Wir hatten eigentlich die Absicht den 3er vor einigen
Bürogebäuden zu fotografieren, um schon mal zu zeigen,
wie ihm die Business-Welt steht. Aber dabei kam uns direkt schon zu
Anfang eine Frage in den Sinn: gehört der 3er nun direkt auf
die reservierten Plätze vor dem Eingang oder doch nur auf den
normalen Firmenparkplatz? Beim 5er ist die Antwort einfach:
Chefparkplatz. Auch beim 1er ist es deutlich: Personalparkplatz.
Der 3er ist hier schwieriger zu plazieren.
Technik
Beim Fahren von einem Bürogebäude zum anderen
fällt auf, womit sich der neue 3er von anderen
Geschäftswagen in diesem Segment unterscheidet: die Technik
ist progressiv, die Mechanik perfektioniert. Die Exkursion wird
fortgesetzt, auf der Suche nach seiner großartigen Technik!
Wir beginnen mit der Technik: fast alle Dinge, die den 5er so
zukunftsweisend machen, sind auch beim hier gefahrenen 3er in der
"Executive Dynamic"- Ausführung zu finden. Am
wichtigsten ist das "iDrive"; das einzigartige BMW System, das
Navigation, Telefon, Audio und Bordcomputer in einem System mit
einem LCD-Bildschirm und einem großen Multifunktionsknopf
kombiniert. Noch immer ist dieses System - bei weitem - das Beste
auf dem Markt. Es funktioniert nicht nur gut, sondern
läßt sich auch auf den Geschmack des Fahrers anpassen
und ist äußerst simpel zu bedienen. "iDrive" gibt es
nicht beim 1er oder gar beim X3, aber; durch welch glückliches
"Mißgeschick" auch immer; beim neuen 3er!
Der Erneuerungsdrang der BMW Ingenieure hört nicht beim
iDrive auf. Seinerzeit sind fast alle Details neu entworfen worden
und der neue 3er erntet jetzt die Früchte. Selbst einfache
Dinge, wie die Bedienung der Blinker und der Scheibenwischer, sind
im 3er viel handlicher, als bei fast allen anderen Autos dieser
Klasse. Warum auch immer, sind sie aber noch nicht von anderen
Herstellern kopiert worden. Auch das straffe Design des 5er
Innenraums ist fast unverändert übernommen worden, wenn
der 3er auch nicht so überwältigend viel Platz bietet wie
sein großer Bruder.
Platzangebot
Die Vordersitze sind etwas ganz Besonderes, bei ihnen
läßt sich die Länge der Sitzfläche manuell
einstellen (Dies findet man sonst nur bei teuren Sportsitzen).
Ausgenommen der Sitzhöhe, ist auch die Sitzneigung
einzustellen, während bei vielen anderen Fahrzeugen "tiefer
sitzen" gleichzeitig verbunden ist mit "hintenüber sitzen".
Selbst die Breite der Rückenlehne ist elektrisch einstellbar
(Ein absolutes Novum in diesem Segment!). Eine einstellbare
Lendenstütze wurde jedoch glatt vergessen; obwohl doch so eine
extra Stütze im unteren Rücken, besonders bei langen
Touren, sehr angenehm ist.
Das Platzangebot auf der Rücksitzbank wird von manchem
Designer auch mal schnell vergessen. Trotz der durchdachten, Platz
sparenden Rückseite der Vordersitze, ist die Beinfreiheit
hinten leider bedeutend geringer als beim durchschnittlichen Wagen
der unteren Mittelklasse. Das kommt unter anderem dadurch,
daß der verlorene Platz für den Hinterrad Antrieb
benötigt wurde...! Und schon haben wir den nächsten
Unterschied erreicht: Mechanik.
Mechanik
Schlaue Elektronik und durchdachte Ergonomie sorgen für
viel Komfort, aber es ist noch immer die Mechanik, die die
wirkliche Arbeit leistet. Gerade hier verfolgt BMW - seit
Menschengedenken - eine eigene Philosophie. So hat jeder BMW, also
auch dieser, Hinterrad Antrieb. Die Vorderräder brauchen nur
zu lenken und müssen keine "lästige Zusatzaufgabe", wie
auch noch den Antrieb, mit übernehmen. Außerdem geht BMW
noch einen Schritt weiter als andere überzeugte
"Hinterradantriebler" und sorgt dafür, daß das
Wagengewicht - soweit möglich - gleichmäßig
über Vorder- und Hinterräder verteilt ist.
Das Resultat ist ein Fahrzeug, das besonders in Kurven bedeutend
angenehmer reagiert. Der Fahrer hat das Gefühl, mehr mit dem
Auto anstellen zu können und dabei gleichzeitig eine bessere
Kontrolle über sein Gefährt zu haben. Kurz gesagt:
Fahrvergnügen im Überfluß und den Drang auf jedes
Autobahnkreuz mindestens zweimal rauf und runter zu fahren.
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Aber dennoch ist das genau der Punkt, bei dem der 3er hinter
seinen eigenen Familienmitgliedern zurückbleibt! BMW kann es
nämlich noch besser! Ein 5er ist, falls mit "active Front
steering" ausgestattet (siehe hierzu den Testbericht zum 530d),
in der Stadt genauso manövrierfähig wie ein 3er, aber
dank seiner Größe auch bei hohen Geschwindigkeiten noch
stabiler. Der 1er ist, dank seines geringen Gewichts, viel
lebhafter und bietet deshalb noch mehr "Freude am Fahren" als der
neue 3er. Die breiten Reifen, des hier gefahrenen 320d, lassen den
Testwagen außerdem sehr empfindlich auf Spurrillen reagieren
und leiten jede Furche und Unebenheit an das Lenkrad weiter.
Diesel
Auf der Preisliste stehen vier Benzinmotoren (von 1,8 bis zu 3,0
Litern) und ein 2-Liter Diesel Triebwerk. Angesichts der Zielgruppe
im Geschäftswagen – Segment, viel die Wahl auf
letzteres. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist ein
Motor von "nur" 2 Litern möglicherweise etwas klein. Dank der
Verwendung von viel Aluminium und Plastik ist der 3er
verhältnismäßig leicht und die Motorkapazität
mehr als ausreichend.
Der Zündschlüssel ist durch einen Block ersetzt
worden, der jedoch keine "keyless entry" bietet. Auf diesem
elektronischen "Schlüssel" findet man Druckknöpfe, die
zum Öffnen oder zum Verriegeln der Türschlösser
dienen. Der elektronische Schlüssel wird in einen Schlitz am
Armaturenbrett gesteckt: kurz auf den Startknopf gedrückt und
schon startet das Triebwerk. Die Elektronik sorgt selbständig
für eventuelles Vorglühen und anschließendes
Starten des Motors. Nur wer dann noch sehr gut hinhört
hört, daß unter der Motorhaube ein Diesel arbeitet. Denn
der 3er ist so ruhig, wie von einem Auto dieser Preisklasse
erwartet werden kann.
Kommunikation
Danach wird alles, was wir von einem neuen BMW erwarten, auch
bestätigt. Die Kommunikation zwischen Auto und Fahrer ist sehr
gut und das fängt bereits bei den Pedalen an. Durch das
Kupplungspedal wird sofort deutlich, wieviel Power das Triebwerk
bei welcher Drehzahl bietet. Leider ist keine
Kühlwassertemperaturanzeige vorhanden oder, wie in den
teureren BMW's, ein Drehzahlmesser mit beleuchteter Skala, die
anzeigt wieviel Umdrehungen bei der gegenwärtigen
Motortemperatur maximal zulässig sind. Sehr angenehm ist die
analoge Kraftstoffverbrauchsanzeige, die in jedem Moment genau den
Verbrauch anzeigt und damit wirklich hilfreich beim
ökonomischen Fahren ist. Dennoch wurden die vorgegebenen
Verbrauchsangaben des Herstellers nicht erreicht, auch nicht mit
einem Fahrstil, der bei anderen Testwagen für einen
niedrigeren Verbrauch sorgte.
Dem stehen jedoch ausgezeichnete Motorleistungen gegenüber.
Der Sprint von 0 auf 100 Km/h wird in 8,3 Sekunden vollendet und
das ist für einen Diesel zweifellos super schnell. Auch auf
der Autobahn ist immer noch eine beträchtliche
Leistungsreserve vorhanden, was ein Gefühl der
Überlegenheit beim Testfahrer auslöst. Im 6. Gang ist der
2-liter Diesel kaum hörbar. Mit großer Leichtigkeit und
sehr bequem werden große Touren gemeistert. Die
Geschäftsleute können beruhigt sein, Hamburg –
München an einem Tag ist "easy going".
Fazit
Viele Geschäftsleute hatten Angst vor dem neuen,
extravaganten Design des BMW; manch einer hat sich noch immer nicht
daran gewöhnt. Der 3er ist wirklich in überall
angepaßt worden, so daß alle harten Ecken und Kanten
sprichwörtlich verschwunden sind. Damit gefällt der Neue
jetzt auch immer mehr Kunden aus dem konservativen Lager. Einmal
neben einem alten 3er geparkt sieht man, daß die
Veränderungen ziemlich kraß sind und der Vorgänger
scheint auf einen Schlag hoffnungslos veraltet zu sein.
Auch die Fahreigenschaften sind stark verbessert worden, wobei
BMW jedoch nicht vom alten Erfolgsrezept abgewichen ist. Aber, es
geht noch besser, mit einem Konkurrenten aus dem eigenen Stall: der
1er ist lebhafter und bietet mehr Spaß für weniger Geld.
Der 3er überzeugt mehr im Bereich Komfort (Fahrgeräusch,
Platzangebot und Ausstattung)und kommt dann schon sehr Nahe an den
5er 'ran. Welches Auto man auch immer wählt: der
Geschäftswagenfahrer mit "Freude am Fahren" findet sein
entsprechendes Statussymbol bei BMW wieder in jeder Klasse.
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