30 Juni 2010
Toyota Auris Hybrid

Toyota Auris Hybrid

Grüne Energie

Autotest | Hybridwagen haben sich in den letzten Jahren stärker bewiesen. Dank der Kombination von zwei Motoren bietet der Hybridwagen das beste aus zwei Welten. Ein Elektromotor ist sparsam in der Stadt, ein Benzinmotor ist besonders auf längeren Strecken effizient. Doch bis jetzt hatten Hybridwagen ein besonderes Äußeres und einen entsprechende Preiskarte. Das ging Manchem zu weit. Deswegen gibt es den bereits bekannten Toyota Auris jetzt auch als Hybriden. Kann Toyota die Schwelle zur Fahrt mit einem Hybriden wirklich senken?
 

Schauen Sie mal richtig hin. Tatsächlich, ein gut aussehendes Auto und weiter nichts besonderes. Und genau das wollte Toyota! Bis jetzt hatten Hybridwagen nicht nur besondere Technik, sondern auch eine besondere Formgebung. Das war für so Manchen zu auffällig oder ein zu deutliches Aushängeschild für Weltverbesserer. Der Auris Hybrid dagegen ist ein normaler Mittelklassewagen.

Vertraut

Auch innen sieht der Auris Hybrid sofort vertraut aus. Im Gegensatz zum Toyota Prius gibt es hier kein futuristisches Cockpit, aber trotzdem genau das selbe praktische Interieur wie in jedem anderen Auris. Denken Sie dabei an die schöne, schwebende Mittelkonsole mit darunter liegenden Ladestationen und ein bequemes doppeltes Handschuhfach.

Toyota Auris Hybrid

Der Auris hat ein Facelifting bekommen, wobei die nun verwendeten Materialien spürbar von höherer Qualität sind. Trotz des Faceliftings ist das Audio- und Navigationssystem im Vergleich mit denen der Konkurrenz etwas veraltet. Insbesondere ein iPod-Interface wird sehr vermisst.

Beim ersten Entwurf des Auris war überhaupt nicht an ein Hybridgetriebe gedacht worden. Trotzdem bietet auch der Hybrid vorne und hinten vollauf Platz. Nur der Gepäckraum ist etwas kleiner als üblich, aber noch immer mit einem klugen doppelten Ladeboden ausgestattet. Der Rücksitz kann zugunsten eines maximalen Laderaums von 753 Liter herunter geklappt werden.

Hybride

Hinterm Lenkrad fällt auf, dass der Auris Hybrid keinen Drehzahlmesser hat, sondern einen "Kraftmesser". Unter der Motorhaube liegen zwei Motoren - zwei Drehzahlmesser wären nur unübersichtlich. Der "Kraftmesser" zeigt, wieviel Kraft genutzt wird, unabhängig davon, wie sie erzeugt wird.

Toyota Auris Hybrid

Der Computer bestimmt, welcher Motor wann am effizientesten ist. In der Regel ist das im Stadtverkehr der Elektromotor. Der Auris Hybrid kann mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zwei Kilometer weit rein elektrisch fahren. Der Benzinmotor ist auf der Autobahn am effizientesten. Wenn nötig, können auch beide Kraftquellen gleichzeitig genutzt werden, zum Beispiel, um schneller zu beschleunigen. Der Strom, der für den Elektromotor benötigt wird, wird während der Fahrt erzeugt (hauptsächlich beim Ausrollen und Bremsen); der Auris Hybrid braucht also nie eine Steckdose.

Toyota Auris Hybrid

Fahreigenschaften

Wer kein Interesse an der besonderen Technik hat, kann diese zusätzliche Information folgenlos ignorieren. Das Fahren mit dem Auris Hybrid erfordert keine spezielle Übung. Besser noch, da das Auto mit einem automatischen Getriebe daherkommt, ist der Hybrid einfacher zu fahren als der normale Auris!

Und dennoch sorgen die ersten Kilometer für eine besondere Erfahrung. Nach dem Eindrücken des Startknopfes verraten nur ein paar Kontrolllämpchen, dass das Auto "an" ist. Im Interieur herrscht vollkommene Stille. Der Benzinmotor wird nämlich nur eingeschaltet, wenn er gebraucht wird. Das Anfahren erledigt der Auris mit dem Elektromotor. Erst über 50 km/h springt der Benzinmotor fast unmerklich an.

Toyota Auris Hybrid

Leistungen

Die Leistungen sind mit denen eines normalen Auris vergleichbar. Nur die Art, wie die Leistung erzeugt wird, unterscheidet sich. Bei Zwischenbeschleunigungen werden beide Motoren kombiniert; deshalb scheint es so, als ob der Auris Hybrid immer günstigen Wind hätte. Das stufenlose ("CVT") Automatikgetriebe lässt nur ein nörgelndes Geräusch hören, wenn der Elektromotor versucht, eine ideale Übersetzung zu finden.

Toyota Auris Hybrid

Die Geräusche von Seitenwind und Reifen (bei niedrigem Rollwiderstand) sind die gleichen wie beim herkömmlichen Auris. Die Batterien, die für das Hybridgetriebe notwendig sind, machen das Auto aber erheblich schwerer.

Toyota hat die Lenkung und das Fahrgestell an das zusätzliche Gewicht angepasst. Deshalb hat der Auris Hybrid eine sublime Straßenlage. Er ist absolut kein Eco-Auto, das sich nur zum langsamen Fahren eignet; statt dessen lädt dieses grüne Modell zum flotten Kurvenfahren ein! Die ausgezeichnete Straßenlage bedeutet außerdem, dass der Auris Hybrid in einer Paniksituation sicher und vorhersagbar reagiert.

Toyota Auris Hybrid

Verbrauch

Wenn der Fahrstil nicht angepasst wird, verbraucht der Auris Hybrid etwa 5 Liter Benzin pro 10 Kilometer (1 auf 20). Für maximale Leistung kann der "Power Mode" eingeschaltet werden. Dann werden Elektro- und Benzinmotor gleichezeitig eingesetzt, um optimale Leistungen zu bringen. Außerdem ist die Reaktion auf das Gaspedal dann viel bedachtsamer, und die Motorleistung dieses Hybrids sind ausgezeichnet. Sogar mit einem äußerst schroffen Fahrstil kam der Verbrauch nicht höher als 6 Liter pro 100 km (1 auf 17). Trotzdem kann bzw. darf der Auris Hybrid keinen Anhänger ziehen.

Um so sparsam wie möglich fahren zu können, bietet der Auris Hybrid verschiedene Hilfsmittel. Im "Eco Mode" ist die Reaktion auf das Gaspedal sehr reserviert, und alle Systeme gehen auf "grün". So wählt sogar die Klimaanlage eine extra sparsame Einstellung.

Toyota Auris Hybrid

Das Automatikgetriebe kennt eine "B"-Stellung, in welcher mit dem Motor gebremst werden kann, um zusätzliche Energie zu erzeugen. Später kann diese Energie genutzt werden, um in der Stadt den "EV"-Modus einzuschalten und nur mit dem Elektromotor zu fahren. Dann ist der Verbrauch buchstäblich Null! Zur Verdeutlichung: Der Computer sorgt dafür, dass automatisch Energie erzeugt wird, und wählt selbstständig die sparsamste Kraftquelle. Wer das möchte, kann es selbst beeinflussen, um noch sparsamer fahren zu können.

Mit einem angepassten Fahrstil (ruhig und gleichmäßig Gas geben) ist der von Toyota versprochene Verbrauch von einem Liter pro 100 km (1 auf 25) tatsächlich machbar. Damit ist der Auris genauso sparsam wie der futuristische (und viel kostspieligere!) Prius. Außerdem verführt der Auris in der Praxis einfacher zu einem niedrigeren Verbrauch als der Prius. Das macht den Auris nicht nur vorteilhafter beim Kauf, sondern auch im Betrieb.

Toyota Auris Hybrid

Fazit

Weiß Toyota die Schwelle zur Fahrt mit einem Hybriden mit dem Auris Hybrid wirklich zu senken? Ja, zweifellos. Der Auris Hybrid bietet alles an fortschrittlicher Technik, was den Toyota Prius zum Erfolg machte. Die gleiche Technik wird jetzt in einer vertrauteren Verpackung angeboten. Platz und praktische Möglichkeiten des Auris sind fast gleich geblieben, nur der Gepäckraum ist etwas kleiner. Die Straßenlage und die Sicherheit sind auf dem selben hohen Level wie beim herkömmlichen Auris.

In der Praxis bietet das Hybridgetriebe nur Vorteile. Der erste davon besteht darin, dass der Auris Hybrid außergewöhnlich sparsam ist. Der versprochene Verbrauch von 4 Litern pro 100 km ist mit einem angepassten Fahrstil sehr gut machbar. Wenn der Fahrstil nicht angepasst wird, verbraucht der Hybrid etwa 5 Liter pro 100 km. Sogar dann ist der Auris Hybrid sparsamer als die meisten Stadtwagen und super-sparsamen Dieselfahrzeuge. Schließlich bietet der Hybrid, dank des Hybridgetriebes, gute Leistungen und sogar mehr Komfort als der normale Auris. Grüne Energie von ihrer besten Seite!

plus
  • Extrem sparsam
  • Ausgezeichnete Straßenlage
  • Vorteilhaft bei Kauf und Verbrauch
min
  • Audio- und Navigationssystem merklich veraltet
  • Gepäckraum etwas kleiner als beim normalen Auris