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Das der Suzuki Ignis sich auch für große Reisen
eignet, wurde bereits in einer sonnenüberfluteten Tour nach
Monaco bewiesen. Dieses mal stehen die verschneiten Bergspitzen der
Schweiz auf dem Programm und darum fällt die Wahl auf die
allradangetriebene Version. In Deutschland wird der Allradantrieb
mit dem Werbeslogan angepriesen "Hervorragend geeignet für
alle Wetterkapriolen". Aber die milden Winter der letzten Jahre,
lassen Zweifel über den wirklichen Nutzen eines Allradantriebs
aufkommen. Die Wettervorhersage für die Schweiz meldet
schweren Schneefall mit bitterer Kälte. Aus diesem Grund
ziehen wir beim Testwagen auch Winterreifen auf und die
Schneeketten wandern in den Kofferraum.
Der Ignis ist eine wundervolle Mischung aus Schrägheck, Van
und Geländewagen. Sein Name ruft immer noch Assoziationen mit
einem Küchengerät hervor. Egal welcher Autotyp es auch
immer ist: alle drei bieten viel Platz. Eine Fotoausrüstung
und Gepäck für drei Tage passen prima hinten rein. Der
Innenraum hat auch genügend Ablagen für den "Snack
zwischendurch". Die Getränkehalter in den Türen sind so
groß, daß sogar große Literflaschen dort rein passen.
Der Ignis 4x4 ist nur als 5-Türer lieferbar und das
ermöglicht einen sehr leichten Einstieg hinten. Dort ist
genügend Platz für 2 Erwachsene, aber gerade nicht genug
für die Langstrecke, dann wird es ungemütlich. Die
Vordersitze bieten nur geringe Einstellmöglichkeiten und haben
keine Seitenstütze, sowie bei den Sportsitzen im Ignis Sport.
Das Lenkrad ist überhaupt nicht zu verstellen. Trotzdem sitzt
der Testfahrer prima und der Suzuki ist bereit für die Abreise.
Sonnenaufgang
Der Berufsverkehr um Antwerpen und Brüssel könnte zu
einem Problem werden, deshalb beginnt die Tour bereits morgens
früh, noch vor Sonnenaufgang. Es bleibt ein Rätsel, warum
selbst zu dieser unchristlichen Uhrzeit bereits soviel Verkehr auf
den Straßen ist.
Bereits auf den ersten Kilometern überrascht uns der Ignis
4x4 sehr positiv. Normalerweise merkt man es sofort, wenn ein Auto
Allradantrieb hat. Die Kraft des Motors wird sowohl auf die
hinteren als auch auf die Vorderräder gebracht, durch die
zusätzliche Mechanik, ist ein solches Auto in der Regel etwas
schwergängiger unterwegs. Außerdem erfordert
Allradantrieb eine höhere Motorleistung und damit auch mehr
Kraftstoffverbrauch. Der Ignis 4x4 ignoriert diese Weisheit und
gleitet über die Autobahn, als ob er eine Limousine wäre.
Selbst bei hohen Geschwindigkeiten kommt das Gefühl auf,
daß er noch viel schneller kann. Der Tag ist noch jung, wir
finden bestimmt noch eine Möglichkeit zum rasen.
Nach kurzem Aufenthalt vor Antwerpen, unfreiwillig durch
Baustellen gestoppt, haben wir auch Brüssel vor dem
Berufsverkehr geschafft. Nun folgt der langweiligste Teil der
ganzen Strecke: die fast 200 km lange Autobahn E411, die Belgien
von "oben links" bis nach "unten rechts" durchquert. Nach dem
zentralen Display, mitten unter der Windschutzscheibe, friert es
draußen bei -15°C, aber wir sitzen kuschelig warm und
kommen schnell voran. Deshalb schaffen wir auch den geplanten
Tankstop in Luxemburg nicht. Der Zeiger steht schon jenseits von
"E", als uns das Navigationssystem den Weg zu einer super kleinen
Tankstelle, irgendwo in der belgischen Pampa weist. Es sollte ein
langer Stop werden, denn das Tankschloß ist eingefroren.
Zuviel Kraft und der Zündschlüssel kann abbrechen, zu
wenig und der Test endet hier. Erst nachdem der Tankstellenbesitzer
aufgetaucht ist, gibt sich der Tankdeckel geschlagen. Sehr
unhandlich, dieses System mit einem Schlüssel für den Tankdeckel.
White Road
Mit einem vollen Tank kommen wir wieder schnell voran und an
Luxemburg sind wir schon knapp eine Stunde später vorbei. In
Frankreich wird die Landschaft gebirgig. Bei steilen Anstiegen auf
der Autobahn, wurden spezielle Fahrspuren für den
Kriechverkehr eingerichtet. LKWs schaffen hier - laut Hinweistafel-
noch keine 30 km/h. Aber auch unser Ignis hat Schwierigkeiten mit
den Steigungen. Im fünften Gang reduziert sich unsere
Geschwindigkeit auf 100 km/h und nur durch zurückschalten in
den vierten, schaffen wir wieder unsere 120 km/h. Außerdem
scheint der hohe Ignis sehr anfällig für Seitenwind zu
sein. Das Lenkrad müssen wir vor allem auf Brücken sehr
stark festhalten und dann schlingert der Wagen trotzdem noch etwas unkontrolliert.
Bei dieser Kälte, dem Gegenwind, den Steigungen und einer
hohen Durchschnittsgeschwindigkeit liegt der Kraftstoffverbrauch
bei ca. 12,5 Litern. Wir werden noch einige Tankstops einlegen
müssen, bevor wir unser erstes, geplantes Ziel erreichen. Die
"White Road", die von Frankreich bis in die Schweiz führt, ist
eine beeindruckende Aneinanderreihung von langen Tunneln und
enormen Brücken, die durch eine Atemberaubende Bergwelt
führen. Wer wissen will wie diese Bauwerke konstruiert wurden,
kann ein UFO förmiges Informationszentrum am Fuße einer
der Brücken besuchen. Leider sind alle Informationen auf
Französisch, aber die Bilder reichen schon aus.
Nach weiteren zwei Stunden haben wir unser Hotel in Genf
erreicht. Dank der guten Sitze und dem geräuscharmen Motor war
die Reise nur wenig ermüdend. Als das Navigationssystem
angibt, das der Mont Blanc in nur 83 km Entfernung liegt, ist die
Versuchung groß, direkt wieder hinter das Steuer zu kriechen
und noch ein paar Fotos für die "Daheimgebliebenen" zu
schießen. Der Verstand siegt über das Gefühl, denn
der Besuch des Autosalon erfordert viel Energie.
Autosalon
Am nächsten Tag wachtet die größte
Herausforderung der ganzen Reise auf uns. Unser Hotel und die
Ausstellungsgebäude liegen nur 15km voneinander entfernt, aber
die Fahrt dauert dicke 2 Stunden. Der Moderator des einzigen
englisch sprachigen Radiosenders in der Region, WRG FM 88.4, meldet
aufgeregt, daß alle Straßen rund um Genf durch den
Autosalon verstopft sind. Autos mit Kennzeichen aller Herren
Länder kriechen langsam den Parkplätzen entgegen.
Natürlich sprechen die Verkehrsregler dieser internationalen
Veranstaltung kein Wort Englisch und die Verwirrung unter den
Journalisten ist komplett. Wer muß wohin? Wo fährt der
Pendelbus ab? Und wie jetzt zum Eingang?
Am Ende des Tages wartet der Ignis treu als eines der letzten
Autos auf einem kalten und dunklen Parkplatz. Wenige Meter weiter,
liegt der Flugplatz, wo die Privat Jets der dicken Bosse der
Autoindustrie, bereits auf dem Heimweg sind. Wir bleiben noch eine
Nacht in Genf, um am folgenden Tag entlang der Wintersportgebiete
zurück nach Hause zu fahren.
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In der Nacht friert es bei -28°C und es fällt etwa ein
halber Meter Schnee. Auf den Parkplätzen vor dem Hotel findet
man nur Schneehaufen, aus denen Spiegel und Antennen hervorstechen.
Was folgt, ist eine anstrengende Aktion von Ausgraben, mühsam
Starten und schieben, bis das der Wagen endlich aus dem Schnee frei
kommt. Zumindest für die meisten Hotelgäste. Der Ignis
startet problemlos und kommt als einziger mit eigener Kraft aus dem
Schneechaos frei. Wenn selbst die Franzosen - wie nach einem Wunder
- auf einmal in fließendem Englisch um Hilfe fragen
können, will der Ignis nicht so sein und bietet seine Hilfe an.
Mit der Redegewandtheit eines Starverkäufers aus der
TV-Reklame, erzählen wir stolz, daß dieser Japaner einer
der günstigsten Allradantriebler auf dem deutschen Markt ist.
Weil er kein Geländewagen ist, steht der Ignis auf relativ
schmalen Reifen und das ist ein ausgesprochener Vorteil bei Schnee.
Der Reifendruck pro cm2 ist hoch, wodurch das Auto nicht auf dem
Schnee fährt sondern dadurch schneidet. Als dank gibt einer
der Hotelgäste Tips zur schönsten Strecke, um auf die
Autobahn zu gelangen.
Wintersport
Während einer Tour über sich windende Bergwege
versteht der Ignis es noch mehr als auf dem Hinweg, uns von seinen
Vorteilen zu überzeugen. Auf der Autobahn ist der Ignis "nur"
überraschend schnell und komfortabel für ein Auto dieser
Preisklasse, aber hier in den Bergen werden alle Erwartungen
übertroffen. Keine Steigung ist zu steil und keine
Schneeverwehung zu tief. Es war schon ein großer Schreck, als
der Fotograf bis zu den Knien im Schnee versinkt, um die beste
Position für ein Foto zu finden.
Auch in den diversen Wintersportorten "rührt" so manches
Fahrzeug hoffnungslos im Schnee. Im Wissen, daß der Ignis
auch noch viel günstiger ist, als die meisten der
"Schneemixer", ist unsere Zufriedenheit nicht mehr zu
übertreffen. Man sollte jedoch immer im Hinterkopf behalten,
daß Allradantrieb kein Wundermittel ist. Vor allem wegen
seiner Winterreifen ist der Grip enorm, Denn auf einem Untergrund
aus purem Eis ist auch der Ignis hoffnungslos verloren.
Außerdem ist der Ignis nur mit dem einfachsten Allradantrieb
ausgestattet: Antrieb aller vier Räder, aber keine
Intelligente Technik, um die Kraft optimal verteilen zu
können. Dies erklärt auch, warum der Wagen so
günstig im Preis ist.
Schneechaos ohne Schrecken
Wieder zu Hause, hat auch hier der Winter zugeschlagen, der
Verkehr kriecht auf der rechten Spur über die Autobahn. Mit
unseren Erfahrungen aus der Schweiz und Frankreich stellt das
für uns kein Problem dar, wir fahren als einzige auf der
linken Spur. So kommt man schnell in der Rush-hour nach Hause! Als
Zugabe demonstriert dieser "low budget Allradantriebler" noch,
daß auch bei diesem Wetter ein Ampelsprint gewonnen werden
kann. Um 6 Uhr abends, steht der Testwagen wieder trocken und
sicher in der Redaktionsgarage.
Ein Tag später kamen die Nachrichten, daß manch ein
Journalist in Genf steckengeblieben ist. Durch das Winterwetter ist
Fliegen unmöglich, die Fluggesellschaften setzen Ersatzbusse
ein, um die gestrandeten Passagiere nach Hause zu bringen.
Fazit
"Wird schon schiefgehen...", sagte der
Suzuki-Verkäufer vor der Fahrt zu uns. "Das Auto hat alle
Erwartungen übertroffen", ist das Fazit nach unserer Tour
nach Genf. Die einzigen wirklichen Nachteile sind die
Seitenwindanfälligkeit, die nur mäßige
Einstellbarkeit der Sitze und des Lenkrades und die Tatsache,
daß das Autoradio keine MP3 Dateien abspielt.
Ansonsten ist der Ignis ein einzigartiges Auto, das alle
Vorteile aber keine Nachteile eines SUV bietet. Das beginnt bereits
bei der großen Beinfreiheit und endet mit der aktiven
Sicherheit des Allradantriebes. Dank seiner großzügigen
Ausstattung und seines geräuscharmen Motoras ist der Wagen
auch äußerst komfortabel. Die kompakten Abmessungen des
Ignis sind sehr praktisch in der Stadt. Und außerdem,
für das alles fragt Suzuki nur einen sehr bescheidenen
Betrag.
Eine Tour im Winter mit dem Suzuki Ignis 4x4 ist ein
bißchen wie eine Prüfung, bei der der Lehrer
unglücklicherweise die Antworten mit ausgeteilt hat. Oder ein
Supermarkt, in dem lange Reihen vor den Kassen stehen, bis auf
eine, die bisher niemand gesehen hat. Oder ein Stau, indem eine
komplette Spur frei ist die niemand benutzt. Rund 2.000 Kilometer
im Winter überzeugen, der Ignis 4x4 IST hervorragend
geeignet für alle Wetterkapriolen (Ivo Kroone).
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