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Es beginnt allemal gemächlich, ruhig und ein bißchen
langweilig. Ruhe vor dem Sturm heißt das. Im nagelneuen
Komplex von Toyota Italia wird gerade eine Präsentation
über den Aygo gehalten. Hier wird erzählt, daß der
Wagen auf der gleichen Basis aufgebaut ist wie der in kürze zu
erwartende Peugeot 107 und Citroën C1. Es sind gerade diese
Marken die äußerst viel Erfahrung mit kompakten,
trendigen Autos haben. Weil Toyota geradezu legendär für
seine hohe Zuverlässigkeit ist, ist der japanische Hersteller
verantwortlich für die Produktion des gesamten Trios.
Die drei Autos sind nur in der Basis gleich, denn jede Marke
gibt dem Wagen sein eigenes Gesicht, sein eigenes Design und
natürlich seinen eigenen Preis. Auch hierbei will sich Toyota
unterscheiden und will mit einem besonderen Finanzierungssystem
überzeugen: dem pre-paid Auto. Letztendlich melden die Macher,
daß der Aygo so gebaut ist, das Reparaturen sehr leicht
durchzuführen sind und das die Versicherungsprämie
dadurch sehr niedrig ausfallen kann.
Fertig für den Start
Schön, genug Präsentation. Zeit für die
Probefahrt. Mit dem letzten Punkt der Präsentation noch im
Kopf, wird voll Vertrauen das Lenkrad in Richtung der chaotischsten
Stadt von Europa eingeschlagen: Rom. Das machen wir zusammen mit
Daniel, einem Mitarbeiter von Toyota Italia, der uns in der
Funktion eines Navigators gerne die Schönheiten seines Landes
zeigt. Das Gepäck von zwei Personen paßt nur mit
Mühe hinten rein, aber dann ist das Testteam schon bereit
für das Abenteuer.
Auch der 3-Zylinder 1-Liter Benzinmotor ist bereit. Das
muß er auch sein, denn vorläufig ist er das einzige
Triebwerk, mit dem der Aygo geliefert werden kann. Erst zu Beginn
2006 folgt ein Dieselmotor. Drei Zylinder scheinen vielleicht etwas
wenig und so klingt es dann auch, als der Motor angelassen wird.
Aber, drei Zylinder garantieren einen lebendigen Charakter und
einen außergewöhnlich niedrigen Kraftstoffverbrauch.
Auch nicht unwichtig: der CO2-Ausstoß, das Treibhausgas,
dieses Motors ist besonders niedrig. Außerdem ist seine
Leistung prima, denn sein Tempo hat er schnell gefunden. Wenn der
Wagen einmal warm gefahren ist, ist er auch noch auffallend leise.
Erst im Bergland, rund um die vielen Seen, die in diesem Teil
Italiens zu finden sind, wird deutlich, das der Aygo zu den
billigsten Autos auf dem Markt zählt. Der Motor muß sehr
hart arbeiten, um die Hügel zu erklimmen. Das Lenken durch die
vielen Haarnadelkurven macht richtig Spaß und die
Straßenlage ist prima. Auch als der Testfahrer in einer Kurve
einen Fehler macht, ist noch genug Reserve vorhanden, um mit heiler
Haut davon zu kommen. "Aktive Sicherheit" heißt das.
Passive Sicherheit findet man in den 2 Airbags, optional bis zu 6
Stück erweiterbar.
Außer dem Motor hat auch die "multi mode
transmission", ein Sonderzubehör beim Testauto,
Schwierigkeiten beim Klettern . Die "M-MT" ist ein Getriebe,
das durch einen Roboter gesteuert wird. Das ist viel einfacher
(sprich: billiger) als ein konventionelles Automatikgetriebe.
Außerdem ist "M-MT" auch sparsamer im Kraftstoffverbrauch.
Sowohl in den Bergen als auch auf der Autobahn, bremst der Aygo
bei jedem Roboterschalten ein wenig ab, was ziemlich hinderlich
ist. Schließlich haben wir uns dann doch fürs
Handschalten entschieden. Aber auch dann muß man ein wenig
üben, um exakt im richtigen Moment den höheren (Tick nach
vorne) oder den niedrigeren (Tick nach hinten) Gang zu wählen,
so daß der Wagen weiterhin leicht und zügig fährt.
Sehr ungewöhnlich ist, daß das "M-MT" selbst im
"Automatik Betrieb" bei Talfahrt mit dem Motor abbremst.
Alle Wege führen nach...
"Daniel, wir haben jetzt genug von den Seen, Kirchen und
idyllischen Dörfern gesehen. Wo ist Rom?". So einfach geht
das nicht, denn als echter Italiener spricht unser Führer kaum
Englisch. Als echter Deutscher spricht der Autor natürlich
auch kein Italienisch (bis auf Spaghetti, Pizza, Pasta...).
"Rome, Roma, Colloseum, Pope". Es scheint zu helfen, denn
die Schilder leiten uns jetzt auf breitere Landstraßen. Die
Verkehrsdichte nimmt mit jedem Kilometer gleichzeitig zu.
Sowie in ganz Italien, gilt auch auf den Landstraßen:
Verkehrsregeln sind nur ein Vorschlag. Improvisiere wo nötig.
Es scheint ein Rezept für das totale Chaos zu sein, aber mit
gesundem Menschenverstand und ein bißchen Flexibilität
funktioniert es wunderbar. Und mit ein wenig Unterstützung von
einem schlitzohrigen Italiener wird schnell deutlich, vor wem sich
der Aygo reinquetschen kann und wann es vernünftiger ist in
die Eisen zu gehen; und bremsen kann der Aygo prima. ABS und
elektronische Bremskraftverteilung sind Standard.
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Die Vororte sind während der Rush-hour ein heilloses Chaos.
Motorroller rasen halsbrecherisch links und rechts vorbei.
Teenagern auf der Straße fällt der Aygo auf und sie
schauen dem Auto hinterher. Insassen von einem Kleinbus geben
selbst Handzeichen und machen Gebären, daß Ihnen der
neue (sie haben das ausländische Nummernschild
gesehen)gefällt. Wenn auch Toyota anderer Meinung ist, wir
finden den hier getesteten 3-Türer viel schicker als den
5-Türer. Außerdem ist der Testwagen eine "Sport"-
Ausführung mit in Wagenfarbe lackierten Spiegeln und
Türgriffen. Von Außen nicht sichtbar, aber ziemlich
witzig ist der lose Drehzahlmesser, der mit einem kleinen Haltearm
auf der (höhenverstellbaren) Lenksäule montiert ist.
Rom
Es beginnt bereits zu Dämmern als wir die Innenstadt
erreichen. Der erste Halt für jeden Touristen ist das
Colosseum. Unser Führer weist auf den Polizeibus, der
ungewünschte Fotografen auf Abstand halten soll. Der Trick
hierbei ist wegzufahren, wenn das Polizei-Büsschen sich
nähert und das Auto wieder zurück auf den Fotoplatz zu
fahren, sobald die Polizei wieder weg ist. Der extrem kleine
Wendekreis und die übersichtliche Karosserie erleichtern das
manövrieren zwischen den vielen Pfählen und Absperrungen
extrem. Wir wiederholen diese Prozedur nur drei mal und unsere
Fotosession ist im Kasten. "Foyoto di Toyota, is bella!".
Der Aygo fühlt sich im wirbelnden Verkehrschaos noch mehr
zu Hause als auf der Landstraße oder auf der Autobahn. Die
beste Methode in Städten wie diese im Verkehr zu
überleben ist: Nimm Anlauf, schwimme mit der Masse und
versuche als erster wieder raus zu kommen. Bei Zweifeln: halte den
Fuß auf dem Gaspedal und eine Hand auf der Hupe. Mit dem
begrenzten Wortschatz zwischen dem deutschen und dem italienischen
Insassen ist "Schumacher, Schumacher" ein vielsagender
Ausdruck, als der Aygo wie ein Pfeil über die jetzt Orange
erleuchteten Boulevards schießt.
Das Fahrwerk hat kein Problem mit den Pflastersteinen,
Löchern und Kanaldeckeln, die zusammen die Fahrbahndecke
ergeben sollen. Selbst bei Regen bleibt der Aygo perfekt
beherrschbar, als zielbewußt seine Grenzen ausgelotet werden.
Wir haben viel Spaß und gerade darum geht es beim Aygo.
"La Libri di Tuti Capi di Tuti" als nächstes Ziel?
Klar. "Si", und die nächste Touristenattraktion, zu
dieser späten Stunde komplett verlassen, wird angesteuert. Das
Restaurant kann noch ein bißchen warten. "AyGo Rome, WeGo Rome!"
Fazit
Es scheint ein Widerspruch zu sein. Toyota macht wenig
aufregende aber doch sehr gute, zuverlässige und
vernünftige Autos. Nun scheint der Hersteller beinahe von
seinem Glauben abzufallen und stürzt sich voller Hingabe auf
das kleinste Segment, mit einem hippen und vor allem bezahlbaren Stadtauto.
Hip ist vor allem das Design, auch das vom Innenraum. Leider ist
die Innenraumaufteilung nicht immer praktisch, denn vor allem der 3
Türer bietet wenig Platz auf der Rücksitzbank und im
Kofferraum. Der Platz vorne ist prima. In vollen Städten ist
der Wagen sehr wendig, einfach zu parken und damit durchaus
praktischer als manches großes Auto. Außerhalb der
Stadt punktet der Aygo auch prima, denn Leistung und Komfort sind
beim kleinen ausgezeichnet.
Letztendlich ist der Aygo, hinsichtlich seiner kompletten
Ausstattung, auch bezahlbar. Dabei garantiert die schlaue
3-Zylinder Technik nicht nur viel Fahrspaß und eine tadellose
Leistung, sondern auch noch niedrige Unterhaltskosten und die
Zuverlässigkeit von Toyota garantiert, daß dieser
Spaß auch noch sehr lange andauern kann (Ivo Kroone).
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