1 Juli 2002
 

Skoda Superb

Tschechischer Fabrikant baut eine Limousine

Autotest | Der tschechische Autofabrikant Skoda, berühmt und berüchtigt wegen seiner einfachen und günstigen Ostblockautos, baut in der Zusammenarbeit mit VW/Audi eine echte Limousine. Mit der günstigen Reiselimousine "Superb", tritt der Hersteller in Konkurrenz zu etablierten Fremdmodellen und sogar zu den schicksten Autos des eigenen Mutterkonzerns. Leider findet das große Publikum den Weg noch nicht zum Skoda-Händler. Autozine will herausfinden, warum.
 

Die Ermittlung beginnt beim Äußeren des Skoda Superb. Wer nach der Lektüre dieses Artikels weiß, was das Topmodell von Skoda überhaupt anzubieten hat, wird bestätigen, daß die Ausstrahlung schlichtweg "zu bescheiden" ist. Das Design beschreibt man am besten als eine Mischung aus dem Design des großen Octavia mit der Dachlinie des VW Passat und hat - dank der verchromten Mittellinie und der breiten Radkästen - die Würde eines großen Audis. Die Alufelgen mit nur fünf großen Speichen stehen dem Wagen besonders gut. Während der Testfahrt fiel auf, daß man diese Räder bei mehreren Autos des Mutterkonzernes finden kann, aber nur dem "Superb" passen sie so superb!

Skoda Superb

Innenraum

Für denjenigen, der immer noch Zweifel hat: mit der Länge von 480 cm ist der Superb 25 cm länger als ein A4. Der Achsstand von 280 cm ist sogar 4 cm größer als beim Audi A6! Den Platz findet man vor allem auf dem Rücksitz. Die Beinfreiheit, auf dem vollständig mit creme-farbigem Leder gepolsterten Sitzen ist so groß, wie nie zuvor. Nur die absolute Top–Klasse der deutschen Limousinen kann hier noch mitreden, aber dann hat der Skoda noch einen Trumpf in der Hand. Verschiedene Ausführungen sind mit einer kleinen Luke in der Rückenlehne des Beifahrersitzes ausgestattet, so daß die Beinfreiheit hinten nur noch durch eine amerikanische Stretch-Limousine übertroffen werden kann! Es ist dann auch keine Überraschung, daß der Skoda Superb für die Glücklichen bestimmt ist, die sich regelmäßig fahren lassen. Mit elektrisch bedienbaren Fensterhebern, klimatisierten Luftdüsen und sogar Sitzheizung in der Rücksitzbank - da sitzt man hinten einfach besser als vorne! In der Hintertür findet man noch ein handliches Regenschirmfach, den Regenschirm mit schönen Grüßen von Skoda, inklusive.

Der Superb fährt allerdings nicht nur mit einem Passagier, so daß sich der Berichterstatter doch gezwungen fühlt, hinterm Lenkrad Platz zu nehmen, wo es auch "geräumig und nicht eng" ist. Hier gibt es viel Leder (vollständige Lederbezüge sind optional, Stoff und Leder, halbe/halbe, sind Standard), Chrom und Holz, wobei die obere Kante des Armaturenbrettes aus dunklem Kunststoff besteht. Es ist gerade dieses Teil, durch das man eine deutliche Verbindung mit VW findet, weil die Lüftungsgitter, die Schalter am Lenkrad, das Display des Bordcomputers und die Air-Conditioning so scheinen, als ob sie direkt von dem weniger edlen Passat übernommen wären. Glücklicherweise beeinträchtigt es die Atmosphäre nicht. Die Instrumente sind wieder sehr schön mit weißen Zeigern und weißem Aufdruck auf dem schwarzem Hintergrund verarbeitet. Die Bedienung von VW bedeutet leider auch den unhandlichen Tempomat mit einem Schalter über dem anderen und eine ein bißchen zu tief plazierte Steuerung der Klimaanlage (nicht getrennt links/recht regelbar).

Turbomotor

Der Skoda Superb unterscheidet sich sofort von anderen großen Autos durch seine bescheidene Ausstrahlung und die überwältigende Geräumigkeit und das ist nicht das einzige. Das Fahren mit dem Skoda Superb ist wirklich etwas besonderes. Während sich die meisten Autos in diesem Segment groß, solide und geborgen anfühlen, erzeugt der Superb durch seine hohen Sitze und den guten Ausblick mehr das Gefühl von Freiheit und Kontrolle über das Auto. Hohe Sitze bedeuten aber auch leider weniger Kopffreiheit für große Fahrer. Der "einfachste" Superb wird mit einem 2-Liter Motor geliefert, aber das hier gefahrene, teurere Modell hat einen 1.8-Liter Motor. Das kommt dadurch, daß der kleine Motor von einem Turbo unterstützt wird, was dem Testauto einen besonderen Charakter verleiht. Da die meisten Autos in diesem Segment Minimum einen 3-Liter Motor haben, verhalten sich diese Autos deshalb auch wie starke "Büffel", die viel Übermacht und eine enorme Elastizität zeigen. Angenehmes und sehr entspanntes Fahren mit dem Superb erzeugt ein sicheres Gefühl von "Superiorität".

Skoda Superb

Obwohl der Superb auch mit 2.8 Liter V6 Triebwerk lieferbar ist, macht gerade der 1.8-Liter Turbomotor den Superb zu einem einmaligen Auto. Dieser Turbomotor hat unten die Power eines jeden anderen 1.8-Liter Motors, jedoch unterstützt der Turbo ganz schnell, wodurch der Superb lebhaft und herausfordernd wirkt. Wenn gewünscht, kann man noch ständig beherrscht, würdig und ruhig fahren, aber es ist herrlich die Power des Turbos zunehmend weiter aufzubauen und den großen Superb, wie einen geschmeidigen Sportwagen zu fahren. Vor allem auf der Autobahn reagiert das Auto sofort auf die kleinste Bewegung des rechten Fußes. Es ist immer wieder ein Genuß, wie die Geschwindigkeit aufgebaut wird und die große Limousine "superbschnell" auf den Horizont zu schießt. Dieses Verhalten verleiht dem Superb die Dynamik eines Sportcoupés, während die Würde und Ruhe einer Limousine erhalten bleibt.

Der Motor wurde sowohl für ruhiges als auch sportliches Fahren entworfen. Das Fahrgestell hat auch einen zwiespältigen Charakter, und das ist schade. Während der Motor beides perfekt kombiniert, gibt das Fahrgestell immer ein "noch nicht"- Gefühl. Auf einer Bodenschwelle und bei scharfem Bremsen geht der Superb richtig in die Knie, während der Federkomfort auf schlechten Straßen kleiner ist, als bei ähnlichen großen Reiselimousinen. Hier wäre die Wahl einer manuell einstellbaren Federcharakteristik deutlich besser gewesen. Das Fahren mit dem Superb ist nie gefährlich oder unangenehm, nur manchmal hat man den Eindruck, es könnte noch besser sein. Die ganze Kombination aus Bremsen, Lenkung, Fahrgestell und natürlich aus dem Turbomotor machen den Skoda Superb zu einer äußerst angenehmen Reiselimousine, die sich durch ein außergewöhnlich lebhaftes Fahrverhalten von der Masse unterscheidet. Der Preis ist durchschnittlich ein Viertel bis zu einem Drittel niedriger, als bei vergleichbaren Luxusautos.

Skoda Superb

Fazit

Nach einer sehr angenehmen Ermittlung kann man feststellen, daß der tschechische Fabrikant eine vollwertige Limousine gebaut hat, die jeden Vergleich mit der Konkurrenz standhält. Der Kofferraum ist außergewöhnlich, die Verarbeitung geschmackvoll, das Ausstattungsniveau - sehr gut und das Testauto hat dank des Turbomotors ein äußerst ungewöhnlich, lebhaftes und sportliches Verhalten. Wen das ganze anspricht, hat vielleicht nur noch einen Grund, um nicht zum Skoda-Händler zu gehen: die bescheidene Ausstrahlung. Für alle anderen muß das Rätsel hiermit gelöst worden sein (Ivo Kroone).

plus
  • Relativ billig
  • Toller Turbomotor
  • Außergewöhlicher Kofferraum
min
  • Radioklang kommt zuviel von hinten
  • Unhandliche Bedienung des Tempomaten
  • Nebengeräusche bei maximalem Lenkeinschlag