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Wenn es einen Ort gibt, an dem frische, neue Ideen gut zu ihrem
Recht kommen, dann ist das Island. "Frische" ist ein
Understatement, denn um das Auto herum weht der Wind und
schlägt der Regen mit voller Gewalt gegen die Fenster. Aber im
Innern dieser sechsten Generation des Volkswagen Golf herrscht
Ruhe. Eine absolute Ruhe, die bei einem Auto wie diesem nicht
selbstverständlich ist.
Komfort
Man merkt gut, dass der Komfort bei der Entwicklung des neuen
Golf auf dem ersten Platz stand. Es handelt sich um mehr als die
übliche Geräuschisolierung um den Motor und die
Räder herum. So sind Techniken benutzt worden, die bis jetzt
nur erstklassigen Limousinen vorbehalten waren. In der
Windschutzscheibe des Golf VI ist eine geräuschisolierende
Folie angebracht, und die Außenspiegel sind so geformt, dass
sie weniger Windgeräusch verursachen.
Die benutzten Materialien in den Autos dieses Segmentes sind in
den letzten Jahren immer wieder verbessert worden, aber der Golf
soll es noch besser machen. Volkswagen schreibt darüber in
eigenen Mitteilungen in wenig bescheidene Worten, und das nicht zu
Unrecht. Alles fühlt sich kräftig und gediegen an,
strahlt aber große Klasse aus.
Ausrüstung
Ein anderer großer Unterschied zwischen dem Golf und
manchem Artgenossen ist die Ausrüstung. Der neue Golf ist mit
allem Luxus, die Volkswagen im Hause hat, ausgestattet. So ist der
Testwagen mit einer Einparkkamera, einem System zum
vollautomatischen einparken, Kurvenbeleuchtung, einem erstklassigen
Audiosystem (in Zusammenarbeit mit dem Spezialisten
"DynAudio") und einer Radar gesteuerten Cruise-Control
(automatisch Abstand halten bei Geschwindigkeiten zwischen 30 und
120 km/h) ausgestattet.
Leider gab die Cruise-Control bei dickem Nebel eine
Fehlermeldung aus und versagte, während es gerade unter diesen
Umständen einen großen Beitrag zur Sicherheit leisten sollte.
Eine Anzahl von kleinen ergonomischen Unbequemlichkeiten sind
bei dem neuen Golf noch immer nicht weg. So wird die Cruise-Control
mit einem Kippschalter an der Blinkanlage ein- und ausgeschaltet.
Der Erfolg ist, dass mancher ungewollt zu blinken anfängt,
wenn er die Cruise-Control einschaltet.
Die Kontrolllampe, die anzeigt, ob die Beleuchtung funktioniert,
befindet sich auf den Leuchttasten, und das ist kein ins Auge
springender Platz. Der Gepäckraum hat eine kleine
Hebeschwelle, die das Be- und Entladen etwas schwieriger macht.
Formgebung
Das äußere des Golf wurde auf subtile Weise
angeschärft. Sogar ein Außenstehender sieht sofort, dass
es ein Golf ist, aber das Auto ist unbestreitbar moderner geworden.
Im Interieur sind die Unterschiede etwas subtiler. Wer nicht gut
aufpasst, könnte sogar denken, er säße in einem
alten Golf! Wie üblich ist der Golf innen einfach und
gediegen. Die Bedienungselemente wurden etwas angepasst und neu
geordnet. Dabei ist das Volkswagen-Design das Vorbild; der Passat
CC wurde als Leitlinie benutzt.
Weil der Golf kaum größer geworden ist (5 mm
kürzer, 20 mm breiter, Höhe gleich), ist der Innenraum
gleich geblieben. Wie immer bietet der Golf vorne vollauf Platz.
Der Raum auf dem Rücksitz ist für ein Auto dieses
Segmentes durchschnittlich. Auch der Gepäckraum ist mit 350
Litern (zu erweitern bis 1.305 Liter) durchschnittlich groß.
Motoren
Es gibt noch einen Grund, den Golf gerade in Island zu testen.
Die Erwärmung der Erde wird dramatisch, und das spürt man
hier sehr gut. Laut den Einwohnern von Island werden die Gletscher
tagtäglich kleiner und lässt der Schnee jedes Jahr
länger auf sich warten.
Um die Umwelt zu schonen, wird der Golf mit sehr sparsamen
Motoren geliefert. Zunächst wurde mit einen relativ kleinen
1.4 "TSI" Liter Benzinmotor gefahren. Dieser liefert dank
der cleveren Technik eine hohe Leistung (160 PS / 240 Nm),
lässt aber einen bescheiden Verbrauch notieren (6 Liter pro
100 km). In der Praxis ist diese ökonomische Kraftquelle
äußerst begierig und der "Golf 1.4 TSI" damit ein
durchaus schnelles Auto.
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Auch der neue 2.0 Liter Dieselmotor (140 PS / 320 Nm) wurde
gefahren. Dieser benutzt eine "common rail"-Technik der
dritten Generation und ist damit sparsamer und stärker
verfeinert als je zuvor. Der große Dieselmotor bringt aber
bedeutend mehr Gewicht als der kleine 1.4 Liter Benzinmotor.
Deswegen ist der Golf Diesel weniger lebhaft und dynamisch.
DSG
Beide Motoren können an ein "DSG"-Getriebe gekoppelt
werden. Dieses kann sich wie ein Automat benehmen,
überlässt dem Fahrer aber die Wahl, zu schalten. DSG
besteht eigentlich aus zwei Getrieben: eines für die geraden
und eines für die ungeraden Schaltungen. Wenn das eine
Getriebe benutzt wird, wählt das andere schon den
nächsten Gang. Schalten ist daher sehr schnell und effizienter
als bei einem traditionellen Automaten. Namentlich das neue
siebenstufige DSG ist empfehlenswert: es macht den Golf
spürbar flotter und sparsamer.
Straßenlage
Unabhängig vom Motor und der gewählten
übertragung steht der Komfort wieder an erster Stelle. Die
Motoren sind nicht oder kaum hörbar und arbeiten mit einer
ungeahnten Bequemlichkeit. Jegliches Zittern der Motoren bleibt
aus, und auch das kommt dem Komfort zugute.
Bei voller Beschleunigung lässt der 1.4 Liter TSI kurz ein
inspirierendes Motorgeräusch hören, aber nie wird die
Kraftquelle es ausschreien. Der Golf IV fährt deswegen
unmerkbar (zu) hart und eignet sich mehr als je zuvor für das
Fahren von großen Strecken.
Neu am Golf ist die Fahrwerksregelung. Mit einem Knopfdruck kann
sich der Fahrer zwischen sportlicher und komfortabler Fahrweise
entscheiden. Der Unterschied ist vor allem in der Servolenkung und
der Reaktion auf das Gaspedal zu spüren.
Das Fahrgestell ist in beiden Fällen kräftig, und die
Straßenlage ist gut. Sogar wenn Andere Kapriolen machen,
benimmt sich der Golf vorbildlich. Das gibt nicht nur das
notwendige Fahrvergnügen, sondern sorgt auch dafür, dass
ein unerwartetes Ausweichmanöver sicher ausgeführt werden kann.
Die Vorderreifen können mit der Motorleistung leicht
mithalten, so dass die Reifen selten durchdrehen oder hoffnungslos
auf der Suche nach Bodenhaftung sind. Die Bremsen sind fast von
Sportwagenqualität: Der Golf VI ist innerhalb einer
verblüffend kurzen Zeit zum Stehen zu bringen.
Die Erneuerung geht aber noch weiter. Der Golf VI soll ab Mitte
2009 als extrem sparsamer BlueMotion und superschneller GTI
lieferbar sein. Auch die Ankunft eines neuen Golf Plus und Golf
Cabrio sind offiziell bestätigt. Langfristig ist sogar ein
Golf Hybrid angekündigt. Es kommt also eine Welle der Erneuerung.
Fazit
Der Golf ist seit Jahren das meistverkaufte Modell von
Volkswagen und eines der meistverkauften Autos weltweit. Das kommt
nicht, weil das Auto in einem bestimmten Punkt besser ist als alle
anderen, sondern weil das Auto in allen Punkten sehr stark ist.
Damit ist es vielleicht nicht das aufregendste Auto, aber doch eine
vernünftige und logische Wahl.
Deswegen ist es auch verständlich, dass Volkswagen bei der
sechsten Generation des Golf nicht von der Hitformel abgewichen
ist. Das Auto wurde nicht dramatisch verändert, sondern stark
verfeinert und modernisiert. Der Golf VI bietet vor allem mehr
Luxus und Komfort als je zuvor. Er ist bemerkenswert leise,
makellos vollendet und mit einem Luxus ausgestattet, der bisher nur
dem absoluten Topsegment vorbehalten war. Die Motoren sind flott,
sparsam und arbeiten in alle Ruhe.
Die neue Formgebung ist nicht mehr als eine subtile
änderung an der Oberfläche, aber darunter bietet der Golf
VI einen Tsunami an Verbesserungen.
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