11 Juni 2002
 

Mazda

In allen Sätteln gerecht

Autotest | Es scheint, ein neuer Trend unter den japanischen Marken zu sein. Nachdem die Autos aus dem Land der aufgehenden Sonne immer unauffälliger, glatter und anonymer wurden, hat sich nun auch Mazda für den neuen Weg entschieden. Deswegen heißt der Nachfolger des Mazda 626 nicht mehr 626, sondern einfach "Mazda6". Mit diesem neuen Flaggschiff zeigt die Marke nach eigener Aussage ihr Zukunftsbild. Ein Test mit dem Mazda 6 lehrt, dass Mazda absolut bereit für die Zukunft ist.
 

Hinter dem Lenkrad des Mazda6 zu sitzen erzeugt beim Testfahrer direkt ein angenehmes Gefühl, das zu vielen Kilometern einlädt. Das Lederlenkrad liegt angenehm in der Hand, der dicke, kurze Schaltknüppel mit Leder und Chrom liegt gut in der Handfläche und die Sitze sind sehr angenehm, dank eines Spezialmaterials zwischen Stoff und Velours. Die Sitze sind sehr gut einstellbar, nur um die Schulter werden sie etwas schmaler, was für große Fahrer etwas unangenehm sein kann. Das Armaturenbrett ist nur wenig originell aber sehr schön verarbeitet. Die großen Instrumente hinter dem Lenkrad sind mit verchromten Ringen versehen und die Mittelkonsole stellt dank des silbernen Kunststoffs einen guten Kontrast zu dem auch weiterhin schwarzen Armaturenbrett dar. Dieses "Silber" wurde nicht nur für den Hintergrund verwendet, sondern auch für alle Schalter, ein Teil des Mitteltunnels und des Leders um den Schaltknüppel. Auf die Gefahr hin, daß Mazda eingebildet wird: das Cockpit des Mazda6 hat doch etwas vom Lexus IS200.

Touring

Das Testauto ist eine Touring-Ausführung und das ist die einfachste Ausstattung. Aber die Schalteranzahl ist nicht gering und der Fahrer muss während der ersten Testkilometer die diversen Funktionen suchen, um diese dann durch Testen einzuordnen. Was auffällt ist, daß dieses "einfache" Exemplar, immer einen Schritt weiter ist, als üblich. So sind die Seitenfenster nicht nur vorne, sondern auch hinten elektrisch bedienbar. Auch die Klimaanlage ist nicht manuell, sondern automatisch geregelt. Alle Daten über das Klima findet man auf einem breiten Display zentral über dem Armaturenbrett. Dieses Display teilt sich die Klimaanlage mit dem standard montierten Bordcomputer. Dieser wird mit kleinen Tasten neben dem Display bedient, und nicht, wie üblich, mit einem Hebel am Lenkrad.

Auch ein Tempomat ist standard in der Touring-Ausführung. Diesen kann man zusammen mit dem Audiosystem mit den Tasten auf dem Lenkrad bedienen und zeichnet sich durch Einfachheit und Deutlichkeit aus. Das standard eingebaute Radio ist eine andere Geschichte, weil es hier wortwörtlich nur um ein Radio geht. Für Kassette oder CD muss man zuzahlen. Jedoch das System verdient wenigstens ein Kompliment, weil der Klang des Radios deutlich besser ist, als durchschnittlich. Die Anzahl von Fächern und Ablagen kann mit denen der besten MPVs konkurrieren. Die Fächer sind oft mit einem Rand versehen, wodurch sie zugleich als Becherhalter dienen können. Auch der gesamte Platz ist gut eingeteilt, so daß der 6 für ein Auto dieser Klasse zu den geräumigeren Exemplaren gehört. Der Platz vorne ist gut, aber der Platz auf der Rücksitzbank ist wesentlich besser, als bei seinen Artgenossen und der Kofferraum ist enorm.

Mazda

Daß der Innenraum ein sportliches und luxuriöses Gefühl erzeugt, ist ganz und gar nicht zufällig. Mazda will mit dem 6 ein sportlicheres Image erreichen, als mit dem 626. Damit will Mazda nicht nur die treuen Kunden zufrieden stellen, sondern auch eine neue Käufergruppe für die Marke gewinnen.

Mazda

Das Design ist natürlich gediegen und repräsentativ, aber die Zeichner haben hier auch eine Chance gesehen, dem 6 durch lange, elegante Linien einen sportlichen und modernen Ton zu verleihen. Vor allem die Scheinwerfer und die Rückleuchten unterstreichen diesen fortschrittlichen Aspekt. Die breiten aber tiefen Scheinwerfer laufen um die Ecke weiter und geben der Frontseite einen resoluten Blick. Die Heckpartie ist rund, wobei vor allem eine schöne Linie zwischen der Stoßstange und den schönen transparenten Rückleuchten für das elegante Element sorgt.

Technik

Der Mazda6 ist entweder mit einem 1.8, einem 2.0 oder einem 2.3-Liter Benzinmotor oder einem 2.0-Liter Common Rail Diesel lieferbar. Der 1.8-Liter Vierzylinder im Testauto hat einen gutmütigen Charakter. Mit den 120 PS, die das Triebwerk liefert, ist der 6 fähig problemlos mit dem restlichen Verkehr mitzukommen, und wenn es sein muss, auch schneller zu sein. Da die maximale Kraft erst bei einer relativ hohen Drehzahl verfügbar ist, fährt der Fahrer häufig unbeabsichtigt etwas Hochtouriger als gewöhnlich. Wenn man auf der Autobahn flott von 100 auf 120 Km/h beschleunigen muß, mangelt es dem Motor manchmal an Power und es ist notwendig in den 4.Gang zurückzuschalten. Das Resultat ist, daß der Mazda6 auch etwas lauter als die meisten Artgenossen ist, obwohl noch immer innerhalb sehr akzeptabler Grenzen. Trotz "der schweren Arbeit", sollte sich der Motor während der Testperiode mit 7.1 L Bleifrei/100 km zufrieden stellen.

Ein zahmer Motor bedeutet jedoch nicht, daß der Mazda6 kein sportliches Verhalten hat. Das Fahrgestell und die Lenkung geben dem 6 das dynamische Gefühl eines kompakten Autos, obwohl dank seines langen Achsstand der Komfort eines großen Autos erhalten bleibt. Das macht den 6 z.B. in der Stadt einfacher und angenehmer zu fahren, während sein Verhalten auf der Landstraße nicht minderwertiger als das anderer großer Autos ist. Außerdem reagiert das Auto etwas direkter auf die Lenkung, so daß auch schnelle Kurvenfahrten mit dem 6 sehr angenehm sind. Es ist vor allem dieses Fahrverhalten, das den Mazda6 doch zum Verkaufserfolg machen kann, worauf Mazda hofft. Die Scheibenbremsen rundum (mit ABS/EBD) sind dank eines sehr direkten und präzise zu dosieren Pedals immer imstande den 6 entschlossen und sicher zum Stillstand zu bringen.

Fazit

Mit dem Mazda6 läutet die Marke deutlich den Anfang einer neuen Epoche ein. Der Mazda6 unterscheidet sich von anderen Mazdas durch ein mutigeres Design und dynamischere Fahreigenschaften als früher. Im Vergleich zu anderen Autos in dieser Klasse sind die stärksten Punkte des Mazda6 sein modernes Design, der praktische und schöne Innenraum, der angenehme Preis und wieder das lebendige Fahrverhalten.

plus
  • Lebendiges Fahrverhalten
  • Viele praktische Details
  • Schöner geräumiger Innenraum
min
  • Kein Heckscheibenwischer
  • Etwas lauter als der Durchschnitt
  • Radio - ja, aber Kassette oder CD optional