|
Der erste Zweifel verschwindet beim einsteigen. Diese
"Sport"- Ausführung hat Ledersportsitze, die viel
Seitenhalt bieten. Die niedrige Dachlinie erzeugt sofort das
typische "Coupé-Kribbeln" im Bauch. Das bedeutet aber auch,
daß der Sitz für den 1,90 m großen Testfahrer
gleich in die niedrigste Stufe gebracht werden muß. Selbst
dann ist die Kopffreiheit noch eingeschränkt.
Einmal richtig im Sitz positioniert bietet sich die klare
Aussicht auf das Armaturenbrett, das sich kaum von einem
gewöhnlichen Astra unterscheidet. Dieses Exemplar hat zwar ein
paar Knöpfe mehr (u.a. Sitzheizung) als das vorherige
Testauto, aber ist ansonsten bis ins Detail (Zierleiste aus
Kevlar)identisch. Ein vielleicht sinnloser, aber schöner
Öldruckmesser und andere Appetithäppchen sind leider
für den GTC Fahrer nicht zu finden. Selbst eine
Kühlwassertemperaturanzeige ist nicht vorhanden, genauso wie
beim normalen Astra. Das "CD50" System bestehend aus einem
Bordcomputer, Telefon und Audiosystem ist ein Sonderzubehör.
Es klingt prima und verarbeitet sogar, als einer der wenigen
Fabrikradios, MP3 Dateien. In Serie wird der GTC mit Klimaanlage
und einem CD Radio ausgeliefert. Die Bi-Xenon Scheinwerfer mit
adaptivem Kurvenlicht gehören auch dazu.
Rücksitz
Die hintere Sitzbank dieses Coupés ist für mehr als
nur Gepäck brauchbar. Hierfür schiebt sich der rechte
Beifahrersitz soweit nach vorne, das dieser beinahe im
Armaturenbrett landet. Ein kleiner Makel der Designer: Mit den
Kopfstützen im höchsten Stand berühren diese das
Dach und der Sitz wird eingeklemmt. Die Rücksitzbank bietet
für eine kurze Fahrt genug Platz für Erwachsene. Kinder
sitzen hinten prima und genießen im GTC ein besonderes Geborgenheitsgefühl.
Die Sicht nach Draußen wird durch die kleinen
Seitenscheiben eingegrenzt. Dies ist auch ein Problem für den
Fahrer, denn wie viele andere Coupés, ist auch der GTC
schlecht zu überblicken. Besonders das
Rückwärtseinparken ist gewöhnungsbedürftig. In
den ersten Tagen blieb jede Menge Platz hinter dem Wagen,
während der Fahrer schon dachte viel knapper eingeparkt zu haben.
Preisliste
Das bisherige Gefühl von Exklusivität erhält
einen Dämpfer beim Studium der Preisliste. Der GTC ist
nämlich wie der normale Astra in den gleichen
Ausführungen zu bestellen. Das bedeutet, Opel bietet ein
Basismodell mit einem schwachen 1,4-Liter Motor und "Enjoy"
Basis Ausstattung an. Auch ein kleiner, wenig prickelnder 1,3-Liter
Diesel steht zur Auswahl.
Das Einstiegsmodell sollte eigentlich der hier gefahrene
1,8-Liter Benziner sein, dieser hat genügend Leistung. Wenn
das Triebwerk auch mal Böse sein darf, ist der GTC damit ganz
schön schnell unterwegs. In der Praxis wird der GTC besonders
mit dem 200 PS starken 2-Liter Turbomotor verkauft und nur in
dieser Variante werden auch die Leistungen freigesetzt, die zum
vielgelobten Äußeren passen. Der 200 PS GTC steht
für 23.605 Euro in der Liste, günstiger gibt es 200 PS
nur beim Honda Civic R (23.095 Euro) und Seat Leon Cupra R (225 PS,
22.990 Euro). Wer Golf GTI fahren will, muß dagegen 595 Euro
mehr investieren.
|
Ungeachtet der Motorkapazität unterscheidet sich die
Straßenlage merklich vom gewöhnlichen Astra. Das
erstaunt nicht, denn nur die Motorhaube und die vorderen
Kotflügel sind mit der 5-türigen Ausführung
identisch. Das Coupé ist länger, breiter und tiefer.
Frei übersetzt: schöner, stabilere Straßenlage und schneller.
Leider ist die (optionale) Panorama-Windschutzscheibe, die das
Gefühl eines Cabriolets mit dem Komfort eines geschlossenen
Autos kombinieren soll, noch nicht lieferbar. Merkwürdig, denn
auf fast allen Werbefotos wird diese Ausführung gezeigt.
Sport
Der Astra GTC liegt um 1,5 cm tiefer als der 5-Türer und
das Fahrgestell ist auf ein dynamischeres Fahrverhalten
angepaßt worden. Dies ist nicht sofort zu merken. Der GTC ist
in der Lenkung etwas straffer als der gewöhnliche Astra, aber
da bleibt es dann auch bei. Im Gegensatz zu Coupés anderer
Marken, protzt der GTC mit seiner Art nicht. Deshalb dauert es
auch, bis der GTC wirkungsvoll zu überzeugen weiß. (Tip:
eine prima Ausrede, um eine extra lange Testfahrt zu vereinbaren).
Mit einem Knopfdruck kann die Lenkung, die Reaktion des
Gaspedals und das Fahrwerk angepaßt werden. Einige Autos,
einschließlich des gewöhnlichen Astras, haben eine
ähnliche Ausstattung, aber beim GTC ist die Wirkung bei weitem
am größten. Ganz plötzlich mutiert der GTC in eine
echte Rennmaschine, die einen fortwährend herausfordert. Jede
Kurve muß und kann schneller als die vorhergehende gefahren
werden. Der GTC fühlt sich jetzt sehr gut an und man bekommt
jetzt wirklich die Idee, mit einem außergewöhnlichen
Auto unterwegs zu sein.
Der GTC, ein "Gran Turismo", ein Reiseauto das
mühelos quer durch Europa reisen kann? Selbst im Sport-Modus
klingt Amsterdam, Mailand und Paris an einem Tag nicht wirklich
einladend. GTC steht vielmehr für "Gran Turismo
Compact" und Amsterdam, Brüssel und Luxemburg klingt
sofort viel attraktiver!
Fazit
Auf unsere Frage am Anfang: "Ist "Astra GTC" nur ein
schöner Name für einen bekannten 3-Türer oder ist
dies wirklich ein besonderes Auto?" Gibt es nicht nur eine Antwort.
Die Antwort hängt sehr stark von der gewählten
Ausführung ab. Die Basismodelle sind nicht mehr als ein
vertrauter Astra in einem schöneren Outfit. Jedenfalls 3
Türen und ein schönere, aber leider unübersichtliche
Karosserie machen noch kein Sportcoupé.
Die Varianten mit "Sport"- Knopf kommen schon mehr in
diese Richtung. Dank dieser Ausstattung ist der GTC ganz nach
Wunsch komfortabel oder sehr sportiv. Im letzen Fall ist die
Lenkung und die Straßenlage absolut großartig. Wer dann
auch noch einen schnellen Motor wählt, schneller als der hier
getestete 1,8 Liter, kann dann auch voll und ganz die Leistungen
genießen, die die Phantasie beflügeln.
|