22 April 2005
Volvo S40 (2004 - 2012)

Volvo S40 (2004 - 2012)

Das schmeckt nach mehr

Autotest | Der Testbericht des Volvo V50, die Kombi-Version des S40, hatte den Titel "Charme offensive". Der S40 und der V50 sind nämlich die ersten einer neuen Generation Volvos. Diese neue Generation scheint neben viel Sicherheit auch eine unmißverständliche Portion Fahrfreude zu bieten. Ein S40 mit T5 Turbomotor und der ansehnlichsten Ausstattung mit allen lieferbaren Optionen sollte dann sowieso bezaubern. Die "Probefahrt" des V50 schmeckte nach mehr, der S40 T5 bietet alles was Volvo anzubieten hat.
 

Eigentlich paßt es überhaupt nicht zum Sicherheitsimage von Volvo. Der schon früher getestete V50 hat 77 PS an Bord und das schien bereits viel zu viel für den rechtschaffenen, frommen Hausvater, der seine Familie mit aller Sicherheit durch das Land fahren will. Glücklicherweise hat Volvo das auch gleich eingesehen und sorgte dafür, daß der Erfolg der Pferdestärken ausschließlich in seiner Elastizität und seinen großen Kraftreserven zum Ausdruck kam, wenn diese auch nur beim einen Mal zum Überholen auf der Landstraße eingesetzt werden. Im weiteren blieb der V50 auch mit einem 2,4-Liter Motor eine brave Familienkutsche.

Volvo S40 (2004 - 2012)

Aber was nun, wenn derselbe Wagen von einem anspruchsvollen Geschäftsmann geleased wird, der das Erlebnis eines schnellen Autos will, sich aber auch vom Design und vom Sicherheitsimage des Volvo angezogen fühlt? Für den Gourmet stattet Volvo den 2.4-liter 5-Zylinder mit einem Turbo aus. Dies bringt fast 50 PS mehr. Dasselbe Auto bietet dann die Leistung eines Rennwagens aber immer noch das gleiche, gepflegte Äußere.

Turbomotor

Letzteres gilt nicht ganz beim Testwagen. Für dieses Exemplar sind Sprichwörtlich alle lieferbaren Optionen bestellt worden, darunter auch das Sportpaket. Es beinhaltet unter anderem Felgen, mit extra vielen Schraubenlöchern, die sofort deutlich machen, daß das kein braver Junge mehr ist. Sehr subtil sind die dicken, doppelten Auspuffrohre, die halb unter der angepaßten Karosserie versteckt sind; als ob Volvo selbst gezweifelt hat ob so etwas Auffallendes auch kann. Das Fahrzeug ist rundum mit Spoilern ausgestattet, inklusive einem dicken Exemplar auf dem Kofferraumdeckel. Wie wir später dann festgestellt haben, ist das Ding auch gut als Referenzpunkt beim Rückwärtseinparken zu verwenden. Selbstverständlich erfüllt der Spoiler seinen Zweck zur Erzeugung eines maximalen Anpressdrucks auf die Hinterräder, so daß die hervorragende Straßenlage auch bei extremen Geschwindigkeiten garantiert werden kann.

Um extrem hohe Geschwindigkeit geht es, Volvo-Sicherheit oder nicht, überhaupt bei diesem T5. Oder vielleicht doch nicht? Ein Auto das im Stande ist, innerhalb von 6 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen, behandelt man auf den ersten Kilometern mit Respekt. Aber, das ist in diesem Fall absolut nicht nötig. Der T5 fährt genauso leicht und komfortabel wie jeder andere S40. Jede Form von Aggressivität sucht man vergebens und wer es nicht besser weiß, hat keine Idee davon, was der Turbomotor alles leisten kann.

Zuallererst ist der T5 vor allem enorm stark und ruhig. Das Triebwerk ist selbst so still, daß einige glatt zu schalten vergessen. Während der ersten Autobahnfahrt wurde der 6.Gang glatt übersehen, da der Wagen bereits im 5.Gang besonders ruhig lief. In den 6. Gang geschaltet, fällt die Drehzahl bis auf Dieselniveau ab. Bei niedrigen 1100 Umdrehungen pro Minute gleitet der S40 problemlos mit 100 km/h über den Asphalt. Der Verbrauch liegt dann bei rund 5 Litern pro 100 km. Dieser schnellste S40 ist auch außergewöhnlich sparsam.

Pferdestärken

Wer das nicht will, kann das Tier auf eine Weise raushängen lassen, die nicht nur für VOLVO sondern auch für Geschäftswagen unbekannt ist. Im Gegensatz zu traditionellen Turbomotoren, baut der Turbo des S40 seine Kraft erst sehr allmählich auf. Trotz des enormen Geschwindigkeitspotentials, wird der T5 niemals plötzlich wegschießen, aber rasend schnell in Bewegung kommen, um zu überholen, ist kein Problem.

Imposanter wird es, wenn der T5 sich beim "Reißverschluß-Test" beweisen darf. Dabei fährt man so lange im Schrittempo an der Ausfahrt einer Autobahntankstelle, bis sich ein leicht erkennbares Fahrzeug auf der Autobahn in Höhe des Testwagens befindet. Das Ziel ist, vor dem Auto, das schon mit voller Geschwindigkeit fährt, einzufädeln. Erster Gang...beschleunigen...zweiter Gang...mehr Geschwindigkeit machen...einfädeln...sechster Gang... brav mit der Masse fahren. Schon spektakulär, aber kein Verstoß gegen die Verkehrsregeln. Der T5 besteht den Test, der normalerweise nur durch echte Sportwagen bestanden wird, mit Bravour.

Volvo S40 (2004 - 2012)

Auch auf der Autobahn ist 130 km/h noch Schrittgeschwindigkeit, denn der T5 kann noch viel "exotischere" Geschwindigkeiten genauso leicht auf den Tacho zaubern. Die Verbrauchsanzeige, die vorher so freundliche Werte zeigte, hat nun etwas weniger prickelnde Neuigkeiten zu melden. Die Leistungen sind im Augenblick sehr beeindruckend, das Auto ist dabei niemals unkontrollierbar oder abschreckend. Trotzdem ist der T5 so schnell, daß nur echte Sportwagen noch schneller sind.

Jetzt gerade nicht

Und das ist genau der Charme dieses Autos: ein Sportwagen hat Luxusprobleme (beginnend beim Anschaffungspreis) und für den S40 T5 ist sein Geschwindigkeitspotential nicht mehr als ein angenehmes Extra. Es geht auch ohne. Dann ist der S40 so komfortabel, wie man von einem Geschäftswagen, in der Preisklasse von 40.000,- Euro (exkl. Optionen), erwarten kann.

Während der Motor eines Sportwagens jederzeit von sich hören läßt, ist im S40 höchstens in der Ferne das charakteristische, sonore Geräusch eines 5-Zylinders begleitet vom Pfeifen eines Turbos, zu hören. Wenn von ihm keine Leistungen abverlangt werden, ist der Motor fast nicht zu hören.

Straßenlage

Die Lenkung ist angenehm schwer und überträgt, genauso wie bei einem Sportwagen, alles direkt, was sich unter den Vorderrädern abspielt. Wie auch bei den meisten Herstellern, ist das Topmodell vielleicht das Modell mit dem meisten Luxus, aber der kleinste Flitzer im Sortiment, bietet den meisten Fahrspaß. So auch bei Volvo.

Die Straßenlage beim kleinsten Volvo ist großartig, wobei sich das Fahrzeug auch noch stabil und solide anfühlt, ohne jemals klobig zu wirken. Wenn der Unterschied auch klein ist, erzeugt der S40 etwas mehr Fahrspaß als der Baugleiche V50. Wer sich nicht für die eben erwähnten "Übertragungsbotschaften der Vorderräder" interessiert, kann diese ignorieren und genauso leicht mit nur einer Hand am Steuer lenken.

Volvo S40 (2004 - 2012)

Innenraum

Im Innenraum kommt ein Luxusproblem des Sportwagens wieder zum Vorschein, das Volvo besser vernachlässigt hätte. Das Sitzplatzangebot ist prima, aber der Stauraum minimal. Die Sportsitze sind aus weichem Leder gemacht, aber nicht so weich, das die Passagiere sogleich tief einsinken. Eigenartig, daß die Kopfstützen nicht zu verstellen sind. Volvo hat hierüber in seiner Weisheit als Sicherheitspionier nachgedacht, aber es bleibt ungewohnt. Glücklicherweise zeigt sich in der Praxis, daß fast Passagier sofort angenehm sitzt und ausreichende Unterstützung von den Kopfstützen erfährt.

Auch auf der Rücksitzbank fühlt man sich wohl, es ist genügend Platz für zwei Erwachsene vorhanden. Aber der S40 bietet hier weniger Platz als das durchschnittliche Fahrzeug in diesem Segment. Auch der Kofferraum bietet weniger Platz als üblich. Der Stauraum im Innenraum ist schon fast minimal. Das Handschuhfach ist schon voll durch den DVD-Player, dem Navigationssystem und dem Bordbuch. Die Türfächer sind fast schon eine Beleidigung für den Käufer, denn selbst eine Sonnenbrille paßt da nicht rein.

Dem steht jedoch gegenüber, daß das Armaturenbrett eine "Perle der Ergonomie" ist. Bis auf die Stellräder neben den Lüftungsschlitzen ist es nicht mit viel "Schnick Schnack" überladen. Die Mittelkonsole ist ein zierlich, schlankes Paneel, das in einer Krümmung vom Armaturenbrett bis zum Boden verläuft. Hinter diesem Paneel ist ein beleuchtetes Staufach zu finden, wodurch auch die gesamte Mittelkonsole illuminiert wird und sprichwörtlich ins Auge springt (und die Sonnenbrille doch noch ihren Platz findet).

Volvo S40 (2004 - 2012)

Auf der Mittelkonsole findet man eine Anhäufung von ziemlich kleinen Knöpfen, für die Bedienung der Klimaautomatik, des Telefons und des Audiosystems. Vor allem letzteres sollte hier lobend erwähnt werden, denn dieses "Premium Sound System" ist von einer außergewöhnlichen Qualität. Während mancher Autohersteller "Audio" als Schlußlicht betrachtet und hierbei die Hilfe von Elektronikspezialisten anfordert, die scheinbar keine Beziehung zur Musik haben, leistet Volvo hier echte Qualitätsarbeit. Selbst Hifi Liebhaber werden vom Klang der Anlage überzeugt sein, die sich mit manch einer Anlage zu Hause messen kann. Also, warum sollte man so schnell fahren, wenn es viel Angenehmer ist lange im Auto zu sitzen?

Fazit

Volvo hat die Botschaft ganz und gar verstanden. Es ist die Generation 30plus, die sich jetzt ein Auto aus dem S40-Segment leisten kann. Darauf zielt Volvo, mit einem Fahrzeug, daß sich in vielem von der Masse unterscheidet, ohne unangenehm aufzufallen. Trotz seines enormen Geschwindigkeitspotentials, sieht der S40 T5 wie ein durchschnittlicher Geschäftswagen aus. Dabei ist sein Innenraumdesign mit einer typisch skandinavischen Frische und Logik versehen. Nur beim Platzangebot verzichtet Volvo auf einen Bonuspunkt, denn aus diesen äußeren Abmessungen ließe sich viel mehr Innenraum generieren. Sicherheit ist und bleibt die Nummer 1 bei Volvo, ohne jedoch auf Fahrvergnügen oder Motorleistungen verzichten zu müssen.

plus
  • Hervorragendes Audiosystem
  • Äußerst komfortabel auf langen Reisen
  • Besonders schnell, falls erwünscht auch sehr sparsam
min
  • Wenig Stauraum / kleiner Kofferraum
  • Unhandlich kleine Außenspiegel
  • Rückwärtsgang ist hinter dem 6. Gang versteckt