20 November 2008
Toyota iQ

Toyota iQ

Klüger als der Rest

Autotest | Menschen möchten ihr Leben verbessern, aber dafür etwas aufgeben möchten sie nicht. Gesundes Essen ist prima, aber es muss gut schmecken. Sport ist auch ein schönes Konzept, solange es nicht ermüdend ist. So ist es auch mit Autos. Mancher würde schon gern kleiner, sparsamer oder umweltfreundlicher fahren, es soll aber genau so komfortabel, praktisch und sicher sein wie bei einem großen Auto. Doch das ist genau das, was der Toyota iQ verspricht. Erfüllt der iQ die hohen Erwartungen?
 

Die meisten Autos transportieren einen oder höchstens zwei Personen. Der Rücksitz wird nur sporadisch benutzt, macht das Auto aber größer, schwerer, teurer und weniger sparsam. Der iQ macht es genau umgekehrt: Dieser kleinste Toyota ist ein Zweisitzer mit einem großen Gepäckraum hinter den Sitzen. Wenn ausnahmsweise ein Rücksitz gebraucht wird, klappt er einfach aus dem Ladeboden heraus.

Geräumiger als die anderen

Aber: Der Beinraum hinten ist minimal. Damit man trotzdem hinten sitzen kann, hat Toyota den iQ nicht größer, sondern klüger gemacht. Das Armaturenbrett wurde so entworfen, dass für den Passagier viel Raum bleibt. Das Handschuhfach ist weg. Die Klimaanlage, die meistens hinter das Handschuhfach gebaut wird, wurde verkleinert.

Toyota iQ

Der Vordersitz kann dadurch extra weit nach vorne geschoben werden, während trotzdem genug Beinraum vorne übrig bleibt. Hinten kann jetzt, mit gutem Willen, ein Erwachsener sitzen.

Toyota verspricht, dass der iQ der "kleinste Viersitzer der Welt" ist; das ist aber etwas zu optimistisch formuliert. Wenn notwendig, bietet der iQ Platz für drei Erwachsene und ein kleines Kind.

Toyota iQ

Luxuriöser als der Rest

Weil der iQ eine verantwortungsvolle Alternative zu einem großen Wagen sein soll, bietet dieses durchdachte Auto auch den Luxus eines großen Autos. Das fängt schon mit der Ausrüstung an. Klimaanlage, Leichtmetallfelgen, ein mit Leder bezogenes Lenkrad, ein Schaltindikator (Hilfe bei sparsamem Fahren) und schlüsselfreier Zugang sind alle standardmäßig dabei. Die luxuriösere Ausführung wurde mit einem Licht- und Regensensor, einem automatisch abblendenden Innenspiegel und einem Klimakontrollsystem ausgestattet.

Es ist nicht die Ausrüstung, die den iQ so einzigartig macht. Die eingesetzten Materialen und die Vollendungsqualität sind von ungekannt hohem Niveau für ein kleines Auto. Nur das Display der Uhr und der Bordcomputer scheinen aus übrig gebliebenen Lagerbeständen der 80-er Jahre zu stammen.

Toyota iQ

Ein schönes Detail: die Türpanele haben die selbe gespiegelte S-form wie die Rückseite des Autos. Die Hochtöner des Audiosystems wurden wie wahre Kunstwerke in die Türe eingebaut. Außerdem klingt das Audiosystem (mit MP3 und Lenkradbedienung) so gut wie es aussieht!

Sicherer als der Rest

Er kann aber mehr, viel mehr. Eine viel gehörte Beschwerde ist, dass kleinere Autos nicht sicher sind. Weil der Rücksitz des iQ buchstäblich gegen die Heckscheibe steht, wurde das Auto mit einem "Heckscheiben-Airbag" ausgestattet. Insgesamt zählt der iQ neun Airbags.

Toyota iQ

Dieses kluge Kerlchen wurde außerdem aus extra starkem Stahl gebaut, wobei sogar die Radaufhängung zur Stärke beiträgt. Toyota behauptet deswegen, dass der iQ genau so sicher ist wie manches große Auto, das wurde aber beim Test nicht ausprobiert.

Toyota iQ

Wir sind mit dem iQ gefahren. Sehr viel gefahren. Vergnüglich gefahren! Der Fahrer hatte absolut nicht das Gefühl gehabt, mit einem Mini-Auto unterwegs zu sein. Auf schlechten Straßendecken bietet der iQ den benötigten Komfort, auf der Autobahn ist das Auto bemerkenswert ruhig und stabil. Außerdem ist ein elektronisches Sicherheitssystem standardmäßig eingebaut, also auch ein plötzliches Ausweichmanöver braucht nicht mit Tränen zu enden.

Geschickter als der Rest

In der Stadt ist der iQ sehr geschickt. Der Wendekreis ist extrem klein (7,8 Meter). Deswegen ist der iQ verblüffend wendig. Außerdem ist die Lenkung sehr direkt, wodurch sich das Auto noch kleiner anfühlt. Durch den dicken B-Pfosten (Pfosten zwischen dem vorderen und dem hinteren Seitenfenster) ist die Sicht rundherum etwas weniger, was in der Stadt ungünstig ist. Zum Glück sind die Außenspiegel herrlich groß.

Selten ist der Autor so brutal durch die Stadt gefahren. Der iQ passt an Orte und kann Kurven nehmen, die der übrige Verkehr für unmöglich hält, und deswegen rutscht er überall zwischendurch.

Komfortabler als der Rest

Der Testwagen hat einen 1.0 Liter Dreizylinder-Motor. Das ist ein Zylinder weniger als üblich. In der Regel hat ein Dreizylinder-Motor einen niedrigen Verbrauch, das geht aber auf Kosten der Ruhe. Der Dreizylinder von Toyota jedoch hat einen seltsam schönen, ruhigen Gang.

Toyota iQ

Toyota verspricht einen durchschnittlichen Verbrauch von 4,3 Liter pro 100 km, das ist aber sehr scharf angesetzt. In der Stadt ist ein Verbrauch von 7 Litern auf 100 km realistisch. Auf der Landstraße verbraucht der iQ etwa 4,5 Liter pro 100 km.

Das optionale Automatikgetriebe "MultiDrive" schaltet flott und bequem und trägt spürbar zum Komfort bei. Das Motorchen ist nicht besonders begierig oder lebendig, sondern arbeitet mit einer Ruhe und Würde, die normalerweise zu einem schicken Reisewagen gehört. Auf der Autobahn fährt der iQ problemlos mit hoher Reisegeschwindigkeit.

Außerdem ist der iQ bemerkenswert leise. Nicht nur der Motor, sondern auch die Räder und der Seitenwind sind kaum hörbar. Der iQ ist viel mehr als ein geschicktes Stadtauto: Er ist auch ein vollwertiges Reiseauto, aber im Taschenformat.

Toyota iQ

Fazit

Weshalb fährt jemand mit einem großen Geländewagen durch die Stadt? Weil es etwas Besonderes ist und weil es ein sicheres Gefühl gibt. Weshalb fährt jemand einen großen Geschäftswagen? Weil es komfortabel ist und Status zeigt Der Toyota iQ bietet das selbe Gefühl, die selbe Sicherheit, vollauf Luxus und eine sublime Ausstrahlung. Dieser Toyota kombiniert all das in einer klugen Verpackung und ist deswegen vorteilhafter, sparsamer und umweltfreundlicher.

In Toyota-Sprache: Der iQ bietet den Komfort eines Auris, die Geräumigkeit eines Yaris (vorne), den Verbrauch eines Aygo und die Begierigkeit eines Lexus'. Toyota ist seine Absicht absolut gelungen und bietet mit dem iQ den am besten fahrenden und meist durchdachten Kleinen dieser Zeit. Kurz gesagt: Der Toyota iQ ist klüger als der Rest!

plus
  • Extrem wendig
  • Komfort eines großen Wagens
  • Raffinement und Verfeinung eines Luxusautos
min
  • Mäßiges Gefühl im Bremspedal
  • Hintere Kopfstützen blockieren die Sicht im Rückspiegel
  • Vordersitz kommt nach Umklappen nicht in originale Position zurück