut. Da sich Seat für mehr Beinfreiheit im Fond entschieden hat, mußte der Kofferraum etwas von seinem Platz abgeben. Aber für die wirklich großen Einkaufstaschen kann man durch das Hochklappen der geteilten Rückbank Platz schaffen.

Seat Arosa

Autobahntiger

Seat vermarktet den Arosa als echtes Stadtauto. Die Testfahrt lehrt, daß der Arosa tatsächlich kompakt und wendig ist. Das Auto läßt sich leicht durch enge Gassen, oder Straßen die in zweiter Reihe voll geparkt und von ausladenden LKWs blockiert sind, steuern, um dann auf einem winzigen Plätzchen zu parken. Dabei assistiert die Servolenkung ausreichend genug, um einfach einzuparken, ohne daß das Fahrvergnügen etwas bei höheren Geschwindigkeiten abgeben muß. Im Hinblick auf den Stadtverkehr hat sich Seat für ein bequemes Fahrgestell entschieden. Zusammen mit den Rädern, die auf den äußersten Winkeln plaziert sind, um bis zu maximalen Achsstand zu kommen, ist der Arosa für die Insassenen richtig angenehm auf der schlechten Straßendecke.

Das Geräuschniveau liegt dabei, für ein Auto dieser Klasse, nur bei einem mittleren bis niedrigen Niveau. Was Seat nicht bei der Empfehlung des Arosa erwähnte ist, daß sich die Version mit dem 1.4 Liter Motor auch sehr gut auf der Autobahn verhält. Mit den 60 PS, die der kleine Arosa liefert, entpuppt sich Seats Kleinster nach dem ganzen Stadtverkehr als wahrer Autobahntiger. Das zeigt sich vor allem bei den hervorragenden Zwischenbeschleunigungen und der Leichtigkeit, mit der das Auto auch hohe Dauergeschwindigkeiten halten kann. Selbst wenn der Motor des zwei Tage alten Testautos geschont wird, kann der Arosa während des Überholens auch bei hohen Geschwindigkeiten den größeren Autos das Leben schwer machen. Der Schallpegel liegt dabei für ein Auto dieser Kategorie auf einem durchschnittlichem bis niedrigem Niveau.

Zusammen mit dem neuen Exterieur haben sich die Spurweite und Reifengröße um einige Zentimeter vergrößert. Wer das vorherige Modell des Arosa kennt, wird deswegen möglicherweise auffallen, daß der neue Arosa gerade etwas ruhiger und etwas schneller auf der Straße ist. Auf den spiegelglatten Teststraßen, schien der Arosa kinderleicht zu fahren. Ein eintägiger, schriftlicher Anti-Rutsch Kursus ist ausreichend, um den Arosa durch Schnee und Eis zu lotsen. Auch in einer (zu schnell) genommenen Kurve auf trockenem Untergrund ist das Auto trotz des o.g. sanften Fahrgestells einfach zu korrigieren. Außer mit diesem aktiven Sicherheitsmerkmal, ist der Arosa standard mit zwei Airbags ausgestattet(außer der "Select"-Ausführung), Gürtelspanner und Seitenaufprallschutz in den Türen. ABS und Seitenairbags können in den meisten Ausführungen zusätzlich bestellt werden.

Fazit

Der Seat Arosa benötigte nach dem Facelift der anderen Modelle offenbar auch ein neues Outfit. Seat hat das lange Warten mit einem gelungenen, überholten Modell des Arosa belohnt. Parkt man den Neuen neben dem alten Modell, dann sieht der neue Arosa viel erwachsener, moderner und viel attraktiver aus. Der Arosa unterscheidet sich besonders im Preis von anderen, kleinen Autos. Beim Seat liegt der Nachdruck nicht auf eindrucksvollen Aufzählungen der Accessoires, sondern mehr auf Qualität, Sicherheit und Technik. Dieser Seat Arosa 1.4 Stella ist darum nicht nur ein sehr gutes Stadtauto, sondern eignet sich dank des großen Motors auch für Langstrecken. Zum Beispiel für einen Urlaub in Spanien. Arosa liegt 500 Kilometer im Nordwesten von Madrid.

plus
  • Nettes, neuzeitliches Design
  • Gutes Preisleistungsverhältnis
  • Auch für Langstrecken geeignet
min
  • Wenig Stauraum
  • Knappe Rückbank
  • Unhandlich plazierte Heizungsschalter