30 August 2006
Opel Corsa (2006 - 2014)

Opel Corsa (2006 - 2014)

Darf's ein bisschen mehr sein?

Autotest | Opel hat schon bei neuen Astra Mut zu Visionen bewiesen. Aus einem unauffälligen Kompaktwagen haben die Rüsselsheimer ein formschönes Auto mit moderner Technik und hervorragenden Fahreigenschaften gezaubert. Jetzt stellt Opel den neuen Corsa vor, der nach demselben Rezept entwickelt wurde. Der Corsa sieht ansprechender aus als je zuvor, bietet Technik, die in dieser Preisklasse selten ist und verspricht stark verbesserte Fahreigenschaften. Höchste Zeit für einen Test.
 

Unsere erste Begegnung mit dem neue Corsa findet in Dresden statt. In die Mischung aus alten Denkmälern und moderner Architektur, die heute das historische Elbflorenz prägt, fügt sich der Corsa mit seiner neuen Formgebung gut ein. Außerdem bringt es Opel fertig, mit demselben Modell zwei recht verschiedene Geschmäcker zu bedienen: Als Dreitürer macht der Corsa einen schnittig-sportlichen Eindruck, die Fünftürer-Variante ist familienfreundlich und praktisch.

Mehr Platz

Innen unterscheiden sich Dreitürer und Fünftürer noch deutlicher. In beiden Varianten wächst der neue Corsa erheblich gegenüber seinem Vorgänger. Im Dreitürer merkt man dass vor allem auf den Vordersitzen, wo auch große Fahrer bequem Platz finden. Auf der Rückbank bleibt das Platzangebot dagegen mäßig.

Im Fünftürer stehen die Rückenlehnen der Vordersitze steil aufrecht. Dadurch entsteht automatisch mehr Beinfreiheit auf der Rückbank. Das Dach des Fünftürers verläuft höher als beim Dreitürer, so dass auch hinten die dringend nötige zusätzliche Kopffreiheit entsteht.

Opel Corsa (2006 - 2014)

Diesen Ansatz erkennt man überall am neuen Corsa wieder: Alle Teile wurden neu durchdacht und wenn möglich verbessert und modernisiert. Zum Beispiel der Fahrradträger nach dem "Flex-Fix"-System: Der ist einfach in die Heckstoßstange integriert. Also keine Ösen, Schrauben und Werkzeuge mehr. Mit ein paar Handgriffen lässt sich ein stabiler Fahrradträger ausziehen, inklusiv der nötigen Rücklichter.

Weniger revolutionär, aber dafür bei den meisten Modellen standardmäßig vorhanden, ist der doppelte Gepäckraumboden. Damit wird der Raum optimal genutzt. Leider ist die Konstruktion nicht wirklich gut befestigt, was zu ungemütlichen Rasselgeräuschen führen kann.

Mehr Sicherheit

Auch bei Komfort und Sicherheit geht Opel über den Segmentsdurchschitt hinaus. ABS ist inzwischen überall Standard. Opel kombiniert es aber mit Drehmomentkontrolle und Geradeaus- und Kurvenbremskotrolle, die das Auto in kritischen Situationen zusätzlich stabilisieren. Dadurch wird der Corsa kaum teurer aber merklich sicherer.

Ebenfalls praktisch ist das Kurvenlicht, das die Sicht deutlich verbessert. Diese Zusatzausstattung lohnt sich, denn so wird das Fahren im Dunkeln weniger ermüdend und damit auch sicherer. Normalerweise bekommt man Kurvenlicht nur in Kombination mit teuren Xenon-Scheinwerfern, aber Opel verwendet einfache Halogen-Scheinwerfer, sodass die Option bezahlbar bleibt.

Opel Corsa (2006 - 2014)

Mehr Luxus

Luxus beginnt bei der Atmosphäre im Innenraum. Dort findet sich typisches Opel-Interieur aus Standard-Opel-Teilen. Allerdings ist dies im kompakten Corsa verspielter und fröhlicher gestaltet als in den größeren Opels. Bei einigen Ausstattungsvarianten ist die Oberseite des Instrumentenbretts in der Wagenfarbe gehalten (was vor allem blauen Corsas gut steht) oder die Mittelkonsole mit glattem Klavierlack überzogen (was vom ersten Moment an Staub anzieht).

Beim Aussehen ist das relativ einfache Modell "Edition" unser Favorit. Die anderen Modelle sind zwar edler, aber dieses hier ist originell und frech, was gut zum Corsa passt. Für die Liebhaber kleiner Styling-Extras noch etwas besonderes: Ein Opel-Designer hat in einer seltsamen Laune einen Hai im Corsa untergebracht! Ein kleiner Tipp: Mal die Motorhaube aufmachen ...

Weiter geht der Luxus in der Elektronik. Ein Teil davon ist nur Füllsel für die Ausstattungsliste. Lenkrad- und Sitzheizung braucht man selten. Die MP3-Wiedergabe im Audiosystem schon eher. Die ist zum Glück auch Standard ab Modellvariante "Edition".

Opel Corsa (2006 - 2014)

Der "intelligente Schlüssel" ist eine besondere Ausnahme in diesem Segment. Das "intelligente" an diesem Schlüssel ist, dass in ihm eine Reihe von Einstellungen gespeichert werden. Beispielsweise die Lieblingssender im Radio, die Temperatureinstellung der Klimaanlage oder die Lautstärke von Warnsignalen. Wenn mehrere Fahrer das Auto fahren, hat man mit dem eigenen Schlüssel auch gleich die persönlichen Einstellungen parat.

Mehr Fahrspaß

Obwohl der Corsa schon lange kein reines Stadtauto mehr ist, ist er für den dichten Stadtverkehr optimal geeignet. Auf schlechter Fahrbahn bleibt er komfortabel, lässt die Fahrbedingungen aber weiter gut erfühlen und behält eine hervorragende Straßenlage.

Das "Sport"-Modell bietet noch wesentlich mehr als das und stellt die Konkurrenz in einigen Punkten tief in den Schatten. Die sportliche Ausführung liegt etwas tiefer (vorne 18 mm, hinten 15 mm), ist härter gefedert und hat eine direktere Lenkung.

Das macht einen deutlichen Unterschied, der sich von der ersten Minute an angenehm bemerkbar macht. Der Corsa Sport reagiert sehr direkt, verleitet zu schnellen Kurvenfahrten und schlängelt sich geschickt durch den Verkehr. Im Gegensatz zum Astra lässt sich das sportliche Verhalten beim Corsa nicht auf Knopfdruck ein- und ausschalten. Der Corsa Sport macht immer Spaß, die weniger athletischen Corsas bleiben immer komfortabel.

Opel Corsa (2006 - 2014)

Mehr Motoren

Die Motoren wurden vom alten Corsa übernommen. Beide Diesel (ein 1.3er und ein 1.7er) haben einen Partikelfilter. Den 1.3er gibt es in einer Variante mit 75 und einer mit 90 PS.

Die 90 PS-Variante ist nicht besonders raffiniert konstruiert, aber die Leistung stimmt. Dieser Motor macht den Corsa zum flotten Stadtauto und auch zum prima Kilometerfresser auf der Autobahn. Letzteres auch dank des sechsten Ganges, der die Drehzahl und den Verbrauch angenehm niedrig hält. Der 125 PS starke 1,7-Liter CDTi ist nochmal deutlich stärker und ruhiger. Angesichts der prima Leistung des 1.3er CDTi ist der 1.7er CDTi den Aufpreis aber nicht wirklich wert.

Bei den Benzinern beginnt die Palette mit einem sehr sparsamen Modell, einem 1-Liter-Dreizylinder. Diese Technik garantiert Verlässlichkeit und niedrigen Verbrauch.

Danach folgen zwei Vierzylinder: ein 1.2er und ein 1.4er. Letzterer ist sehr zu empfehlen und mit ihm sind wir dann auch am meisten gefahren. Neben dem normalen Getriebe steht ebenfalls ein Sportgetriebe zur Auswahl. Mit dem normalen Getriebe ist das Auto sparsam und recht leise. Beim Sportgetriebe liegen die verschiedenen Übersetzungen nah beieinander, sodass der Motor von selbst auf Touren gehalten wird. Dadurch gelingt es Opel, dem bescheidenen Motor Leistungen zu entlocken, die einem größeren Motor alle Ehre machen würden.

Opel Corsa (2006 - 2014)

Fazit

Opel hat das beim neuen Astra erprobte Rezept mit gleichem Erfolg auf den neuen Corsa übertragen. Der Corsa ist nun kein unauffälliges Mittelmaß mehr, sondern kann mit ansprechender Formgebung, dynamischem Fahrverhalten und innovativer Technik punkten. Dabei ist Opel realistisch geblieben und hält die Preise in bezahlbarer Größenordnung. Unter diesen Umständen darf's gern ein bisschen mehr sein!

plus
  • Geglückter Entwurf
  • Sinnvolle Technik-Innovationen
  • Hervorragende Straßenlage
min
  • Hinten wenig Platz (3-Türer)
  • Doppelter Gepäckraumboden verursacht Rasselgeräusche