30 August 2005
Seat Leon (2005 - 2012)

Seat Leon (2005 - 2012)

Spanischer Stier mit deutschem Torrero

Autotest | Seat will das sportliche Mitglied der VW-Familie sein. Das könnte man erreichen, wenn man in jeder Werbung und in jedem Satz das Wort "sportlich" verstecken würde, in der Hoffnung, daß der Käufer daran automatisch glauben würde. Aber es ist besser, die Sportlichkeit zu beweisen. Und wie könnte man es besser beweisen, als mit dem neuen Leon eine Runde nach Oschersleben zu fahren, um dem Auto auf den Zahn zu fühlen? Außerdem findet dort gerade die Präsentation der "Rennversion" des neuen Leon statt.
 

Für diese besondere Probefahrt wurde eine -auf den ersten Blick- etwas sonderbare Ausführung des Leon gewählt. Die hier gefahrene "Sport-up"- Version ist die sportlichste, das bedeutet: Strafferes Fahrgestell, direktere Lenkung und breitere Reifen. Logisch: Man nimmt für die Probefahrt eines Sportwagens natürlich auch seine sportlichste Ausführung.

Aber das Testauto ist nicht mit einem Benzin- sonder mit einem Dieselmotor ausgestattet. Das scheint unlogisch zu sein, ist es aber nicht, wenn man sich klar macht, daß Oschersleben in der Nähe von Berlin liegt. Pferdestärken eines Benzinmotors machen das Auto lebendig, aber das Drehmoment eines Diesels machen das Auto erst stark. Die "pure Kraft" eines Dieselmotors kommt gerade richtig auf der Autobahn. Ein Diesel fährt an der Ampel vielleicht nicht als erster weg, aber wenn er mal richtig auf Touren ist, strengt sich der Diesel gerne wieder mehr an, während ein Benziner richtig außer Atem kommt. Schöne Aussichten, denn für den ersten Tag sind mehr als 700 Testkilometer geplant.

Seat Leon (2005 - 2012)

Autobahn

Der neue Leon ist kein Sportwagen, lediglich nur ein PKW mit sportlichem Charakter. Das Fahrgestell ist zwar straff, aber nie unangenehm hart. Die Lenkung ist direkt und genau, aber nicht nervenaufreibend. Die Bremsen sind kräftig, aber nicht sehr bissig. Es ist ein präziser Mix aus Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit.

Einige Ausnahmen von dieser Regel stellt man bereits während der ersten Fahrt fest. Zum Beispiel bieten die Sportsitze zwar eine ausreichende Sitzfläche, sind aber nicht hart genug, so daß die Insassen manchmal zu tief einsinken. Entweder haben die Armen dann weniger Bewegungsfreiheit, oder der Rücken kommt in eine komische Krümmung (beides nur abhängig von der Haltung). Ein echter Nachteil dieses Sport-Up sind die breiten Reifen, die leider sehr eindringlich zu hören sind. Auch der Dieselmotor selbst schämt sich nicht für seine Herkunft: unabhängig vom Tempo ist immer deutlich, daß dieser Leon einen Dieselmotor hat.

Seat Leon (2005 - 2012)

Das Triebwerk ist uns bereits gut bekannt, weil die verschiedenen, getesteten Audis und Volkswagen mit genau dem gleichem 2.0 Liter Turbodiesel-Motor lieferbar sind. Im Leon kommt dieser jedoch besser zur Geltung. In der Stadt ist das Auto schnell, auf der Autobahn aber geradezu großartig.

Selbst bei 170 km/h im 6.Gang, hat dieses "Dieselchen" noch soviel Power, daß die Insassen die Beschleunigung deutlich spüren können. Jedoch wird dieser Leon, mit seinem sportlichen Fahrgestell, etwas sprunghaft bei diesen Geschwindigkeiten. Die Strecke von 700 km haben wir verblüffend schnell hinter uns gebracht. Sowohl das Auto als auch der Fahrer zeigen keine Ermüdungserscheinungen.

Seat Leon (2005 - 2012)

Paddock

Nachdem der Leon-DTM-Rennwagen enthüllt ist, haben wir diesen gemeinsam mit dem Testauto fotografiert. Später haben sowohl der Rennwagen als auch die Serien-Leons ein paar Runden über die Strecke gedreht. Zwischen den unterschiedlichen Rennklassen der "FIA World Touring Car Championship" muß die mobile Präsentation des neuen Leons das Publikum unterhalten.

Seat Leon (2005 - 2012)

Als wir den neuen Leon getestet haben, gibt es diesen noch nicht im Angebot bei den Autohändlern. Für viele ist dies die erste Chance, dieses Auto live zu erleben. Zwei italienische Besucher kennen den Leon nur vom Foto des Modells: "Salsa". Seat benutzte dieses Modell, um den neuen Stil seiner Automarke zu entwickeln, der früher nur beim Altea und Toledo zu sehen war. Diese Modelle sind jedoch relativ hohe Großraumwagen und der Leon ist der erste normale PKW mit diesem Design. Es scheint dem Leon auf den Leib geschneidert zu sein.

Seat Leon (2005 - 2012)

Da der Leon ein "normaler PKW" ist, kann man seinen Innenraum mit dem vom Altea oder Toledo nicht vergleichen. Sowohl das Platzangebot auf der Rücksitzbank als auch der Kofferraum sind nur Durchschnitt für einen Hatchback wie diesen. Die Türgriffe der hinteren Türen sind in den tiefliegenden Heckfenstern versteckt, aus diesem Grund hat dieser 5-Türer sehr viel von einem Coupé. Im Vergleich zu einem Coupé aber, ist der Innenraum geradezu überwältigend.

Innenraum

Das Innendesign ist zwar überdurchschnittlich schön, aber leider nicht so erneuert worden wie sein Äußeres. Dies ist darauf zurückzuführen, daß sehr viele standard VW Bauteile verwendet wurden. Sehr gelungen sind die Armaturen mit einem sehr sportlichem und zentral platziertem Drehzahlmesser und direkt daneben einem kleinen Tacho. Das Lederlenkrad erzeugt zusammen mit dem kurzen Schalthebel genau das richtige Gefühl zwischen Sportlichkeit und Komfort.

Zur Ausstattung der hier gefahrenen TOP-Version gibt es wenig zu berichten oder aber, daß das optionale Navigationssystem nicht nur teuer sondern auch weniger handlich und modern ist, als das der Konkurrenz (z.B. CD-Rom I.p.V. DVD, weniger durchdachte Bedienung, weniger übersichtliche Anweisungen, CD's können während der Navigationsfunktion nicht abgespielt werden). Zu alldem ist der Innenspiegel auch noch so unpraktisch groß, daß er zum großen Teil die Sicht begrenzt.

Seat Leon (2005 - 2012)

Parade

Schließlich, nach langem Warten, kommt die Zeit für die versprochenen Paraderunden. Obwohl die andere Leons mit schnellen Serienbenzinmotoren ausgestattet sind, kann das dieselnde Testauto mit den anderen Kollegen gut Schritt halten. Gleichwie die meisten VW-Diesel, kennt auch dieses Triebwerk ein Turboloch. Nach jeder Kurve muß der Motor erst wieder auf Touren kommen, danach ist aber die Leistung so überwältigend, daß der TDi das schnellste Auto auf der Geraden ist.

Seat Leon (2005 - 2012)

Die Straßenlage eines jeden Leons ist, ungeachtet seines Motors, ausgezeichnet. Die Belastungsgrenzen liegen aber hier auf der Rennstrecke viel höher, als es jemals auf den öffentlichen Straßen bei einem normalen Test notwendig war oder sein würde. Das ist für die Sicherheit natürlich gut, garantiert aber auch reichlich Fahrvergnügen für so ein sportliches Auto. Das Testauto fährt in jeder Runde schneller durch die Kurven, die "Kerbstones" werden brutaler genommen und die Rundenzeiten werden besser und besser. Leicht verschwitzt, ist es jetzt Zeit, den Fahrer zu wechseln.

Um darzustellen, wozu der Leon wirklich imstande ist, übernimmt der Seat-Fahrer, Tom Coronel, das Steuer. Er demonstriert scheinbar mühelos, daß sich dieses gewöhnliche Straßenauto auf einer Rennbahn wie zu Hause fühlt. Das Tempo ist mörderisch und das Auto lässt sich alles gefallen. Coronel: Wer sich selbst nicht überschätzt, kann mit diesem Alltagsauto unglaublich viel Fahrvergnügen haben, während die Sicherheit immer garantiert ist". Plötzlich ist klar geworden, warum Seat mit dem neuen Leon voll Vertrauen eine Gruppe von arglosen Journalisten auf die Rennstrecke loslässt...

Seat Leon (2005 - 2012)

Fazit

Für die Leser, die nur die Fotos anschauen und die Zusammenfassung lesen, gibt es gute Nachrichten: Der neue Seat Leon fährt genauso gut, wie er aussieht. Der Newcomer ist dank spanischem Temperament und Deutscher Gründlichkeit der gelungenste Mix von Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit, die Seat je vorgestellt hat. Der Dieselmotor bringt ausgezeichnete Leistungen, wobei das Fahrgestell und die Lenkung alle sportlichen Ansprüche erfüllen.

plus
  • Großartiger Dieselmotor
  • Sehr gelungener Mix aus Komfort und Sportlichkeit
  • Schönstes, bezahlbares Auto in diesem Moment
min
  • Unhandlich großer Innenspiegel
  • Spracherkennung funktioniert nur fürs Telefon
  • Navigationssystem teuer und den Anforderungen nicht gerecht