6 Dezember 1999
 

Volkswagen Lupo

Drei Tage, drei Liter

Autotest | Der "VW Lupo 3 Liter" ist "hot". An der Tankstelle bleiben die Leute rundum das Auto stehen. Einige drücken sich sogar ihre Nasen an der Heckscheibe platt, um einen Hauch des futuristischen Innenraumes einfangen zu können. Im Stau scheint jeder Fahrer diesen besonderen Lupo zu bemerken und dann eine Geschichte für seine Mitfahrer parat zu haben. Man erzählt über die VW Versprechen und rätselt, ob sie mit dem Lupo eingehalten werden können. Nach drei Tagen, drei Liter, die Vision von Autozine.
 

Wenn man "Hummeln im Hintern" hat, die Überholspur das "zweite zu Hause" ist, als Minimum ein vielfaches der Höchstgeschwindigkeit fährt und neue Reifen häufiger kauft als tankt, dann ist der 3 Liter VW Lupo nichts für Sie. Für die Entwicklung dieses Lupos stand ein günstiger Kraftstoffverbrauch an erster Stelle und zwar nicht für einen bissigen Sportwagen mit 3 Liter Motor, obwohl sich später herausstellt, daß der Lupo bestimmt nicht der langsamste ist.

Volkswagen Lupo

Rezept

Das VW Rezept für ein super sparsames Auto besteht aus drei Zutaten: ein leichtes Gewicht, optimale Stromlinienform und ein effizienter Motor. Um so viel Gewicht wie möglich zu ersparen, hat Volkswagen auch sehr viele alternative Materialien verwendet. Dadurch hat das Entwicklungsteam aus der Not eine Tugend gemacht und aus diesen Materialien einen außergewöhnlich schönen Innenraum angefertigt. Das Magnesiumlenkrad und der wie ein Joystick aussehender Aluminiumschaltknüppel fallen am meisten auf. Die Gewichtsersparnis findet man auch bei den bequemen Sitzen: Verwendung von leichten Materialien, Verzicht auf viele Extras. Die elektrische Bedienung der Fensterheber oder Zentralverriegelung in diesem 14.900,- EUR teuren Mini sind optional. Man kann es VW wirklich übel nehmen, daß der Lupo keinen Tempomat hat. Der gehört doch zur Standardausstattung eines sparsamen Autos! Weniger störend ist der Mangel an Stauraum, obwohl dies doch nichts mehr als "Luft mit Behausung" ist und deswegen auch nicht viel Gewicht auf die Waage bringt.

Bei der Sicherheit hat VW nicht gespart. Der Lupo ist "standard" mit zwei Airbags, ABS und einem elektronischen Bremskraftverteiler ausgestattet. In der neuesten Studie stellt sich sogar heraus, daß der Lupo zu den sichersten kleinen Autos gehört. Dank den speziell entwickelten, schmalen und leichten Reifen hat der Lupo auch eine sichere Straßenlage. Wenn der Lupo bis an die Grenzen gefahren wird, fühlt man, daß das Auto die Neigung hat, gleichzeitig über alle vier Räder zu gleiten. Aber wer dies zuläßt, treibt den Wagen mutwillig bis zum Äußersten. In Normalfall hat der Lupo eine sehr angenehme Lenkung und die Reifen tragen zu der versprochenen Kraftstoffeinsparung bei.

Das größte Geheimnis des "3 Liter Lupo " ist der Motor. Wie nett es auch sein könnte seine Freunde und Bekannte an der Nase herum zu führen, die "3 Liter" stehen nicht für die Motorleistung sondern für einen Verbrauch von drei Liter Diesel/100 km. Das 1196 cm drei Zylinder Triebwerk liefert, abhängig vom gewählten Programm, 45 oder 33 Kilowatt. Die Wahl eines Dieselmotors begründet VW mit der Aussage, daß unterm Strich ein Diesel sauberer als ein Benziner sei. Obwohl bei der Verbrennung von einem Liter Diesel schädlichere Emissionen ausgestoßen werden als bei einem Liter Benzin, schafft der Lupo mehr km mit einem Liter Diesel und liefert letztendlich weniger Verschmutzung pro gefahrenen Kilometer.

Mühlstein

Den Motor kann man durch ein sequentielles 5.Gang Schaltgetriebe bedienen, das nach Wahl auch automatisch geschaltet werden kann. Da der Lupo unter einem erstklassigen Problem in der Kaltfahrphase leidet, ist es empfehlenswert vor allem die ersten Kilometer manuell zu schalten. Nach einigen Minuten kann man dann die Automatik nutzen, wobei der Lupo erst dann einen richtig sportlichen Charakter zeigt.

Der Charakter ändert sich, wenn der Knopf "ECO" betätigt wird. Die Trickdose öffnet sich dann ganz: die Motorleistung wird auf 33 KW reduziert und die Automatik wählt ein konservativeres Schaltprogramm. Bei rund 2000 U/min wird der nächste Gang eingelegt. Bevor die Automatik anfängt zurückzuschalten, ist die Drehzahl oft so weit gesunken, daß das Auto fast zu zittern beginnt. Wenn der Fahrer das Gaspedal losläßt, reagiert der ECO durch die sofortige Reduktion der Drehzahl auf 900 U/min. Außerdem wählt die Automatik selbst den Neutralstand, so daß das Auto solange wie möglich rollt. Man hat den Eindruck, als ob VW irgendwo im Lupo ein Schwungrad, so groß wie ein Mühlstein, versteckt hätte, weil das Auto hunderte von Metern weiter rollt, ohne viel an Geschwindigkeit zu verlieren. Der Verbrauchsmesser zeigt in diesem Moment optimistische 1 L/100km an. Der letzte Trick des ECO ist der "Start/Stop" Mechanismus. Wenn der Lupo 4 Sekunden still steht, schaltet sich der Motor selbst aus. Sobald das Bremspedal losgelassen wird, startet der Lupo wieder von alleine. Um vorzubeugen, daß andere Verkehrsteilnehmer auf das unvermeidliche Aufwärmen eines kalten Dieselmotors warten müssen, funktioniert der "Start/Stop" Mechanismus ausschließlich bei einem warmen Motor.

In der täglichen Praxis scheint der 3 Liter Lupo etwas mehr, als nur eine "technologische Glanzleistung für Genießer" zu sein. Das Auto erfordert eine gehörige Gewöhnungsperiode, aber danach ist der Lupo der beste Freund jedes Fahrers. Lassen Sie sich deswegen vor der Probefahrt gut informieren und von dem Verkäufer zuerst das Auto demonstrieren. Durch die besondere Betriebsweise fährt der Lupo bei falschem Gebrauch sehr unbequem und außerdem wird er nicht imstande sein, den versprochenen Verbrauch von 3 Liter/100 km zu erreichen.

Während der ersten Fahrt im Schnee und bei einer Windstärke von 10 Bf, erreichte der Testfahrer den Verbrauch von 4,2 Liter/100 km. Aber nach ruhigem Kennenlernen und viel experimentieren, sank der Kraftstoffverbrauch letztendlich spektakulär. Um einen minimalen Verbrauch realisieren zu können, wird der Fahrer durch zwei Verbrauchsmesser unterstützt: eine digitale Anzeige gibt den durchschnittlichen Verbrauch wieder, und eine analoge zeigt auf einer Skala von 5 bis 0 den aktuellen Verbrauch. Die 5 auf dieser Skala bildet den roten Bereich, denn wer mit dem Verbrauch von 5 Liter/100 km mit dem Lupo fährt, zeigt ein falsches Fahrverhalten.

Nocturne

Das Versprechen von VW mit einem Verbrauch von 3 Liter/100 km ist in der Praxis gut realisierbar. Der Lupo ist dabei kein langweiliges Auto, das mit 80 km/h den restlichen Verkehr behindert und durch gestreßte, laut hupende Geschäftsreisende schikaniert wird. Der 5.Gang hat ein hohes Übersetzungsverhältnis, so daß der Lupo mit bemerkenswert wenig Umdrehungen hohe Geschwindigkeiten beibehalten kann. Bei 100 km/h sind es gerade 2000 U/min, bei 120 km/h sind es 200 Umdrehungen mehr.

Stadtverkehr

In der Stadt liegt der Verbrauch zwischen 4,5/100 km und 3,4/100 km. Die Automatik hat mit dem ECO-Programm keine Eile, so daß der Fahrer im belebten Verkehr den ECO ausschalten wird. Vor allem im Stadtverkehr fällt es auf, daß der Begriff "Subtilität" der automatischen Kupplung vollkommen unbekannt ist. Mit kaltem Motor oder bei etwas zu flottem Gasgeben, merken alle Insassenen das Kuppeln. Wer es ,während der Gewöhnungszeit an das Auto, eilig hat und schaltet gerade in dem Moment um, wenn der Turbo wach wird, ist man froh Sicherheitsgurte zu haben. Dabei muß man beachten, daß das Testauto neu war und ein definitives Urteil hier nicht zu fällen war. Mit warmem Motor ist der Lupo ein richtiger herrlicher Reisewagen, der dank des großen Komforts enorme Strecken mit einem minimalen Verbrauch zurücklegen kann. Das automatische Ausschalten des Motors gibt eine herrliche Ruhe. Der Motor startet wieder, nachdem das Bremspedal losgelassen wurde. Das alles geschieht so schnell, daß wenn manch andere Fahrer erst den 1.Gang einschalten, der Lupo schon wieder fährt.

Volkswagen Lupo

Fazit

Der 3 Liter Lupo ist die Visitenkarte der Zukunft für VW. Für den Aufpreis von etwa 1.350,- EUR liefert VW ein fortschrittliches Stück Technik, das den Anspruch auf das sparsamste, im Moment hergestellte Auto, hat. Das schönste dabei ist, daß der Fahrer keine Kompromisse mit dem Lupo eingeht. Zusammen mit der sympathischer Ausstrahlung und dem futuristischen Innenraum hat der Lupo außerdem eine hohe "das Ding will ich haben" -Ausstrahlung.

Pur rationell betrachtet wäre der Aufpreis für die kraftstoffsparende Technik nur dann ausgeglichen, wenn man jedes Jahr zum Urlaub bis zum Mars fahren würde. An sich kein Problem, weil der Lupo ein erstklassiger Kilometerfresser ist. Und glücklicherweise wird diese Technologie dieses 3 Liter Lupos, früher oder später, auch ihren Weg in ein gewöhnliches Auto finden. Deswegen freut es uns besonders, daß dies der erste Autotest ist, der auch gute Nachrichten für die Umwelt hat! (Ivo Kroone)

plus
  • Sehr umweltfreundlich
  • Schöner Innenraum
  • Fortschrittliche Technik
min
  • Wenig Stauraum
  • Brutale Kupplung