7 Juni 2006
Skoda Roomster

Skoda Roomster

Platz für Alle!

Autotest | Skoda ist seit 1991 Teil von Volkswagen. Qualität und Technik der Skodas hat sich seitdem stark verbessert, aber gleichzeitig hat sich Skoda eigene Lösungen und einen eigenen Charakter bewahrt. Jetzt kommt Skoda mit einer neuen Frucht dieses Eigensinns: der Roomster kombiniert die Fahreigenschaften eines Pkw mit dem Platzangebot eines Minivans. Autozine hat sich einen brandneuen Roomster bei der Fabrik in Tschechien zum Testen abgeholt.
 

Die Tschechen sind stolz auf Skoda, und wenn ein neues Modell auf den Markt kommt, fahren sie Alles auf. "Möchten Sie den Roomster vor dem Präsidentenpalast fotografieren? Kein Problem, wir sperren den Verkehr." "Möchten Sie das Auto während der Wachablösung fotografieren? Dann laufen wir einfach drumherum!".

Aber die Tschechen sind nicht nur stolz, sie wissen das Leben auch zu genießen. Das schlägt sich in der Philosophie von Skoda nieder. Dabei geht es nämlich nicht um Prestige oder technische Daten, sondern darum, dass die Autos das Leben leichter machen. So wie der Roomster.

Skoda Roomster

Die vordere Hälfte des Roomster ist ein Pkw, die hintere ein Minivan. Damit löst Skoda auf verblüffend einfache Weise eine ganze Reihe von Problemen. Ein normaler Minivan ist im wesentlichen ein Lieferauto, das sich mit der Zeit zu einem besonders geräumigen Pkw gewandelt hat. Auch wenn moderne Minivans weit entwickelt sind, leiden sie immer noch unter zwei Problemen: Durch den hohen Schwerpunkt ist die Straßenlage mäßig und durch den hohen Luftwiderstand steigt der Verbrauch. Außerdem scheint es schwer zu sein, Minivans eine ansprechende Formgebung zu verpassen.

Hinten

Gerade durch sein Aussehen fällt der Roomster auf. Die Tschechen kennen "ihr" neues Auto bisher nur von Bildern und bekommen es jetzt das erste Mal in Wirklichkeit zu sehen. Auch Touristen fragen, was das für ein witziges Auto ist.

Skoda Roomster

Am auffallendsten sind die Hinterfenster, die deutlich größer gehalten sind als die vorderen Fenster. Das kommt nicht nur dem Aussehen zugute. Die Kinder werden sich freuen, denn so bekommen auch die Kleinsten endlich etwas von der Außenwelt zu sehen. Außerdem sind die Rücksitze höher angebracht als die Vordersitze, so dass man hinten wirkliche so etwas wie Freiheit empfindet.

Erwachsene begeistert der Roomster mit beinahe überwältigender Kopf- und Beinfreiheit. Das optionale Glasdach (sehr zu empfehlen) setzt diesbezüglich noch eins drauf.

Die Rückbank besteht aus drei Teilen. Die beiden äußeren Teile sind dabei auf Schienen verschiebbar, so dass je nach Bedarf noch mehr Beinfreiheit oder noch mehr Gepäckraum geschaffen werden kann. Die drei Teile können unabhängig voneinander zusammengeklappt oder ganz herausgenommen werden. Wenn der mittlere Sitz ausgebaut wurde, können die beiden anderen Sitze seitlich verschoben werden, so dass auch in der Breite beeindruckender Raum entsteht. Der Roomster macht seinem Namen also alle Ehre.

Skoda Roomster

Gepäckraum

Selbst wenn alle drei Rücksitze eingebaut sind, ist der Gepäckraum deutlich größer als man von außen vermuten würde. Ein großer Kinderwagen läßt sich problemlos unterbringen und auch das Reisegepäck von vier Personen kriegen wir ohne Mühe in den Kofferraum. Dort befinden sich jede Menge Haken, Ösen und Netze um das Gepäck fest zu verschnüren.

Besonders praktisch ist die biegsame Trennwand, mit der sich der Gepäckraum in verschiedene Fächer teilen lässt. Wenn die Rückbank herausgenommen wird, entsteht ein Laderaum, für den Skoda sogar einen Fahrradständer liefert. Drei Fahrräder passen dann ins Auto. Dass deren Vorderräder dafür ausgebaut werden müssen, verschweigt Skoda allerdings.

Skoda Roomster

Vorne

Hinten bietet der Roomster den Platz und die Möglichkeiten eines mittelgroßen Minivans. Vorne erinnert dagegen nichts an einen Minivan. Der Fahrer sitzt tief und aufrecht, das Lenkrad beinahe auf dem Schoß. Man fühlt sich im Roomster wie im vertrauten Pkw.

Dank der Zusammenarbeit mit Volkswagen ist das Gefühl für Viele besonders vertraut, denn die VW-Komponenten sind deutlich wiederzuerkennen. Die Verarbeitung ist leider nicht immer VW-Qualität. Das Geräusch beim Schließen der Türen wirkt nicht besonders solide, im Testauto war an manchen Stellen der Klebstoff sichtbar und einmal haben wir auf unebener Fahrbahn auch ein leises Geräusch gehört.

Die Ausstattung ist ebenfalls nicht auf Volkswagen-Niveau, aber dafür ist auch der Preis deutlich angenehmer. Statt auf Luxus setzt Skoda konsequent auf kleine Annehmlichkeiten, die das Auto wesentlich praktischer aber kaum teurer machen. Das fängt bei Gummis in den Türfächern an, die den ganzen Papierkram an seinem Platz halten und hört beim Kurvenlicht auf, das ein deutliches Sicherheitsplus bietet. Je länger unsere Testfahrt dauert, desto mehr schmeichelt sich der Roomster mit solchen kleinen nützlichen Extras bei uns ein.

Fahren

Und das Fahren im Roomster macht durchaus Spaß. Seine Fahreigenschaften sind wirklich die eines Pkws und nicht die eines Minivans. Dieses Raumwunder ist so kurz wie ein VW Golf oder ein Opel Astra und ebenso einfach zu handhaben. Auch bei viel Verkehr lässt sich leicht die Übersicht behalten. Im Gegensatz zu einigen Minivans ist das Parken mit dem kompakten Roomster nicht das geringste Problem.

Skoda Roomster

Das Fahrgestell ist ziemlich hart gefedert, wodurch die Straßenlage hervorragend ist. Außerdem sorgt das dafür, dass das Auto auch noch bei voller Beladung gut handhabbar bleibt. Der Roomster liegt auch bei hohen Geschwindigkeiten und in der Kurve sicher und kontrollierbar auf der Straße. Die Bremsen sind ihrer Aufgabe voll gewachsen. Um die aktive Sicherheit (die Verhinderung von Unfällen) ist es also gut bestellt.

Den Roomster gibt es mit jeweils drei verschiedenen Benzin- und Dieselmotoren. Für den Test haben wir uns für den stärksten der drei Benziner entschieden: einen 1,6 Liter großen und 105 PS / 153 Nm starken Vierzylinder. Damit halten wir im dichten Verkehr auf jeden Fall Schritt und können sicher überholen und einfädeln. Auf der Autobahn hält der Roomster 1.6 hohe Geschwindigkeiten problemlos durch, sodass er auch für längere Reisen zu empfehlen ist.

Die weiteren Reserven sind aber gering und der Roomster 1.6 ist sicher kein sportlicher Wagen. Ein leichterer Motor ist daher nicht unbedingt zu empfehlen. Mit der stärksten Version ist das Fahren im Roomster aber durchaus angenehm. Mehr noch: Selten habe ich mit so viel Spaß ein braves Familienauto gefahren!

Fazit

Der Skoda Roomster ist ein Auto wie aus dem Bilderbuch. Schon sein Aussehen ist fröhlich, eigensinnig und originell. Hinter dem Steuer erwartet und überrascht einem der Komfort eines Pkw. Außer dem Komfort bietet der Roomster auch die Straßenlage und die Wendigkeit eines normalen Pkw.

Gleichzeitig bietet der enorm flexibel einteilbare Gepäckraum den Platz und die Möglichkeiten eines Minivans. Kurzum: Der Skoda Roomster fährt besser als ein Minivan, ist aber ebenso geräumig und sieht dazu noch prima aus! (Ivo Kroone)

plus
  • Geglückte Formgebung
  • Viele platzsparende und praktische Lösungen
  • Fährt wie ein Pkw, bietet Platz wie ein Minivan
min
  • Mäßige Leistung
  • Störungsanfälliges Navigationssystem