|
Der Toyota Corolla war immer eines der vernünftigsten
Autos, die für Geld zu kaufen waren. Der Corolla war nicht
aufregend und begehrenswert, aber als solides häusliches
Werkzeug kannte der Corolla nicht seines Gleichen. Seit der
Einführung 1966 hat sich der Corolla als ein extrem treues
Auto erwiesen. Deswegen ist es schwierig, den Corolla zu
verbessern, und es ist ein fast unmöglicher Auftrag, den
Nachfolger um soviel besser zu machen, dass dieser einen neuen
Namen Wert ist.
Von innen nach außen
Um diesen schwierigen Auftrag zu erfüllen, haben die
Designer beim Interieur angefangen. Das Exterieur ist später
darum herum gefasst. Anscheinend war die Fantasie am Ende des
Entwurfzyklus' zu Ende. Toyota wollte dem Auris mehr Emotion und
Ausstrahlung geben als dem Corolla, aber das Auto hat nicht den
Charme des neuen Opel Astra oder des Citroën C4. Obwohl der
Auris sicherlich nicht hässlich aussieht, ist es bestimmt von
der Optik her kein begehrenswertes oder besonderes Auto. Auf den
ersten Blick ist der Auris sogar nicht mehr als ein extra
stromlinienförmiger moderner Corolla.
Über das Interieur ist um so mehr zu sagen, denn von innen
ist der Auris ein kluges und durchdachtes Auto. Am meisten
kennzeichnend für den Auris ist der hohe Mitteltunnel, der als
Brücke zwischen den Vordersitzen schwebt. Darunter entsteht
extra Laderaum, aber viel wichtiger ist, dass der hoch platzierte
Schaltknüppel perfekt in Griffnähe ist. Intuitiv wirkt
das sofort angenehm, niemand greift versehentlich zu tief.
Das Armaturenbrett ist um die beiden Vordersitze gebaut. Das ist
schön, gibt ein sicheres Gefühl und sorgt dafür,
dass alles angenehmer wirkt als üblich. Die verwendeten
Materialien geben dem Auris eine würdevolle Ausstrahlung.
Deswegen fällt auf, dass das doppelte Handschuhfach (eine
Klappe auf dem Armaturenbrett, eine Klappe darunter) aus billigem
Kunststoff gefertigt wurde. Während sich das Audiosystem von
Yaris und Avensis bedeutend besser anhört als üblich, ist
der Klang des Standard Auris-Radios schwach.
Raum
Die Gelehrten von Toyota lassen uns wissen, dass das Interieur
vom Auris außergewöhnlich groß ist. Laut Messungen
des Hersteller bietet der Auris mehr Kubikmeter an Innenraum als
alle Konkurrenz. Gefühlsmäßig ist der Auris aber
nicht besonders groß, denn es gibt einen Unterschied zwischen
Innenraum und Bewegungsraum.
Die Form des Armaturenbretts lässt um die Vordersitze herum
weniger Platz. Der (trotz Höhenverstellbarkeit der
Vordersitze) relativ hohe Sitz und die niedrige Windschutzscheibe
geben auch ein Gefühl von weniger Raum. Außerdem sind
die Kopfstützen für größere Fahrer
unzureichend verstellbar und tragen nicht optimal zur Sicherheit
bei. Die niedrige Windschutzscheibe bringt eine bessere Stromlinie,
macht es aber schwierig, hohe Ampeln zu sehen.
Der versprochene Platz kommt vor allem bei den Rücksitzen
heraus. Diese sind geräumiger als bei einem Auto dieses
Umfangs üblich. Erwachsene haben hinten genügend Kopf-
und Beinraum. Außerdem fehlt die störende Unebenheit auf
den Boden in der Mitte des Autos. Toyota hat die Möglichkeit
gesehen, die Verstärkungsbalken zu verlegen, ohne dass die
Sicherheit darunter leidet. Der Kofferraum ist groß, und dank
des "Easy Flat"-Systems kann man die Rückbank
buchstäblich im Handumdrehen flachlegen, um noch mehr Laderaum
zu bekommen.
Sparbüchse
Der Auris ist mit zwei Benzin- und drei Dieselmotoren lieferbar.
Die Betonung liegt beim Diesel, weil Toyota den Auris als eine
vernünftige Alternative anbieten möchte. Um den
vernunftbetonten Fahrer zu verwöhnen, besteht Toyotas
technisches Kunststück im zwei Liter "D-4D D-CAT Clean
Power" Motor. Dieser urstarke Diesel sorgt für
ausgezeichnete Leistungen und ist doch sehr umweltfreundlich. Der
177 PS / 400 Nm kräftige Motor macht aus dem großen
Avensis ein schnelles vernünftiges Auto; im kleineren Auris
sind die Leistungen noch Aufsehen erregender.
|
Die klügste Wahl ist wohl der leichteste Diesel auf der
Preisliste: der 1.4 Liter D-4D mit 90 PS / 190 Nm. Dieser Motor war
schon für den Corolla verfügbar, wurde aber verfeinert
und macht den Auris zu einer Sparbüchse auf Rädern.
Dieser Selbstzünder ist sehr sparsam, hat niedrige Abgaswerte,
tut seine Arbeit sehr leise und sorgt doch für gute Leistungen.
Situationsunabhängig präsentiert sich der Auris, als
ob er viel mehr als einen 1.4 Liter Diesel unter der Motorhaube
liegen hätte. In der Stadt ist der Auris flott und lebendig,
auf der Landstraße ist er ein herrlicher Kilometerfresser.
Schon beim niedrigsten Drehmoment ist fast die ganze Kraft
verfügbar, ein höheres Drehmoment sorgt nur für
etwas mehr Geräusch. Das verlangt nach einiger Gewöhnung,
aber schließlich ist der Auris 1.4 D-4D ein
außergewöhnlich angenehmes Auto. Mehr noch: Dieses ist
der feinste kleine Diesel, den es derzeit zu kaufen gibt!
Schöner Name, schöner Motor
Für den Auris wurde ein ganz neuer 1.6 Liter Benzinmotor
entwickelt. Er verwendet eine sogenannte "dual
VVT-i"-Technik. Das ist ein schöner Name für ein
schlaues System, das die Sauerstoffzufuhr optimal reguliert mit dem
Effekt einer effizienten Verbrennung. Wie beim kleinen Diesel
kombiniert dieser Benzinmotor überdurchschnittliche Leistungen
mit einen sehr bescheidenen Verbrauch. Seitenwind oder Räder
sind kaum zu hören, der Motor wird erst bei Geschwindigkeiten
über 100 km/h deutlich hörbar.
Weil auch dieser Motor schon bei einem niedrigen Drehmoment gute
Leistungen liefert und weil die Fahrgeräusche gering sind,
besteht die Gefahr, dass Sie zu lange in einem zu niedrigen Gang
weiterfahren. Deswegen ist jeder Auris mit einem Indikator mit
Gangwechselempfehlung zwischen dem Tachometer und dem
Drehzahlmesser ausgestattet. Der Gangwechsel liegt manchmal
unwahrscheinlich früh (bei 60 km/h schlägt das System
vor, den fünften Gang zu wählen), aber in der Praxis
stimmen diese Vorschläge immer. Laut Untersuchen von Toyota
fährt der durchschnittliche Fahrer mit dieser
Gangwechselempfehlung immer um 5 % sparsamer.
Straßenlage
Unabhängig vom ausgewählten Motors ist die
Straßenlage ausgezeichnet. Der Ford Focus ist in diesem
Segment noch immer der ungekrönte König, aber der Toyota
Auris hat mindestens eine genauso gute Straßenlage. Der Focus
betont die Sportlichkeit, während der Auris sich für die
Sicherheit entscheidet. Bei Geschwindigkeiten, bei denen manch
anderes Auto ausbrechen würde, bleibt der Auris ohne Probleme
auf dem gewählten Kurs. Auch die ungeschicktesten Manöver
oder plötzliche Panikaktionen bringen den Auris nicht aus der Balance.
In der Stadt kommt der Auris gut mit Straßenschäden
zurecht; es ist nicht mal ein Problem, wenn man vergisst, vor einer
Bodenschwelle zu bremsen. Auf hohe Geschwindigkeit reagiert das
Auto sehr kommunikativ und äußerst stabil. Damit hat
Toyota eine gute Kombination aus Komfort und Kommunikation
gefunden; genau wie der europäische Fahrer es gerne hat.
Fazit
Der Auris ist eine große Verbesserung im Vergleich zum
Corolla. Aber im Gegensatz zu dem, was Toyota den Käufer
glauben lässt, ist der Auris nicht in jeder Hinsicht das beste
Auto in seinem Segment. Bei der Entwicklung des Auris hat man die
besten Elemente des Corolla zum Vorbild genommen und erweitert:
fortgeschrittene Technik, eine extrem hohe Zuverlässigkeit und
einen niedrigen Kilometerpreis (sparsame Motoren, hoher Restwert).
Diese Eigenschaften sind jetzt mit stark verbessertem
Fahrverhalten und ausgezeichneten Motoren verknüpft. Damit ist
der Auris ein genau so kluges Auto wie sein Vorgänger, aber
gibt es jetzt auch Platz für Emotion und Fahrvergnügen.
Der neue Name gibt dem Auris vor allem eine neue Chance bei einem
neuen Publikum, und das ist das Auto mehr als wert.
|