|
Bereits bei den vorherigen Modellen hatte Smart eine raffinierte
Marketing Kampagne für das neue Modell. Das ist nichts
Außergewöhnliches, denn Smart hat ein starkes Image
aufgebaut, das nicht nur auf den Fahreigenschaften basiert. Die
Folge davon ist, daß manch ein Unternehmen gerne mit dem
hippen und neuen Image des Smart in Verbindung gebracht werden
will, indem man das ganze Auto voller Aufkleber packt. Auch dieses
Mal hat das Marketing funktioniert, denn während der
Probefahrt zeigte sich, daß fast jeder schon wußte,
daß das der neue Smart ist.
Design
Das verdankt der neue Smart natürlich auch seinem
auffallenden Design. Genauso wie bei den anderen Smarts ist der
"Tridon"- Sicherheitskäfig an der Außenseite
sichtbar. Diese geniale Konstruktion ist in einer anderen Farbe
lackiert als die Karosserieelemente, wodurch der ForFour noch mehr
auffällt. Die "Karosserieelemente" ("body panels") sind
einfach und relativ günstig auszutauschen, wenn die Farbe des
Wagens einmal nicht mehr gefallen sollte. In den (mit der Hand
einzustellenden) Außenspiegeln sind zusätzliche Blinker
integriert, wobei man den Einfluß des Mutterkonzerns
"Mercedes-Benz" sieht. Außerdem bekommt das verspielte und
moderne Design lauter Komplimente während der vielen
(Foto)Stops. Smart hat es auch mit dem ForFour geschafft, ein
besonderes und anziehendes Modell auf den Markt zu bringen.
Vorne
Auch der Innenraum ist unverkennbar Smart. Das Armaturenbrett
ist nicht aus Kunststoff, sondern ist mit dem gleichen Stoff wie
die Sitze bezogen. Das Design des Armaturenbretts weicht deutlich
von der Masse ab. Es hat eine gewölbte Form, wodurch es sich
scheinbar von der Windschutzscheibe loslöst. Außerdem
sind die Instrumente lose oben drauf plaziert. Der ordentliche
Abstand bis zur Windschutzscheibe gibt zusammen mit dem
gläsernen Dach der hier gefahrenen
"Passion"-Ausführung ein räumliches Gefühl.
Aber hier hört dann auch der Vergleich mit dem Smart ForTwo
auf, denn der Newcomer ist, nach den Aussagen eines Sprechers von
Smart, als Massenprodukt ausgelegt und darum im Ansatz etwas
weniger zukunftsweisend. So kann man die Instrumente (Tacho,
Drehzahlmesser, Uhr) nicht selber auf dem Armaturenbrett plazieren,
drehen oder einteilen. Aber die Mittelkonsole kann nach eigenen
Wünschen eingeteilt werden, wenn dies auch nicht so
umfangreich möglich ist als beim ForTwo. Das
Zündschloß wurde nicht zwischen den Vordersitzen
plaziert, sondern an der Lenkradsäule (Verringert das Risiko
auf Knieverletzungen).
Man muß schon ein bißchen nach der idealen
Sitzposition suchen, denn der Einstellknopf und das Scharnier
für die Rückenlehne sind ungewöhnlich hoch
angeordnet. Das beeinflußt den gesamten Sitz. Eigentlich
sollte der ForFour durch die bequemen Reisesitze positiv auffallen.
Hinten
Viel interessanter als das Platzangebot vorne, ist
natürlich das Platzangebot hinten; damit unterscheidet sich
der Smart ForFour sehr von den anderen Modellen. Den ForFour gibt
es nur als 5-Türer, damit ist der Einstieg hinten auch sehr
einfach. Die Rücksitzbank steht auf Gleitschienen und kann
deshalb auch bis zu 15cm verschoben werden. Sowohl im Kofferraum
als auch unter der Rücksitzbank befindet sich ein Griff, mit
dem man die Rücksitzbank verstellen kann, aussteigen und nach
hinten Laufen ist darum nicht nötig. In der hintersten
Stellung bekommt man mehr Beinfreiheit, in der vordersten mehr
Kofferraumvolumen (insgesamt 330 Liter). Wenn man sich für die
Einstellung "maximale Beinfreiheit" entscheidet, bietet der ForFour
auch hinten genügend Platz für einen Erwachsenen. Aber
dennoch bleibt er ein Wagen der Kompaktklasse und nicht der
Mittelklasse, deshalb ist das Platzangebot auch nur "ausreichend".
Die Kopffreiheit hinten ist etwas niedrig für längere
Passagiere. Die Kopfstützen bieten eine ausreichende
Verstellmöglichkeit, um auch den längeren
Fondspassagieren die nötige Sicherheit und Komfort bieten zu können.
Auch das Kofferraumvolumen entspricht einem Kleinwagen. Es gibt
zwar ausreichend Stauraum für den normalen Einkauf, aber wer
mit vier Personen in den Urlaub fahren will, sollte nur mit
leichtem Gepäck auf Reise gehen. Außerdem fehlt eine
Hutablage, so daß der Kofferrauminhalt jederzeit eingesehen
werden kann. Als Hersteller von Stadtautos sollte es Smart
eigentlich besser wissen. Die Rücksitzbank kann sehr einfach
hochgeklappt werden, wodurch ein großes (910 Liter) aber
leider unregelmäßig geformtes Ladevolumen entsteht.
Außerdem ist die relativ hohe Ladekante sehr unhandlich bei
schweren Gepäckstücken.
|
Fahreigenschaften
Beim Smart ForTwo und beim Smart Roadster werden die
Fahreigenschaften hauptsächlich durch die
Fahrzeuggröße bestimmt. Weil der ForFour gerade eine
durchschnittliche Größe hat, sind seine
Fahreigenschaften auch nur durchschnittlich. Im Gegensatz zu den
anderen Smarts ist der Motor des ForFour vorne untergebracht und
mit Vorderradantrieb ausgestattet. Damit entscheidet sich Smart
beim ForFour erneut für die gebräuchlichste Antriebslösung.
Dennoch fährt der ForFour durchaus besser als der
Durchschnitt. Das Fahrzeug lädt zum richtigen Klamauk ein. Die
Grenzen sind sehr weit gesteckt, denn selbst im strömenden
Regen ist der Grip so gut, daß das standard ESP und andere
Sicherheitsausstattungen kaum zum Einsatz kommen. Der ForFour ist
rundum mit Scheibenbremsen ausgerüstet. Für ein Fahrzeug
dieses Segments, in dem normalerweise eine Kombination aus Scheiben
und Trommelbremsen zum Einsatz kommt, bremst der ForFour sehr gut.
Im Bereich aktiver Sicherheit überzeugt der ForFour.
Motor
Wie bereits schon erwähnt, ist das Triebwerk des Smarts
vorne unter der Motorhaube zu finden. Aus diesem Grund muß
Smart auch nicht gezwungenermaßen den gleichen, kleinen Motor
verwenden, wie bei den anderen Modellen, wo einfach kein Platz
für einen größeren Motor ist. Dabei ist der ForFour
größer und schwerer und das erfordert sowieso einen
stärkeren Motor. Der Käufer hat die Auswahl zwischen
einem 1.1, 1.3 und 1.5-liter Benzinmotor. Nur der 1.1 ist, genauso
wie bei den anderen Smarts, ein sehr sparsamer 3-Zylinder. Die
anderen Motoren haben -ganz normal- vier Zylinder. Die laufen dann
zwar etwas runder, sind aber im allgemeinen nicht so sparsam.
Dieselmotoren kommen erst zu einem späteren Zeitpunkt.
Alle Motoren können mit Smarts eigenem "Soft Touch"
6-Stufen-Automatikgetriebe kombiniert werden. Standard wird der
ForFour mit einem konventionellen, handgeschalteten 5-Gang Getriebe
geliefert. Der Testwagen ist mit einem 95 PS starken 1.3-liter
Motor und Handschaltung ausgestattet. Damit kommt der ForFour prima
im Verkehrsfluß mit und flottes Überholen ist auch kein
Problem. Anfänglich lief der Motor etwas rauh und das
empfindet man als etwas unkomfortabel. Je mehr wir doch mit dem
Testwagen unterwegs waren, desto besser lief der Motor auch. Er
wurde immer ruhiger und stiller während seine Lebendigkeit
unverändert anhielt.
Fazit
Eine ganze Woche und rund 1.000 km fahren, ergaben ganz
gemischte Gefühle für den Smart ForFour. Diesen Smart
kann man zwar mit anderen teilen, aber der ForFour ist nur halb so
"smart" wie die anderen Modelle. Den Erneuerungsdrang und den
eigensinnigen Charakter des Smart ForTwo und Smart Roadster sucht
man beim ForFour leider meist vergeblich.
Die anderen Smarts sind in ihrem Segment so fortschrittlich und
so außergewöhnlich gut, daß der Smart ForFour auf
vielen Gebieten aus dem Rahmen fällt. Sein Basisdesign und die
Technik des ForFour sind nur ganz gewöhnlich. Auch seine
Fahreigenschaften, das Platzangebot und seine Ausstrahlung sind nur
"gut", während man bei den anderen Modellen schon wie
verrückt nach neuen Superlativen sucht. Letztendlich ist es
sein Sicherheitsniveau, sein Design und sein Image wodurch sich der
Smart ForFour aus der Masse abhebt.
|