30 Mai 2008
Hummer H3

Hummer H3

Richtig falsch

Autotest | Er ist der Paria der Umweltschutzorganisationen. Es ist der Dorn im Auge vieler Moralapostel. Es ist der Gipfel der amerikanischen Dekadenz. Der Hummer ist im Laufe der Jahre zu einer fahrenden Ikone für all das geworden, was falsch und verdorben ist. Und jetzt wird der Hummer H3 dank eines neuen 5,3 Liter V8 Motors noch falscher. Und er fährt gut!
 

Es gibt etwas, was das Fahren mit einem SUV attraktiv macht: ein Gefühl von Macht. Der hohe Sitz, der kolossale Umfang und die schweren Motoren geben dem Fahrer eines SUV das Gefühl, der König der Straße zu sein. Wenn das für ein Auto gilt, dann ist es der Hummer.

Unbesiegbar

Die Treppe unter den Wagentüren gibt es nicht umsonst, sie ist wirklich notwendig, um den hohen Befehlsstand zu besteigen. Der Fahrer sitzt so hoch, dass andere SUV vom Hummer aus gesehen wie kleine Autos aussehen. Der H3-Fahrer schaut buchstäblich und bildlich auf jeden und alles herunter. Das Gefühl ist besonders stark, weil die Motorhaube des H3 auf der selben Höhe liegt wie das Dach eines durchschnittlichen Personenwagens!

Das ganze Gefühl von Machtlust wird durch die "show" verstärkt. Lass das nur die Amerikaner machen. Alles am Hummer ist groß und grob. "Raffinement" ist ein Wort, das man beim Hummer nicht kennt. Dieses Auto wurde einst als Armeefahrzeug entworfen und ist deshalb für schwierigste Verhältnisse geeignet.

Hummer H3

Der Innenraum ist überwältigend, und alles ist mehr als geräumig aufgebaut. Sogar die Knöpfe am Armaturenbrett sind "extra large". Das alles trägt dazu bei, dass eine Fahrt mit einem Hummer zu allererst ein Erlebnis ist. Trotz des übermäßigen Raumes sind die Kopfstützen in der Praxis nur Nackenstützen und ist das Lenkrad nur unzureichend verstellbar.

Erlebnis

Mit einem Hummer zu fahren ist eine besondere Erfahrung. Im Gegensatz zu vielen anderen SUV ist der Hummer ein purer Geländewagen, ausschließlich fürs Gelände gebaut.

Es fängt mit den riesigen Reifen an. Die große Menge an Gummi ist im Gelände zwar ganz praktisch, kommen aber den Fahreigenschaften auf öffentlichen Straßen nicht zugute. Der H3 scheint auf vier Hüpfbällen zu fahren, und wegen der hohen Sitzposition wird das Gefühl des überhängens noch verstärkt. Tatsächlich ist die Straßenlage ganz anständig, aber der H3 fühlt sich nicht gerade vertrauenerweckend an. Wegen des enormen Umfangs ist der H3 sehr seitenwindempfindlich. Nur die Bremsen wissen sofort zu überzeugen: Sie können diesen schweren Kerl beherzt zum Stehen bringen.

Hummer H3

Gewaltig

Anlass für diesen Test ist der neue 5,3 Liter V8 Motor, und der ist eine deutliche Verbesserung. Noch immer ist spürbar, dass der H3 sehr schwer ist. Bei niedriger Drehzahl ist relativ wenig Leistung verfügbar, sodass das Auto kräftig provoziert werden muss, um richtig was zu leisten. Aber wenn das Gaspedal resolut bis zum Boden durchgetreten wird, ist der neue Achtzylinder ein Riese (305 PS). Um das Erlebnis komplett zu machen, gehört dazu auch ein mächtiger V8-Lärm.

Hummer H3

Der Sprint von 0 auf 100 km/h erfordert nur noch 8,2 Sekunden (bei 9,7 Sek. für den 3.7 Liter Fünfzylinder). Auch auf der Autobahn hat die Kraftquelle genügend Reserve parat, um kräftig weiterzufahren oder flott zu überholen. Um den Spaß nicht zu verderben, sind absichtlich weder ein Bordcomputer noch ein Verbrauchsmesser eingebaut. Trotzdem ist diese neue, kräftige Kraftquelle ein wenig sparsamer (lies: weniger durstig) als der Basismotor!

Off-road

Wie populär der Hummer als Statussymbol auch sein mag - dieses Auto wurde einst als Geländewagen entworfen. Die Böschungswinkel vorne (37,5°) und hinten (35,5°) sind so extrem (die Vorderreifen strecken sich bis fast vor die Vorderstoßstange aus!), dass der H3 die unwahrscheinlichsten Neigungen fest entschlossen besteigt.

Die Bodenfreiheit (22 cm) nähert sich LKW-Proportionen. Während dieses Tests wurde über Gelände gefahren, auf welchem eigentlich nur Kipper und Raupenfahrzeuge fahren können. Der Hummer H3 arbeitet sich da auf den "all terrain" Reifen ohne Probleme durch.

Das ist der Technik zu verdanken: Im Gelände können die Vorder- und die Hinterachse miteinander verbunden werden, damit das Auto sich nicht eingräbt, weil die Motorleistung zu den leicht drehenden Reifen geht. Auch das hintere Differentialgetriebe kann für mehr Bodenhaftung im Sand einzeln "gelockt" werden.

Hummer H3

Selbstverständlich ist ein purer Geländewagen wie dieser mit niedrigem gearing ausgestattet: ein Satz extra Getriebe, womit das Auto träger, aber noch viel stärker wird. Außerdem ist die Motorleistung auf öffentlichen Straßen, die so unbequem aufgebaut wurde, jetzt richtig handhabbar, sodass der Fahrer den H3 vorbildlich zwischen Schleudern und Bodenhaftung halten kann. Alles, was erst nachteilig erschien, ist im Gelände vorteilhaft. Die Hummer-Erfahrung ist komplett.

Fazit

Der Hummer H3 ist in zwei Dingen gut. Erstens: im falsch sein. Wer andere jagen, sich querstellen oder irgendwie ein Statement machen will, fällt mit dem Hummer richtig auf.

Aber demgegenüber steht ein Preis: Auf Asphalt sind die Fahreigenschaften mäßig. Das Auto ist ungeschickt groß, spürbar schwer, äußerst ermüdend und sehr durstig. Dank des neuen V8-Motors sind die Leistungen bedeutend verbessert und hat auch die Benutztbarkeit als Zugmaschine stark zugenommen.

Ein anderer Punkt, in welchem der Hummer wirklich gut ist, ist das Geländefahren. Dieses Auto wurde einst als unbesiegbares Armeefahrzeug entworfen, und das ist sogar bei diesem fernen Nachkommen noch immer gut spürbar. Alles was den Hummer auf öffentlichen Straßen unbequem macht, macht das Auto im Gelände wieder gut.

plus
  • Vollauf Raum
  • Erstklassiger eye-catcher
  • Gut geeignet fürs Gelände
min
  • Hoher Verbrauch
  • Karge Ausrüstung im Vergleich zum Preis
  • Mäßige Fahreigenschaften auf normalem Straßenbelag