7 Juni 2010

Shell Eco-Marathon 2010

Studentenparty

Event | Die Bezeichnungen "Fahrvergnügen" und "sparsam fahren" scheinen sich komplett zu widersprechen. Ein Auto vollauf zu genießen kostet nun mal etwas mehr Treibstoff. Shell möchte mit dem Eco-Marathon 2010, der von 5. bis zum 7. Mai 2010 in Berlin stattfand, das Gegenteil beweisen. Die sparsamsten Fahrer Europas stritten um den Hauptgewinn: einen super sparsamen Volkswagen Golf BlueMotion. Studenten-Teams gingen einen Schritt weiter und bauten ihre eigenen, extrem sparsamen Fahrzeuge.
 

Das Ziel beim "Shell FuelSave 1 Litre Challenge" ist ganz einfach: Wer mit einem Liter Treibstoff die längste Strecke zurücklegen kann, ist der Gewinner. Bis es soweit ist, geben die Weltmeister im sparsamen Fahren, die Australier John und Helen Taylor, ihre Geheimnisse zum Besten. Dieses Ehepaar hat 88 Sparsamkeitsrekorde aufgestellt und kann laut eigener Aussage mit jedem Auto doppelt so sparsam fahren wie vom Hersteller angegeben. Die Teilnehmer starteten mehr als inspiriert und mit 20 Tipps von den Profis.

Fragen

Das Rennen ist mehr als nur im Kreise zu fahren, bis der Liter Treibstoff alle ist. Schon beim Start müssen die Teilnehmer eine Frage beantworten; geben sie die falsche Antwort, dann müssen sie die ersten vier Runde mit eingeschalteter Klimaanlage fahren. Sie werden Tipp #1 nie vergessen: Benutze die Klimaanlage so wenig wie möglich, denn das kostet viel Energie.

Nach 4 Runden erwarten die Taylors die Teilnehmer an einem improvisierten Gemüsestand neben der Rennstrecke. Die Teilnehmer müssen zwölf von zwanzig Tipps nennen. Können sie das nicht, dann bekommen sie 20 Kilo Kartoffeln als Ballast mit. Tipp #2 war: Versuche so viel wie möglich an Gewicht zu sparen.

Einige Runden später folgte der "school run". Wieder mussten die Teilnehmer eine Frage beantworten (wie senkt Shell FuelSave den Verbrauch?). Wer falsch antwortet, muss 2 Kinder (Puppen) an Bord nehmen und sie zwei Runden später wieder abliefern. Shell FuelSave soll den Verbrauch senken, weil die Zylinderhebel sauberer bleiben und der Motor deswegen effizienter arbeitet. Außerdem muss nach diesem Pflicht-Halt so geschmeidig wie möglich beschleunigt werden.

Strategie

Den ganzen Tag stritten die Teilnehmer darum, wer am sparsamsten fahren kann. Deshalb fuhren die Golfs unglaublich langsam über die Rennstrecke. Manche Teilnehmer fuhren kaum die Mindestgeschwindigkeit von 30 km/h. Andere hielten ihr Tempo und entschieden sich für einen gleichmäßigen Fahrstil.

Der stolze Sieger der Volkswagen Golf BlueMotion ist schließlich der deutsche Fahrlehrer Gunther Großler. Er fuhr bedeutend schneller (!) als die anderen Teilnehmer und benutzte damit die bestmögliche Drehzahl im höchsten Gang. Diese Kombination bringt den höchsten Nutzeffekt. Großler wird den gewonnenen Golf als Fahrschulwagen einsetzen. Wer fortan bei "Fahrschule Großler" Fahrunterricht nimmt, hat den "Smartest driver of Europe" als Fahrlehrer! Großler verbrauchte durchschnittlich 1 l auf 22,8 km.

Studenten

Für die Teams der Studenten und Realschüler ist das längst nicht sparsam genug. Die 213 Teams aus 22 Ländern bauten selber extrem sparsame Fahrzeuge, und zwar in den Kategorien "Prototypes" und "Urban Concepts". Die Prototypen sind stromliniengeformte Fahrzeuge, in welchen der Fahrer liegt. Die Urban Concepts ähneln mehr traditionellen Autos und haben Scheinwerfer und sogar einen Kofferraum. Beide dürfen Benzin, Diesel, Wasserstoff, Bioethanol oder Sonnenenergie benutzen.

Im Vergleich mit einem Höchstgeschwindigkeitsrennen ist das Rennen der Prototypen und Urban Concepts eine fremdartige Wahrnehmung. Aus dem Paddock tönen keine brummenden Motoren, und um die Stille zu durchbrechen, sorgt Shell für Musik, etwas was normalerweise wegen der lauten Motoren ein vergebliches Unterfangen ist. Die Boxen sind nicht ängstlich verschlossen, damit die Betriebsgeheimnisse nicht enthüllt werden, statt dessen begrüßen die Teams Besucher und Konkurrenten. Tipps und sogar Bauteile werden frei ausgetauscht.

Auch auf der Tribüne ist es völlig anders. Die meisten Fahrzeuge gleiten fast unhörbar vorbei. Man hört höchstens mal ein kleines Hüsteln von einen kleinen 50-ccm-Motor, der nach Erreichen der Reisegeschwindigkeit wieder so schnell wie möglich ausgeschaltet wird. Vor allem die kreativ geformten Urban Concepts sind Favoriten beim Publikum. So gibt es ein Bambus-Auto, einen Renault Megane look-a-like und sogar einen Miniatur-Ferrari. Der unbestrittene Publikumsliebling ist die Imitation eines Citroën 2CV (siehe Panoramabild) als Ode an das 60-jährige Bestehen dieses Autos.

Ergebnisse

In der Klasse der Prototypen wurde in diesem Jahr ein Weltrekord aufgestellt: Das Französische "Polyjoule"-Team hat 4.896 km mit einem Liter Wasserstoff zurückgelegt. Zur Illustration: Die Nummer zwei fuhr "nur" 2.965 Kilometer mit einem Liter. Drei Teams bauten ein Fahrzeug auf der Basis von Sonnenenergie und konnten durchschnittlich etwa 600 km pro Kilowattstunde fahren.

Die deutsche Fahrerin Christina Surer ist seit kurzem als "FuelSave Botschafterin" bei Shell tätig. Die drei Tage des Sparens bis zum letzten Tropfen hat sie wie folgt zusammengefasst: "Rennen bei hoher Geschwindigkeit spielt vor allem auf die Urinstinkte an. Sparsam fahren ist ein strategisches Spiel und deswegen sogar eine größere Herausforderung: Ich mache mit!"

Fazit

Der Shell Eco-Marathon entstand 1939 aus einer Wette zwischen zwei Wissenschaftlern. Die beiden behaupteten, mit nur einem Liter Treibstoff am weitesten fahren zu können. Anno 2010 ist der Eco-Marathon ein weltweites Ereignis, wobei hunderte Studententeams mitmachen. Beim Eco-Marathon geht es nicht um die Preisgelder, sondern vor allem um die intellektuelle Herausforderung. Das Bauen eines extrem sparsamen, erneuernden Fahrzeugs ist lehrreich für die Studenten, das Treffen in Berlin ein wahres Fest.

Dabei ist sparsames Fahren ein äußerst interessantes Spiel. Es handelt sich dabei nicht nur um die Fahrkunst, sondern auch um strategische Einsicht. Im Vergleich mit einem Hochgeschwindigkeitsrennen verläuft der Shell Eco-Marathon in einer außergewöhnlichen Atmosphäre. Unter den Teilnehmern ist kein Neid, sondern nur ein gemeinsames Ziel: Treibstoff sparen.