7 Oktober 2004

TomTom Go

TomTom goes gold

Caraudio, alarm and navigation | Mal Probleme mit dem PC gehabt? Der Helpdesk scheint dann plötzlich viel weniger hilfreich als gedacht. Der Softarehersteller verweist schlau an den Produzenten des Betriebssystems, der seinerseits dem Hardwarehersteller die Schuld gibt. Das Problem ist nicht gelöst worden und die Hilfe bleibt aus. Dieses Problem kannte auch die erste TomTom Version. Die erste Version benutzte einen tragbaren Computer mit Windows CE Betriebssystem. TomTom funktionierte sehr gut, aber das Betriebssystem machte Probleme. Deswegen gibt es jetzt eine Alternative: TomTom Go, ein tragbares all-in-one Navigationssystem.
 

TomTom Go ist ein Kästchen, das viel von einem klitzekleinen iMac hat. Das handliche Gerät enthält einen Computer, Satellitenempfänger, Lautsprecher und einen Touchscreen. Es fehlt eigentlich nur noch ein Radio, womit man die Verkehrsinformationen empfangen könnte. TomTom Go kann deswegen den Fahrer nicht automatisch um die möglichen Staus führen. Es gibt jedoch einen internen Akku, so daß TomTom Go auch außerhalb des Autos funktionieren kann. Lediglich unter Berücksichtigung der Kosten wäre ein TMC-Empfänger (für digital kodierte Verkehrsinformationen) anstelle einer Batterie viel besser gewesen.

Installation

Um dem Benutzer alles so einfach wie möglich zu machen, hat der TomTom Go nur einen Knopf: Ein/Aus. Auf der Frontseite findet man auch einen Kartenleser für SD-Speicherkarten. In diesem Fall kann man das wortwörtlich nehmen, denn auf einer Speicherkarte, die auch für digitale Kameras verwendet wird, ist die gesamte digitale Landkarte gespeichert, mit der der TomTom die Route anzeigt. Die vollständige Installationsprozedur besteht nur aus dem einsetzen der Karte, danach ist der TomTom gebrauchsfertig. Mit dem Gerät wird auch die 128 MB SD-Karte geliefert.

Statt dessen kann der Benutzer auch eigene Speicherkarten benutzen. Dank der mitgelieferten Software kann man die gewünschte Landkarte selbst über den PC installieren. Dies ist dann das erste und letzte Mal, wo TomTom im Test einen großen Bock schießt: die gelieferte Software funktioniert nur unter Windows (nicht unter Apple oder Linux). Gerade jetzt ist der TomTom völlig unabhängig dank der Verwendung der eigenen Hardware und eines eigenen Betriebsystems, trotzdem wurde nur die unter Windows lauffähige Software mitgeliefert. Obwohl TomTom Go sogar ohne PC nützlich ist, verpassen die Apple- und Linux-Benutzer einen Teil der Zusatzfunktionen. Natürlich entgeht dem TomTom dadurch eine stattliche Anzahl von Kunden. Unfaßbar.

Wie gesagt: der Mangel an Linux/Mac-Software ist der einzige echte Nachteil. Ein großer Vorteil ist, daß TomTom unterdessen viel Erfahrung mit dem Entwickeln von den tragbaren Navigationssystemen hat. Das findet man wieder in der Logik der Menüs, Ergänzungsmasken und der Symbolwahl. Auch ohne die Gebrauchsanleitung kann man schnell mit dem TomTom umgehen. Wer doch Anweisungen wünscht, kann eine interaktive Präsentation starten, mit der der TomTom Go selbst alles erklärt.

Praxis

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, eine Route zu planen. Die erste ist durch die Eingabe des gewünschten Bestimmungsortes mit einem Orts - und Straßennamen. Man kann dabei eine Liste von besonderen Bestimmungsorten verwenden: Tankstelle, Hotels, Vergnügungsparks und Restaurants. Besonders ist, daß der TomTom auch die Namen der besonderen Bestimmungsorte kennt. Es reicht nur den Namen einzugeben und der TomTom sucht selbst die richtige Adresse und plant die Route. Die Eingabe der Postleitzahl gehört leider nicht zu den möglichen Alternativen; wirklich ein Problem, wenn eine Straße mehrere Schreibweisen hat. (Beim letzten Update der TomTom Software wurde diese Option berücksichtigt und die Postleitzahlen Eingabe ist möglich)

Die vorgeschlagene Route wird entweder in einer Übersichtskarte oder in einem Stufenplan mit Straßennamen und -nummern angezeigt. Wenn die dargestellte Route nicht gefällt, kann man eine andere planen. Wenn nötig, kann man so oft auf den Knopf"Alternative"- drücken, bis eine komplett touristische Route über die Landstraßen gezeigt wird. Bei dieser Planung scheint die Route selbst bei Langstrecken bis auf den letzten Feldweg und die letzte Gasse zu stimmen.

Sehr geschickt ist die Möglichkeit eine bereits geplante Route anzupassen. Durch Angabe von z.B. "in 5 km gibt es einen Stau" (oder eine Straße ist gesperrt), wird nur für diese Zwischenstrecke eine Alternative errechnet.

Sehr außergewöhnlich ist die letzte Planungsmöglichkeit: von A bis B. Kurz und bündig, ein Navigationssystem plant eine Route von der jetzigen Position (die durch den Satellitenempfänger bestimmt wird) bis zum Bestimmungsort. Die "von A nach B"-Funktion kann für die Bestimmung der Fahrtdauer verwendet werden. In der Wirklichkeit scheint diese Funktion auch für die Spesenabrechnung geeignet zu sein, bei der man die Kilometer nachweisen muß.

Unterwegs

Auch die Route kann auf unterschiedliche Art und Weise wiedergegeben werden. Das ist möglich mit einer Liste der Straßenbezeichnung, Straßenamen oder Ausfahrten. Traditioneller ist die Landkarte. Diese kann auch dreidimensional angezeigt werden, aus der Perspektive eines Tieffliegers gesehen. Gerade diese letzte Wiedergabe ist intuitiv am besten zu verstehen, weil sie fast der Sicht des Autofahrers entspricht.

Bei komplexen Verkehrssituationen wird automatisch ein- oder ausgezoomed. Es fällt dabei auf, daß der TomTom Go über soviel Rechner Kapazität verfügt, da die 3D-Abbildungen mit soviel Leichtigkeit vergrößert und verkleinert werden, als ob der TomTom mit den Abbildungen jongliert. Sehr schön gemacht! Nur die Anweisungen an der Unterseite des Bildschirmes können, abhängig von der Plazierung des Gerätes im Auto, unhandlich klein sein.

Schöne Bilder sind fein, aber die Qualität der Planung und der Anweisungen ist selbstverständlich noch wichtiger. Wie gut die Testbenutzer auch ihr bestes gegeben haben: TomTom konnte bei keinem Fehler erwischt werden. So wurden alle weithin bekannten Problemadressen eingegeben, wo manch andere Navigationssysteme in Panik gerieten, falsche Anweisungen gegeben oder sich sogar hoffnungslos verirrt haben.

TomTom Go läßt sich nicht, wortwörtlich und bildlich, vom Weg abbringen. Das ist u.a. der "ASN"-Funktion zu verdanken. Im Moment, wenn der Satellitenempfang ausfällt, geht der TomTom davon aus, daß das Auto mit der gleichen Geschwindigkeit fährt und schätzt auf diese Weise die Position. Das stellt sicher, daß der TomTom immer weiß, wo sich der Fahrer befindet. Gerade am letzten Tag der Testperiode machte der TomTom einmal eine unlogische Entscheidung die Autobahn zu verlassen und die nächste Auffahrt wieder zu nehmen.

Planung

Die Qualität der geplanten Routen ist überdurchschnittlich gut. Sowohl auf den erwähnten schwierigen Routen als auch auf dem bekannten Terrain scheint der TomTom der Route eine menschliche Note verliehen zu haben. Viele Navigationssystemen sind ein Stückchen Elektronik, daß pur auf der Grundlage von Mathematik eine Route berechnet. Diese Route ist in der Praxis weniger logisch als eine Straßenkarte vermuten läßt. Der TomTom plant Routen, die rechnerisch zwar weniger naheliegen, aber die auch von den Bewohnern des bestimmten Gebietes gefahren würden. Für die bekannten Adressen plante der TomTom häufig eine geschicktere oder schlauere Route als andere Navigationssysteme.

Wenn der Fahrer die Anweisungen unverhofft total falsch deutet, plant der TomTom äußerst schnell eine neue Route. Auch hier zeigt der TomTom ein ungewöhnliches Maß an Intelligenz, denn nur wenn es wirklich notwendig ist, bittet das System den Fahrer um zu drehen. Es kann genauso eine neue Route geplant werden, mit der man auf die logischste Art und Weise den Bestimmungsort erreicht.

Schließlich fällt der TomTom Go positiv auf, durch eine große Variation der Benutzereinstellungen. Man kann nicht nur die Farbe der Karte wählen, sondern auch den Detailumfang einstellen. Wenn gewünscht, kann eine Geschwindigkeitswarnung eingestellt werden, damit der Benutzer nie mehr "unabsichtlich" zu schnell fährt. Die Anweisungen sind in diversen Sprachen verfügbar. Das trifft nicht nur auf die Anweisungen auf dem Bildschirm, sondern auch auf die gesprochenen Anweisungen zu. Jede Sprache und jeder Akzent sind, als Männer - oder Frauenstimme, verfügbar, die auch in einem lauten Auto trotz der Fahrgeräusche immer gut zu hören sind.

Fazit

Während des Tests des TomTom Go hat man gründlich gesucht, aber nicht nach Orten sondern nach Nachteilen oder Vorteilen dieses tragbaren Navigationssystems. Wie die Tests bewiesen haben, läßt sich der TomTom Go nicht aus dem Takt bringen. Jede Adresse wird gefunden, jede Route ist logisch geplant. Der einzige echte Nachteil ist der Mangel an Mac/Linux Software für das selbst Komplettieren vom Kartenmaterial.

Der große Vorteil des TomTom Go ist, daß er ein all-in-one Gerät ist. Der TomTom Go kann ohne Computer benutzt werden und die Installation der Software ist überflüssig. Eine Alternative mit einem handheld Computer kostet ungefähr das gleiche. Einen handheld Computer ("PDA") kann man außer als Navigation auch als elektronische Agenda, Memorecorder oder Spielcomputer benutzen. Der TomTom Go stellt dem eine nie gekannte Benutzerfreundlichkeit, viel Rechenpower, hohe Zuverlässigkeit und einen absolut problemlosen Test gegenüber.