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Die Touristeninformation behauptet, in der Hohen Tatra sei zwei
Monate im Jahr Sommer, der Rest Winter. Die Dorfbewohner halten
diese Aussage allerdings für Schönfärberei.
Während zu Hause alles und jeder fast eingeht vor Hitze,
peitscht hier in Poprad, einem kleinen Dorf in der Slowakei, kalter
Wind den strömenden Regen durch die Straßen.
Dementsprechend sehen die Straßen auch aus. Genau die
richtige Teststrecke für den Captiva also.
Komfort
Bei der Entwicklung eines SUV liegt das Problem immer darin, die
richtige Balance zwischen Komfort, Straßenlage und
Geländegängigkeit zu finden. Wenn beispielsweise das
Hauptaugenmerk auf der Straßenlage liegt, werden
Geländegängigkeit und Komfort darunter in aller Regel
leiden. Viele Hersteller legen sich deshalb auf einen Schwerpunkt
fest. Chevrolet will sie aber alle unter einen Hut bekommen.
Der Komfort ist jedenfalls schon einmal prima. Die Straßen
im Grenzgebiet zwischen Polen und der Slowakei sind - gelinde
gesagt - nicht gerade in perfektem Zustand. In manchen Dörfern
wurde noch nie asphaltiert. Trotzdem schüttelt es uns im
Captiva nicht umher.
So können wir die Umgebung, in der die Zeit vor 50 Jahren
stehen geblieben zu sein scheint, ungestört genießen.
Hier wird der Acker noch mit Pferd und Wagen bearbeitet und das
Vieh läuft frei durchs Dorf. Ein Ufo könnte hier nicht
mehr Aufsehen erregen als der modern designte Captiva.
Obwohl der Captiva kleiner ist als seine direkten Konkurrenten,
bietet er mindestens ebensoviel Innenraum. In der 7-Sitzer-Version
bieten selbst die hintersten beiden Plätze noch
überdurchschnittlich viel Raum.
Die Formgebung im Innenraum folgt den gleichen klaren Linien wie
beim Epica. Dabei bietet der Captiva in guter Chevrolet-Tradition
immer etwas mehr, als man erwartet. Klimaanlage,
Heckscheiben-Fernentriegelung, Stereoanlage, Einparkhilfe und ESP
sind schon beim Basismodell Standard.
Straßenlage
Dass der Captiva durchaus komfortabel ist, haben wir also
festgestellt. Dabei ist das Fahrwerk aber nicht so weich, dass der
Fahrer kein Gefühl mehr für den Fahrbahnbelag oder die
Reifen hätte. Auch in der Kurve hat man ein gutes Gefühl
für den Captiva. Da merkt man dann außerdem, dass
Chevrolet ihm eine außerordentlich gute Straßenlage
verpasst hat.
Trotz seiner Höhe neigt sich der Captiva in der Kurve kaum
und sinkt beim Bremsen nicht gleich in die Federung. So fühlt
man sich vom ersten Moment an sicher, und das ist bei Autos dieser
Klasse nicht selbstverständlich.
Chevrolet hat darauf hingearbeitet, dass der Captiva nicht das
Gefühl eines übergroßen Autos vermittelt. Da sich
der Captiva kleiner anfühlt als er ist, kommt man sich in den
kleinen Dörfern nicht wie ein Elefantenführer vor und
muss man im Verkehr nicht nach unten schauen, um zu sehen, was um
einem herum passiert. Zum prima Komfort kommt also auch eine
sichere Straßenlage.
Leistung
Den Captiva gibt es mit drei Motoren: Einem
2,4-Liter-Vierzylinder Benziner, einem 3,2-Liter-Sechszylinder
Benziner und einem 2,0-Liter-Vierzylinder Diesel. Falls man sich
für den leichtesten Motor (136 PS/ 220 Nm) entscheidet, wird
man an diese Wahl auf jeder Fahrt schmerzlich erinnert. Auf der
Landstraße ist die Leistung mäßig, im Gebirge
stößt sie definitiv an ihre Grenzen.
Oft müssen wir in den zweiten Gang zurück schalten,
sodass der Vierzylinder auf Hochtouren läuft, um die 1.760 kg
des SUV in Bewegung zu halten. Dazu kommt, dass der
Übersetzungsunterschied zwischen dem zweiten und dritten Gang
groß ist und das Auto nach dem Schalten deshalb sofort an
Fahrt verliert. Im Flachland ist das weniger ein Problem, aber auch
dort ist der Captiva 2.4 bestimmt kein besonders schneller Wagen.
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Daher haben wir uns für den Diesel (150 PS / 320 Nm)
entschieden, mit dem es sich viel angenehmer fährt. Chevrolets
erster Diesel macht den Captiva schneller, sparsamer und sauberer
(Partikelfilter ist Standard) als die Benzinerversion. Der Motor
ist dabei nicht die am höchsten entwickelte Version auf dem
Markt (Lautstärke / Schwingungen), aber die Leistung ist top.
Der Diesel-Captiva hat immer genug Reserven und kommt sowohl auf
der Straße als auch im Gelände prima zurecht.
Geländegängigkeit
Das Schönste haben wir uns für den Schluss aufgehoben:
Mit dem Captiva kann man die ausgetretenen Pfade wirklich
verlassen. Das ist zur Abwechslung ein SUV, das auch hält, was
sein Aussehen verspricht. Nur in der absoluten Minimalversion mit
dem leichtesten Motor und der einfachsten Ausstattung fährt
der Captiva mit Zweiradantrieb.
Bei allen anderen Versionen leitet der Allradantrieb die
Antriebskraft entweder komplett auf die Vorderräder (bei
normalen Fahrbedingungen) oder verteilt sie auf Vorder- und
Hinterräder (im Gelände). Die automatische Steuerung
senkt den Verbrauch, macht den Captiva aber auch untauglich
für schweres Gelände.
Offroad ist der schwächste Punkt die relativ geringe
Bodenfreiheit (durch die Unterboden-Schutzplatten). Der
Allradantrieb wird meist schnell genug zugeschaltet, sodass der
Captiva unsere leichten und mittelschweren Geländetests
besteht und dabei gut kontrollierbar bleibt. Beispielsweise findet
er auf matschigen, ausgehöhlten Feldwegen leicht die maximale Haftung.
Über niedrige Übersetzungen oder
Spezial-Geländereifen verfügt der Captiva allerdings
nicht. Dieses Auto ist als Alleskönner für den
Alltagsgebrauch konstruiert, nicht als Arbeitstier fürs
Gelände. Statt einer niedrigen Übersetzung findet man
eine Bergabfahrkontrolle. Auf Knopfdruck lässt sich damit die
Gefällefahrt im Captiva auf maximal 15 km/h begrenzen. Das
geht zwar mit schreckenerregenden Geräuschen der Mechanik
einher, funktioniert aber problemlos. Für das Gefälle ist
das eine brauchbare Alternative zu einer niedrigen
Übersetzung, starke Steigungen sind ohne diese aber nur schwer
zu bewältigen.
Im Tatra-Gebirge kommen wir mit dem Captiva an Orte, die so
unvorstellbar schön sind, dass man immer meint, eine zum Leben
erweckte Ansichtskarte vor sich zu haben. Dafür ist ein SUV
gedacht: Abseits der Wege zu reisen und Flecken zu entdecken, die
der Durchschnittstourist nie zu sehen bekommt.
Fazit
Ein schönes Rezept: koreanische Effizienz und Erfindergeist
gepaart mit amerikanischer Formgebung und Offroad-Technik. Das
Konzept des Captiva ist gut durchdacht und die Fahreigenschaften
sind ausgewogen. Daher ist der Captiva sowohl für den Weg zur
Arbeit geeignet als auch für den Abenteuerurlaub. Der
2,4-Liter-Basismotor muss nicht sein, mit dem Diesel dagegen wird
der Captiva zum prima Kilometerfresser.
Trotz des günstigen Preises ist die Standardausstattung
überdurchschnittlich. Die Verarbeitung ist tadellos und auch
sonst merkt man dem Captiva in keinem Punkt seinen günstigen
Preis an. Alles in allem war die Reise ins kalte Poprad ein Erfolg,
denn der Captiva hat sich ausgezeichnet bewährt.
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