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Ein Geländewagen ist die Lösung eines Problems, das es
nicht gibt. Es kommt hierzulande eher selten vor, dass man
unvermittelt in der Wüste steht oder quer über den
Berghang fahren muss.
Die Handvoll Förster und Schäfer, die damit wirklich
etwas anfangen können, rechtfertigen jedenfalls nicht die
Verkaufszahlen der SUVs. Einmal gekauft, werden diese so gut wie
nie wirklich im Gelände eingesetzt. Lediglich der Platz und
die Anhängerzugkraft werden ab und an gebraucht. Erkauft
werden sie durch hohe Kilometerkosten und große
Umweltschädlichkeit. Hier setzt der neue RAV4 an: Das Auto
versucht, auf die realen Bedürfnisse im Markt einzugehen.
Ausstrahlung
Gleich geblieben ist das kräftige Aussehen eines echten
Geländewagens. Der RAV4 sieht imposant aus, liegt aber tiefer
als die Konkurrenz und macht somit automatisch einen sportlicheren Eindruck.
Die wirklichen Werte liegen allerdings im Inneren des RAV4. Das
Auto ist genauso tadellos verarbeitet wie z.B. der Avensis, Toyotas
Vorzeigelimousine. Der Stil ist allerdings vollkommen anders, mit
dicken, robusten Knöpfen und "technisch" anmutenden Anzeigen.
Dabei folgt der RAV4 allen neuen Trends, von MP3-Wiedergabe,
über Bluetooth-Telefonanschluss bis zu DVD-basiertem Navigationssystem.
Vom SUV: Allradantrieb
Alle RAV4-Modelle haben Allradantrieb, aber mehr der Sicherheit
halber, weniger um wirklich im Gelände klarzukommen. Deshalb
zeigt Toyota in den Werbespots auch keinen Tropfen Matsch und kein
Körnchen Sand, sondern nur schlechtes Wetter und glatte Fahrbahn.
Wir haben das Testauto trotzdem ein bisschen durchs Gelände
gejagt, wo man es auch einigermaßen gut gebrauchen kann. Eine
entsprechend niedrige Übersetzung sucht man im Getriebe
vergebens, eine (elektronisch simulierte) Differenzialsperre gibt
es aber. In der Kurzzusammenfassung für Nichttechniker
bedeutet das, dass Toyota dem RAV4 etwas elementare Offroad-Technik
spendiert hat, die das Auto kaum teurer aber dennoch
einigermaßen geländegängig macht. Auch die
elektronische Berganfahrkontrolle macht das Anfahren an Steigungen
wirklich leichter, ohne den Peis unnötig hochzutreiben. Der
RAV4 ist kein vollwertiger Geländewagen, kann aber dank dieser
durchdachten Ergänzungen die Straße durchaus auch einmal verlassen.
Das einmalige Sicherheitssystem des RAV4 basiert auf dem
Allradantrieb. So gut wie alle SUVs verfügen über
Antischlupfregelung, Antiblockiersystem und
Stabilitätskontrolle. Das Neue beim RAV4 ist, dass diese
Systeme nicht mehr nebeneinander arbeiten, sondern zusammen. Das
"Integrated Active Drive System" umfasst sogar die Servolenkung.
Die Antriebskraft wird entsprechend den Fahrbedingungen auf die
Vorder- und Hinterräder verteilt, sodass kein Schlupf
auftritt. Wenn das nicht ausreicht, treten die elektronischen
Sicherheitssysteme in Verbindung mit der Servolenkung in Aktion:
Bei Lenkmanövern, die das Fahrzeug stabilisieren, dreht sich
das Lenkrad leicht, in die Gegenrichtung schwer. So hilft die
Elektronik dem Fahrer beim Stabilisieren des Fahrzeugs, ohne ihn zu entmündigen.
Straßenlage und Steuerung sind erstaunlich gut für
ein SUV, aber immer noch deutlich schlechter als bei einem Pkw. Der
RAV4 neigt sich, wenn Kurven schnell genommen werden (und bei
Ausweichmanövern!). Wenn das Limit überschritten wird,
bricht er meist vorne aus.
Die Bremsen fühlen sich prima an. Auch bei starkem Bremsen
kommt einem der RAV4 nicht schwer und massiv vor, sondern man hat
im Gegenteil das Gefühl, ihn genau kontrollieren zu
können. Aber so raffiniert die Sicherheitselektronik auch ist
und so weit der RAV4 die Konkurrenz hinter sich lässt was die
Steuerung angeht: Bei einem normalen Pkw braucht man das alles gar
nicht erst.
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Vom Pkw: Motoren
SUVs sind von Natur aus hoch und schwer und damit Benzinfresser.
Obwohl der RAV4 ein gutes Stück größer geworden ist
(175 mm länger, 30 mm breiter), ist das Auto 35 kg leichter
als sein Vorgänger. Auch der Luftwiderstand ist geringer. Mit
einem Cw-Wert von 0,31 liegt der RAV4 in diesem Segment ganz vorne.
Viel wichtiger sind jedoch die neuen Motoren. Zur Auswahl stehen
neben einem komplett neu entwickelten 2-Liter, 4-Zylinder-Benziner
zwei Dieselmotoren. Die haben schon in anderen Toyotas gezeigt,
dass sie bei geringem Verbrauch und guten Emissionswerten prima
Leistung bringen. Den Benziner gibt es mit Automatik, die Diesel
mit einem angenehm schaltenden Sechsganggetriebe.
Unser Testauto hat den kleineren der beiden Diesel und
fährt damit wie eine Rakete. Auf dem Papier klingt die
Leistung bescheiden, aber über Langsamkeit kann man sich beim
RAV4 D-4D wirklich nicht beklagen. Einfädeln im Stadtverkehr
funktioniert auch, wenn es einmal schnell gehen muss (wobei man
sich dann unwillkürlich umschaut, ob das Pflaster wohl noch an
Ort und Stelle liegt). Auf der Autobahn kann auch der kleinste
Motor schon ganz lässig mit jeder Limousine schritthalten. Was
auffällt ist, dass der D-4D bei niedrigen Drehzahlen
schlechter anzieht und allgemein lauter ist als in anderen Toyotas.
Davon abgesehen bleibt dieser Motor aber bei weitem der beste in
diesem Segment.
Vom Minivan: Platz
Beim Raum punktet der RAV4 vor allem dank der geschickten
Platzeinteilung. Der Raum auf dem Vordersitz ist königlich und
auch auf dem Rücksitz finden zwei Erwachsene ausreichend
Platz. Die Rücksitzlehne ist verstellbar und der gesamte
Rücksitz lässt sich auf einer Schiene verschieben. So
kann je nach Bedarf mehr Beinfreiheit oder mehr Raum für
Gepäck geschaffen werden.
Dank des "Easy Flat"-Systems kann die Rückbank im
wahrsten Sinn des Wortes im Handumdrehen umgeklappt werden. Dann
hat man statt dessen eine große, flache Ladefläche. Wenn
das so einfach geht, bekommt man sofort Lust, große
Möbel zu kaufen. Alles in allem bietet der RAV4 also für
jedes Problem die passende Lösung. Bei Sicherheit und Technik
wie bei der Raumfrage.
Fazit
Die Autozine-Redaktion hat ein gespaltenes Verhältnis zu
Geländewagen. Aber der neue Toyota RAV4 kann einige unserer
Bedenken zerstreuen. Toyota hat wirklich auf die Bedürfnisse
der Kunden geachtet und ein alltagstaugliches Auto entworfen, statt
sich in Fantasien eines abenteuerlichen Lebens in Reklamespots zu
ergehen. So ist der RAV4 nicht so sehr ein Geländewagen
sondern mehr ein vielseitiges Auto geworden.
Die Offroad-Fähigkeiten sind dennoch
überdurchschnittlich, wenn auch der Durchschnitt in diesem
Segment leicht zu übertreffen ist. Wirklich punkten kann der
neue RAV4 aber durch seine fortschrittliche Technik, wodurch die
Fahreigenschaften auf Asphalt sich deutlich vom Mittelmaß
abheben. Die Dieselmotoren liefern hervorragende Leistung,
während die Belastung von Umwelt und Geldbeutel weniger
geworden ist. Ein raffiniertes Sicherheitssystem verbindet
erstmalig alle Einzelsysteme und arbeitet dadurch sehr effektiv.
Ein SUV ist immer noch eine Lösung für ein Problem, das
kaum jemand hat. Aber der RAV4 ist eine der besten Lösungen dafür.
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