16 Dezember 2002
Saab 9-3 Sport Sedan

Saab 9-3 Sport Sedan

Saab über alles

Autotest | Ab und zu kommt ein ganz neues Auto aus dem Norden. Der vorherige Saab 9-3 ist seit 1994 auf dem Markt und erst jetzt hat man einen Nachfolger entwickelt. Mit dem Newcomer will Saab die bestehenden Kunden mit dem für Saab üblichen Design und durchdachten Ergonomie behalten. Der neue Saab 9-3 muss dank der progressiven Technik und den hervorragenden Fahreigenschaften auch der neuen Käufergruppe gefallen. Wird es gelingen?
 

Der 9-3 Sport Sedan formt den Anfang einer ganz neuen Saab-Modellinie und zeigt sowohl Wachstum als auch ein deutlich erkennbares Saab-Gesicht. Das ganze Auto sieht massiv und imposant aus, dank eines breiten Kühlergrills mit drei Lufteintrittsöffnungen, des Saab-Logos in der Mitte und ein Paar Scheinwerfern, die Selbstsicherheit ausstrahlen. Kleine Breitstrahler und tief durchlaufende Spoiler unterstreichen dieses Gefühl wörtlich und bildlich.

Die Seitenansicht des 9-3 zeigt eine einfache Linie, die dank einer langen Nase und einem kurzen Überhang etwas von einem Coupé hat. Es sind aber die großen Leichtmetallfelgen, die das Bild bestimmen. Sie sind so groß, dass der ganze Radkasten ausgefüllt ist und das gibt ihm wieder eine etwas "sture" Ausstrahlung. Die dazu gehörenden breiten Reifen sollten im Lauf des Tests jedoch ein Nachteil sein, weil das Auto deutlich empfindlich auf Spurrillen reagiert. Als die Designer auf die Rückseite des 9-3 zukamen, war die Inspiration offensichtlich zu Ende. Obwohl die Rückansicht sicherlich nicht hässlich ist, steht sie in keinem Verhältnis zu dem Rest des Autos.

Cockpit

Der Innenraum kann nur vom Flugzeugbauer Saab stammen. Das Armaturenbrett ist um den Fahrer herum gebaut worden, genau wie bei einem Flugzeugcockpit. Sowie in einem Flugzeug ist die Schalterzahl enorm. Die Bedienungselemente sind über das ganze Armaturenbrett verbreitet, von links unter dem Lenkrad über Schalter auf dem Lenkrad bis zu einer fast kompletten Tastatur auf der Mittelkonsole. Das alles wird durch drei Displays ergänzt, plus der üblichen Instrumente hinter dem Lenkrad, dort wieder mit einem Display. Dennoch ist alles logisch geordnet und ziemlich übersichtlich.

Ein paar Sachen fallen aber direkt auf. Es fängt bei der Tachoskala an. Die ist so gewählt, dass die Zahlen bei niedriger Geschwindigkeit weit auseinander stehen und deswegen kann man die Geschwindigkeit sehr präzise ablesen. Bei höheren Geschwindigkeiten wird die Skala pauschal wiedergegeben. Das ist sehr pfiffig und in der Praxis besonders angenehm! Wie jeder andere Saab hat auch der 9-3 ein "night panel". Das bedeutet, dass ein Teil der Instrumenten- und Displaybeleuchtung ausgeschaltet werden kann, um ein ruhiges Bild in der Dunkelheit zu bekommen. Die Tachoskala ist bis zu 140 Km/h beleuchtet, sobald diese Geschwindigkeit überschritten wird, leuchtet auch der Rest auf.

Saab 9-3 Sport Sedan

Am Lenkrad und zentral auf dem Armaturenbrett findet man die Bedienung des Audiosystems (Radio/CD). Die Bedienung wird mit der des Telefons geteilt, wodurch man nicht sofort weiß, welche Tasten und Funktionen gemeinsam sind und welche entweder nur für Radio oder nur für Telefon bestimmt sind. Leider wird sowohl der Ton als auch der Radioempfang den Anforderungen eines Autos wie diesem nicht gerecht.

Die Klimaanlagenbedienung ist so umfangreich und so effektiv, dass sowohl ein tropisches Schwimmparadies als auch ein Kühlhaus noch etwas von ihr lernen könnten. Das System ist (optional) links/rechts getrennt regelbar, aber auch ohne Passagier kann man es ausschalten. Auch dieses System weist eine große Schaltervielfalt auf, aber dank der deutlichen Symbole und der logischen Einteilung lässt es sich intuitiv bedienen. Sehr raffiniert ist die mit der Klimaanlage verbundene Sitzheizung. Außerdem beweist ein Kaltstart, dass es eine der effektivsten Sitzheizungen ist. Bei manch anderen Autos ist der Effekt erst mitten in der Fahrt spürbar, aber bei diesem 9-3 kommt schon einige Sekunden nach dem Start die "warme Glut" durch die Sitze. Das ist wirklich eine vernünftige Ergänzung der Heizung.

Saab 9-3 Sport Sedan

Das zentral, genau unter der Frontscheibe, platzierte Display zeigt Informationen über den Aktionsradius, die durchschnittliche Geschwindigkeit und den durchschnittlichen Verbrauch an. Es fehlt leider die Wiedergabe des aktuellen Verbrauches. Was immerhin auffällt, viele Funktionen sind mit der Einstellung "customize" versehen. Hiermit ist das Verhalten des Autos in vielen Punkten ganz nach Wunsch einzustellen. Das umfasst vom Alarmverhalten über die Empfindlichkeit des Regensensors bis hin zum Verhalten der Klimaanlage fast alle Einstelloptionen.

Sentronic

Nachdem die Elektronik ganz nach Wunsch eingestellt ist, kommt die Zeit für elementarere Sachen, wie die Sitze. Die Sitze, die Saab montiert, sind mehrfach Verstellbar, ergonomisch geformt und ganz auf Sicherheit ausgelegt, aber man sitzt in Ihnen auch ausgezeichnet. Während der ersten Kilometer entsteht eine Vermutung, die nach der Testperiode bestätigt werden sollte: diese Sitze sind so gut, dass sich manch einer nach einer Fahrt mit dem 9-3 besser fühlen wird, als vorher! Die Passagiere auf der Rücksitzbank sind aber etwas weniger enthusiastisch, weil der Platz hinten im Hinblick auf den Autoumfang eher enttäuscht.

Der 9-3 ist entweder mit manuellem oder automatischem 5.Gang-Getriebe lieferbar. Diese Automatik funktioniert, wie es sich gehört, aber nicht besser als der Durchschnitt. Sehr angenehm ist die Möglichkeit selber sequentiell zu schalten. Das so genannte "Sentronic"-System ist vor allem im belebten Verkehr sehr angenehm, wo eine Automatik nicht voraussehen kann, was im Verkehr demnächst passiert, aber der Fahrer schon. Wenn der Motor zu niedrige Drehzahlen erreicht, schaltet die Sentronic selbständig zurück. Bei zu hohen Umdrehungen schaltet das System nicht durch, sondern beendet den Spaß beim Drehzahlbegrenzer des Motors.

Zu einem neu entwickelten Auto gehören auch neu entwickelte Motoren, darunter befindet sich auch ein 2.0-Liter Turbomotor. Bei einer konstanten Geschwindigkeit funktioniert dieses Triebwerk geräuschlos. Dabei bietet der 9-3 etwas sehr besonderes, das absolut einmalig für ein großes Auto, wie dieses, ist: es kann auch langsam! Während niedrige Geschwindigkeiten für die meisten großen Autos wie Kriechgeschwindigkeiten erfahren werden, wobei die Höchstgeschwindigkeit als Mindestgeschwindigkeit kaum annehmbar ist, fährt der 9-3 bei jeder Geschwindigkeit herrlich! Sogar mit 100 Km/h gibt der 9-3 das Gefühl, mit einer angenehmen Geschwindigkeit unterwegs zu sein, ohne fortwährend zu mehr zu provozieren.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Auto nicht zu mehr imstande ist. Wenn sich der 175 PS starke Vierzylinder erbost, ist der 9-3 ein schlichtweg schnelles Auto, das sogar giftig sein kann! Wer die Geschwindigkeit langsam aufbaut, wird mit einer netten Vorstellung belohnt. Zuerst gibt der Turbodruckmesser an, wie der Druck aufgebaut wird. Dann zeigt der Drehzahlmesser an, wie der Motor gierig Umdrehungen macht, um anschließend den Tacho und das Auto mit einer gewaltigen Bewegung zu beschleunigen Selbstverständlich kann man auch in einer schnellen Bewegung auf's Gas treten, worauf das Auto direkt startet. Bei einer hohen Geschwindigkeit bleibt der 9-3 genauso komfortabel wie bei einer niedrigen Geschwindigkeit. Im Vergleich zu einem Sportwagen fühlt sich dieser "Sport Sedan" zwar sehr massiv und groß an, aber noch immer fahrfähig und kontrollierbar.

Fazit

Es gibt viele gute und sogar sehr gute Autos in der Klasse des Saab 9-3. Die meisten dieser Autos geben nach einer Probefahrt ein Gefühl von "gut, damit kann man Leben" oder "sehr angenehm". Aber der neue Saab 9-3 Sedan hat von Anfang an einen deutlichen Mehrwert. Das beginnt beim exklusiven Image des Saab, zeigt sich aber auch deutlich in den Fahreigenschaften. Die vielen ergonomischen Glanzleistungen, umfangreiches Ausstattungsniveau, der herrliche Turbomotor und die sublime Straßenlage geben mehr als nur "genügend" oder "sehr gut", sie zeigen an, dass "anders" vor allem "besser" ist.

plus
  • Sehr gute Fahreigenschaften
  • Unterscheidende Kapazität
  • Schlaue ergonomische Erfindungen
min
  • Empfindlich für Spurrillen
  • Mäßiger Platz hinten
  • Ungeschickte Bedienung des Tempomaten