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Da dieser neue Alfa Romeo ein "Gran Turismo" und kein
purer Sportwagen ist, war es lästig, eine Ausführung
für diesen Test zu wählen. Um schnell und komfortabel
Langstrecken abzulegen, ist ein moderner Dieselmotor jedenfalls
genauso gut wie ein Benzinmotor. Besonders für Leasing-Fahrer
ist der GT deswegen auch mit einem Dieselmotor lieferbar. In dieser
Ausführung bietet der GT eine attraktive Kombination aus
Charme und geschäftlichem Einblick. Aber, damit auch das
Gefühl sprechen könnte, haben wir uns beim Testwagen doch
für die schnellste Benzin-Variante entschieden.
Modell
Den Schlüssel in Empfang nehmen zu dürfen, fühlt
sich wie ein besonderes Privileg an. Der silbergraue Coupé
ist eine besondere Erscheinung, weil Alfa Romeo mit dieser Kreation
des Designers Bertone Mut zeigt. Die ungewöhnlich kleinen
Scheinwerfer und die Rückleuchten verleihen dem GT einen
mysteriösen Charakter. Auch das Verhältnis von kleinen
Fenstern und viel Chrome, macht den GT zu einer faszinierenden
Erscheinung. Dadurch wird der Testfahrer neugierig auf seine Fahreigenschaften.
Für ein Coupé ist der Innenraum sehr
großzügig. Die Sitze sind sehr angenehm und geben
bereits einen ersten Eindruck vom wahren Charakter dieses GT, ohne
einen Meter gefahren zu sein: unverkennbar sportlich, aber trotzdem
bequem. Die Rückbank dieses 2+2 Sitzers ist tatsächlich
brauchbar, wenn sich der etwas beengte Platz für Erwachsene
auch nur für kurze Strecken eignet. Der Kofferraum ist enorm
und dank der großen Heckklappe problemlos zugänglich.
Der ganze Innenraum strahlt dank der perfekt gepflegten
Lederbekleidung die Exklusivität aus, die in diesem
(Preis)Segment zur Ausstattung gehört.
Während des Tests sollte sich jedoch erweisen, daß
die Verarbeitungsqualität dieses Alfa Romeo hinter dem 147 und
156 zurückbleibt. Außerdem hatte das Testauto
verschiedene Defekte, unter anderem ein versagender
Scheibenwischer, eine Aschenbecherklappe, die man nicht wieder
geschlossen werden konnte und (optional) Xenon-Scheinwerfer, deren
automatische Höhenregelung nicht funktionierte, was eine
Belastung für den restlichen Verkehr war. Schließlich
wurde der Fahrer durch diverse Nebengeräusche geplagt, die
aber meistens so schnell verschwunden waren, wie sie erschienen sind.
Kurve
Bereits nach der ersten Kurve hat man dem GT jedoch alles wieder
vergeben. Das Auto steuert besonders direkt und der Fahrer ist nach
der ersten Kurve dem Auto verfallen! Das waren kurze Probefahrten
für die Autohändler, er war gleich verkauft.
Außerdem beeinträchtigt die Servolenkung nicht die
Kommunikation mit dem Auto. Bereits wenige Minuten nach dem Beginn
der ersten Fahrt steigen die Kurvengeschwindigkeiten immer weiter
an. Dieses Auto liefert bereits vom ersten Augenblick reichlich Fahrvergnügen!
Sein Fahrverhalten unterscheidet sich aber von seinen
wichtigsten Konkurrenten, weil sich Alfa Romeo nicht für den
obligatorischen Hinterradantrieb sondern für den
Vorderradantrieb entschieden hat. Der GT kann deswegen nicht mit
Gas in die Kurve "gesetzt" werden, aber das Gleichgewicht zwischen
der maximalen Motorkapazität und der optimalen Bodenhaftung
ist dennoch leicht zu finden. Dann ist der GT in einer
einzigartigen Weise zu schlichtweg sensationellen
Kurvengeschwindigkeiten imstande. Eine spürbare
Beschränkung kommt leider aus seiner etwas geringeren
Drehungssteifigkeit, wodurch das Auto früher als ein
kompromißloser Sportwagen in der Kurve "ringt". Sollte es
einmal zu schnell laufen, dann greift die Traktionskontrolle
äußerst subtil ein. Auch ohne diese elektronische Hilfe
ist der GT ansonsten beachtlich einfach zu lenken.
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Beschleunigung
Der 3,2-Liter 6-Zylinder Motor des hier gefahrenen Topmodells
hat einen typischen Gran Turismo Charakter. Er ist kein Hitzkopf,
der den Fahrer fortwährend hetzt oder fordert. Statt dessen
ist bei einem ruhigen Fahrstil sehr schnell klar, daß eine
enorme Reserve verfügbar ist, die aber nicht kontinuierlich
genutzt werden muß. Das gibt ein hervorragendes Gefühl
und auch ruhiges Fahren mit dem GT wird zu einer besonderen
Erfahrung. Das ist genau das Gegenteil zu einem typischen
Sportwagen, der nur mit hohen Geschwindigkeiten imponieren kann.
Der Spaß wird leider durch die Geschwindigkeitsanzeige
gestört, da die Skala in Stufen von 30 km/h geteilt ist. Sein
Glück muß der Fahrer aber bei Geschwindigkeiten z.B.
zwischen 90 und 120 km/h strapazieren, um die 100 km/h auf der
Landstraße zu treffen und das ist nicht gut für die
Gemütsruhe. Die Skala läuft übrigens bis zu
wahnsinnigen 300 km/h.
Selbstverständlich zeigen die 240 PS auch sehr gerne, wozu
dieser schnellste GT(erkennbar am doppelten Auspuff)imstande ist.
Es beginnt mit einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 6.7 Sekunden (die
Kupplung erfordert viel Gefühl, Gewöhnungssache). Es sind
vor allem die Zwischenbeschleunigungen, mit denen dieser Kraftprotz
wirklich brilliert. So drückt der GT die Insassenen bei einem
Sprint von 180 auf 220 km/h genauso kräftig in die Sitze, wie
bei dem von 80 auf 120 km/h. Ein Set von sehr starken und bissigen
Bremsen sorgt für ein sicheres Gefühl, so daß
derartige Exzesse zwar gesetzwidrig sein können, aber dort, wo
man es darf, diese nicht ganz verantwortungslos sind. Einfach sensationell!
Zusammen mit seiner herrlichen Lenkung und dem ausgezeichneten
Fahrgestell ist der GT nicht nur ein schnelles Auto, sondern auch
eins, mit dem der Fahrer auch schnell sein kann. Vor allem
letzteres möchten einige Autohersteller doch schnell
vergessen. Abgesehen davon, daß sich der GT des
Vorderradantriebs bedient, verdienen die technischen Designer des
Alfa Romeos ein großes Lob, weil sie einen guten Job
geleistet haben.
Fazit
Alfa Romeo macht den Namen "Sportwagen Grand Turismo" real.
Gerade wenn Alfa Romeo einen Gran Turismo einführt, sind die
Erwartungen deswegen sehr gespannt. Dies ist immer ein Segment, wo
das Risiko hoch ist, daß das Endresultat weder bequem noch
sportlich ist, oder nichts von beiden. Leider wurde die Testfahrt
durch die für Alfa Romeo typischen "Schönheitsfehler"
geplagt, aber das konnte das Vergnügen kaum drücken.
Die Zusammenfassung nach einer äußerst angenehmen
Testfahrt ist, daß es Alfa Romeo gelungen ist, einen
amüsanten und sogar abhängig machenden, modernen Gran
Turismo zu bauen. Wenn er ruhig gefahren wird, ist der GT dank des
exklusiven Designs und des luxuriösen Innenraums
gemütlich. Das Auto ist wie kein anderes geeignet auch
Langstrecken abzulegen. Wenn alle PS frei werden, ist dies zwar
keine Sensation, wie bei einem reinen Sportwagen, aber der GT ist
in seiner ganz eigenen Art sehr schnell und aufreizend.
Letztendlich ist der GT eine gelungene Kombination aus Sportwagen
und Grand Turismo.
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