6 April 2007
Nissan Qashqai (2007 - 2013)

Nissan Qashqai (2007 - 2013)

Alles nur Show

Autotest | Nissan hat sich was neues ausgedacht. Sieht aus wie ein Geländewagen, hat aber Zweiradantrieb und ist für den Stadtverkehr gedacht. Das scheint in etwa so sinnvoll wie ein Cabrio für schlechtes Wetter oder ein Lkw ohne Laderaum. Wofür ist der Nissan Qashqai also gut und was soll eigentlich dieser seltsame Name heißen?
 

Die zweite Frage ist leicht zu beantworten: Das allwissende Internet lehrt uns das die Qashqai ein persischer Nomadenstamm sind. Das hat mit Autos nichts zu tun, klingt aber spannend. Und genau darum geht es Nissan mit diesem Modell: Der Qashqai ist anders. Den Qashqai kann man sich kaufen, wenn man kein Durchschnittsauto will und nicht richtig tief in die Tasche greifen will, um einen echten Exoten zu erwerben.

Nissan Qashqai (2007 - 2013)

Formgebung

Der Qashqai bewegt sich irgendwo zwischen einem kleinen SUV, einer höhergelegten Steilheck-Limousine und einem kurzen Kombi. Es gibt ihn mit Allradantrieb, aber der ist nur als extra Sicherheitssystem gedacht. Als Geländewagen ist der Qashqai nicht gebaut und die hohe Bodenfreiheit (200 mm) ist vor allem für hohe Bürgersteigkanten oder Bodenschwellen nützlich.

Auch innen ist der Qashqai eine Mischform zwischen verschiedenen Autotypen. Das Armaturenbrett erinnert an einen normalen Pkw. Auch die Qualität und die verwendeten Materialen sind mit den anderen modernen Nissans vergleichbar.

Nissan Qashqai (2007 - 2013)

Dank der hohen Sitzposition muss man sich beim Einsteigen nicht verrenken und bleibt die Übersicht im Verkehr gewahrt. Allerdings sind die Sitze zu weich gepolstert, sodass man durchsackt und nach einer längeren Fahrt mit einem krummen Rücken wieder aussteigt. Die optionalen Ledersitze sind besser gepolstert.

Das Platzangebot ist vorne sehr großzügig und auch hinten noch überdurchschnittlich. Der Gepäckraum erinnert an einen Kombi. Auch wenn die Rückbank nicht umgelegt wird, passt in diesen "Crossover" einiges rein (410 Liter). In diesen Punkten hat der Qashqai mehr zu bieten als nur markantes Aussehen.

Ausstattung

Unser Testwagen ist mit einem "Tekna"-Paket ausgestattet, in dem alle erdenklichen Extras enthalten sind. Links/rechts separat regelbare Klimaanlage, prima funktionierender Bluetooth-Telefonanschluss, Tempomat, MP3-kompatibles Audiosystem, riesiges Glasdach, Licht- und Regensensoren und sogar eine Entriegelungssperre gehören zur Standardausrüstung. Dazu kommt bei unserem Testwagen noch ein besonders exklusives Navigationssystem mit Rückblickkamera.

Nissan Qashqai (2007 - 2013)

Allerdings ist die ganze Elektronik auch eine mögliche Fehlerquelle, was uns noch vor Beginn der Testfahrt klar wurde. Das schlüssellose Zugangssystem wollte nicht mehr, wodurch sich der Wagen nicht mehr anlassen ließ. Während der Testfahrt flackerte dann der Bildschirm, als ob er einen Wackelkontakt hätte. Die Rückblickkamera wollte auch nicht immer, und lieferte ab und zu nur Schwarz. An der Beifahrertür fand sich eine kleine Schramme.

Nissan Qashqai (2007 - 2013)

Fahren

Sie haben es bestimmt schon geahnt: Auch was die Fahreigenschaften angeht erweist sich der Qashqai als Kreuzung verschiedener Autotypen. In kleinen Gassen und engen Parkhäusern fühlt er sich wie ein großes SUV an. Man braucht große Lenkbewegungen, um den Qashqai um die Kurve zu manövrieren, was einem das Gefühl gibt, einen großen Wagen zu fahren. In Wirklichkeit ist der Qashqai kaum größer als beispielsweise ein Ford Focus, wirkliche Probleme bei der Parkplatzsuche gibt es also nicht.

Die Straßenlage erinnert wiederum an einen Pkw. Das Fahrgefühl ist zwar durch die hohe Sitzposition ein anderes, aber die Straßenlage ist hervorragend. Bei schnellen Ausweichmanövern reagiert der Wagen ruhig und gelassen, deutlich besser und sicherer als die meisten Geländewagen. Auch bei hohen Geschwindigkeiten bricht der Qashqai nicht aus. Das Fahrgestell ist weder zu weich noch zu hart, sondern genau richtig gefedert.

Leistung

Die Leistung ist stark vom Motortyp abhängig. Da Nissan den Qashqai als originelle Alternative zu einem langweiligen Durchschnittsgeschäftswagen anpreist, haben wir uns für die Testfahrt einen Diesel ausgesucht. Beim Hubraum stehen 2,0 und 1,5 Liter zur Wahl. Letzteres erwies sich als etwas zu wenig für diesen Wagen.

Der Motor, der von Renault stammt, ist stark vom (deutlich hörbaren) Turbo abhängig und läuft daher meist recht schnell. Den offiziellen Werten nach ist der Qashqai recht sparsam. Um im Verkehr Schritt zu halten, muss der Diesel (mit Partikelfilter) aber einiges Leisten, sodass der Verbrauch letzten Endes kaum besser ist als bei einem durchschnittlichen SUV. Nur auf der Autobahn ist der Qashqai, auch dank des sechsten Gangs, sehr sparsam und ist ein Verbrauch von 5 Liter auf 100 km leicht zu erreichen.

Nissan Qashqai (2007 - 2013)

Fazit

Wofür ist der Nissan Qashqai gut? Einen wirklichen Sinn hat diese seltsame Mischung von Autoklassen nicht . Weder fährt der Qashqai besser als andere Autos noch ist er billiger. Es geht vor allem um die Show, und deren Erfolg bestimmen bekanntlich die Zuschauer.

Der 1,5-Liter Diesel liegt leistungsmäßig nur im Durchschnitt, ist im Verbrauch jedoch hoch. Die Verlässlichkeit des Testwagens lässt zu wünschen übrig. Allerdings betont Nissan, dass es sich um eines der ersten Vorserienmodelle handelt, und bei den Serienwagen noch einiges verbessert wurde. Die Stärken des Qashqai liegen im Platzangebot, dem leichten Einstieg, der guten Übersicht im Verkehr und natürlich dem markanten Aussehen.

plus
  • Geräumig
  • Mal was ganz anderes
  • Hervorragende Straßenlage
min
  • Zu weiche Sitze
  • Seitenwindanfällig
  • Störungsanfällige Elektronik