25 Mai 2005

NavMan

billiges Männchen

Caraudio, alarm and navigation | Der Markt wird überspült von billigen, tragbaren Navigationssystemen. Es war vor allem der Hersteller TomTom, der diese Alternative zu einem teuren, fest eingebauten Navigationssystem populär gemacht hat. Inzwischen will jeder ein Stückchen von diesem Wachstumsmarkt abhaben. Darunter auch der australische NavMan mit einem kompletten System, das trotzdem billiger ist als der Rest. "Der" NavMan war gut einen ganzen Monat Beifahrer und durfte der Redaktion den Weg weisen.
 

Wer auf der Suche ist nach einem Navigationssystem, hat die Wahl aus - grob gesagt- drei Typen. Das erste ist das traditionelle Navigationssystem, das fest in das Fahrzeug eingebaut wird. Dies ist auch gleichzeitig die teuerste Lösung, aber auch die Vollständigste. Der Bildschirm ist im Allgemeinen sehr groß, die Karte umfaßt ganz Europa und die Instruktionen werden über die Radiolautsprecher wiedergegeben. Außerdem kann ein fest installiertes Navigationssystem Verkehrsinformationen empfangen und eine Ausweichroute um die jeweiligen Staus planen.

Eine Alternative hierzu ist ein tragbares Navigationssystem, das basiert auf einem "PDA" oder elektronischen Agenda. Der Vorteil ist, daß der Kunde in den meisten Fällen bereits einen solchen Minicomputer mit Bildschirm besitzt und nur noch für den GPS Empfänger und für die Navigationssoftware bezahlen muß. Darum ist dieser zweite Typ ein bißchen billiger als ein fest eingebautes System. Das Problem ist jedoch, daß die Lösung mit einem PDA manchmal ein "do it yourself" Gefühl hervorruft, weil der Benutzer selber die Verbindung zwischen GPS Empfänger und Computer herstellen muß. Auch die Software muß selber installiert werden.

In den letzen Jahren kam deshalb eine dritte Variante hinzu: Ein Gerät, das zwar genauso wie ein PDA aussieht, aber nur eine Funktion hat; navigieren. Der Nachteil einer solchen Lösung ist, daß das Gerät nicht als Agenda oder für mobiles Internet benutzt werden kann. Der Vorteil ist, daß ein "all in one" System garantiert funktioniert.

Installation

NavMan gehört zur letzten Kategorie, aber dennoch war nicht sofort klar ob auch alles direkt funktionierte. Beim einschalten erschien nämlich ein Windows - Logo und selbst in der gekürzten Bedienungsanleitung wurde mehrmals auf den "Reset - Knopf" hingewiesen. Frühere Erfahrungen mit Windows basierten Systemen waren nicht positiv und das Schreckensbild eines Ausflugs mit "Abstürzen", Fehlermeldungen und frustrierenden, erzwungenen Stops drängte sich sofort wieder auf. Aber mit NavMan nichts von alledem. Das System arbeitete vom ersten Moment an Problemlos und blieb dies auch im weiteren.

Auch der Einbau ist richtig einfach. Mit einem Saugfußhalter kann das Gerät an der Windschutzscheibe des Autos befestigt werden. Das Ding ist etwas kleiner und fragiler als bei anderen Marken, aber es funktioniert prima. Nur auf den Bodenschwellen in Verkehrsberuhigten-Zonen viel das Gerät nicht nur einmal aus dem Halter und landete auf dem Boden.

Funktionalität

Die Funktionalität und Bedienungsfreundlichkeit ist genauso wie bei anderen tragbaren Navigationssystemen. Das Ziel kann mit den Angaben von Straßennamen, Ort und Postleitzahl eingegeben werden. Abhängig von der jeweiligen Ausstattung kennt NavMan den Weg in Deutschland oder selbst in ganz West-Europa. Dabei können spezielle Ziele (Restaurants, Tankstellen, touristische Sehenswürdigkeiten) ausgewählt werden. Richtig hilfreich funktioniert diese Funktion nicht, denn NavMan schafft es nicht besondere Sehenswürdigkeiten in der Nachbarschaft anzuzeigen.

Die Route wird je nach Auswahl in einer 2D oder 3D Karte, oder in einer Instruktionsliste, dargestellt. Dabei wird im Kleinen ein neuer Fahrhinweis angezeigt, so daß sich der Fahrer zeitlich auf eine Routenänderung einstellen kann. Hat man dann die Abzweigung erreicht, zoomt das System automatisch auf den Punkt, um die Situation detaillierter darzustellen. Bei Ausfahrten/Abzweigungen wird leider kein Ortsname oder Abfahrtnummer gezeigt, nur die Straßenbezeichnung.

NavMan hat einen 3.5" Farbtouchscreen integriert, der im Querformat verwendet wird. Dieser ist etwas unpraktischer als ein Bildschirm im Hochformat, wie er bei den andren PDA Modellen verwendet wird. Der Fahrer legt mehr Wert auf Routeninformationen die vor seinem Wagen liegen, als die daneben. In Autos mit einer weit nach Vorne stehenden Windschutzscheibe (fast alle MPV's), ist der Abstand zum Fahrer sehr groß und dadurch sind die Fahrhinweise sehr schlecht zu lesen.

Außerdem ist der Bildschirm bei Sonnenlicht schon schnell komplett durch die entstehenden Reflexionen unbrauchbar und der Fahrer muß ausschließlich auf die gesprochenen Fahrhinweise navigieren. Dabei kann man zwischen einer Männer und einer Frauenstimme, in allen erdenklichen Sprachen, wählen. Die Stimmen sind von professionellen Sprechern gesprochen, sind gut zu verstehen und angenehm im Ton. Straßennummern werden nicht ausgesprochen. Der gesprochene Fahrhinweis beschränkt sich auf "links abbiegen" oder "rechts abbiegen". In einem lärmenden Auto ist die Lautstärke des eingebauten Mini Lautsprechers wirklich nicht ausreichend. In einem Cabriolet kommt der NavMan einfach nicht gegen die Wind- und Fahrgeräusche an.

Planung

Die Qualität der geplanten Routen ist ausgezeichnet. NavMan fand alle Problemadressen der standard Navigationsroute. Dabei plant das System sehr schlau. Auf Routen, wo andere Navigationssysteme einen komplizierten Weg zum Ziel wählen, nimmt NavMan dieselbe Route die auch Anwohner genommen hätten. Das Kartenmaterial ist etwas veraltet, wodurch einige male nicht bekannt war, das eine Kreuzung inzwischen durch einen Kreisverkehr ersetzt wurde. Wenn der Fahrer von den vorgegebenen Fahrhinweisen abweicht, wird schnell eine neue, logische Route berechnet. NavMan hat während der Testphase alle Ziele gefunden und hat den Fahrer niemals im Stich gelassen.

Fazit

NavMan versucht einen Stück vom Kuchen, des schnell wachsenden Marktes der tragbaren Navigationssysteme, abzukriegen. Das "all in one" System ist in den meisten Geschäften etwas billiger als vergleichbare Geräte anderer Marken. Dabei ist neben einer detaillierten Straßenkarte von Deutschland auch noch eine Fernstraßenkarte von ganz Europa im Lieferumfang enthalten.

Die Qualität der geplanten Routen ist prima. Das Gerät ist zuverlässig, gibt deutliche Fahrhinweise und findet alle gewählten Ziele. Der Bildschirm im Querformat ist aber etwas unhandlicher als einer im Hochformat. Außerdem treten bei diesem Bildschirm schnell Reflexionen auf, so daß dieser dann komplett unleserlich wird. Die gesprochenen Instruktionen sind in (sehr) lauten Autos nicht laut genug. Letztendlich liegt die Rechenschnellheit und die Optionsauswahl etwas unter dem durchschnitt, aber dementsprechend ist dann ja auch der Preis.