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Für diese besondere Probefahrt wurde eine -auf den ersten
Blick- etwas sonderbare Ausführung des Leon gewählt. Die
hier gefahrene "Sport-up"- Version ist die sportlichste, das
bedeutet: Strafferes Fahrgestell, direktere Lenkung und breitere
Reifen. Logisch: Man nimmt für die Probefahrt eines
Sportwagens natürlich auch seine sportlichste Ausführung.
Aber das Testauto ist nicht mit einem Benzin- sonder mit einem
Dieselmotor ausgestattet. Das scheint unlogisch zu sein, ist es
aber nicht, wenn man sich klar macht, daß Oschersleben in der
Nähe von Berlin liegt. Pferdestärken eines Benzinmotors
machen das Auto lebendig, aber das Drehmoment eines Diesels machen
das Auto erst stark. Die "pure Kraft" eines Dieselmotors kommt
gerade richtig auf der Autobahn. Ein Diesel fährt an der Ampel
vielleicht nicht als erster weg, aber wenn er mal richtig auf
Touren ist, strengt sich der Diesel gerne wieder mehr an,
während ein Benziner richtig außer Atem kommt.
Schöne Aussichten, denn für den ersten Tag sind mehr als
700 Testkilometer geplant.
Autobahn
Der neue Leon ist kein Sportwagen, lediglich nur ein PKW mit
sportlichem Charakter. Das Fahrgestell ist zwar straff, aber nie
unangenehm hart. Die Lenkung ist direkt und genau, aber nicht
nervenaufreibend. Die Bremsen sind kräftig, aber nicht sehr
bissig. Es ist ein präziser Mix aus Sportlichkeit und
Alltagstauglichkeit.
Einige Ausnahmen von dieser Regel stellt man bereits
während der ersten Fahrt fest. Zum Beispiel bieten die
Sportsitze zwar eine ausreichende Sitzfläche, sind aber nicht
hart genug, so daß die Insassen manchmal zu tief einsinken.
Entweder haben die Armen dann weniger Bewegungsfreiheit, oder der
Rücken kommt in eine komische Krümmung (beides nur
abhängig von der Haltung). Ein echter Nachteil dieses Sport-Up
sind die breiten Reifen, die leider sehr eindringlich zu hören
sind. Auch der Dieselmotor selbst schämt sich nicht für
seine Herkunft: unabhängig vom Tempo ist immer deutlich,
daß dieser Leon einen Dieselmotor hat.
Das Triebwerk ist uns bereits gut bekannt, weil die
verschiedenen, getesteten Audis und Volkswagen mit genau dem
gleichem 2.0 Liter Turbodiesel-Motor lieferbar sind. Im Leon kommt
dieser jedoch besser zur Geltung. In der Stadt ist das Auto
schnell, auf der Autobahn aber geradezu großartig.
Selbst bei 170 km/h im 6.Gang, hat dieses "Dieselchen" noch
soviel Power, daß die Insassen die Beschleunigung deutlich
spüren können. Jedoch wird dieser Leon, mit seinem
sportlichen Fahrgestell, etwas sprunghaft bei diesen
Geschwindigkeiten. Die Strecke von 700 km haben wir
verblüffend schnell hinter uns gebracht. Sowohl das Auto als
auch der Fahrer zeigen keine Ermüdungserscheinungen.
Paddock
Nachdem der Leon-DTM-Rennwagen enthüllt ist, haben wir
diesen gemeinsam mit dem Testauto fotografiert. Später haben
sowohl der Rennwagen als auch die Serien-Leons ein paar Runden
über die Strecke gedreht. Zwischen den unterschiedlichen
Rennklassen der "FIA World Touring Car Championship"
muß die mobile Präsentation des neuen Leons das Publikum unterhalten.
Als wir den neuen Leon getestet haben, gibt es diesen noch nicht
im Angebot bei den Autohändlern. Für viele ist dies die
erste Chance, dieses Auto live zu erleben. Zwei italienische
Besucher kennen den Leon nur vom Foto des Modells: "Salsa".
Seat benutzte dieses Modell, um den neuen Stil seiner Automarke zu
entwickeln, der früher nur beim Altea und Toledo zu sehen war.
Diese Modelle sind jedoch relativ hohe Großraumwagen und der
Leon ist der erste normale PKW mit diesem Design. Es scheint dem
Leon auf den Leib geschneidert zu sein.
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Da der Leon ein "normaler PKW" ist, kann man seinen Innenraum
mit dem vom Altea oder Toledo nicht vergleichen. Sowohl das
Platzangebot auf der Rücksitzbank als auch der Kofferraum sind
nur Durchschnitt für einen Hatchback wie diesen. Die
Türgriffe der hinteren Türen sind in den tiefliegenden
Heckfenstern versteckt, aus diesem Grund hat dieser 5-Türer
sehr viel von einem Coupé. Im Vergleich zu einem
Coupé aber, ist der Innenraum geradezu überwältigend.
Innenraum
Das Innendesign ist zwar überdurchschnittlich schön,
aber leider nicht so erneuert worden wie sein Äußeres.
Dies ist darauf zurückzuführen, daß sehr viele
standard VW Bauteile verwendet wurden. Sehr gelungen sind die
Armaturen mit einem sehr sportlichem und zentral platziertem
Drehzahlmesser und direkt daneben einem kleinen Tacho. Das
Lederlenkrad erzeugt zusammen mit dem kurzen Schalthebel genau das
richtige Gefühl zwischen Sportlichkeit und Komfort.
Zur Ausstattung der hier gefahrenen TOP-Version gibt es wenig zu
berichten oder aber, daß das optionale Navigationssystem
nicht nur teuer sondern auch weniger handlich und modern ist, als
das der Konkurrenz (z.B. CD-Rom I.p.V. DVD, weniger durchdachte
Bedienung, weniger übersichtliche Anweisungen, CD's
können während der Navigationsfunktion nicht abgespielt
werden). Zu alldem ist der Innenspiegel auch noch so unpraktisch
groß, daß er zum großen Teil die Sicht begrenzt.
Parade
Schließlich, nach langem Warten, kommt die Zeit für
die versprochenen Paraderunden. Obwohl die andere Leons mit
schnellen Serienbenzinmotoren ausgestattet sind, kann das dieselnde
Testauto mit den anderen Kollegen gut Schritt halten. Gleichwie die
meisten VW-Diesel, kennt auch dieses Triebwerk ein Turboloch. Nach
jeder Kurve muß der Motor erst wieder auf Touren kommen,
danach ist aber die Leistung so überwältigend, daß
der TDi das schnellste Auto auf der Geraden ist.
Die Straßenlage eines jeden Leons ist, ungeachtet seines
Motors, ausgezeichnet. Die Belastungsgrenzen liegen aber hier auf
der Rennstrecke viel höher, als es jemals auf den
öffentlichen Straßen bei einem normalen Test notwendig
war oder sein würde. Das ist für die Sicherheit
natürlich gut, garantiert aber auch reichlich
Fahrvergnügen für so ein sportliches Auto. Das Testauto
fährt in jeder Runde schneller durch die Kurven, die
"Kerbstones" werden brutaler genommen und die Rundenzeiten werden
besser und besser. Leicht verschwitzt, ist es jetzt Zeit, den
Fahrer zu wechseln.
Um darzustellen, wozu der Leon wirklich imstande ist,
übernimmt der Seat-Fahrer, Tom Coronel, das Steuer. Er
demonstriert scheinbar mühelos, daß sich dieses
gewöhnliche Straßenauto auf einer Rennbahn wie zu Hause
fühlt. Das Tempo ist mörderisch und das Auto lässt
sich alles gefallen. Coronel: Wer sich selbst nicht
überschätzt, kann mit diesem Alltagsauto unglaublich viel
Fahrvergnügen haben, während die Sicherheit immer
garantiert ist". Plötzlich ist klar geworden, warum Seat
mit dem neuen Leon voll Vertrauen eine Gruppe von arglosen
Journalisten auf die Rennstrecke loslässt...
Fazit
Für die Leser, die nur die Fotos anschauen und die
Zusammenfassung lesen, gibt es gute Nachrichten: Der neue Seat Leon
fährt genauso gut, wie er aussieht. Der Newcomer ist dank
spanischem Temperament und Deutscher Gründlichkeit der
gelungenste Mix von Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit, die Seat
je vorgestellt hat. Der Dieselmotor bringt ausgezeichnete
Leistungen, wobei das Fahrgestell und die Lenkung alle sportlichen
Ansprüche erfüllen.
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