Tribüne
Der Vorteil eines mini MPV ist, daß das Auto durch eine
kurze Motorhaube und einen hohen Aufbau viel Innenraum mit
bescheidenen Außenmaßen kombinieren kann. Bei diesem
YRV ist das nicht anders, wobei man den Platz vorne ohne Bedenken
als riesig bezeichnen darf. Durch den hohen Aufbau stehen die
Vordersitze auch etwas gerader. Was auch zu der hohen Sitzposition
gehört, ist eine bessere Übersicht über den Verkehr,
bei der der Fahrer weit nach vorne schauen kann. Vor allem auf
Langstrecken überträgt sich das in mehr Ruhe für den Fahrer.
Die Sitze sind für Langstrecken unangenehm, weil der
Rücken kaum unterstützt wird. Das Armaturenbrett dieser
besonderen YRV-Ausführung ist mit einem Kunststoff bekleidet,
der an Kevlar erinnert. Die Verarbeitung des ganzen Innenraums gibt
dasselbe solide und langlebige Gefühl, wie das beim
gewöhnlichen YRV. An sich ein schönes Kompliment, aber
angesichts des Preises dieser Turbo-Ausführung könnte man
mehr Extras erwarten.
Die "Tribüneaufstellung" ist bereits an der
Außenseite des Autos sichtbar. Das hintere Seitenfenster
steht bezogen auf die Frontscheibe eine Stufe höher. Die
Rücksitzbank steht nämlich eine Etage höher als die
Vordersitze, um den Passagieren hinten eine bessere Sicht nach
vorne zu geben. Der Platz auf der Rücksitzbank ist stark vom
Abstand der Vordersitze abhängig, aber für ein Auto in
dieser Klasse sehr groß. Der Kofferraum ist etwas
größer als der Durchschnitt.
Gelber Pfeffer
Bis jetzt ist der YRV Turbo ein gewöhnlicher, funktioneller
und durchdachter mini MPV, der sich vor allem durch sein
Äußeres von anderen mini MPVs unterscheidet. Aber wie
schon gesagt, unser Testwagen ist eine Turbo-Ausführung. Und
das macht einen riesengroßen Unterschied! Der 1.3-Liter Motor
ist hierbei mit einer Art extra "Beatmungsapparatur"
ausgerüstet, die am besten mit Peperoni vergleichbar ist. Wie
der Peperoniesser, steht auch dieser YRV nach einem
Turbo-Anstoß in Feuer und Flamme.
Tritt man das Gaspedals bis zum Fußboden, bringt den Motor
auf Touren, dann schießt dieses "Yellow Racing Vehicle" mit
Eifer los, worauf sogar mancher Sportwagen keine Antwort hat! Der
YRV ist kein kleines Stadtauto, das etwas flotter als seine
Artgenossen ist. Daihatsu entwickelte mit dem YRV Turbo ein ernst
zu nehmendes, schnelles Auto, das jedesmal die Konfrontation mit
wesentlich teureren Artgenossen sucht. Schnelles Fahren mit dem YRV
Turbo ist ein Fest, das aus diesem mini MPV mehr als ein
praktisches Familienauto macht.
Der Spaß wird mit einem Formel 1-Schaltsystem noch
erhöht. Mit einem Plus- und Minusschalter auf jeder Seite des
Lenkrads, kann der folgende oder vorherige Gang gewählt
werden. Das Kuppeln geht automatisch, also das Kupplungspedal
fehlt. Wer einmal ein Gefühl für den Motor und das
(4-Gang) Schaltgetriebe bekommen hat, kann den YRV sehr locker
fahren, als ob das Auto nur einen Gang hätte. Wer richtig
schnell fahren will, kann den Motor bis zum Extremen jagen, wobei
jeder Druck auf die Plustaste eine neue Powerexplosion verursacht.
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Aber bei einem Formel 1-Auto findet man die Griffe hinter dem
Lenkrad, bei diesem Daihatsu findet man diese auf dem Lenkrad, mit
der Folge, daß der Fahrer in einer Kurve nicht weiß, wo
Plus oder der Minus ist.
Man kann den YRV sowohl sequentiell als auch automatisch
schalten. Die Automatik hat, wie es sich bei einem Auto in diesem
Segment gehört, einen starken Hang sparsam zu fahren. Dann
zeigt sich ein ganz anderer Vorteil des Turbomotors: dieser
großzügig bemesse Motor ist nicht nur blitzschnell,
sondern auch noch äußerst elastisch. In bestimmten
Situationen kann das Triebwerk bei so niedrigen Drehzahlen gefahren
werden, daß das Stärke- und Elastizitätsgefühl
dem eines großen Amerikaners gleicht! Wer kein Interesse an
Elastizität hat, sondern einfach rasen will, kann die
Automatik in Anspruch nehmen. Hierbei ist jedoch ein Trick
nötig. Bei Stillstand, in einer Bewegung aufs Pedal bis zum
Fußboden treten, funktioniert weniger gut. Dann geschieht
einen Moment gar nichts, dann kommt die durchschnittliche
Beschleunigung und erst wenn der Turbo aktiv ist, folgt der weithin
bekannte Schub in den Rücken. Durch ruhig aber entschlossen
aufs Pedal bis zum Fußboden zu treten, schießt der YRV
Turbo auch mit Automatik wie ein geölter Blitz los.
Aber ein starker Motor ist nicht der einzige Garant für ein
sportliches oder aufregendes Auto. Eine gute Straßenlage ist
mindestens so wichtig. Leider läßt der YRV Turbo hier
nichts blicken. Bei normalen Gebrauch kann man die
Straßenlage des YRV als genügend sicher bezeichnen, aber
bei der besonders schnellen Kurvenfahrt fühlt sich das Auto
eher unangenehm an. Wenn zu viel Gas in der Kurve gegeben wird, hat
der YRV eine starke Neigung geradeaus zu fahren. Bei starkem Regen
oder auf schlechte Straßendecke muß man vorsichtig mit
dem Gaspedal umspringen, um die Richtung halten zu können. Die
Straßenlage ist ok, stimmt aber nicht mit der
Beschleunigungskapazität überein und das muß der
Fahrer ausdrücklich berücksichtigen.
Die Bremsen scheinen mit Scheibenbremsen vorne und Trommeln
hinten auch nicht mit den motorischen Kapazitäten
übereinzustimmen, aber in der Praxis halten sie diese gelbe
Bombe mühelos in Zügeln. Außerdem sind die Bremsen
auch mit ABS ausgerüstet, so daß sich der YRV sich auch
unter den lästigsten Umständen vorbildlich benimmt.
Fazit
Ist der Daihatsu YRV Turbo der ideale Feuerstuhl für
denjenigen, der sich unterscheiden will, aber kein unendlich
großes Budget mitbringt? Ja und Nein. Grob gesagt ist der YRV
Turbo ein Auto mit der Verarbeitung und dem Gefühl eines
gewöhnlichen (günstigen) YRV und den Leistungen eines
doppelt so teuren Sportwagens. Daihatsu verdient ein großes
Kompliment für den Motor, der fantastisch funktioniert und
genauso leicht und sparsam fahren kann.
Das Fahrgestell hat jedoch mehr Mühe mit all der
Motorgewalt und begrenzt den YRV Turbo deswegen vor allem bei den
Sprints am richtigen Ende. Das sequentielle Schalten auf dem
Lenkrad erhöht den Spaß, während die konventionelle
Automatik vor allem in der Stadt sehr angenehm ist.
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