30 April 2009
Toyota Urban Cruiser

Toyota Urban Cruiser

Tatsächlich etwas Besonderes

Autotest | Ein besonderes Auto ist schön, es bringt aber auch einige Luxusprobleme mit sich mit. Ein Sportwagen fährt an allem vorbei, außer an der Tankstelle. Ein Geländewagen ist ein teuer bezahltes Stück Technik, das Hindernisse überwinden kann, die es gar nicht gibt. Deswegen kommt Toyota mit einem besonderen, aber klugen Auto. Wie klug ist der Urban Cruiser?
 

Der durchschnittliche Toyota wird mit Verstand ausgewählt. Der Aygo ist ein ausgezeichnetes Stadtauto, das sowohl beim Kauf als auch im Verbrauch sparsam ist. Der Auris ist ein sublimer, wenig auffallender Mittelklassewagen. Der Avensis ist die erlesene Wahl für den Geschäftsfahrer, der Effizienz und ein repräsentatives äußeres wählt.

äußerlicher Aufwand

Der Urban Cruiser spielt pur auf Gefühl. Dieser auffallende Toyota hat eine hohe Nase, die dem Wagen eine unerschütterliche und selbstsichere Ausstrahlung gibt. Von der Seite gesehen scheint es das Auto im Verhältnis viel Metall und wenig Glas zu haben. Das sorgt dafür, dass der Urban Cruiser äußerst robust aussieht.

Das Interieur ist nicht so speziell, und das ist kennzeichnend für den Urban Cruiser: Nach außen ist er ein besonderes Auto, aber eigentlich ist der Urban Cruiser genau so gediegen und praktisch wie jeder andere Toyota.

Toyota Urban Cruiser

Leider sind die Vordersitze unüblich klein, so als ob das Auto nur für kleine Japaner gedacht sei. Die Sitze sind kurz und die Kopfstützen zu niedrig, um tatsächlich einen Beitrag für die Sicherheit leisten zu können. Auch mit den Vordersitze in der niedrigsten Stellung ist der Kopfraum nur mäßig.

Das Lenkrad ist sowohl in der Höhe als auch im Abstand zum Fahrer verstellbar, aber leider über einen zu kurzen Abstand. Insbesondere große Fahrer haben das Lenkrad auf den Knien. Sie haben deswegen das Gefühl, auf dem Auto zu sitzen statt drinnen.

Der Platz auf dem Rücksitz ist normal für ein Auto dieses Umfangs. Obwohl der Gepäckraum wegen der hohen Hebeschwelle etwas schwierig erreichbar ist, ist der Inhalt (300 Liter) großzügig.

Toyota Urban Cruiser

Motoren

Der Urban Cruiser kann mit einem Benzin- oder einem Dieselmotor ausgestattet werden. Die Benzinvariante hat nur Vorderradantrieb, denn der Allradantrieb ist nur für die Dieselvariante vorgesehen.

Mit dem Urban Cruiser richtet sich Toyota an solche Menschen, denen das robuste äußere eines SUV gefällt, die aber gleichzeitig ein sparsames Auto haben möchten.

Toyota Urban Cruiser

Sparsamkeit ist der Punkt, an dem sich der Urban Cruiser von der Konkurrenz unterscheidet. Der Benzinmotor hat einen Hubraum von 1.3 Liter (die meisten anderen fangen erst bei 1,6 Litern an), und liefert dennoch 100 PS / 132 Nm. Das sind gute Werte. In der Stadt und auf der Autobahn sind die Leistungen deswegen sehr gut. In einer hügeligen Umgebung, wo die meisten Testkilometer gefahren wurden, hat der Urban Cruiser etwas zu wenig Kraft. Es muss dort oft mit Vollgas gefahren werden, damit er im Verkehr mitfahren kann.

Toyota Urban Cruiser

Verbrauch

Toyota verspricht einen durchschnittlichen Verbrauch von nur 5,5 Liter pro 100 km. Um das zu erreichen, bietet der Urban Cruiser verschiedene Hilfsmittel an.

Das Start/Stop-System schaltet den Motor automatisch ab, wenn das Auto stillsteht, das Getriebe auf Neutral geschaltet wird und der Fahrer die Kupplung loslässt. Sobald der erste Gang wieder geschaltet wird, startet der Motor wieder von selbst. Das geht so schnell (und stoßfest), dass es überhaupt nicht stört. Bei häufigen Stadtfahrten kann dieses Start/Stop-System etwa 4 % Sprit einsparen.

Toyota Urban Cruiser

Ein Schaltindikator zeigt an, wann der ökonomisch beste Moment zum Schalten ist. Etwas ganz Besonderes für ein kompaktes Auto wie dieses ist, dass der Urban Cruiser 1.3 mit einem 6-Stufen-Getriebe ausgestattet wurde. Dadurch ist das Auto auch auf längeren Strecken überdurchschnittlich sparsam.

Der Motor wurde aus leichten Materialien gebaut (je weniger Gewicht das Auto zu schleppen hat, desto sparsamer ist es). Die Reibung der beweglichen Teile wurde auf ein Minimum reduziert. Das Motormanagementsystem (der "Chip") hat als Schwerpunkt einen möglichst niedrigen Verbrauch.

Die Fahrgeräusche sind durchschnittlich für ein Auto in dieser Preisklasse. Die Straßenlage ist gut, aber trotzdem ist das Fahren mit dem Urban Cruiser nicht so spannend, wie das äußere des Autos glauben lässt. Schließlich fährt dieser Urban Cruiser genau so gut wie jeder andere Toyota - und war das nicht auch genau so gedacht?

Toyota Urban Cruiser

Fazit

Ist es Toyota gelungen, ein Auto zu bauen, das etwas Besonderes ist, aber keine Luxusprobleme wie einen sehr hohen Verbrauch, mäßiges Fahrverhalten oder unzuverlässige Technik kennt? Damit angefangen: Die Zuverlässigkeit und damit der Restwert sind bei Toyota immer ein sehr starker Punkt, also auch beim Urban Cruiser.

Dabei ist die Formgebung robust und auffallend, obwohl es keine besonderen Accessoires oder sogar spannende Farben gibt. Wie Toyota verspricht, holt der Urban Cruiser maximalen Innenraum aus minimalen Außenmaßen heraus, was aber durch die kleinen Vordersitze und das nur ungenügend verstellbare Lenkrad wieder zunichte gemacht wird.

Im Vergleich mit der Konkurrenz unterscheidet sich der Urban Cruiser vor allem durch den niedrigen Verbrauch und die umfassenden Sicherheitsmaßnahmen. Durch die umfangreiche Standard-Ausrüstung ist der Urban Cruiser teurer, bietet aber auch mehr fürs Geld. Er ist also schon gediegen und besonders!

plus
  • Sparsam und flott
  • Robuste Erscheinung
  • Gediegene Toyota-Technik
min
  • Großer Wendekreis
  • Lenkrad ungenügend verstellbar
  • Kleine Vordersitze / niedrige Kopfstützen