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Ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre, obwohl
es schon etwas länger her ist, nämlich 1992. Ich hatte
noch keine Ahnung, in welchem Beruf ich später tätig sein
würde, aber ich hatte immer eine Meinung über Autos. Als
der Twingo beim lokalen Händler erschien, hatte ich mein
Urteil schon parat: "Ich möchte in dem Wagen nichtmal tot
gesehen werden".
Einige Jahre später kauften meine Eltern einen Twingo. Die
Tinte auf meinem Führerschein war gerade erst trocken, da war
ich schon sehr froh, wenn ich mir das Auto mal leihen durfte. Und
der Twingo, den ich so hässlich fand, fuhr gut! Das
äußere, woraufhin ich das Auto verurteilt hatte, war
allem Anschein nach ein Teil des Erneuerungsdrangs von Renault. Der
kleine Twingo hatte sehr viel Raum und allerlei kluge Erfindungen,
die das kleine Auto zu höheren Ehren brachten.
Der neue Twingo
Im Jahre 2007 ist die Situation etwas anders. Ich brauche nicht
mehr zu betteln, um ein Auto leihen zu können. Autohersteller
stehen nun Schlange, um ihre Autos an mich ausleihen zu
können. So kann's gehen. Dank der guten Erfahrungen, die ich
mit dem alten Twingo gemacht habe, fahre ich gerne mit dem neuen Exemplar.
Obwohl die Formgebung nicht halb so gewagt ist wie damals,
scheint der Neuling nicht wirklich attraktiv zu sein. Zum Teil ist
das der unglücklichen Fotografie des Herstellers zu verdanken.
Auf den ersten Pressebildern stehen dunkle Autos in einer
schlichtweg uninspirierenden Umgebung.
In echt sieht der Twingo aber sehr reizend aus! Vor allem in
orangefarben sieht er toll aus, und die Linienformgebung wird durch
diese Farbe hervorgehoben. Die Front ist charakteristisch für
Renault, die Rückseite ist herrlich eigensinnig mit Linien
gegen die Fahrtrichtung. Die hier getestete
"GT"-Ausführung wird durch silberfarbige Schildchen
beim Fernstrahler, silberfarbige Außenspiegel und einen
schönen Dachspoiler (raten Sie mal in welcher Farbe?)
verschönert. Die einzige Kritik an der Formgebung betrifft die
Türhebel: Diese sind unbequem, und die Damen können ihre
Fingernägel dran abbrechen.
Innenraum
Innen im Twingo herrscht dasselbe verwunderte Gefühl wie
einst. Das Innere ist für das Äußere zu groß.
Gefühlsmäßig kann so ein kleines Auto
überhaupt nicht soviel Innenraum haben. Um die Vordersitze
herum ist viel Bewegungsfreiheit, und dank der vielen
Einstellmöglichkeiten bekommt ein jeder eine angenehme
Sitzposition. Allerdings sind die Sitzflächen und
Rückenlehnen zu kurz, was vor allem auf langen Strecken
unbequem ist.
Der Rücksitz steht auf Schienen, um unabhängig von der
Situation außergewöhnlich viel Beinraum oder auch mehr
Gepäckraum zu haben. Leider ist die Hutablage unflexibel,
wodurch ein Großes Loch entsteht, wenn der Rücksitz ganz
nach vorne geschoben ist. Auf dem Boden des Gepäckraums liegt
ein Behälter, der den Raum in Fächer teilt. Eine
Abdeckplatte fehlt, und außerdem muss der Behälter
aufrecht platziert werden, um den Rücksitz ganz nach hinten
schieben zu können. Dass ist unbequem und reduziert den
Gepäckraum auf Null.
Der Twingo ist nicht nur geräumig, sondern fühlt sich
auch geräumig an. Das verdankt man dem tiefen Armaturenbrett
und der weit nach vorn platzierten Windschutzscheibe. Die
Messgeräte (Tachometer und Bordcomputer) sind in der Mitte
angeordnet, das ist ruhiger für die Augen. Ein Fahrer schaut
weit nach vorn zum übrigen Verkehr. Es ist dann bequemer, die
Augen ab und zu auf die Anzeigen weiter weg auf dem Armaturenbrett
zu fokussieren als näher ans Lenkrad. Der Drehzahlmesser ist
keck auf die Lenkradsäule platziert, die dadurch vor allem als
Ornament dient.
Grasteppich
Oben auf dem Armaturenbrett hinter dem Lenkrad liegt ein
"Grasteppich". Diese Gleitschutzmatte mit Gummistachel ist
dafür gedacht, kleine Gegenstände an ihrem Platz zu
halten. Das hört sich in der Theorie gut an, aber in der
Praxis funktioniert es kaum. Kleine Gegenstände sind kaum aus
den Stacheln herauszubekommen, während größere
Gegenstände stehen bleiben. Ein tragbares Navigationssystem
bleibt zwar stehen, kann aber nicht abgelesen werden, weil es
hinter dem Lenkrad verschwindet.
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Cleverer sind da schon die "organizer boxes". So sind
eine Taschenlampe, ein Handyhalter und eine Make-Up-Dose lieferbar,
die genau in den Becherbehälter passen. Seltsamerweise sind
diese klugen Kleinigkeiten in nur ein paar Farben lieferbar, die
sich immer mit der Lack- und Interieurfarbe des Autos beißen.
Der gebräuchliche Teil der Ausrüstung ist modern und
vollständig. Eine Bluetooth-Telefonkupplung, ein Eingang
für MP3-Spieler, ein Bordcomputer und sogar eine vollwertige
Klimaanlage gehören alle dazu (je nachdem als Extra). Dank des
Platzes und der großzügigen Standardausrüstung
steht der Twingo den größeren Autos kaum in etwas nach.
Durch die nachlässige Verarbeitung fühlt sich der
Testwagen aber leider wie der billigste Renault an.
Fahren
Als ich damals mit dem Twingo meiner Eltern fuhr, war es nicht
das Äußere, sondern das Fahrverhalten, das mein Herz
eroberte. Der neue Twingo fährt noch feiner als die vorige
Generation. Die Lenkung ist direkt, scharf und flott. Dieses Auto
fährt so wie ein kleines Auto fahren sollte: geschickt und
lebendig. Der Twingo fühlt sich wohl in der Stadt und
lässt sich schnell durch den belebten Verkehr lotsen.
Die Straßenlage ist gut. Auf Wunsch kann der Twingo
bestialisch gut fahren. Die gute Straßenlage macht den Twingo
nicht nur schön, sondern auch sehr sicher. Es ist ja gut zu
wissen, dass das Auto nach einem plötzlichen
Ausweichmanöver nicht sofort im Graben landet. Trotz der
ausgezeichneten Straßenlage hat Renault auch für Komfort
Platz gefunden, womit dieser Kleine mehr ist als nur ein kleines Stadtauto.
Turbo!
Das Beste kommt zum Schluss. Jeder Twingo ist geräumig und
- teils optional - vollständig. Aber nur die hier gefahrene
"GT"-Ausführung verfügt über einen ganz
besonderen Motor. Die Kraftquelle hat nur 1,2 Liter. Dank des
hinzugefügten Turbos sind die Leistungen mit denen eines 1,6-
oder 1,8-Liter-Motors der Konkurrenz vergleichbar. Gleichzeitig ist
der Verbrauch der eines 1,2-Liter-Motors.
Der Turbomotor produziert 100 Pferdestärken und 145
Newtonmeter Zugkraft. Bei niedriger Drehzahl benimmt der GT sich
wie ein normales kleines Auto, das gut im Verkehr mitkommt. Wenn
die Nadel des Drehzahlmessers über die 3.500 Umdrehungen pro
Minute kommt, erwacht der Turbo und wird die Motorleistung
plötzlich größer. Erst hört man ein pfeifendes
Geräusch unter der Motorhaube und dann rast dieser kleine
orange Racker davon! Dank des lebendigen Charakters ist das
Gefühl von Geschwindigkeit groß, und das macht die
Sensation komplett.
Fazit
Die Geschichte wiederholt sich. Durch das fortschrittliche
Äußere des vorigen Twingo unterschätzte ich dieses
Auto gewaltig. Das eigensinnige nette kleine Auto von einst
überzeugte schließlich mit ungeahnt viel Innenraum und
ausgezeichnetem Fahrverhalten. Der neue Twingo hat eher eine etwas
konservative Formgebung, und so erwartete ich diesmal wenig Platz
für Erneuerungen. Wieder ist die Bekanntschaft eine angenehme
Überraschung. Der neue Renault Twingo ist in jeder Hinsicht
gelungen und hinterlässt einen positiven Eindruck.
Der Twingo sieht in echt viel besser aus, als auf den Bildern
von Renault zu vermuten ist. Das Interieur ist bemerkenswert
geräumig und mit den benötigten klugen Erfindungen
ausgestattet, die den Alltag angenehmer machen. Die Ausrüstung
ist komplett, aber die Verarbeitung lässt zu wünschen
übrig. Das Fahrverhalten ist ausgezeichnet. Der Twingo ist
gefügig, übersichtlich, sicher und lebendig: Genau das,
was ein kleines Auto sein muss. Dabei liefert die hier gefahrene
"GT"-Ausführung dank eines hervorragenden Turbomotors
auch noch viel Fahrvergnügen. (Ivo Kroone)
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