|
Audi liefert den A3 mit einem 3.2 Liter Sechszylinder-Motor.
Aber sobald der Schlüssel des S3 umgedreht wird, hört man
nicht das laute Geräusch eines V6, sondern ein ganz normales
Motorgeräusch. Auch Öldruckmesser, Turbodruckmesser,
Stopwatch oder andere Sachen, die den Spaß erhöhen,
kommen nicht zum Einsatz.
Audi hat den schnellsten A3 mit einem normalen
Vierzylinder-Motor mit dem ganz üblichen Inhalt von zwei
Litern ausgestattet. Dank der Benzin-Einspritzung und eines Turbos
bringt es die Kraftmaschine doch zu einer hohen Leistung von 265 PS
und auf maximal 320 Nm Zugkraft.
Bereit zum Start ...
Das Getriebe entspricht dem sportlichen Charakter des Autos. Die
Gänge sind kurz und die Übersetzungen so gestaltet, dass
der Turbo optimal zum Einsatz kommt. Das ist vom ersten Moment an
spürbar. Der S3 ist mindestens so ungeduldig wie der
Testfahrer, und beide wollen Leistung bringen. Mit diesem Typ Auto
fällt es schwer, bei jeder Ampel ruhig anzufahren und nicht
sofort davonzuschießen. Wer sich dazu verführen
lässt, hat in 5,7 Sekunden nach dem Anfahren bereits die 100
km/h erreicht. Wer sich nicht dazu verführen lässt, ist
unbemerkt doch oft am schnellsten weg.
Trotz der kurzen Übersetzungen des Getriebes dauert es doch
ein Weilchen, bis der Turbo wach wird, aber dann bringt der S3
Leistungen auf Sportwagenniveau. Die Passagiere werden kräftig
in die Sitze gedrückt, der Horizont kommt alarmierend schnell
näher, Entfernungen scheinen kürzer als vorher, und der
S3 beschleunigt weiter.
Auch wenn er schon schnell fährt, kann der S3
Zwischenbeschleunigungen hinlegen, die sowohl Begeisterte als auch
Skeptiker verblüffen. Gerade ein Auto in dieser Signalfarbe
muss sich jedes Mal wieder beweisen. Oder ist das etwa der
aufgeregte Typ hinter dem Steuer?
Dank des hohen Drehmoments ist der S3 nicht nur ein
Ampelsprinter, sondern kommt auch auf der Autobahn voll zum
Einsatz. Um den Rennfahrer vor sich selbst zu schützen, hat
Audi die Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf 250 km/h
begrenzt. Wahrscheinlich kann er aber auch gar nicht viel schneller
fahren, obwohl die Skala des Tachometers optimistisch bis 300 km/h reicht.
Das einzige, was bei all dem Spektakel fehlt, ist die
Untermalung mit einem sportlichen Geräusch. Dadurch scheint es
oft weniger schnell zu gehen, und das Fahrerlebnis ist nicht so
intensiv wie bei anderen Autos dieser Art.
Quattro
Dank des Quattro Vierradantriebs kann der S3 seine
überreichliche Leistung problemlos auf die Straße
bringen. Um die Räder durchdrehen zu lassen, muss man das Auto
schon auf einer schlechten Straße mutwillig aus dem
Gleichgewicht bringen und dann Vollgas geben. Wer das Auto im
Gleichgewicht hält, kann selbst in einer Kurve voll
beschleunigen. Dann bleibt der S3 genau so stabil wie bei einem
Sprint auf gerader Strecke.
|
In diesem Punkt sticht der S3 hervor, denn die Motorleistung
allein zeichnet ihn nicht aus. Der bedeutend billigere Seat Leon
Cupra hat den gleichen Motor (wenn auch mit anderem
Motormanagement), aber da müssen die Vorderräder allein
diese Kraft umsetzen. Wo andere schnelle Autos durchdrehen,
quietschen und schließlich rutschen, hält der S3 stoisch
seinen Kurs. Auf kurviger Strecke muss dieser Audi nur die
vierradgetriebene Konkurrenz von Subaru und Mitsubishi vor sich akzeptieren.
Die gute Straßenlage verdankt sich auch dem angepassten
Fahrgestell. Der S3 liegt 2,5 cm tiefer auf der Straße als
ein normaler A3. Natürlich hat er auch sportliche Reifen und
Stoßdämpfer. Hinter den 18 Inch Felgen befinden sich 17
Inch Bremsscheiben, die gut auf ihre Aufgabe zugeschnitten sind.
Der S3 ist hart abgefedert, aber nicht so hart, dass es anstrengend
wird. Jede Ungleichmäßigkeit der Straße ist zu
spüren, jede Erhebung sorgt für einen Stoß, aber es
ist doch auf längeren Strecken ziemlich gut auszuhalten.
Weniger Aufregendes
Vor allem wenn man nicht zu viel Gas gibt, benimmt sich der S3
wie ein ganz normaler Audi A3. Solange die Nadel des
Drehzahlmessers unter 2.500 Touren pro Minute bleibt, merkt man
kaum, dass dies eines der schnellsten Hecktürmodelle auf dem
Markt ist.
Dann ist es plötzlich sehr angenehm, dass Audi sich nicht
für einen großen Motor, einen großen Auspuff und
ein großartiges Geräusch entschieden hat. Dann ist es
schön, dass der Turbomotor auch sehr sparsam sein kann.
Dann ist der S3 vor allem das Spitzenmodell der A3-Linie, zu
deren Standard unter anderem Xenon Scheinwerfer, Cruise-Control,
separate links/rechts Klimakontrolle und Alarm gehören. Das
"Pro Line"-Paket ergänzt das durch ein
Navigationssystem, einen erweiterten Bordcomputer und eine
Einparkhilfe. Das optionale Bose Audiosystem ist nicht zu
empfehlen, denn es produziert einen bombastischen und
nervtötenden Discosound, der nur Teenager mit chronischer
Indifferenz gegenüber Tönen begeistern wird.
Wie jeder andere A3 kommt dieser S3 in makelloser
Ausführung. Der Platz vorn im Auto ist großzügig,
und die großen Sportsitze bieten Komfort und sehr guten
seitlichen Halt. Wenn der Testfahrer seinen Fahrstil und das
Jackett anpasst, kann der Audi S3 plötzlich ein ganz
seriöser Geschäftswagen sein.
Fazit
Der orangefarbene Flitzer mit dem Namen "Audi S3" hat die
Umgebung der Autozine-Redaktion eine Woche lang unsicher gemacht.
Obwohl unsicher wahrscheinlich nicht das richtige Wort ist, denn
das Leistungsvermögen des Audi S3 ist enorm, und gerade
deshalb hat Audi alles getan, um diese Leistung sicher auf die
Straße zu bringen. Ein kräftiges Fahrgestell, gut
greifende Bremsen und Vierradantrieb ermöglichen eine optimale
Nutzung all der Pferdestärken. Gleichzeitig ist der S3 genau
so praktisch wie ein normaler A3, das Fahrvergnügen kann also
zur täglichen Routine werden.
Leider hat Audi den S3 mit einem Preis versehen, der ebenso
gepfeffert ist wie seine Leistung. Für weniger Geld bekommt
man schon den noch schnelleren Subaru Impreza WRX oder Mitsubishi
Lancer Evo mit gleichwertiger Ausstattung, die auch einen
Turbomotor und Vierradantrieb haben. Mit ihren kreischenden Motoren
und gigantischen Spoilern vermitteln diese Autos noch stärker
das Gefühl, einen richtigen Sportwagen zu fahren, und die
beiden Japaner kommen noch schneller um die Kurven. Aber der Audi
hat einen großen Vorteil: der S3 ist auch in Grau lieferbar,
und dann ist er ein seriöser Geschäftswagen, der sich,
wenn er will, auch von seiner wilden Seite zeigen kann.
|