25 August 2002
 

Kia Sorento (2002 - 2009)

Hoch im trockenen

Autotest | Die Geländewagen von heutzutage ähneln eher einem Komfortablen und geräumigen Reiseauto als einem puren Arbeitspferd. Gerade deshalb werden solche Autos als SUV bezeichnet, beziehungsweise Sports Utility Vehicle. Der Trend geht dahin, dass ein SUV Prestige ausstrahlt und dass logischerweise bei einem saftigen Preis. Kia dahingegen durchbricht diesen Trend. Sie bieten einen großen und Luxuriösen SUV für einen auffallend niedrigen Preis an. Kann Kia mit dem Sorento in die Offensive gehen?
 

Zur Zeit der Probefahrt, im Holländischen Amsterdam, hatte die Stadt ein kleines Hochwasserproblem. Viele Straßen waren ganz oder teils überströmt. Teilweise waren die Wasserflächen mehrere Dezimeter tief. Was normalerweise ein zeitraubendes Ärgernis wäre, war jetzt eine interessante Situation. Denn die lehren und überfluteten Straßen baten eine wunderbare Gelegenheit den Sorento mal ein bisschen auf seine Wassertauglichkeit zu testen. Nach einem vorsichtigen abtasten auf den Wasserstraßen, war es an der zeit um mal ordentlich Gas zu geben und die tieferen Pfützen zu erkunden.

Letztendlich kam es soweit das mir das Wasser bis übers Dach schwappte und Wellen über die Motorhaube gegen die Frontscheibe klatschten. Die geparkten Autos bekamen zugleich eine gratis Wäsche mit grüßen von Kia! Dieser Wasserspaß sieht zwar wie ein Spiel aus, doch es zeigt zu was solche Autos imstande sind. Ein SUV ist in erster Instanz eine größere Version eines Pkws, aber er macht seiner Herkunft als Geländefahrzeug aller ehre.

Groß

Der Sorento wurde so entworfen dass er vielmehr so aussieht wie ein Vergrößerter PKW, als wie ein Geländewagen. Dass sorgt bei so manchen im ersten Augenblick für Verwirrung. In erster Instanz sieht es so aus als ob der Sorento nicht billiger ist als seine Konkurrenz, obwohl dass immer Kia's stärke war. Dieses Missverständnis wird schnell geklärt wenn der Testfahrer buchstäblich herabblickt auf einen SUV der im vorigen Test noch so beeindruckend groß schien. Dann wird einem klar das der Sorento ne ganze ecke größer ist als man es im ersten Moment dachte. Er ist groß, sehr groß und strebt damit nicht nur den SUV-Markt an, sondern auch die Top-Klasse der großen Limousinen. Die Proportionen von unter anderem den Scheinwerfern und den Radkästen sind so ausgewählt dass der Sorento relativ bescheiden aussieht. Auch die Ausführung mit zwei Lackfarben lässt ihn, abgesehen von der besseren Optik, weniger Kolossal aussehen.

Kia Sorento (2002 - 2009)

Wer in den Sorento einsteigt merkt wiederum wie groß er ist. Hier spaziert der Fahrer nicht einfach so rein wie bei einem normalen PKW, ohne das nötige Klettern kommt man nicht rein. Nur LKW-Fahrer sitzen höher. Wie von selbst wähnt der Sorento-Fahrer sich König der Straße und guckt von einem geräumigen und netten Interieur auf alles und jeden nieder. Das Plastik Armaturenbrett ist aus zwei Grautönen mit genau an den richtigen stellen Chrom und Holz (was einem nicht an Koreanisches Plastik mit Holzmotiv erinnert), für eine schickere und wärmere Ausstrahlung.

So wie schon zu erwarten war, hat man viel Platz zur Verfügung. Vorne kann man gut sitzen, aber wer hinten platz nimmt der wird staunen über die große Kopf- und Beinfreiheit. Das Dreisitzige Sofa zuhause hat weniger platz. Außerdem sollte man nicht vergessen dass der Sorento hinter der Rückbank auch noch 890 Liter Laderaum hat. Eine schöne Erfahrung war, dass eine Versuchsperson die in einem vergleichbaren Auto reisekrank wurde, im Sorento auch nach einer langen strecke keine Probleme hatte. Ob es Zufall war kann man natürlich nicht sagen.

Geländefahrt

Um klar zu stellen dass der Sorento in der Top-Klasse der SUV's gehört, wird er mit kräftigen Motoren geliefert. Bei der Einführung ist nur ein 2.5 Liter Diesel verfügbar, später kommen 2.4 und 3.5 Liter Benzinvarianten dazu. Dies bietet Limousinen-Fahrer jedoch eine gute Alternative. Außerdem ist der Dieselmotor stark. Dass kommt gerade recht wenn man einen Anhänger (bis maximal 2.800 Kg) benutz oder mal vernünftig im Gelände fährt. Bei der Ausstattung kann man zwischen permanenten oder Manuell einschaltbaren Allradantrieb wählen.

Auf dem Gelände ist es an zu raten die Automatic auf "LOW" zu stellen. Denn der Dieselmotor liefert so viel Leistung dass das Risiko besteht sich im "DRIVE" Modus spontan ein zu graben. Er hat außerdem nicht Serienmäßig Geländereifen wodurch das Profil schnell vol mit Sand und Matsche ist. Die Leistung, bei den Tests im Gelände mit Sand und Matsche, waren vielversprechend für einen Sorento auf echten Geländereifen. Der Allradantrieb ist aber vor allem für extremen Regenfall, sowie am Anfang der Probefahrt, gedacht.

Zurück auf dem Asphalt beweist der 2.5 Liter Diesel sich als hervorragender Allrounder. Bei einem Kaltstart des Motors sind die typischen Diesel Geräusche zu hören, diese verflüchtigen sich aber nach dem Warmfahren. Die Leistung ist befriedigend bis sehr befriedigend. Der 1.959 Kg schwere Sorento ist, genau wie man es sich wünscht, als erster bei der Ampel weg (obwohl Kia über die Beschleunigung von 0 auf 100 Km/h schweigt). Auf der Autobahn ist er wegen den niedrigen Drehzahlen merkbar leise und Sparsamer als man erwartet. Die Reifen, die zuvor im Gelände ein Nachteil waren, sind kaum hörbar und sorgen jetzt für eine Komfortable Fahrt. Dies ist bei SUV's eher eine Ausnahme als die Regel.

Kia Sorento (2002 - 2009)

Autofabrikanten bemühen sich um SUV's dieselben Fahreigenschaften wie einen üblichen Pkw zu geben. Kia hat dies einigermaßen hin bekommen. Obwohl man immer noch merken kann dass der Sorento ein großes und hohes Auto ist, erweckt er aber für einen SUV eine vertrauenswürdige Straßenlage. Das Fahrverhalten ist eine gewöhnungsbedürftige Kombination zwischen einer leichtgängigen Lenkung und einem harten Fahrwerk. Während die Lenkung so gut wie gar kein Gefühl übermittelt, so schneidet das Fahrwerk in dieser Hinsicht gut ab. Diese ungewöhnliche Kombination wird dem einen eher unangenehm sein, während der andere vielleicht schon immer davon geträumt hat.

Natürlich ist es in den Kurven zu merken dass der Sorento wankt, aber dank des festen Fahrwerks bleibt das Auto in der Spur. Auch bei schnellen kleinen Kurven und plötzlichen Spurwechseln bleibt er im Gleichgewicht. Nur bei einer viel zu hohen Kurvengeschwindigkeit muss man sein bestes geben um den 2 Tonnen Kia wieder unter Kontrolle zu bekommen. Die Bremsen sind ausgezeichnet in der Lage mit allen Situationen fertig zu werden (auch bei extremen Regen) und tragen dadurch zu dem Sicherheitsgefühl des Autos bei.

Ergonomie

Viele fragen sich an dieser Stelle ob der Kia Sorento denn gar keine Nachteile hat. Doch! Diese sind aber vor allem kleine ergonomische Missgeschicke. Die Cruise-Control wird zum Beispiel am Lenkrad bedient aber muss zuerst mit einem Schalter links vom Lenkrad aktiviert werden. Während die meisten Funktionen eine Kontroll-Lampe im selben Schalter haben, so hat unter anderem die Heckscheibenheizung ein Lämpchen bei dem Tacho.

Die Klimaautomatic und die Klimaanlage arbeiten nicht gut zusammen, hierdurch ist es nicht möglich zugleich die Heizung für eine angenehme Temperatur und die Klimaanlage für Kondensfreie Fenster zu benutzen. Im übrigen werden Lange Fahrer merken das der Gurt etwas zu niedrig ist und die Handbremse im weg ist wenn man die Beine beim Cruise-Control gebrauch einzieht. Darüber hinaus fehlt dem Sorento ein Bordcomputer, obwohl man die Außentemperatur an der Klimaautomatic ablesen kann, es einen Kompass, einen Höhenmesser und einen Luftdruckmesser gibt.

Das sind aber alles nur Kleinigkeiten, die einfach ein bisschen gewöhnungsbedürftig sind und nicht Grund genug um den Sorento nicht zu kaufen. In der Testperiode hat sich dieser Große Kia nämlich des öfteren positiv bewiesen. Für Autobahn Fahrten ist er eine gute Alternative zu einer Limousine. Außerdem ist die Leistung auf dem Gelände sogar mit Straßenreifen beträchtlich. Während der Wasser Probleme in Amsterdam hat der Sorento bewiesen das er auch dieser Herausforderung gewachsen ist.

Kia Sorento (2002 - 2009)

Fazit

Kia richtet sich mit dem Sorento auf das obere Segment der SUV's. Dabei ist er minimal eindrittel und, im vergleich zu anderen Autos, die hälfte billiger. Der unterschied im Preis macht sich bei dem im vergleich mageren Luxus und ein par ergonomischen Fehlentscheidungen bemerkbar. Wenn es jedoch um platz und Fahrverhalten geht dann liefert Kia mit dem Sorento eine gute arbeit ab.

plus
  • Besonders geräumig und praktisch
  • Außergewöhnlich günstigen Preis
min
  • Zu leichtgängige und indirekte Lenkung
  • Hat nicht den reichlichen Luxus wie die Konkurrenz
  • Das automatische Getriebe ist nicht optimal bei niedrigen Geschwindigkeiten