26 November 2007
Renault Kangoo

Renault Kangoo

Familienvergnügen

Autotest | Wir fahren in den Urlaub und nehmen: Vater, Mutter, Sohn, Tochter und sehr viel Gepäck mit. Die Reise bringt uns für eine Woche Familienvergnügen nach Südfrankreich. Selbstverständlich fährt die Autozine-Familie mit dem Auto. Für diese (Test-)Fahrt steht der neue Renault Kangoo zur Verfügung.
 

Eine Familie ist ganz schön teuer. Deswegen wollte der Vater kein MPV. So ein Familienbus ist zwar praktisch, aber auch kostspielig. Ein Kombi wäre schon vorteilhafter, aber hat in manchen Fällen zu wenig Raum. Deswegen hat sich der Vater für diesen "ludo space" entschieden: kein Spaßfahrzeug, aber dafür sehr viel Platz für einen bescheidenen Preis.

Einst wurden Autos wie der Renault Kangoo nur von Bauarbeitern und Kurierdiensten benutzt. Aber das Fahrverhalten und der Komfort wurden im Laufe der Jahre so verfeinert, dass der Kangoo jetzt auch als Familienauto populär ist. Der erste Kontakt zeigt warum.

Renault Kangoo

Gepäck

Standardmäßig fasst der Gepäckraum 660 Liter. "Da passt viel mehr rein als im großen Luxusauto von unserem Onkel" sagen die Kinder. Ein Kinderwagen passt leicht hinten rein, aber auch ein großes Kofferset und die benötigte Sport-Ausrüstung findet leicht einen Platz. Der Gepäckraum ist außerdem gut erreichbar, weil die Hutablage auf der Hälfte gefaltet werden kann. Auch sehr bequem: Die Hutablage kann genau hinter dem Rücksitz geklemmt werden, wodurch man freien weg zum Gepäck hat.

Falls notwendig, kann der Rücksitz ganz umgeklappt werden. Das Entfernen der Kopfstützen oder das Lösen der Lehnen vom Rücksitz ist überflüssig. In einer Bewegung kann der Gepäckraum auf bis zu 2,75 Kubikmeter vergrößert werden. Das reicht für eine Couchgarnitur oder einen Kühlschrank! Für Firmen ist es wichtig zu wissen, dass jetzt eine Europalette der Breite nach in den Kangoo passt (war vorher nur der Länge nach möglich). Abhängig von der Ausführung kann der rechte Vordersitz umgeklappt werden, wodurch Platz für Gepäck von maximal 2,5 Meter Länge entsteht!

Renault Kangoo

Wenn auch das nicht ausreichend ist, liefert Renault kluge Dachrelinge. Die sind buchstäblich im Handumdrehen längs (weniger Windgeräusch, niedriger Verbrauch) oder der Breite nach(für Fahrradständer oder Dachkoffer) zu platzieren.

Hinten

Zuerst meinten die Kinder, der Kangoo sei gar kein cooles Auto. Sie wollten mit einen Sportwagen in den Urlaub fahren. Sobald sie jedoch hinten im Kangoo saßen, fühlten sie sich wie Könige. In der Decke haben sie ihre eigenen Ladefächer. In der Mittelkonsole befindet sich eine 12-Volt-Steckdose für Spielkonsolen, Laptop oder DVD-Spieler. In der Rücklehne des Vordersitzes findet man Flugzeugtische. Unterm Boden sind geheime Fächer zu finden - aber bitte nicht weitererzählen!

Renault Kangoo

Der Einstieg hinten ist dank zwei großen Schiebetüren einfach. Diese bieten allen Raum fürs Einsteigen und sind auf engen Parkplätzen bequemer als Schwenktüren. Außergewöhnlich ist das diese Schiebetüren elektrisch bedienbare Fenster haben, die ganz geöffnet werden können. In der Regel haben Schiebetüren Klappfenster oder Fenster, die sich nur halb öffnen lassen. Auch sehr klug: Wenn der Tankdeckel geöffnet ist, wird die Schiebetür blockiert, damit überbegeisterte Kinder keinen Schaden anrichten können.

Vorne

Auch vorne herrscht gute Laune. Der Raum ist überwältigend. Der Kangoo ist jedem Kombi und so manchem MPV überlegen. Vater ist ein prominentes Mitglied im "Klub Langen Menschen", hat aber im Kangoo sogar noch einige Dezimeter Kopfraum übrig! Das Nachteil ist, dass der Kangoo über 1,80 Meter hoch ist, und das kann im Parkhaus Probleme geben.

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Das Armaturenbrett ist geräumig und bietet viele Ablagemöglichkeiten. Besonders das Ladefach zentral oben auf dem Armaturenbrett ist äußerst praktisch, weil da genau das A4 Papierformat reinpasst. Das ist nicht nur bequem für Geschäftsfahrzeuge mit vielen Papieren, auch auf dieser Reise füllt sich das Fach schnell mit Straßenkarten und inspirierenden Broschüren von lockenden Vergnügungsparks.

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Über der Windschutzscheibe ist ein breites Fach zu finden, wo in der Praxis alles Mögliche hineingeworfen wird. Der zweite Innenspiegel verdient auch eine besondere Erwähnung: damit können die Kinder auf dem Rücksitz beobachtet werden.

Die fröhlichen Farben und die solide Verarbeitung des Armaturenbretts lässt eher einen Personenwagen als einen Firmenwagen vermuten. Weil der Kangoo als vorteilhaftes Raumwunder gedacht ist, bietet das Auto nur das absolut Notwendige. Nur mit Optionen ist der Kangoo genau so luxuriös wie ein Personenwagen, aber dann ist der Kangoo auch genau so kostspielig.

Tanken

Der Kangoo wird auf dieser Reise nur für den Fahrerwechsel angehalten, denn tanken braucht man nur einmal. Der Dieselmotor hat nur 1,5 Liter, aber dank eines so genannten "variable turbo" ist über den ganzen Drehzahlbereich vollauf Leistung verfügbar. Es fühlt deshalb eher so an, als ob der Motor mehr Leistung liefert als die versprochenen 110 PS / 240 Nm! Dem Verbrenner reichen trotzdem nur 5,7 Liter Diesel pro 100 km. Nur der "Kangoo Family" wird ab Werk mit Rußfilter geliefert; der geschäftliche "Kangoo Express" muss leider ohne auskommen.

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Der Motor ist nicht besonders aggressiv oder lebendig, jedoch kräftig. Der erste Gang ist besonders kurz. Das macht es einfach, mit schwerer Ladung oder Anhänger zu beschleunigen. Der Kangoo ist bestimmt kein schnelles Auto. Die Motorleistung reicht jedoch aus um im Verkehr mitzufahren und/oder flott überholen zu können, wenn notwendig.

Der Kangoo ist auch mit einem 1,6 Liter Benzinmotor lieferbar. Dieser bringt eine vergleichbare Leistung und fährt dementsprechend fast genauso. Beide Motoren sind bemerkenswert leise für ein solches Auto. Über die 100 km/h ist aber viel Windgeräusch hörbar, was dem Komfort schadet. Wirklich störend ist die Skala des Tachos, die nur französische Geschwindigkeiten zeigt. In Deutschland darf man raten, wo die 80, 100 und 120 km/h genau sind.

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Kurve

Die Leistungen des Kangoo sind mit denen eines (vorteilhaften) Personenwagens vergleichbar. Das Fahrverhalten macht klar, dass der Kangoo bestimmt kein durchschnittliches Familienauto ist. Die Lenkung ist indirekt, und es sind viele Lenkradumdrehungen notwendig, um eine Kurve zu nehmen, wodurch sich das Auto groß anfühlt. Außerdem ist der Kangoo hoch, wodurch das Auto in der Kurve deutlich überhängt.

Das ist eine Sache der Gewöhnung, denn während der Fahrt weiß sich der Kangoo immer besser zu beweisen. Vater lenkt immer tapferer um die Kreisverkehre, und Mutter zeigt am Autobahnkreuz, das auch sie weiß, was Lenken ist. Im Vergleich zum vorherigen Kangoo ist die neue Generation fast 10% breiter, und dadurch ist die Straßenlage stark verbessert.

Der Kangoo ist rundherum mit Scheibenbremsen versehen. Wenn die Eltern also etwas zu viel Spaß haben, ist der Kangoo auch wieder schnell und sicher zu stoppen.

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Fazit

Es war ein herrlicher Urlaub! Und das war auch dem Auto zu verdanken. Der Renault Kangoo ist ein raffiniertes Auto, das mehr Raum bietet als ein Kombi und vorteilhafter ist als ein MPV. Dank der vielen praktischen und durchdachten Ausstattungen ist jeder Raum auch nützlich zu gebrauchen.

Der Kangoo bleibt von der Basis her ein Geschäftswagen, aber bei dieser zweiten Generation ist der Unterschied zu einem Personenwagen kleiner als je zuvor. Dank der extra Geräuschisolation ist der Kangoo bis zu 100 km/h auch genau so leise wie ein vorteilhafter Personenwagen. Die modernen Motoren liefern nette Leistungen bei einem bescheidenen Verbrauch. Auch deswegen war sehr viel vom Budget für diesen herrlichen Urlaub übrig!

plus
  • Guter Preis
  • Geräumig, durchdacht und praktisch
  • Fährt (fast) genau so gut wie ein normaler PKW
min
  • Unpraktische Skala auf dem Tacho
  • Viel Windgeräusch bei höheren Geschwindigkeiten
  • Höhenversteller am Sitz bei geschlossener Tür kaum erreichbar