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Die Designer von Kia müssen ja selig gewesen sein. Normalerweise bekommen
die den Auftrag, ein nettes Auto zu bauen, das nicht zu teuer sein darf.
Aber diesmal haben sie die Freiheit bekommen, das ultimative Stadtauto zu
entwerfen, je extravaganter, desto besser.
Natürlich ist das endgültige Produktionsmodell weniger wild als die
ersten Konzeptautos, aber noch immer ist der Soul eine besondere
Erscheinung. Der Soul steht zwischen einem geräumigen Familienauto und einem
kultivierten Geländewagen. Alle Linien wurden stark angesetzt und mit
schwarzen Linien betont. Panels laufen nicht in einander über, sondern haben
dicke Ränder, wodurch das Auto sehr solide aussieht. Die Fernstrahler und
der Grill wurden zum Zweck einer robusten, unerschütterlichen Ausstrahlung
so hoch wie möglich platziert.
Viel wichtiger ist aber, dass der Basisentwurf auf jede Art angepasst
werden kann. Verschiedene Panels und Rahmen können in abweichenden Farben
ausgeführt werden. Daneben sind Aufkleberpakete, Räder, Spoiler und
Stoßstangen lieferbar, um zu einem Resultat zu gelangen, auf das mancher
Autotuner stolz sein würde.
Interieur
Auch das Interieur kann an den individuellen Geschmack angepasst werden.
Die hier gefahrene "X-ecutive"-Ausführung ist aber bereits ohne
Optionen etwas ganz Besonderes. So enthält die "Soul
Shining"-Sitzbekleidung fluoreszierende Soul-Logos, die im Dunkeln
leuchten.
Die Lautsprecher haben beleuchtete Ränder, die mit dem Rhythmus der Musik
aufblenden (kann abgeschaltet werden) oder stimmungsvoll glutrot wie aus
einem Kamin leuchten können.
Neben all dem äußeren hat Kia die Funktionalität nicht vergessen. So ist
der Soul bereits in der Basisausführung mit einer Antriebsschlupfregelung
und einem elektronischen Stabilitätsprogramm (besonders in dieser Klasse!),
einer Zentralverriegelung, elektrisch bedienbaren Seitenfenstern (vorne und
hinten) und einem Radio mit 6 Boxen plus USB-Anschluss ausgestattet.
Eine besondere Option ist die Rückfahrkamera, mit einem Display, das im
Innenspiegel versteckt ist. Davon ist nichts zu sehen, bis in den
Rückwärtsgang geschaltet wird. Leider sind der Bordcomputer oder
Verbrauchsmesser nicht standardmäßig oder überhaupt nicht lieferbar.
Raum
Nur im Bereich des Innenraums hat Kia es sich einfach gemacht. Der Soul
ist etwas großzügiger bemessen als die meisten Artgenossen und deswegen auch
etwas geräumiger. Zur Illustration: Ein Fahrer von 1,90 Meter Größe hat
genügend Kopf- und Beinraum. Hinter dem Fahrer ist auf dem Rücksitz vollauf
Platz für einen Passagier mit gleich großer Gestalt! Außer einem doppelten
Boden im Gepäckraum hat sich Kia nicht die Mühe gemacht, mit platzsparenden
Lösungen zu kommen. Gefühlsmäßig war dann noch mehr aus dem Soul zu
holen.
Die ansteigende Fensterlinie gibt dem Soul einen dynamischen Anstrich,
aber die Schattenseite davon ist, dass kleine Kinder schwieriger hinaussehen
können. Sehr bequem sind die kleinen A-Pfosten (der Balken zwischen
Frontscheibe und Vordertüre); diese geben ein geräumiges Gefühl und sorgen
dafür, dass die Sicht frei und optimal ist. Natürlich, bei einem Stadtauto
ist es wichtig, dass keine Fußgänger oder Fahrradfahrer hinter einem
A-Pfosten unsichtbar werden.
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Leistungen
Der Soul ist mit einen Benzin- und einem Dieselmotor lieferbar; beide
messen 1.6 Liter. Der Testwagen war mit dem Benzinmotor (aus dem Kia Cee'd)
ausgestattet, der die Vorderräder antreibt. Trotz des rohen äußeren hat er
keinen Allradantrieb.
Vor allem in der Stadt ist der Soul bemerkenswert leise. Der Motor ist
schon bei niedriger Drehzahl aufmerksam stark und lässt sich entspannend
fahren. Als ob es einen Diesel wäre, liefert diese Kraftquelle schon bei
Drehzahlen um 1.500 - 2.000 vollauf Leistung (im Gegensatz zu dem, was die
technischen Daten vermuten lassen)!
Auf der Autobahn hat der Soul einen ganz anderen Charakter. über 80 km/h
hinaus ist es aus mit dem regen Charakter. Die Beschleunigung von 80 auf 120
km/h muss nicht mit einer Stoppuhr, sondern mit einem Kalender gemessen
werden. Sogar wenn vom fünften Gang zum dritten (!) zurückgeschaltet wird,
bleiben die Leistungen auf der Autobahn mäßig.
Außerdem verändert sich das erst so kultivierte Motorgeräusch bei über 80
km/h in ein störendes, monotones Dröhnen. Im Hinblick auf die Preisklasse
des Soul sind die Leistungen und das Motorgeräusch akzeptabel, könnten aber
auch besser sein.
Straßenlage
Der Soul teilt sich das Fahrgestell mit dem Hyundai i20. Die Straßenlage
ist sowohl in der Stadt als auch auf Landstraßen gut. Trotz der großen Höhe
ist der Soul kaum empfindlich für Seitenwind.
Die elektrische Servolenkung gibt genug Gefühl und ist sparsamer mit
Energie als die traditionelle mechanische Servolenkung. Kia ist es gelungen,
einen Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit zu finden. Damit ist der
Soul wendig und komfortabel in der Stadt und gleichzeitig ruhig und stabil
auf der Autobahn.
Fazit
Wird der Soul für Kia neue Seelen gewinnen? Ohne Zweifel! Andere Marken
haben schon früher mit Erfolg ein flottes Stadtauto auf den Markt gebracht,
und Kia stellt sich klug darauf ein. Der Soul ist spürbar ein modernes Auto,
denn die Motoren und Fahreigenschaften sind gut oder sogar etwas besser als
die der Konkurrenz. Allerdings fühlt sich der Soul im Stadtverkehr bedeutend
besser zu Hause als auf der Autobahn.
Dabei ist die Formgebung gelungen. Sie ist auffallend, aber nicht
übertrieben, robust, aber nicht unpassend. Die Gadgets sind schön, und durch
die vielen Optionen kann man sich das Auto ganz nach eigenem Wunsch
anpassen. Natürlich bleibt der Soul ein echter Kia, also auch der Preis von
diesem flotten Neuling ist sehr scharf.
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