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Wenn man "Hummeln im Hintern" hat, die Überholspur das
"zweite zu Hause" ist, als Minimum ein vielfaches der
Höchstgeschwindigkeit fährt und neue Reifen häufiger
kauft als tankt, dann ist der 3 Liter VW Lupo nichts für Sie.
Für die Entwicklung dieses Lupos stand ein günstiger
Kraftstoffverbrauch an erster Stelle und zwar nicht für einen
bissigen Sportwagen mit 3 Liter Motor, obwohl sich später
herausstellt, daß der Lupo bestimmt nicht der langsamste ist.
Rezept
Das VW Rezept für ein super sparsames Auto besteht aus drei
Zutaten: ein leichtes Gewicht, optimale Stromlinienform und ein
effizienter Motor. Um so viel Gewicht wie möglich zu ersparen,
hat Volkswagen auch sehr viele alternative Materialien verwendet.
Dadurch hat das Entwicklungsteam aus der Not eine Tugend gemacht
und aus diesen Materialien einen außergewöhnlich
schönen Innenraum angefertigt. Das Magnesiumlenkrad und der
wie ein Joystick aussehender Aluminiumschaltknüppel fallen am
meisten auf. Die Gewichtsersparnis findet man auch bei den bequemen
Sitzen: Verwendung von leichten Materialien, Verzicht auf viele
Extras. Die elektrische Bedienung der Fensterheber oder
Zentralverriegelung in diesem 14.900,- EUR teuren Mini sind
optional. Man kann es VW wirklich übel nehmen, daß der
Lupo keinen Tempomat hat. Der gehört doch zur
Standardausstattung eines sparsamen Autos! Weniger störend ist
der Mangel an Stauraum, obwohl dies doch nichts mehr als "Luft mit
Behausung" ist und deswegen auch nicht viel Gewicht auf die Waage bringt.
Bei der Sicherheit hat VW nicht gespart. Der Lupo ist "standard"
mit zwei Airbags, ABS und einem elektronischen Bremskraftverteiler
ausgestattet. In der neuesten Studie stellt sich sogar heraus,
daß der Lupo zu den sichersten kleinen Autos gehört.
Dank den speziell entwickelten, schmalen und leichten Reifen hat
der Lupo auch eine sichere Straßenlage. Wenn der Lupo bis an
die Grenzen gefahren wird, fühlt man, daß das Auto die
Neigung hat, gleichzeitig über alle vier Räder zu
gleiten. Aber wer dies zuläßt, treibt den Wagen
mutwillig bis zum Äußersten. In Normalfall hat der Lupo
eine sehr angenehme Lenkung und die Reifen tragen zu der
versprochenen Kraftstoffeinsparung bei.
Das größte Geheimnis des "3 Liter Lupo " ist der
Motor. Wie nett es auch sein könnte seine Freunde und Bekannte
an der Nase herum zu führen, die "3 Liter" stehen nicht
für die Motorleistung sondern für einen Verbrauch von
drei Liter Diesel/100 km. Das 1196 cm drei Zylinder Triebwerk
liefert, abhängig vom gewählten Programm, 45 oder 33
Kilowatt. Die Wahl eines Dieselmotors begründet VW mit der
Aussage, daß unterm Strich ein Diesel sauberer als ein
Benziner sei. Obwohl bei der Verbrennung von einem Liter Diesel
schädlichere Emissionen ausgestoßen werden als bei einem
Liter Benzin, schafft der Lupo mehr km mit einem Liter Diesel und
liefert letztendlich weniger Verschmutzung pro gefahrenen Kilometer.
Mühlstein
Den Motor kann man durch ein sequentielles 5.Gang Schaltgetriebe
bedienen, das nach Wahl auch automatisch geschaltet werden kann. Da
der Lupo unter einem erstklassigen Problem in der Kaltfahrphase
leidet, ist es empfehlenswert vor allem die ersten Kilometer
manuell zu schalten. Nach einigen Minuten kann man dann die
Automatik nutzen, wobei der Lupo erst dann einen richtig
sportlichen Charakter zeigt.
Der Charakter ändert sich, wenn der Knopf "ECO"
betätigt wird. Die Trickdose öffnet sich dann ganz: die
Motorleistung wird auf 33 KW reduziert und die Automatik wählt
ein konservativeres Schaltprogramm. Bei rund 2000 U/min wird der
nächste Gang eingelegt. Bevor die Automatik anfängt
zurückzuschalten, ist die Drehzahl oft so weit gesunken,
daß das Auto fast zu zittern beginnt. Wenn der Fahrer das
Gaspedal losläßt, reagiert der ECO durch die sofortige
Reduktion der Drehzahl auf 900 U/min. Außerdem wählt die
Automatik selbst den Neutralstand, so daß das Auto solange
wie möglich rollt. Man hat den Eindruck, als ob VW irgendwo im
Lupo ein Schwungrad, so groß wie ein Mühlstein,
versteckt hätte, weil das Auto hunderte von Metern weiter
rollt, ohne viel an Geschwindigkeit zu verlieren. Der
Verbrauchsmesser zeigt in diesem Moment optimistische 1 L/100km an.
Der letzte Trick des ECO ist der "Start/Stop" Mechanismus. Wenn der
Lupo 4 Sekunden still steht, schaltet sich der Motor selbst aus.
Sobald das Bremspedal losgelassen wird, startet der Lupo wieder von
alleine. Um vorzubeugen, daß andere Verkehrsteilnehmer auf
das unvermeidliche Aufwärmen eines kalten Dieselmotors warten
müssen, funktioniert der "Start/Stop" Mechanismus
ausschließlich bei einem warmen Motor.
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In der täglichen Praxis scheint der 3 Liter Lupo etwas
mehr, als nur eine "technologische Glanzleistung für
Genießer" zu sein. Das Auto erfordert eine gehörige
Gewöhnungsperiode, aber danach ist der Lupo der beste Freund
jedes Fahrers. Lassen Sie sich deswegen vor der Probefahrt gut
informieren und von dem Verkäufer zuerst das Auto
demonstrieren. Durch die besondere Betriebsweise fährt der
Lupo bei falschem Gebrauch sehr unbequem und außerdem wird er
nicht imstande sein, den versprochenen Verbrauch von 3 Liter/100 km
zu erreichen.
Während der ersten Fahrt im Schnee und bei einer
Windstärke von 10 Bf, erreichte der Testfahrer den Verbrauch
von 4,2 Liter/100 km. Aber nach ruhigem Kennenlernen und viel
experimentieren, sank der Kraftstoffverbrauch letztendlich
spektakulär. Um einen minimalen Verbrauch realisieren zu
können, wird der Fahrer durch zwei Verbrauchsmesser
unterstützt: eine digitale Anzeige gibt den durchschnittlichen
Verbrauch wieder, und eine analoge zeigt auf einer Skala von 5 bis
0 den aktuellen Verbrauch. Die 5 auf dieser Skala bildet den roten
Bereich, denn wer mit dem Verbrauch von 5 Liter/100 km mit dem Lupo
fährt, zeigt ein falsches Fahrverhalten.
Nocturne
Das Versprechen von VW mit einem Verbrauch von 3 Liter/100 km
ist in der Praxis gut realisierbar. Der Lupo ist dabei kein
langweiliges Auto, das mit 80 km/h den restlichen Verkehr behindert
und durch gestreßte, laut hupende Geschäftsreisende
schikaniert wird. Der 5.Gang hat ein hohes
Übersetzungsverhältnis, so daß der Lupo mit
bemerkenswert wenig Umdrehungen hohe Geschwindigkeiten beibehalten
kann. Bei 100 km/h sind es gerade 2000 U/min, bei 120 km/h sind es
200 Umdrehungen mehr.
Stadtverkehr
In der Stadt liegt der Verbrauch zwischen 4,5/100 km und 3,4/100
km. Die Automatik hat mit dem ECO-Programm keine Eile, so daß
der Fahrer im belebten Verkehr den ECO ausschalten wird. Vor allem
im Stadtverkehr fällt es auf, daß der Begriff
"Subtilität" der automatischen Kupplung vollkommen unbekannt
ist. Mit kaltem Motor oder bei etwas zu flottem Gasgeben, merken
alle Insassenen das Kuppeln. Wer es ,während der
Gewöhnungszeit an das Auto, eilig hat und schaltet gerade in
dem Moment um, wenn der Turbo wach wird, ist man froh
Sicherheitsgurte zu haben. Dabei muß man beachten, daß
das Testauto neu war und ein definitives Urteil hier nicht zu
fällen war. Mit warmem Motor ist der Lupo ein richtiger
herrlicher Reisewagen, der dank des großen Komforts enorme
Strecken mit einem minimalen Verbrauch zurücklegen kann. Das
automatische Ausschalten des Motors gibt eine herrliche Ruhe. Der
Motor startet wieder, nachdem das Bremspedal losgelassen wurde. Das
alles geschieht so schnell, daß wenn manch andere Fahrer erst
den 1.Gang einschalten, der Lupo schon wieder fährt.
Fazit
Der 3 Liter Lupo ist die Visitenkarte der Zukunft für VW.
Für den Aufpreis von etwa 1.350,- EUR liefert VW ein
fortschrittliches Stück Technik, das den Anspruch auf das
sparsamste, im Moment hergestellte Auto, hat. Das schönste
dabei ist, daß der Fahrer keine Kompromisse mit dem Lupo
eingeht. Zusammen mit der sympathischer Ausstrahlung und dem
futuristischen Innenraum hat der Lupo außerdem eine hohe "das
Ding will ich haben" -Ausstrahlung.
Pur rationell betrachtet wäre der Aufpreis für die
kraftstoffsparende Technik nur dann ausgeglichen, wenn man jedes
Jahr zum Urlaub bis zum Mars fahren würde. An sich kein
Problem, weil der Lupo ein erstklassiger Kilometerfresser ist. Und
glücklicherweise wird diese Technologie dieses 3 Liter Lupos,
früher oder später, auch ihren Weg in ein
gewöhnliches Auto finden. Deswegen freut es uns besonders,
daß dies der erste Autotest ist, der auch gute Nachrichten
für die Umwelt hat! (Ivo Kroone)
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